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Gemeine Florfliege Chrysoperla carnea

Gemeine Florfliege
Mittleres Risiko Nützling Inoffensif Physische Gefahr

Classification taxonomique

Reich Tiere (Animalia)
Stamm Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse Insekten (Insecta)
Ordnung Neuroptera (Neuroptera)
Familie Chrysopidae
Gattung Chrysoperla
Art Chrysoperla carnea
Wissenschaftlicher Name: Chrysoperla carnea (Stephens, 1836)
Akzeptierter Name
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Einleitung

Die **Gemeine Florfliege** (*Chrysoperla carnea*) ist eine Insektenart aus der Familie der Florfliegen (Chrysopidae) innerhalb der Ordnung der Netzflügler (Neuroptera). Die blassgrünen Adulttiere mit den charakteristischen goldenen Augen ernähren sich von Pollen und Nektar, während die räuberischen Larven als effektive Nützlinge im biologischen Pflanzenschutz gegen Blattläuse eingesetzt werden.[2][1] Taxonomisch wird *Chrysoperla carnea* heute als ein Komplex kryptischer Zwillingsarten (Carnea-Gruppe) verstanden, die morphologisch kaum unterscheidbar sind und primär durch ihre spezifischen Vibrationsgesänge abgegrenzt werden.[2][3]

