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Was mögen Schaben nicht? Gerüche und Mittel zur Abwehr
juin 10, 2026 Patricia Titz

Was mögen Schaben nicht? Gerüche und Mittel zur Abwehr

Das plötzliche Huschen eines dunklen Schattens über den Küchenboden, sobald das Licht angeht, ist für viele Menschen der Inbegriff des häuslichen Albtraums. Schaben (umgangssprachlich oft Kakerlaken genannt) sind Überlebenskünstler, die seit über 300 Millionen Jahren auf unserem Planeten existieren. Ihre enorme Anpassungsfähigkeit macht sie zu hartnäckigen Mitbewohnern. Doch so widerstandsfähig diese Insekten auch sein mögen, sie haben spezifische Schwachstellen. Wer versteht, was Schaben nicht mögen, kann dieses Wissen gezielt nutzen, um sein Zuhause für die ungebetenen Gäste extrem unattraktiv zu machen. Es geht dabei nicht nur um Hausmittel und Gerüche, sondern vor allem um die Manipulation von Mikroklima, Nahrungsquellen und physikalischen Barrieren.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Licht und offene Flächen: Schaben sind nachtaktiv und thigmotaktisch (sie suchen engen Körperkontakt zu Oberflächen). Offene, helle Räume meiden sie strikt.
  • Kälte und extreme Hitze: Die meisten Schadschaben stammen aus den Tropen. Temperaturen unter 4 °C stoppen ihre Aktivität, Hitze über 45 °C ist tödlich.
  • Trockenheit: Feuchtigkeitsentzug (unter 50 % Luftfeuchtigkeit) ist der größte Feind fast aller Schabenarten.
  • Bestimmte Gerüche: Ätherische Öle (Pfefferminze, Lavendel, Eukalyptus) und Essig wirken als natürliche Repellents und stören die Pheromonspuren der Insekten.
  • Physikalische Barrieren: Kieselgur (Diatomeenerde) zerstört den Chitinpanzer der Schaben und führt zur Austrocknung.
  • Köderaversion: Einige Populationen haben eine genetische Abneigung gegen Glukose (Zucker) entwickelt, weshalb herkömmliche Fraßköder gemieden werden.
Klimatoleranz von Schaben: Temperatur und Luftfeuchtigkeit
Klimatoleranz von Schaben: Temperatur und Luftfeuchtigkeit

Mikroklima und Umgebung: Welche Bedingungen Schaben meiden

Um zu verstehen, was Schaben abschreckt, muss man ihre biologischen Grundbedürfnisse betrachten. Die in unseren Breitengraden als Schädlinge auftretenden Arten – wie die Deutsche Schabe (Blattella germanica), die Orientalische Schabe (Blatta orientalis) oder die Amerikanische Schabe (Periplaneta americana) – sind Kulturfolger tropischen Ursprungs. Sie suchen in unseren Gebäuden exakt die Bedingungen, die sie in ihrer ursprünglichen Heimat vorfanden: Wärme, hohe Luftfeuchtigkeit und dunkle Verstecke [1, 2, 3]. Entzieht man ihnen diese Grundlagen, wird der Lebensraum unbewohnbar.

Licht und offene Flächen (Photophobie & Thigmotaxis)

Schaben hassen Helligkeit. Sie sind strikt nachtaktiv und stark photonegativ. Das bedeutet, sie fliehen instinktiv vor Lichtquellen. Dieses Verhalten dient dem Schutz vor Fressfeinden. Ein noch stärkerer Trieb ist jedoch die sogenannte Thigmotaxis. Schaben streben nach einem ständigen Körperkontakt mit Oberflächen – am liebsten an Bauch und Rücken gleichzeitig [1]. Daher quetschen sie sich in winzige Ritzen, hinter Fußleisten, unter Kühlschränke oder in die Gehäuse von Elektrogeräten.

Was bedeutet das für die Abwehr? Offene, gut beleuchtete und aufgeräumte Flächen ohne Spalten und Ritzen sind für Schaben ein Albtraum. Das systematische Abdichten von Fugen (Exclusion) zwingt die Tiere aus ihrer Komfortzone oder verwehrt ihnen den Zutritt komplett.

Kälte und extreme Hitze

Da die meisten synanthropen (dem Menschen folgenden) Schaben aus warmen Klimazonen stammen, sind sie extrem temperaturempfindlich. Die Deutsche Schabe bevorzugt Temperaturen zwischen 25 °C und 32 °C [1]. Fällt die Temperatur unter 15 °C, stoppt die Entwicklung der Larven. Unter 4 °C bewegen sich die Tiere kaum noch und verenden bei längerer Exposition [1]. Aus diesem Grund können diese Arten in Mitteleuropa den Winter im Freien nicht überleben und sind zwingend auf beheizte Gebäude angewiesen.

