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Schaben-Arten in Deutschland: Alle Arten im Überblick
juin 9, 2026 Patricia Titz

Schaben-Arten in Deutschland: Alle Arten im Überblick

Ein plötzliches Huschen auf dem Küchenboden oder ein fliegendes Insekt am abendlichen Wohnzimmerfenster – die Begegnung mit einer Schabe löst bei den meisten Menschen in Deutschland instinktiv Ekel und Alarmbereitschaft aus. Doch der erste Impuls, sofort den Kammerjäger zu rufen, ist oft unbegründet. Die Ordnung der Schaben (Blattodea), die weltweit rund 7.600 rezente Arten umfasst [1], ist weitaus vielfältiger als ihr schlechter Ruf vermuten lässt. In Deutschland müssen wir grundlegend zwischen zwei Gruppen unterscheiden: den eingeschleppten, krankheitsübertragenden Hygieneschädlingen, die auf unsere beheizten Gebäude angewiesen sind, und den völlig harmlosen, heimischen Waldschaben, die sich lediglich in unsere Wohnungen verirren und dort gar nicht überleben können. Dieser umfassende Leitfaden bietet Ihnen einen detaillierten Überblick über alle relevanten Schaben-Arten in Deutschland und zeigt Ihnen, wie Sie Schädlinge zweifelsfrei von Nützlingen unterscheiden.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Nicht jede Schabe ist ein Schädling: In Deutschland leben harmlose Waldschaben (z. B. Bernstein-Waldschabe), die sich von Laub ernähren und in Wohnungen von selbst absterben.
  • Das wichtigste Erkennungsmerkmal: Die gefährliche Deutsche Schabe hat zwei dunkle Längsstreifen auf dem Nackenschild. Fehlen diese, handelt es sich meist um eine harmlose Waldschabe.
  • Aktivitätszeit: Schädlinge sind extrem lichtscheu und nachtaktiv. Waldschaben sind tagaktiv und fliegen oft abends zum Licht ans Fenster.
  • Temperaturabhängigkeit: Tropische Schädlingsarten überleben den deutschen Winter im Freien nicht; sie sind zwingend auf beheizte Innenräume angewiesen.

Schädlinge vs. Nützlinge: Die ökologische Zweiteilung in Deutschland

Um die Schaben-Arten in Deutschland zu verstehen, muss man ihre Herkunft und Biologie betrachten. Die Ordnung Blattodea hat ihren Verbreitungsschwerpunkt in den Tropen und Subtropen [1]. Die Arten, die wir in Deutschland als Schädlinge fürchten, sind sogenannte synanthrope Arten (Kulturfolger). Sie stammen ursprünglich aus wärmeren Gefilden wie Afrika oder Südostasien und wurden durch den globalen Handel eingeschleppt. Da sie bei Temperaturen unter 4 °C in eine Kältestarre verfallen und Minusgrade nicht überleben, sind sie in unseren Breitengraden zwingend auf beheizte, menschliche Strukturen (Wohnungen, Großküchen, Kanalisationen) angewiesen [2].

Auf der anderen Seite stehen die Vertreter der Familie Ectobiidae (Waldschaben). Diese Arten sind an das gemäßigte Klima angepasst. Sie durchlaufen einen oft mehrjährigen Entwicklungszyklus und überwintern im Freiland, meist geschützt als Eipaket (Oothek) im Laub oder als Nymphe in Grasbulten [3, 4]. Sie ernähren sich von zersetzendem organischen Material und sind als Destruenten ein wichtiger Bestandteil unseres Ökosystems. In Gebäuden finden sie weder die nötige Nahrung noch die erforderliche Luftfeuchtigkeit und verenden dort meist innerhalb weniger Tage [5].

Bevorzugte Verstecke von Schaben nach Temperatur und Feuchtigkeit.
Bevorzugte Verstecke von Schaben nach Temperatur und Feuchtigkeit.

Die gefährlichen Hygieneschädlinge (Synanthrope Arten)

Wenn von einem "Schabenbefall" die Rede ist, handelt es sich in Deutschland fast immer um eine der folgenden vier Arten. Diese Insekten gelten als Material-, Hygiene- und Gesundheitsschädlinge, da sie als mechanische Vektoren Krankheitserreger wie Salmonellen oder Schimmelpilze übertragen und ihre Ausscheidungen Asthma auslösen können [1, 6].