Name & Einordnung

Der wissenschaftliche Name der Art lautet *Chrysoperla carnea*, wobei die gültige Erstbeschreibung durch James Francis Stephens im Jahr 1836 erfolgte. Ursprünglich publizierte Stephens die Art unter dem Basionym *Chrysopa carnea* in seinem Werk *Illustrations of British Entomology*.[1] Im Deutschen ist die Bezeichnung Gemeine Florfliege etabliert, während sie im englischen Sprachraum allgemein als "green lacewing" bekannt ist.[4][2] Historisch wurde *C. carnea* lange als eine einzige, weit verbreitete Spezies in der holarktischen Region behandelt. Taxonomische Revisionen ab den 1980er Jahren offenbarten jedoch, dass es sich um einen Komplex aus etwa 20 kryptischen Zwillingsarten (die *carnea*-Gruppe) handelt. Diese Arten sind morphologisch kaum zu unterscheiden und wurden primär durch genetische Analysen sowie ihre spezifischen Vibrationsgesänge bei der Balz differenziert. Die "echte" *Chrysoperla carnea* sensu stricto entspricht dem Gesangstyp Cc4, was durch DNA-Analysen an historischem Typusmaterial bestätigt wurde. Andere europäische Formen wie *Chrysoperla lucasina* (Cc1) oder *Chrysoperla pallida* (Cc2) wurden im Zuge dieser Revisionen als eigenständige Taxa abgetrennt.[1] In älterer Literatur und im kommerziellen Nützlingseinsatz wurden häufig auch nordamerikanische Verwandte wie *Chrysoperla plorabunda* oder *Chrysoperla rufilabris* fälschlicherweise unter dem Namen *C. carnea* geführt.[1]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Die adulten Tiere sind zarte Insekten mit einer Körperlänge von 12 bis 20 Millimetern und einer Flügelspannweite von 23 bis 30 Millimetern. Charakteristisch sind die blassgrüne Grundfärbung des Körpers sowie die prominenten, metallisch glänzenden goldenen Augen, die ihnen eine gute Sehschärfe verleihen. In Ruhestellung werden die vier großen, transparenten und grün geäderten Flügel dachartig über dem Hinterleib zusammengefaltet. Die Flügel weisen eine netzartige Aderung auf, wobei die Vorderflügel am Vorderrand eine Reihe quadratischer Zellen besitzen, was die Familie Chrysopidae von den braunen Florfliegen unterscheidet. Am Kopf befinden sich lange, fadenförmige Antennen, die als primäre Sinnesorgane dienen, sowie leckend-saugende Mundwerkzeuge zur Aufnahme von Nektar und Pollen. Die Beine sind lang und schlank, während ein subtiler Sexualdimorphismus an der Hinterleibsspitze erkennbar ist, wo Männchen spezielle Klammerorgane besitzen.[2] Überwinternde Imagines verändern ihre Farbe und nehmen während der Diapause eine strohgelbe bis bräunliche Tönung an, bevor sie im Frühjahr wieder ergrünen.[1] Die Larven besitzen einen länglichen, alligatorähnlichen Körper mit bräunlicher oder gräulicher Kutikula, der im dritten Stadium 8 bis 10 Millimeter erreicht. Ihre Mundwerkzeuge sind zu sichelförmigen Saugzangen umgebildet, mit denen sie Beutetiere anstechen und aussaugen. Eine Besonderheit vieler Larven ist das Tragen von Paketen aus Pflanzenresten oder Beutehüllen auf dem Rücken, die der Tarnung dienen. Die Verpuppung erfolgt in einem runden, pergamentartigen Seidenkokon, durch dessen transluzente Wände die blasse, exarate Puppe schemenhaft erkennbar ist. Die ovalen, 0,5 bis 1 Millimeter großen Eier sind zunächst blassgrün und werden an 1 bis 2 Zentimeter langen Seidenstielen abgelegt, um sie vor Kannibalismus zu schützen.[2] Morphologisch ist *Chrysoperla carnea* Teil eines kryptischen Artenkomplexes, der etwa 20 äußerlich kaum unterscheidbare Zwillingsarten umfasst. Eine sichere Artbestimmung ist oft nur durch die Analyse der artspezifischen Vibrationsgesänge oder genetische Marker möglich, da physische Merkmale kaum variieren.[1]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Chrysoperla carnea wird primär als bedeutender Nützling klassifiziert, dessen Larven („Blattlauslöwen“) als effektive Räuber in Agrarökosystemen fungieren. Eine einzelne Larve vertilgt während ihrer Entwicklung zwischen 100 und 600 Blattläuse, bekämpft aber auch Spinnmilben, Thripse, Weiße Fliegen und kleine Raupen. Aufgrund dieses breiten Beutespektrums wird die Art weltweit in biologischen Bekämpfungsprogrammen für Kulturen wie Baumwolle, Kartoffeln, Wein, Salat und Gewächshauspflanzen eingesetzt.[2] In Feldversuchen konnten durch gezielte Freisetzungen Reduktionen der Schädlingspopulationen um bis zu 96 % erreicht werden, wobei typische Erfolgsraten zwischen 50 % und 90 % liegen. Kommerziell werden meist Eier oder Larven ausgebracht, oft auf Karten fixiert oder als Streuware, mit Raten von 1.000 bis 10.000 Individuen pro Acre.[1] Ein zentraler Aspekt des Managements ist die Vermeidung von Kannibalismus unter den Larven, weshalb Eier in der Natur an Stielen abgelegt werden und bei der Zucht separiert werden müssen.[2] Im integrierten Pflanzenschutz (IPM) gilt *C. carnea* als gut integrierbar, da sie Toleranzen gegenüber bestimmten selektiven Pflanzenschutzmitteln aufweist.[1] Patentdaten belegen beispielsweise, dass moderne Insektizide auf Limonen-Basis effektiv gegen Weiße Fliegen wirken, ohne die Populationen der Florfliege zu schädigen.[4] Zur Förderung der Ansiedlung werden Blühstreifen empfohlen, da die nicht-räuberischen Adulttiere zwingend Nektar und Pollen für die Reproduktion benötigen.[2] Die Wirksamkeit der Tiere ist temperaturabhängig, mit einem Entwicklungsoptimum zwischen 20 °C und 28 °C; Temperaturen unter 12 °C erhöhen die Mortalität signifikant.[1] Direkte Schäden an Pflanzen oder Bausubstanz verursacht die Art nicht, da sich die Adulten rein von pflanzlichen Sekreten und Honigtau ernähren.[2] Auch eine medizinische Relevanz oder Gefahr für den Menschen besteht nicht, da die Tiere weder stechen noch Krankheiten übertragen.