Ebenso hassen Schaben extreme Hitze. Temperaturen über 42 °C bis 48 °C führen bei den meisten Arten zum Hitzetod [1, 4]. Diesen Umstand machen sich professionelle Schädlingsbekämpfer bei der thermischen Bekämpfung (Wärmeentwesung) zunutze.

Achtung: Die Ausnahme von der Regel

Während die meisten Schaben feuchte Kühle meiden, gibt es Ausnahmen. Die Braunbandschabe (Supella longipalpa) liebt es außergewöhnlich warm und trocken. Sie hält sich oft in oberen Wandbereichen, hinter Bilderrahmen oder in wärmeabgebenden Elektrogeräten auf [4]. Die Orientalische Schabe hingegen toleriert kühlere Temperaturen (Optimum 20-29 °C) deutlich besser und findet sich oft in feuchten Kellern oder der Kanalisation [2].

Trockenheit und Zugluft (Feuchtigkeitsentzug)

Der absolute Schwachpunkt fast aller Schabenarten ist ihr enormer Wasserbedarf. Aufgrund ihres im Verhältnis zum Volumen großen Oberflächenbereichs neigen Insekten zur schnellen Austrocknung. Die Amerikanische Schabe benötigt beispielsweise eine relative Luftfeuchtigkeit von 60 bis 90 % [3]. Die Orientalische Schabe ist noch anfälliger für Austrocknung und zwingend auf Wasserquellen angewiesen [2].

Was Schaben hassen: Eine relative Luftfeuchtigkeit von unter 50 % wirkt stark limitierend auf Schabenpopulationen [3]. Zugluft, gut belüftete Räume (wie vom Umweltamt empfohlen [8]) und das strikte Beseitigen von stehendem Wasser (tropfende Wasserhähne, Kondenswasser an Rohren, feuchte Spüllappen) machen einen Raum für Schaben unbewohnbar. Ohne Nahrung können Schaben oft Wochen überleben, ohne Wasser jedoch nur wenige Tage.

Wirkungsweise von Gerüchen gegen Schaben
Wirkungsweise von Gerüchen gegen Schaben

Gerüche, die Schaben vertreiben: Mythos oder Wahrheit?

Der Geruchssinn von Schaben ist hoch entwickelt. Sie nutzen ihre langen, fadenförmigen Antennen, um Nahrungsquellen aufzuspüren, Feuchtigkeit zu lokalisieren und über Pheromone mit Artgenossen zu kommunizieren [1]. Starke, überlagernde Gerüche können diese feinen Sinne stören und wirken daher abschreckend (repellent).

Ätherische Öle als natürliche Repellents

Bestimmte Pflanzen haben im Laufe der Evolution starke ätherische Öle entwickelt, um sich vor Insektenfraß zu schützen. Diese Düfte sind für Schaben äußerst unangenehm:

  • Pfefferminzöl: Das enthaltene Menthol ist für viele Insekten toxisch oder stark irritierend. Ein Spray aus Wasser und einigen Tropfen reinem Pfefferminzöl, das in Ritzen und auf Laufwege gesprüht wird, hält Schaben fern.
  • Lavendel und Eukalyptus: Auch diese intensiven Düfte überlagern die Pheromonspuren der Schaben und machen die Orientierung schwer.
  • Lorbeerblätter: Ein altes Hausmittel ist das Auslegen von zerkleinerten Lorbeerblättern in Küchenschränken. Der enthaltene Wirkstoff Cineol wirkt leicht abschreckend.
  • Katzenminze (Nepeta cataria): Der Wirkstoff Nepetalacton hat in Studien eine starke Repellent-Wirkung auf Schaben gezeigt, die teilweise sogar herkömmliche chemische Repellents übertrifft.

Essig und Zitrone: Zerstörer der Pheromonspuren

Schaben orientieren sich an chemischen Duftspuren (Aggregationspheromonen), die sie über ihren Kot und spezielle Drüsen absondern. Diese Pheromone signalisieren Artgenossen: "Hier ist ein sicheres Versteck" [1]. Essig (insbesondere Essigessenz) und Zitronensaft mögen Schaben überhaupt nicht. Der Grund liegt weniger in einer toxischen Wirkung, sondern in der Säure. Putzt man Böden und Arbeitsflächen mit Essigwasser, werden die Pheromonspuren der Schaben effektiv zerstört. Die Insekten verlieren ihre Orientierung und meiden die nach Essig riechenden Flächen.

