Sobald die ersten warmen Sonnenstrahlen im Frühling die Natur zum Leben erwecken, beginnt für viele Gartenbesitzer, Balkonliebhaber und Zimmerpflanzen-Enthusiasten ein alljährlicher Kampf: Der Befall mit Blattläusen. Diese winzigen, oft grün, schwarz oder rötlich gefärbten Insekten scheinen über Nacht aufzutauchen und besiedeln in rasantem Tempo die zarten, frischen Triebe von Rosen, Gemüsepflanzen und Ziergewächsen. Wer sich fragt, was man effektiv gegen Blattläuse tun kann, steht oft vor einer unübersichtlichen Auswahl an Hausmitteln, Nützlingen und chemischen Präparaten. Ein unkontrollierter Befall kann nicht nur das Wachstum der Pflanzen massiv stören, sondern durch die Übertragung von Pflanzenviren zu kompletten Ernteausfällen führen. In diesem umfassenden Ratgeber beleuchten wir die Biologie der Schädlinge, erklären die effektivsten und umweltschonendsten Bekämpfungsmethoden und zeigen Ihnen, wie Sie Ihre Pflanzen langfristig schützen können, ohne das ökologische Gleichgewicht in Ihrem Garten zu gefährden.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Früherkennung ist entscheidend: Kontrollieren Sie besonders im Frühjahr regelmäßig die Blattunterseiten und frischen Triebspitzen Ihrer Pflanzen.
- Natürliche Feinde fördern: Marienkäfer, Florfliegen und Schlupfwespen sind die effektivsten und nachhaltigsten Helfer im Kampf gegen Blattläuse.
- Bewährte Hausmittel nutzen: Lösungen aus Schmierseife, Neemöl oder Brennnesselsud wirken oft genauso gut wie chemische Mittel, schonen aber die Umwelt.
- Ameisen kontrollieren: Ameisen beschützen Blattläuse vor Fressfeinden. Eine Bekämpfung der Blattläuse erfordert oft auch das Fernhalten von Ameisen.
- Vorbeugung durch Pflanzenstärkung: Ein optimaler Standort, Mischkulturen und eine ausgewogene (nicht zu stickstoffreiche) Düngung machen Pflanzen widerstandsfähig.
Biologie und Schadbild: Was sind Blattläuse?
Blattläuse (Aphidoidea) gehören zur Ordnung der Schnabelkerfe und sind weltweit mit über 3.000 Arten vertreten, von denen etwa 850 in Mitteleuropa heimisch sind[1]. Die meist nur wenige Millimeter großen Insekten besitzen stechend-saugende Mundwerkzeuge, mit denen sie die Leitungsbahnen (Phloem) der Pflanzen anstechen, um den zuckerhaltigen Pflanzensaft zu saugen. Da dieser Saft sehr kohlenhydratreich, aber arm an essenziellen Aminosäuren ist, müssen Blattläuse enorme Mengen davon aufnehmen, um ihren Eiweißbedarf zu decken. Den überschüssigen Zucker scheiden sie als klebrigen Honigtau wieder aus[2].
Die enorme Schadwirkung der Blattläuse resultiert vor allem aus ihrer rasanten Fortpflanzung. Unter günstigen Bedingungen vermehren sie sich durch Jungfernzeugung (Parthenogenese). Das bedeutet, dass die Weibchen ohne vorherige Befruchtung lebende, weibliche Klone gebären. Laut dem Julius Kühn-Institut (Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen) kann eine einzige Blattlaus innerhalb weniger Wochen eine Population von mehreren Tausend Nachkommen begründen[3]. Erst im Herbst, wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, schlüpfen geflügelte Männchen und Weibchen, die sich paaren und winterharte Eier ablegen.
Woran erkenne ich einen Blattlausbefall?
Ein Befall bleibt oft in den ersten Tagen unbemerkt, da sich die Tiere bevorzugt an den geschützten Blattunterseiten aufhalten. Achten Sie auf folgende Symptome:
- Verkrüppelte Blätter und Triebe: Durch den Speichel, den die Blattläuse beim Saugen in die Pflanze abgeben, kommt es zu Wachstumsstörungen, eingerollten Blättern und verkrüppelten Blütenknospen.
- Klebriger Belag (Honigtau): Die Blätter unterhalb des Befalls glänzen und fühlen sich extrem klebrig an.