1. Die Deutsche Schabe (Blattella germanica)

Trotz ihres Namens stammt die Deutsche Schabe ursprünglich aus Südostasien [2]. Sie ist der mit Abstand häufigste Schädling in deutschen Haushalten und Gastronomiebetrieben. Mit einer Körperlänge von 10 bis 16 Millimetern ist sie relativ klein. Ihre Grundfärbung ist hell- bis gelbbraun.

Das absolute Hauptmerkmal: Auf dem Halsschild (Pronotum) direkt hinter dem Kopf befinden sich zwei parallele, dunkle Längsstreifen [2]. Obwohl adulte Tiere voll entwickelte Flügel besitzen, sind sie flugunfähig und bewegen sich extrem schnell laufend fort. Sie bevorzugen warme (25–30 °C) und feuchte Orte wie Küchen, Bäder oder Bäckereien [6]. Die Weibchen tragen ihr Eipaket (Oothek) mit bis zu 40 Eiern bis kurz vor dem Schlupf am Körper, was eine Bekämpfung besonders schwierig macht, da die Eier so vor Insektiziden geschützt sind [2].

2. Die Orientalische Schabe (Blatta orientalis)

Die Orientalische Schabe, oft auch "Küchenschabe" oder "Wasserkäfer" genannt, ist deutlich größer (21 bis 30 mm) und massiger als die Deutsche Schabe. Sie ist einfarbig dunkelbraun bis fast schwarz gefärbt und glänzt oft fettig [7]. Ein deutlicher Geschlechtsdimorphismus ist erkennbar: Männchen haben Flügel, die etwa zwei Drittel des Hinterleibs bedecken, während Weibchen nur rudimentäre Stummelflügel besitzen. Beide können nicht fliegen [7].

Diese Art liebt es kühler und deutlich feuchter als die Deutsche Schabe. Ihr Optimum liegt zwischen 20 und 29 °C. Daher findet man sie in urbanen Gebieten vorwiegend in Kellern, Kanalisationen, Abflüssen und feuchten Mauerwerken [7]. Sie toleriert Kälte besser als andere Schädlinge und kann in geschützten Außenbereichen an Gebäudefundamenten überwintern [8].

3. Die Braunbandschabe (Supella longipalpa)

Die Braunbandschabe (auch Möbelschabe genannt) stammt aus Afrika und ist etwa so groß wie die Deutsche Schabe (10 bis 14 mm). Sie unterscheidet sich jedoch durch zwei helle Querstreifen, die über die Flügelbasis und den Hinterleib verlaufen [9]. Im Gegensatz zur Deutschen Schabe fehlen ihr die dunklen Längsstreifen auf dem Halsschild.

Ihre ökologische Nische in unseren Wohnungen ist einzigartig: Sie hasst Feuchtigkeit und liebt es extrem warm und trocken. Daher findet man sie selten in der Küche unter der Spüle, sondern eher in höheren Raumbereichen, hinter Bilderrahmen, in Möbeln oder direkt in wärmeproduzierenden Elektrogeräten (Fernseher, Computer, Motoren von Kühlschränken) [9, 10]. Männchen dieser Art können bei Störung auffliegen.

4. Amerikanische und Australische Schabe

Diese beiden Arten sind die Giganten unter den peridomestischen Schaben. Die Amerikanische Schabe (Periplaneta americana) wird bis zu 5,3 cm groß, ist rotbraun und hat ein blassgelbes Band am Rand des Halsschildes [11]. Die Australische Schabe (Periplaneta australasiae) ist mit bis zu 3,5 cm etwas kleiner und zeichnet sich durch gelbe Ränder am Halsschild sowie gelbe Streifen an der Flügelbasis aus [12].

Beide Arten stammen ursprünglich aus Afrika und benötigen sehr hohe Temperaturen (27–33 °C) und hohe Luftfeuchtigkeit. In Deutschland können sie im Freiland nicht überleben. Man findet sie hierzulande fast ausschließlich in permanent beheizten Großstrukturen wie Gewächshäusern, botanischen Gärten, Zoos oder weitläufigen unterirdischen Dampftunnelsystemen [11, 13].

Vergleich von Deutscher Schabe und Bernstein-Waldschabe.
Vergleich von Deutscher Schabe und Bernstein-Waldschabe.