Biologie & Lebenszyklus

Die Fortpflanzung von *Chrysoperla carnea* wird durch ein obligatorisches Duett aus substratgebundenen Vibrationen (Tremulation) eingeleitet, das der Artenerkennung innerhalb des kryptischen Artenkomplexes dient.[1] Nach der Paarung legen die Weibchen ihre ovalen Eier einzeln an etwa 1 cm langen Seidenstielen ab, um diese vor Kannibalismus und Prädatoren wie Ameisen zu schützen.[2] Die Fertilität hängt stark von der Ernährung der Adulten ab, wobei ein Weibchen bei ausreichender Aufnahme von Pollen und Nektar 100 bis 300 Eier über mehrere Wochen produziert.[1] Die Entwicklung verläuft holometabol über drei Larvenstadien (L1–L3), die Puppe im Seidenkokon und das Imago. Die als „Blattlauslöwen“ bekannten Larven wachsen von 1 mm auf 8–10 mm heran und nutzen sichelförmige Mandibeln zur extraintestinalen Verdauung ihrer Beute.[2] Die Entwicklungsdauer ist temperaturabhängig: Während der Schlupf bei 25 °C nach etwa 4 Tagen erfolgt, dauert er bei 20 °C bis zu 7 Tage. Der gesamte Lebenszyklus vom Ei bis zum Adulttier umfasst unter warmen Bedingungen (20–28 °C) etwa 4 bis 6 Wochen.[1] Im Sommer leben die Adulten 4 bis 6 Wochen, wohingegen überwinternde Tiere in einer reproduktiven Diapause bis zu 6 Monate überdauern.[4] Diese Diapause wird durch kurze Tageslängen ausgelöst und geht mit einer physiologischen Umfärbung der Adulten ins Strohfarbene einher.[1] Während sich die Larven polyphag von 100 bis 600 Blattläusen, Thripsen oder Milben ernähren, sind die Adulten nicht-räuberisch und auf Kohlenhydrate aus Honigtau sowie Proteine aus Pollen angewiesen.[5] Zu den natürlichen Feinden zählen Eiparasitoide der Gattung *Telenomus*, Vögel sowie entomopathogene Pilze wie *Beauveria bassiana*.[2] Bei Nahrungsmangel tritt zudem häufig Kannibalismus unter den Larven auf, was die Populationsdichte reguliert.[1]

Présence et observations actuelles en Allemagne

  • Deutschland

    06.01.2026

  • Bayern, Deutschland

    30.12.2025

  • Deutschland

    29.12.2025

  • Am Teich, Schmölln, Thuringia, Deutschland

    22.12.2025

  • Drosseleck, Heikendorf, Schleswig-Holstein, Deutschland

    20.12.2025

Daten: iNaturalist

Vorkommen & Lebensraum

Das natürliche Verbreitungsgebiet von *Chrysoperla carnea* (sensu stricto) umfasst die Paläarktis, wobei der Schwerpunkt in Europa und den gemäßigten Zonen Asiens liegt.[1] Historisch wurde die Art oft als holarktisch eingestuft, gilt heute jedoch als Teil eines kryptischen Artenkomplexes, dessen nordamerikanische Vertreter meist anderen Spezies wie *C. rufilabris* zugeordnet werden. In Europa erstreckt sich das Vorkommen von Spanien und Griechenland im Süden bis nach Russland und Sibirien im Norden.[1] Die eigentliche *C. carnea* (oft als Gesangsform Cc4 bezeichnet) ist dabei besonders in montanen Regionen und nördlichen Breiten verbreitet, während verwandte Formen wie *C. pallida* eher mediterrane Tiefländer besiedeln.[1] In tropischen Regionen sowie auf der Südhalbkugel fehlt die Art weitgehend, da ihre physiologische Entwicklung an gemäßigte Klimate mit Temperaturen zwischen 20 °C und 30 °C angepasst ist. Die vertikale Verbreitung reicht von Tieflandebenen bis in montane Höhenstufen, wobei in Europa Vorkommen über 1.000 Meter belegt sind.[1] *C. carnea* besiedelt eine Vielzahl vegetationsreicher Habitate, darunter Wälder mit Kiefern- oder Eukalyptusbestand, Buschland und Grasland.[1] Aufgrund ihrer Bedeutung als Nützling ist die Art häufig in Kulturlandschaften wie Weinbergen, Olivenhainen, Obstplantagen und landwirtschaftlichen Feldern anzutreffen. Eine starke Affinität besteht zu Beständen mit Blattlausbefall, etwa in Baumwoll- oder Zuckerrübenfeldern, wo Larven reichlich Nahrung finden.[2] Auch in urbanen Räumen ist die Florfliege präsent und nutzt Parks, Gärten sowie Gewächshäuser als Lebensraum. Die Struktur und Zusammensetzung der Vegetation in diesen Grünflächen beeinflusst dabei maßgeblich die Diversität und das Vorkommen der Art.[1] Zur Überwinterung suchen die adulten Tiere geschützte Mikrohabitate auf, beispielsweise in Laubstreu, Rindenspalten, Efeubüscheln oder trockenem Laub.[2]