- Schwarzer Rußtau: Auf dem zuckerhaltigen Honigtau siedeln sich schnell Schwärzepilze (Rußtaupilze) an. Diese schädigen die Pflanze zwar nicht direkt, behindern aber die Photosynthese massiv, was laut Studien der Landwirtschaftskammern zu Ertragsminderungen von bis zu 30% führen kann[4].
- Vermehrtes Ameisenaufkommen: Ameisen und Blattläuse leben in einer Symbiose (Trophobiose). Die Ameisen "melken" die Blattläuse für den süßen Honigtau und verteidigen sie im Gegenzug aggressiv gegen natürliche Feinde wie Marienkäfer[5].
Achtung: Virusübertragung durch Blattläuse
Der direkte Saugschaden ist oft das geringere Übel. Blattläuse sind die wichtigsten Vektoren (Überträger) für pflanzenpathogene Viren. Das Umweltbundesamt warnt, dass Viren wie das Scharka-Virus bei Steinobst oder das Gurkenmosaikvirus fast ausschließlich durch Blattläuse übertragen werden und infizierte Pflanzen meist gerodet werden müssen[6].
Vorbeugung: Der beste Schutz gegen Blattläuse
Die effektivste Methode, um die Frage "Was tun gegen Blattläuse?" gar nicht erst stellen zu müssen, ist eine konsequente Vorbeugung. Gesunde, vitale Pflanzen verfügen über eigene Abwehrmechanismen und sind für Schädlinge weitaus weniger attraktiv als geschwächte Exemplare.
Die richtige Düngung: Weniger ist oft mehr
Ein häufiger Fehler im Gartenbau ist die Überdüngung mit Stickstoff. Stickstoff fördert zwar ein schnelles, mastiges Wachstum, führt aber dazu, dass das Pflanzengewebe weich und schwammig wird. Die Zellwände sind dünner, was es den Blattläusen extrem leicht macht, mit ihren Saugrüsseln in die Leitungsbahnen einzudringen. Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) empfiehlt daher eine ausgewogene, organische Düngung, die reich an Kalium ist, da Kalium die Zellwände stärkt und die Widerstandskraft der Pflanze erhöht[7].
Mischkulturen und abwehrende Pflanzen
Monokulturen sind ein Paradies für Schädlinge. Durch das Prinzip der Mischkultur können Sie Blattläuse auf natürliche Weise fernhalten. Bestimmte Pflanzen verströmen ätherische Öle, deren Geruch Blattläuse abschreckt. Zu den bewährten "Beschützer-Pflanzen" gehören:
- Lavendel: Ideal als Unterpflanzung für Rosen.
- Bohnenkraut: Schützt benachbarte Bohnenpflanzen vor der Schwarzen Bohnenlaus.
- Knoblauch und Zwiebeln: Die enthaltenen Schwefelverbindungen wirken stark abstoßend auf viele saugende Insekten[8].
- Kapuzinerkresse: Wirkt als sogenannte "Fangpflanze". Sie zieht Blattläuse magisch an und hält sie so von den eigentlichen Kulturpflanzen (wie Tomaten oder Obstbäumen) fern.
Natürliche Feinde: Die Armee der Nützlinge
In einem ökologisch intakten Garten reguliert sich ein Blattlausbefall oft von selbst, sobald die natürlichen Fressfeinde auf den Plan treten. Der Einsatz von Insektiziden (auch biologischen) sollte immer gut abgewogen werden, da diese oft auch die Nützlinge schädigen.
Marienkäfer (Coccinellidae)
Der Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata) und der Zweipunkt-Marienkäfer (Adalia bipunctata) sind die bekanntesten Blattlausjäger. Sowohl die erwachsenen Käfer als auch ihre Larven sind extrem gefräßig. Eine einzige Marienkäferlarve vertilgt während ihrer mehrwöchigen Entwicklungszeit bis zu 800 Blattläuse, ein erwachsener Käfer schafft täglich zwischen 50 und 100 Stück[9]. Sie können Marienkäfer anlocken, indem Sie Laubhaufen im Winter liegen lassen, da diese als Überwinterungsquartier dienen.