Die Grenzen der olfaktorischen Abwehr

Es ist wichtig zu betonen: Gerüche töten keine Schaben. Sie wirken lediglich als Repellent (Vergrämungsmittel). Wenn eine Wohnung bereits stark befallen ist, werden Pfefferminzöl oder Essig das Problem nicht lösen. Die Schaben weichen lediglich auf andere, unbehandelte Bereiche aus. Gerüche eignen sich hervorragend zur Prävention nach einer erfolgreichen Bekämpfung oder um das Einwandern aus Nachbarwohnungen zu verhindern.

Wirkungsweise von Kieselgur auf den Schabenpanzer
Wirkungsweise von Kieselgur auf den Schabenpanzer

Physikalische und chemische Abwehrmittel

Wenn Hausmittel nicht mehr ausreichen, kommen physikalische und chemische Mittel ins Spiel, die Schaben nicht nur meiden, sondern die für sie tödlich sind.

Kieselgur (Diatomeenerde) und Silikate

Eines der effektivsten Mittel, das Schaben absolut nicht vertragen, ist Kieselgur (Diatomeenerde). Es handelt sich dabei um die zermahlenen Schalen fossiler Kieselalgen. Für den Menschen ist dieses weiße Pulver harmlos (solange der Staub nicht tief eingeatmet wird), für Insekten ist es jedoch tödlich. Kieselgur wirkt rein physikalisch: Die mikroskopisch kleinen, scharfkantigen Partikel verletzen die schützende Wachsschicht (Kutikula) des Schabenpanzers. Dadurch verliert das Insekt seine Fähigkeit, Feuchtigkeit im Körper zu halten, und vertrocknet innerhalb kurzer Zeit [5]. Schaben meiden Flächen, die mit Kieselgur oder Silikatstaub behandelt wurden, weshalb es oft in Hohlräumen und hinter Fußleisten ausgebracht wird.

Repellents auf chemischer Basis

In der professionellen Schädlingsbekämpfung werden Wirkstoffe eingesetzt, die eine starke Repellent-Wirkung (Abschreckung) besitzen. Dazu gehören bestimmte Pyrethroide (synthetische Nachbauten des Insektizids aus der Chrysantheme) oder Wirkstoffe wie Transfluthrin [1]. Interessanterweise hat die Wissenschaft herausgefunden, dass der Einsatz bestimmter Insektizid-Sprays (wie Kombinationen aus Thiamethoxam und λ-Cyhalothrin) eine so starke Repellent-Wirkung hat, dass die Schaben den behandelten Bereich sofort meiden und in benachbarte, unbehandelte Räume flüchten [7]. Dies kann bei unsachgemäßer Anwendung dazu führen, dass sich der Befall im ganzen Haus ausbreitet, anstatt getilgt zu werden.

Das Phänomen der Köderaversion (Glukose-Aversion)

Eine der faszinierendsten evolutionären Anpassungen von Schaben zeigt, was sie im Laufe der Zeit zu "hassen" gelernt haben. In den 1980er und 1990er Jahren wurden Schaben sehr erfolgreich mit Gelködern bekämpft, die Insektizide mit einem Lockstoff (meist Glukose/Traubenzucker) mischten. Nach einigen Jahren bemerkten Schädlingsbekämpfer, dass die Schaben die Köder plötzlich ignorierten. Die Wissenschaftler fanden heraus: Die Schaben hatten eine genetisch bedingte Glukose-Aversion entwickelt [6]. Für diese mutierten Schaben schmeckte der süße Zucker plötzlich extrem bitter. Sie spuckten den Köder sofort wieder aus. Die Industrie musste reagieren und verwendet heute andere Zuckerarten (wie Fruktose) oder proteinbasierte Lockstoffe, um diese Abneigung zu umgehen [6].

Präventive Maßnahmen: Den Lebensraum unattraktiv machen

Das Wissen darüber, was Schaben nicht mögen, fließt direkt in das sogenannte Integrated Pest Management (IPM) ein – die integrierte Schädlingsbekämpfung [5]. Der Kern dieses Konzepts ist es, den Lebensraum so unattraktiv wie möglich zu gestalten.

Nahrungs- und Wasserentzug

Schaben sind Allesfresser (Omnivoren). Sie fressen nicht nur Lebensmittelreste, sondern auch Papier, Leder, Buchbindungen, Hautschuppen und sogar den Kot ihrer Artgenossen [1, 4]. Was sie jedoch hassen, ist absolute Sauberkeit in Kombination mit hermetisch verschlossenen Vorräten.

  • Lebensmittel in dicke Glas- oder Hartplastikbehälter umfüllen (dünne Plastiktüten können durchbissen werden).
  • Tiernahrung über Nacht nicht stehen lassen.
  • Mülleimer täglich leeren und dicht verschließen.
  • Spülbecken über Nacht trockenwischen und Abflüsse verschließen.