Die harmlosen Doppelgänger: Heimische Waldschaben

Besonders in den Sommermonaten häufen sich die Panikanrufe bei Schädlingsbekämpfern. Der Grund sind meist keine Hygieneschädlinge, sondern Waldschaben, die sich verflogen haben. Diese Arten sind tagaktiv, fliegen gut und werden abends oft von beleuchteten Fenstern angelockt [14].

Die Bernstein-Waldschabe (Ectobius vittiventris)

Sie ist der Hauptgrund für Verwechslungen. Ursprünglich im mediterranen Südeuropa beheimatet, breitet sich die Bernstein-Waldschabe seit Anfang der 2000er Jahre klimabedingt massiv in Deutschland aus [14]. Sie sieht der Deutschen Schabe auf den ersten Blick extrem ähnlich: Sie ist ockerfarben bis hellbraun und etwa 9 bis 14 mm groß.

Wichtiger Unterscheidungs-Tipp:

Schauen Sie auf den Nackenschild (Pronotum)! Der Halsschild der Bernstein-Waldschabe ist einheitlich bernsteinfarben und hat durchscheinende Ränder. Es fehlen die zwei dunklen Längsstreifen, die die Deutsche Schabe zieren. Zudem ist die Bernstein-Waldschabe voll flugfähig und tagaktiv [14].

Die Dunkle Waldschabe (Ectobius sylvestris)

Diese heimische Art bewohnt lichte Misch- und Laubwälder. Sie wird 9 bis 14 mm groß und hat eine dunkelbraune Grundfärbung. Auch ihr Nackenschild ist einheitlich braun mit transparenten Rändern [5]. Sie ernährt sich am Waldboden von zersetzenden Pflanzenteilen. Wenn sie sich in Wohnungen verirrt, stirbt sie mangels geeigneter Nahrung (Detritus) und aufgrund der zu trockenen Raumluft innerhalb weniger Tage ab [5].

Die Lappland-Waldschabe (Ectobius lapponicus)

Auch Gemeine Waldschabe genannt, ist diese Art in ganz Europa bis zum Ural verbreitet. Sie zeigt einen starken Geschlechtsdimorphismus: Die Männchen (9-12 mm) sind voll geflügelt und flugfähig, während die Weibchen (bis 10 mm) verkürzte Flügel haben [4]. Ein interessantes Detail ihres Lebenszyklus ist, dass sie zwei Jahre für ihre Entwicklung benötigen (semivoltin). Im ersten Winter ruhen die Eier in der Oothek, im zweiten Winter überdauern die Nymphen geschützt im Inneren von Grasbulten [4].

Der hemimetabole Lebenszyklus einer Schabe im Überblick.
Der hemimetabole Lebenszyklus einer Schabe im Überblick.

Biologie und Fortpflanzung: Warum Schädlinge so hartnäckig sind

Alle Schaben durchlaufen eine hemimetabole Entwicklung. Das bedeutet, es gibt kein Puppenstadium (wie bei Schmetterlingen oder Käfern). Aus dem Ei schlüpft eine Nymphe, die dem erwachsenen Tier bereits stark ähnelt, nur kleiner und flügellos ist. Über mehrere Häutungen (meist 5 bis 13) wächst das Insekt heran [1].

Ein evolutionärer Vorteil der Schaben ist die Oothek. Die Weibchen legen ihre Eier nicht einzeln ab, sondern verpacken sie in eine widerstandsfähige Kapsel aus gehärteten Proteinen. Diese Oothek schützt die Embryonen vor Austrocknung, Fressfeinden und sogar vor vielen chemischen Insektiziden [1, 2]. Während Waldschaben ihre Ootheken im Herbst im Laub ablegen, wo sie überwintern, tragen Arten wie die Deutsche Schabe die Kapsel bis kurz vor dem Schlüpfen der Nymphen mit sich herum. In beheizten Innenräumen entfällt für die Schädlinge zudem die saisonale Pause: Sie können sich ganzjährig vermehren und so innerhalb weniger Monate gewaltige Populationen aufbauen [2, 6].

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Woran erkenne ich, ob es eine Schabe oder ein Käfer ist?