Florfliegen (Chrysopidae)
Die zarten, grünlichen Florfliegen mit ihren großen Netzflügeln sind nachtaktiv. Ihre Larven werden in der Landwirtschaft treffend als "Blattlauslöwen" bezeichnet. Mit ihren zangenartigen Kiefern ergreifen sie die Blattläuse, injizieren ein lähmendes Sekret und saugen sie anschließend aus. Für den Einsatz im Gewächshaus können Florfliegenlarven mittlerweile gezielt über den Fachhandel bezogen werden, was laut dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) eine der effektivsten biologischen Bekämpfungsmethoden im Unterglasbau darstellt[10].
Schlupfwespen und Schwebfliegen
Schlupfwespen (z.B. Aphidius colemani) parasitieren Blattläuse. Die winzige Wespe sticht die Blattlaus an und legt ein Ei in ihr ab. Die schlüpfende Larve frisst die Blattlaus von innen auf. Zurück bleibt eine kugelige, braun-goldene Hülle, die sogenannte "Blattlausmumie". Schwebfliegen hingegen ähneln optisch kleinen Wespen, können aber nicht stechen. Ihre blinden, madenartigen Larven kriechen auf den Blättern umher und vertilgen hunderte von Blattläusen.
Tipp: Nützlinge gezielt fördern
Um Nützlinge in Ihrem Garten anzusiedeln, benötigen diese Nektar- und Pollenquellen für ihre eigene Ernährung (besonders Schwebfliegen und erwachsene Florfliegen). Pflanzen Sie Doldenblütler wie Dill, Fenchel, Wilde Möhre oder Schafgarbe. Auch das Aufstellen von Insektenhotels mit speziellen Florfliegenkästen (rot gestrichen und mit Stroh gefüllt) hilft enorm.
Was tun gegen Blattläuse? Die besten Hausmittel
Wenn der Befall überhandnimmt und die Nützlinge nicht schnell genug nachkommen, sind Hausmittel die erste Wahl. Sie sind kostengünstig, meist ungiftig für Menschen und Haustiere und schonen bei richtiger Anwendung die Umwelt.
1. Die Schmierseifen-Lösung (Kaliseife)
Eines der ältesten und wirksamsten Mittel gegen Blattläuse ist eine Lösung aus reiner Schmierseife (auch Kaliseife oder grüne Seife genannt). Die Seife setzt die Oberflächenspannung des Wassers herab und dringt in die Tracheen (Atemöffnungen) der Insekten ein. Zudem löst sie die schützende Wachsschicht auf dem Panzer der Blattläuse, was zu deren Austrocknung führt[11].
Rezept und Anwendung:
- Lösen Sie 50 Gramm reine, unparfümierte Schmierseife (ohne synthetische Zusätze) in 1 Liter warmem Wasser auf.
- Optional: Fügen Sie 2 Teelöffel Spiritus oder hochprozentigen Alkohol hinzu, um die lösende Wirkung auf den Chitinpanzer zu verstärken.
- Lassen Sie die Mischung abkühlen und füllen Sie sie in eine Sprühflasche.
- Sprühen Sie die befallenen Pflanzen tropfnass ein – vergessen Sie dabei nicht die Blattunterseiten!
- Wiederholen Sie den Vorgang nach 3 bis 4 Tagen.
2. Neemöl: Die Kraft des Niembaums
Neemöl wird aus den Samen des indischen Niembaums gewonnen und enthält den hochwirksamen Inhaltsstoff Azadirachtin. Dieser Stoff wirkt nicht als Kontaktgift, sondern wird von der Pflanze aufgenommen (teilsystemische Wirkung) und von den Blattläusen beim Saugen gefressen. Azadirachtin greift in den Hormonhaushalt der Insekten ein, stoppt den Fraßtrieb und verhindert die Häutung und Fortpflanzung. Wissenschaftliche Studien belegen, dass Neemöl-Präparate Populationen von Blattläusen innerhalb von 5 bis 7 Tagen um bis zu 90% reduzieren können, während Bienen und andere Nützlinge weitgehend geschont werden[12].
Anwendung: Mischen Sie einige Tropfen reines Neemöl mit einem Emulgator (z.B. etwas Milch oder Rimulgan) und Wasser gemäß den Herstellerangaben (meist 1 Teelöffel auf 1 Liter Wasser). Sprühen Sie die Pflanzen in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden ein, da Neemöl unter direkter Sonneneinstrahlung schnell abgebaut wird und es zu Verbrennungen auf den Blättern kommen kann.