Bauliche Barrieren (Exclusion)

Da Schaben (wie die Deutsche Schabe) extrem flach sind, passen sie durch Spalten, die nur wenige Millimeter breit sind. Was sie nicht mögen, sind blockierte Wege. Das systematische Abdichten von Rohrdurchbrüchen (besonders unter Spülen und an Heizungsrohren) mit Silikon oder Stahlwolle, das Anbringen von Fliegengittern vor Lüftungsschächten und das Reparieren von losen Kacheln entzieht ihnen die geliebten Verstecke [5, 8].

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welcher Geruch vertreibt Schaben sofort?

Es gibt keinen Geruch, der Schaben augenblicklich und dauerhaft vertreibt. Ätherische Öle wie Pfefferminze, Lavendel, Eukalyptus oder Katzenminze wirken jedoch stark abschreckend (repellent) und können verhindern, dass Schaben bestimmte Bereiche betreten.

Mögen Schaben Kälte?

Nein, die meisten Schadschaben stammen aus den Tropen und hassen Kälte. Bei Temperaturen unter 15 °C stoppt ihre Entwicklung, und bei unter 4 °C fallen sie in eine Kältestarre. Frost überleben sie nicht.

Hilft Essig gegen Schaben?

Essig tötet Schaben nicht, aber er ist ein hervorragendes Mittel zur Abwehr. Das Wischen mit Essigwasser zerstört die chemischen Pheromonspuren der Schaben, wodurch sie ihre Orientierung verlieren und die geputzten Flächen meiden.

Warum fressen manche Schaben keine Giftköder mehr?

Einige Schabenpopulationen haben eine genetische Mutation entwickelt, die sogenannte Glukose-Aversion. Für diese Tiere schmeckt der süße Zucker im Köder extrem bitter, weshalb sie ihn ausspucken und meiden.

Was ist der größte Feind der Schabe im Haus?

Neben professionellen Insektiziden ist Trockenheit der größte Feind. Eine Luftfeuchtigkeit von unter 50 % und das Fehlen von Wasserquellen (Tropfende Hähne, Kondenswasser) machen ein Überleben für die meisten Schabenarten unmöglich. Physikalisch ist Kieselgur (Diatomeenerde) ein tödlicher Feind, da es ihren Panzer austrocknet.

Fazit

Die Frage "Was mögen Schaben nicht?" lässt sich klar beantworten: Sie hassen Kälte, Trockenheit, Licht, offene Flächen ohne Versteckmöglichkeiten und bestimmte intensive Gerüche wie Pfefferminze oder Essig. Auch physikalische Barrieren wie Kieselgur meiden sie instinktiv, da sie ihren sicheren Tod bedeuten. Wer dieses Wissen anwendet, kann durch gezieltes Lüften, das Beseitigen von Wasserquellen, das Abdichten von Fugen und den Einsatz natürlicher Repellents sein Zuhause für Schaben extrem unattraktiv machen.

Sollten Sie jedoch bereits Schaben tagsüber sichten, deutet dies auf einen starken Befall hin. In diesem Fall reichen Hausmittel und Gerüche nicht mehr aus. Kontaktieren Sie umgehend einen professionellen Schädlingsbekämpfer, um eine rasche und fachgerechte Tilgung sicherzustellen.

Quellenangaben

  1. Artenprofil — Deutsche Schabe (Blattella germanica) — Biologie, Verhalten & Prävention.
  2. Artenprofil — Orientalische Schabe (Blatta orientalis) — Biologie & Lebensraum.
  3. Artenprofil — Amerikanische Schabe (Periplaneta americana) — Prävention & Feuchtigkeitsbedarf.
  4. Artenprofil — Braunbandschabe (Supella longipalpa) — Wärmepräferenz & Trockenheitstoleranz.
  5. Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES): Infoblatt Schaben (Einsatz von Kieselgur/Silicaten).
  6. Pospischil, R. (2010): Schaben (Dictyoptera, Blattodea) – Ihre Bedeutung als Überträger von Krankheitserregern und als Verursacher von Allergien. Denisia 30, S. 171-190 (Glukose-Aversion).
  7. Fardisi, M., Gondhalekar, A. D., Ashbrook, A. R., & Scharf, M. E. (2019): Rapid evolutionary responses to insecticide resistance management interventions by the German cockroach. Scientific Reports 9:8292 (Repellent-Wirkung von Pyrethroiden).
  8. Stadt Münster, Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit: Ungebetene Gäste - Deutsche Schaben (Lüftung und Lagerung).

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