Schaben haben einen flachen, ovalen Körper, einen Kopf, der oft unter einem Nackenschild verborgen ist, und sehr lange, fadenförmige Fühler, die oft länger als der Körper sind. Käfer haben meist harte, in der Mitte zusammenstoßende Deckflügel und deutlich kürzere, oft gegliederte Fühler.

Sind Schaben in Deutschland meldepflichtig?

Es gibt in Deutschland keine generelle bundesweite Meldepflicht für Schaben in Privathaushalten. In Lebensmittelbetrieben, Gastronomie und Gemeinschaftseinrichtungen (Krankenhäuser, Pflegeheime) greifen jedoch strenge Hygienevorschriften (HACCP, Infektionsschutzgesetz), die eine sofortige Bekämpfung und Dokumentation vorschreiben.

Können Schädlinge wie die Deutsche Schabe im Winter draußen überleben?

Nein. Die synanthropen Schädlingsarten stammen aus den Tropen oder Subtropen. Unter 4 °C fallen sie in Kältestarre, bei Minusgraden sterben sie ab. Sie können in Deutschland nur in beheizten Gebäuden oder warmen Kanalisationen überwintern.

Was soll ich tun, wenn ich eine Waldschabe in der Wohnung finde?

Bewahren Sie Ruhe. Waldschaben sind völlig harmlos, übertragen keine Krankheiten und gehen nicht an Vorräte. Fangen Sie das Tier einfach mit einem Glas und einem Stück Papier ein und setzen Sie es nach draußen. Insektizide sind absolut unnötig.

Warum fliegen Schaben abends ans Fenster?

Dies ist ein typisches Verhalten von Waldschaben (z.B. der Bernstein-Waldschabe). Sie sind gute Flieger und werden in warmen Sommernächten von künstlichen Lichtquellen in Wohnungen angelockt. Echte Schädlinge wie die Deutsche Schabe meiden Licht strikt und fliegen nicht.

Fazit: Identifikation ist der Schlüssel

Die Schaben-Fauna in Deutschland ist zweigeteilt. Bevor Sie bei der Sichtung eines sechsbeinigen Untermieters in Panik geraten oder gar zur chemischen Keule greifen, ist eine genaue Identifikation unerlässlich. Achten Sie auf die Tageszeit, das Verhalten (Flugfähigkeit) und vor allem auf die Zeichnung des Nackenschildes. Handelt es sich um eine Bernstein-Waldschabe oder eine andere heimische Ectobius-Art, reicht ein Fliegengitter am Fenster als Prävention völlig aus. Entdecken Sie jedoch die markanten dunklen Streifen der Deutschen Schabe oder finden Sie dunkelbraune Orientalische Schaben in feuchten Kellerräumen, ist schnelles Handeln gefragt. In diesen Fällen sollte umgehend ein professioneller Schädlingsbekämpfer hinzugezogen werden, um eine rasante Ausbreitung und Gesundheitsrisiken zu vermeiden.

Quellenverzeichnis

  1. Artenprofil — Schaben (Blattodea) — SEO-Fachtext.
  2. Artenprofil — Deutsche Schabe (Blattella germanica) — SEO-Fachtext.
  3. Artenprofil — Lapplandschabe (Ectobius lapponicus) — SEO-Fachtext.
  4. Artenprofil — Lapplandschabe (Ectobius lapponicus) — SEO-Fachtext.
  5. Artenprofil — Waldschabe / Dunkle Waldschabe (Ectobius sylvestris) — SEO-Fachtext.
  6. Artenprofil — Deutsche Schabe (Blattella germanica) — SEO-Fachtext.
  7. Artenprofil — Orientalische Schabe (Blatta orientalis) — SEO-Fachtext.
  8. Artenprofil — Orientalische Schabe (Blatta orientalis) — SEO-Fachtext.
  9. Artenprofil — Braunbandschabe (Supella longipalpa) — SEO-Fachtext.
  10. Artenprofil — Braunbandschabe (Supella longipalpa) — SEO-Fachtext.
  11. Artenprofil — Amerikanische Schabe (Periplaneta americana) — SEO-Fachtext.
  12. Artenprofil — Australische Schabe (Periplaneta australasiae) — SEO-Fachtext.
  13. Artenprofil — Australische Schabe (Periplaneta australasiae) — SEO-Fachtext.
  14. Artenprofil — Bernstein-Waldschabe (Ectobius vittiventris) — SEO-Fachtext.

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