3. Brennnesselsud und Brennnesseljauche
Die Brennnessel ist ein wahres Wundermittel im Biogarten. Man unterscheidet zwischen dem schnell hergestellten Sud (zur direkten Bekämpfung) und der vergorenen Jauche (zur Stärkung und Düngung).
Brennnesselsud (Kaltwasserauszug): Weichen Sie etwa 500 Gramm frische Brennnesseln (vor der Blüte) in 5 Litern kaltem Wasser ein. Lassen Sie das Ganze für 12 bis 24 Stunden ziehen (nicht länger, sonst beginnt die Gärung!). Die in den Brennhaaren enthaltene Ameisensäure und Histamine gehen in das Wasser über. Gießen Sie den Sud durch ein Sieb und sprühen Sie ihn unverdünnt auf die Blattläuse. Die Säure wirkt toxisch auf die weichhäutigen Schädlinge[13].
Brennnesseljauche: Lassen Sie die Mischung 2 bis 3 Wochen gären (täglich umrühren). Die Jauche stinkt stark, ist aber extrem reich an Kieselsäure und Stickstoff. Im Verhältnis 1:10 mit Wasser verdünnt in den Wurzelbereich gegossen, stärkt die Kieselsäure die Zellwände der Pflanze und macht sie mechanisch widerstandsfähiger gegen die Saugrüssel der Blattläuse.
4. Schwarzer Tee und Oregano-Tee
Die im schwarzen Tee enthaltenen Gerbstoffe (Tannine) wirken toxisch auf Blattläuse und verändern zudem die Oberflächenstruktur der Blätter, was den Läusen den Halt erschwert. Kochen Sie zwei Beutel schwarzen Tee mit einem Liter kochendem Wasser auf, lassen Sie ihn 15 Minuten ziehen und nach dem Abkühlen unverdünnt auf die Pflanzen sprühen. Ähnlich gut wirkt ein starker Aufguss aus frischem oder getrocknetem Oregano, dessen ätherische Öle eine stark repellierende (abschreckende) Wirkung haben.
Mechanische Maßnahmen: Schnell und giftfrei
Bevor Sie zu Spritzmitteln greifen, sollten Sie mechanische Methoden ausprobieren. Diese sind besonders bei einem leichten Anfangsbefall oder an robusten Pflanzen sehr effektiv.
- Der harte Wasserstrahl: Robuste Gehölze, Rosen und Obstbäume können Sie einfach mit einem harten Wasserstrahl aus dem Gartenschlauch abspritzen. Die Blattläuse fallen zu Boden und sind meist nicht in der Lage, die Pflanze erneut zu erklimmen, da sie am Boden schnell Opfer von Laufkäfern oder Spinnen werden.
- Abstreifen: Bei Zimmerpflanzen oder empfindlichen Trieben können Sie die Läuse einfach mit den Fingern (ggf. mit einem feuchten Tuch oder Handschuhen) abstreifen und zerdrücken.
- Rückschnitt: Wenn nur die äußersten Triebspitzen extrem stark befallen und bereits verkrüppelt sind, ist der Griff zur Gartenschere oft die sauberste Lösung. Schneiden Sie die befallenen Spitzen ab und entsorgen Sie diese (nicht auf den Kompost, sondern in den Hausmüll oder die Biotonne).
Chemische Pflanzenschutzmittel: Der letzte Ausweg
Wenn Hausmittel und Nützlinge versagen und die Pflanze akut vom Absterben bedroht ist, greifen viele Gärtner zu chemischen Pflanzenschutzmitteln (Insektiziden). Hierbei ist jedoch höchste Vorsicht geboten.
Man unterscheidet zwischen Kontaktinsektiziden (wirken nur, wenn die Laus direkt getroffen wird) und systemischen Insektiziden (werden von der Pflanze aufgenommen und verteilen sich im Saftstrom). Systemische Mittel (oft als Stäbchen für die Blumenerde angeboten) sind sehr bequem, bergen aber große ökologische Risiken. Das Umweltbundesamt warnt eindringlich vor dem Einsatz von Insektiziden aus der Gruppe der Neonicotinoide im Freiland, da diese Wirkstoffe extrem bienengefährlich sind und maßgeblich zum Insektensterben beitragen[14]. Viele dieser Stoffe sind mittlerweile in der EU für den Freilandeinsatz verboten, finden sich aber teilweise noch in Altbeständen oder speziellen Präparaten für Zimmerpflanzen.
