Fakten (kompakt)
- Die Deutsche Schabe (*Blattella germanica*) ist eine kleine, peridomestische Insektenart aus der Ordnung [Blattodea](/pages/lexikon/schaben). - Adulte Tiere erreichen eine Länge von 10–16 mm. - Der Körper ist hellbraun bis braun gefärbt mit zwei dunklen, parallelen Streifen auf dem Pronotum hinter dem Kopf. - Männchen haben einen schlanken, spitz zulaufenden Hinterleib, während Weibchen einen breiteren, abgerundeten Hinterleib aufweisen. - Nymphen sind kleiner, flügellos und dunkler braun bis schwarz gefärbt. - Die Deutsche Schabe hat voll entwickelte Flügel, kann aber nicht [fliegen](/pages/lexikon/fliegen) und verlässt sich stattdessen auf schnelle Laufgeschwindigkeit. - Der Lebenszyklus ist hemimetabolisch und umfasst die Stadien Ei, Nymphe und Adult, die unter optimalen Bedingungen in etwa 100 Tagen abgeschlossen sind. - Weibchen produzieren 4–8 Ootheken (Eikapseln), die jeweils 30–48 Eier enthalten. - Die Weibchen tragen die Ootheken bis kurz vor dem Schlüpfen am Hinterleib, um sie vor Fressfeinden und Austrocknung zu schützen. - Nymphen durchlaufen 5–7 Häutungen über 6–31 Wochen. - Adulte Tiere leben 15–30 Wochen, wobei Weibchen in einem Jahr bis zu 10.000 Nachkommen zeugen können. - Die Entwicklung stoppt unterhalb von 15 °C, aber die Art kann ohne menschliche Behausung längere Kälteperioden nicht überleben. - Deutsche Schaben sind hauptsächlich nachtaktiv und thigmotaktisch. - Sie verstecken sich tagsüber in Ritzen, Spalten und unordentlichen Bereichen und kommen nachts heraus, um sich Allesfresserisch von Stärke, Zucker, Fett und verrottendem organischem Material zu ernähren.[2] - Die *B. germanica* stammt ursprünglich aus Südostasien.[2]
Die Deutsche Schabe (*Blattella germanica*) wurde im Jahr 1767 von Carl Linnaeus wissenschaftlich erstbeschrieben. Taxonomisch wird die Art heute der Familie Ectobiidae zugeordnet, wenngleich sie in der Literatur häufig noch unter der Familie Blattellidae geführt wird.[3][2] Der Namenszusatz *germanica* beruht auf einer historischen Fehlannahme, da genetische Analysen den evolutionären Ursprung der Spezies in Südostasien und eine Abstammung von der Asiatischen Schabe (*Blattella asahinai*) belegen.[3]
Die Deutsche Schabe (*Blattella germanica*) ist ein kleines Insekt mit einer Körperlänge von 10 bis 16 mm im adulten Stadium. Der Körper ist langoval, abgeflacht und weist eine hellbraune bis gelbbraune Grundfärbung auf. Ein zentrales Bestimmungsmerkmal sind die zwei parallelen, dunklen Längsstreifen auf dem gelblichen Halsschild (Pronotum). Die Adulten besitzen zwar gut entwickelte Flügel, die den Hinterleib bedecken, sind jedoch flugunfähig und nutzen diese höchstens für den Gleitflug. Die Antennen sind dünn, peitschenartig und länger als der Körper.[1][2] Ein Sexualdimorphismus zeigt sich am Hinterleib, der bei Männchen schlanker und spitz zulaufend ist, während er bei Weibchen breiter und abgerundet erscheint.[2] Die flügellosen Nymphen unterscheiden sich optisch von den Adulten; das erste Larvenstadium (L1) ist nur etwa 3 mm groß und fast schwarz gefärbt. Ältere Larven erreichen 8 bis 10 mm, ähneln in der gelbbraunen Färbung den Adulten und weisen ebenfalls die dunklen Streifen auf, besitzen jedoch noch keine vollständigen Flügel. Die Weibchen tragen eine flache, etwa 6 bis 8 mm lange Oothek (Eipaket), die hell- bis mittelbraun gefärbt ist.[1][2] Von der Amerikanischen Schabe (*[Periplaneta americana](/pages/lexikon/amerikanische-schabe)*) lässt sich die Art durch ihre deutlich geringere Größe und das Fehlen gelber Ränder am Pronotum unterscheiden. Im Gegensatz zur [Braunbandschabe](/pages/lexikon/braunbandschabe) (*[Supella longipalpa](/pages/lexikon/braunbandschabe)*) fehlen *Blattella germanica* die hellen Querstreifen auf Flügeln und Abdomen.[2]
Die Deutsche Schabe (*Blattella germanica*) gilt als bedeutender Hygiene- und Gesundheitsschädling, der mechanisch diverse Krankheitserreger wie *Salmonella*-Spezies, *Escherichia coli* und Schimmelpilze auf Lebensmittel überträgt.[1][2] Zudem lösen die in ihren Ausscheidungen und Häutungsresten enthaltenen Proteine potente Allergene aus, die insbesondere in städtischen Umgebungen Asthmaerkrankungen begünstigen können.[2] Neben der Kontamination von Nahrungsmitteln verursachen die Tiere Materialschäden durch Schabefraß an festen Stoffen wie Bucheinbänden oder organischen Materialien. Ein Befall in warmen, feuchten Bereichen wie Großküchen oder Krankenhäusern äußert sich typischerweise durch pfefferartige Kotspuren und einen süßlich-muffigen Geruch.[1][2] Präventive Maßnahmen basieren auf strikter Hygiene zum Entzug von Nahrungsgrundlagen sowie baulichen Veränderungen wie dem Abdichten von Fugen, um Rückzugsorte zu minimieren. Physikalische Bekämpfungsansätze nutzen die Temperaturempfindlichkeit der Tiere, deren Aktivität unter 4 °C stark eingeschränkt ist und die bei Temperaturen über 42 °C absterben. Im Rahmen des Integrierten Schädlingsmanagements (IPM) werden chemische Bekämpfungen primär mittels punktuell ausgebrachter Fraßköder und Wachstumsregulatoren durchgeführt. Der Einsatz von Kontaktinsektiziden ist aufgrund weit verbreiteter Resistenzen, insbesondere gegen Pyrethroide, oft nur noch eingeschränkt wirksam.[1]