Saisonalität & Aktivität

Die Gemeine Florfliege (*Chrysoperla carnea*) ist eine multivoltine Art, die je nach Breitengrad und klimatischen Bedingungen zwischen zwei und zehn Generationen pro Jahr hervorbringt. Während in nördlichen Regionen meist zwei bis drei Generationen auftreten, können in wärmeren südlichen Gebieten bis zu zehn Generationen realisiert werden. Die Entwicklungsgeschwindigkeit ist stark temperaturabhängig, wobei das Optimum zwischen 20 °C und 30 °C liegt und die biologische Aktivität im Frühjahr ab etwa 10–12 °C beginnt. Adulte Tiere sind primär dämmerungs- und nachtaktiv, wobei sie Flugaktivitäten und die Paarungssuche auf die Abendstunden konzentrieren. Die Überwinterung erfolgt ausschließlich im Adultstadium in einer reproduktiven Diapause, die durch verkürzte Tageslängen und sinkende Temperaturen ausgelöst wird.[1] Während dieser Ruhephase verfärben sich die Tiere oft strohgelb bis braun und suchen Schutz in Laubstreu, Rindenritzen oder ungeheizten Gebäuden.[4] Überwinternde Adulte können bis zu sechs Monate überleben, bevor sie im Frühjahr wieder aktiv werden.[1] Ergänzende Daten zum öffentlichen Suchinteresse zeigen Peaks im März und Juli, was zeitlich mit dem Wiederauftauchen der überwinternden Adulten im Frühling und der hohen Populationsdichte im Sommer korreliert.[4]

Recherche scientifique et brevets

AU-2020410966-A1 Chemical Inscription

Verwendung von Limonen als Insektizid

Upl Corporation Ltd., Upl Europe Ltd. (2020)

Pertinence: 6/10

Résumé

Dieses Patent beschreibt ein Verfahren zur Bekämpfung der Weißen Fliege (Aleyrodidae) auf Gemüse und Tomaten mittels einer emulgierten Limonen-Zusammensetzung. Die Besonderheit liegt darin, dass das Mittel in einer Dosierung von 1200 bis 1500 Gramm pro Hektar effektiv gegen den Schädling wirkt, ohne dabei toxisch für wichtige Nützlinge wie Chrysoperla carnea (Gemeine Florfliege) zu sein. Die Erfindung ermöglicht somit eine selektive Schädlingsbekämpfung, die sich gut in integrierte Pflanzenschutzstrategien (IPM) einfügt. Es wird spezifisch nachgewiesen, dass die Populationen von Chrysoperla carnea durch die Anwendung des Blattsprays geschont werden. Dies ist entscheidend für die Kombination von botanischen Insektiziden mit biologischer Kontrolle.

Sources et références

  1. https://www.gbif.org/species/2105360
  2. https://biocontrol.entomology.cornell.edu/predators/Chrysoperla.php
  3. https://resjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/j.1365-3113.1983.tb00483.x
  4. https://patents.google.com/patent/AU2020410966A1/en
  5. https://agresearchmag.ars.usda.gov/1997/jun/bugdiets
  6. https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/09583157.2025.2548446