Warnung: Resistenzbildung und Nützlingssterben
Der häufige Einsatz chemischer Breitbandinsektizide tötet nicht nur die Blattläuse, sondern auch deren natürliche Feinde. Da sich Blattläuse viel schneller vermehren als Marienkäfer oder Florfliegen, kommt es nach dem Spritzen oft zu einer explosionsartigen Massenvermehrung der überlebenden Läuse. Zudem entwickeln Blattläuse durch ihre schnelle Generationsfolge sehr rasch Resistenzen gegen chemische Wirkstoffe[15]. Bevorzugen Sie daher immer biologische Präparate auf Basis von Rapsöl, Kaliseife oder Neem.
Spezifische Tipps für verschiedene Pflanzenarten
Blattläuse an Rosen
Rosen sind die absoluten Leibspeisen der Großen Rosenblattlaus (Macrosiphum rosae). Sorgen Sie für einen luftigen, sonnigen Standort, damit die Blätter nach Regen schnell abtrocknen. Pflanzen Sie Lavendel oder Tagetes als Begleitpflanzen. Bei Befall hilft das konsequente Abspritzen mit Wasser oder der Einsatz von Schmierseifenlösung. Vermeiden Sie stickstoffbetonte Rosendünger im Frühjahr.
Blattläuse an Tomaten und Gemüsepflanzen
Bei Pflanzen, die dem Verzehr dienen, verbieten sich chemische Insektizide von selbst. Hier sind Brennnesselsud und das Ausbringen von Nützlingen (besonders im Gewächshaus) die Mittel der Wahl. Achten Sie bei Tomaten darauf, dass die Blätter beim Sprühen mit Hausmitteln schnell wieder abtrocknen können, um Pilzinfektionen (wie Kraut- und Braunfäule) zu vermeiden.
Blattläuse an Zimmerpflanzen (z.B. Orchideen, Hibiskus)
Im Haus fehlen die natürlichen Feinde komplett. Zudem schwächt trockene Heizungsluft im Winter die Pflanzen und begünstigt Schädlinge. Erhöhen Sie die Luftfeuchtigkeit durch regelmäßiges Besprühen mit kalkfreiem Wasser. Bei starkem Befall können Sie die Pflanze (sofern der Topf nicht zu schwer ist) kopfüber in der Dusche abbrausen. Decken Sie dabei den Wurzelballen mit einer Plastiktüte ab, damit die Erde nicht weggespült wird.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Sind Blattläuse gefährlich für Menschen oder Haustiere?
Nein. Blattläuse interessieren sich ausschließlich für Pflanzensäfte. Sie können weder Menschen noch Hunde oder Katzen stechen oder beißen. Auch der Verzehr von versehentlich mitgegessenen Blattläusen (z.B. im Salat) ist gesundheitlich völlig unbedenklich, wenn auch unappetitlich.
Dürfen mit Blattläusen befallene Pflanzenteile auf den Kompost?
Besser nicht. Zwar sterben die erwachsenen Läuse auf dem Kompost ab, wenn die Pflanzenteile vertrocknen, jedoch können die im Herbst abgelegten, extrem widerstandsfähigen Wintereier überleben. Um eine Ausbreitung im nächsten Jahr zu verhindern, sollten stark befallene, abgeschnittene Triebe über den Restmüll oder die professionelle Grüngutentsorgung (die mit hohen Temperaturen kompostiert) entsorgt werden.
Warum muss ich bei Blattläusen auch die Ameisen bekämpfen?
Ameisen und Blattläuse bilden eine Symbiose. Die Ameisen lieben den süßen Honigtau der Läuse. Um sich diese Nahrungsquelle zu sichern, verteidigen die Ameisen die Blattlauskolonien aggressiv gegen Marienkäfer und Florfliegen. Manchmal tragen Ameisen die Blattläuse sogar auf neue, noch unbefallene Pflanzen. Wenn Sie die Ameisen nicht abwehren (z.B. durch Leimringe an Obstbäumen), haben die natürlichen Feinde der Blattlaus keine Chance.
Hilft Kaffeesatz gegen Blattläuse?
Kaffeesatz ist ein hervorragender, stickstoffreicher Dünger, der den Boden leicht ansäuert. Als direktes Bekämpfungsmittel gegen Blattläuse taugt er jedoch nur bedingt. Ein kalter Kaffee-Aufguss (verdünnt mit Wasser) kann auf die Blätter gesprüht werden; das enthaltene Koffein wirkt als leichtes Nervengift auf Insekten. Die Wirkung ist jedoch schwächer als bei Schmierseife oder Neemöl.
Wie oft muss ich Hausmittel anwenden?
Hausmittel wie Schmierseife oder Brennnesselsud wirken meist nur als Kontaktgift und haben keine Langzeitwirkung. Da täglich neue Blattläuse schlüpfen können, müssen Sie die Behandlung in der Regel alle 3 bis 5 Tage wiederholen, bis kein Befall mehr sichtbar ist. Geduld und Konsequenz sind hier der Schlüssel zum Erfolg.
Was passiert mit Blattläusen im Winter?
Die meisten Blattlausarten in unseren Breitengraden sind holozyklisch, das heißt, sie legen im Herbst befruchtete, frostresistente Eier an die Rinde von Gehölzen (den sogenannten Winterwirten). Aus diesen Eiern schlüpfen im Frühjahr die sogenannten Stammütter, die dann den neuen Zyklus der Jungfernzeugung beginnen. In warmen Wintern oder im Gewächshaus können Blattläuse auch als erwachsene Tiere überwintern.
Fazit
Die Frage "Was tun gegen Blattläuse?" lässt sich nicht mit einer einzigen Wundermethode beantworten. Vielmehr ist es ein Zusammenspiel aus guter Pflanzenpflege, aufmerksamer Beobachtung und dem gezielten Einsatz sanfter Bekämpfungsmethoden. Wer sofort zur chemischen Keule greift, bekämpft zwar kurzfristig das Symptom, zerstört aber langfristig das ökologische Gleichgewicht in seinem Garten. Setzen Sie stattdessen auf Vorbeugung durch die richtige Standortwahl und Düngung. Fördern Sie Nützlinge wie Marienkäfer und Florfliegen, indem Sie ihnen Lebensräume bieten. Und wenn die Läuse doch einmal überhandnehmen, greifen Sie zu bewährten, umweltschonenden Hausmitteln wie Schmierseife, Neemöl oder Brennnesselsud. Mit etwas Geduld und Konsequenz bekommen Sie jeden Blattlausbefall in den Griff – ganz natürlich und nachhaltig.
Quellen und Referenzen
- Julius Kühn-Institut (JKI), Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen: Artenvielfalt und Biologie der Aphidoidea in Mitteleuropa, 2019.
- Journal of Applied Entomology: Phloem sap feeding and honeydew production in aphids, Vol. 142, 2018.
- Julius Kühn-Institut (JKI): Populationsdynamik und Parthenogenese bei landwirtschaftlich relevanten Schädlingen, 2021.
- Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen: Ertragsminderungen durch Rußtaupilze im Gemüse- und Zierpflanzenbau, 2020.
- Ecological Entomology: Trophobiosis between ants and aphids: costs and benefits, 2017.
- Umweltbundesamt (UBA): Pflanzengesundheit und Vektoren: Die Rolle von Blattläusen bei der Virusübertragung, 2022.
- Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL): Pflanzenernährung und Schädlingsresistenz im ökologischen Landbau, 2018.
- FiBL Merkblatt: Mischkulturen und Repellent-Pflanzen zur Schädlingsabwehr, 2020.
- Bio-Control Journal: Predation rates of Coccinella septempunctata and Adalia bipunctata on aphid populations, 2019.
- Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL): Einsatz von Makroorganismen im biologischen Pflanzenschutz unter Glas, 2021.
- Pflanzenschutzamt Berlin: Einsatz von Kaliseifen zur Bekämpfung weichhäutiger Insekten, 2018.
- Journal of Pest Science: Efficacy of Azadirachtin (Neem) against aphid populations and its impact on non-target organisms, 2020.
- Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL): Pflanzenstärkungsmittel und Grundstoffe: Brennnessel (Urtica spp.), 2019.
- Umweltbundesamt (UBA): Risikobewertung von Neonicotinoiden für Bestäuberinsekten im Freiland, 2018.
- Pesticide Biochemistry and Physiology: Rapid evolution of insecticide resistance in parthenogenetic aphid populations, 2021.
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