Die Art *Vespula vulgaris* wurde erstmals im Jahr 1758 von Carl von Linné in seinem Werk *Systema Naturae* unter dem Basionym *Vespa vulgaris* wissenschaftlich beschrieben. Die heute gültige Zuordnung zur Gattung *Vespula* erfolgte 1869 durch Carl Gustav Thomson, der diese Gruppe von der Gattung *Vespa* (Hornissen) abtrennte. Ein in der Literatur historisch relevantes Synonym ist *Paravespula vulgaris* (Blüthgen, 1938), welches eine frühere subgenerische Klassifizierung widerspiegelt. Phylogenetisch wird die Art der *Vespula vulgaris*-Gruppe zugeordnet, einer monophyletischen Klade, die auch die nah verwandte Deutsche Wespe (*Vespula germanica*) umfasst. Im deutschen Sprachraum trägt die Art den Trivialnamen Gemeine Wespe. International ist sie im Englischen als „common wasp“ bekannt, während der Begriff „yellowjacket“ oft als unspezifischer Sammelbegriff für verschiedene *Vespula*-Arten verwendet wird.[1] In Invasionsgebieten der Südhalbkugel, wie Australien und Neuseeland, wird zur Unterscheidung oft der Begriff „European wasp“ spezifisch für *Vespula germanica* verwendet, während *V. vulgaris* als „common wasp“ bezeichnet wird.[1] Eine bedeutende taxonomische Revision erfolgte 2010, als morphologische und molekulare Analysen zeigten, dass nordamerikanische Populationen, die zuvor als *V. vulgaris* galten, tatsächlich die eigenständige Art *Vespula alascensis* darstellen. Somit gilt *Vespula vulgaris* in Nordamerika als nicht etabliert, was historische Verbreitungsdaten korrigierte und die Bedeutung genetischer Marker bei der Artbestimmung unterstrich.[1][2]
Adulte Individuen von *Vespula vulgaris* weisen deutliche Größenunterschiede zwischen den Kasten auf: Königinnen erreichen eine Körperlänge von 16–19 mm, Arbeiterinnen 11–15 mm und Männchen 13–17 mm. Die Grundfärbung ist aposematisch schwarz-gelb gebändert, wobei der Kopf ein charakteristisches breites schwarzes Band zwischen dem Koronalbereich und dem Augensinus zeigt.[4] Ein zentrales Bestimmungsmerkmal ist der Clypeus (Kopfschild), der mittig eine anker- oder dolchförmige schwarze Zeichnung trägt.[4][1] Im Gegensatz zu einigen verwandten Arten wirkt das Gesicht der Arbeiterinnen aufgrund einer kurzen Distanz zwischen Auge und Mandibel (oculomalar distance) eher rundlich. Die Komplexaugen verfügen über eine fronto-ventrale Akutzone zur verbesserten Bewegungswahrnehmung. Ein Sexualdimorphismus zeigt sich an den Antennen, die bei Weibchen (Königinnen und Arbeiterinnen) aus 12 und bei Männchen aus 13 Segmenten bestehen. Zudem besitzen nur die Weibchen einen zum Wehrstachel umgebildeten Legebohrer, während dieser den Männchen fehlt.[4] Auf dem Abdomen befinden sich schwarze Flecken oder Ringe auf den Tergiten, wobei die gelben Bänder bei Arbeitern etwa zwei Drittel der Breite einnehmen und dadurch heller wirken als bei verwandten Arten.[4][1] Männchen lassen sich genitalmorphologisch durch einen ventral flachen Aedeagus identifizieren, der eine graduelle apikale Vertiefung aufweist.[4] Die weißlichen, länglichen Eier sind etwa 2 mm groß.[1] Die daraus schlüpfenden Larven sind beinlos, madenartig weiß und erreichen im letzten Larvenstadium eine Länge von etwa 10 mm.[4][1] Zur Abgrenzung gegenüber der sehr ähnlichen Deutschen Wespe (*Vespula germanica*) dient primär die Ankerzeichnung auf dem Clypeus, da *V. germanica* dort meist drei kleine schwarze Punkte aufweist.[4][1] Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist das erste Hinterleibstergit, dessen Seiten bei *V. vulgaris* gelb, bei *V. germanica* hingegen schwarz gefärbt sind.[1] Von der Roten Wespe (*Vespula rufa*) unterscheidet sich die Art durch das Fehlen rot-brauner Zeichnungselemente auf dem Kopf und den vorderen Abdominalsegmenten.[4] Gegenüber *Vespula maculifrons* fehlen *V. vulgaris* die gelben Flecken auf dem Propodeum.[4]
Vespula vulgaris nimmt eine ambivalente ökologische Rolle ein, da sie im nativen Verbreitungsgebiet als Nützling große Mengen an Schadinsekten wie Raupen und Blattläusen vertilgt.[1] In invasiven Regionen wie Neuseeland wird sie hingegen als aggressiver Schädling klassifiziert, der Honigtau-Ressourcen zu fast 99 % monopolisiert und die Biodiversität bedroht.[1][5] Ökonomisch verursacht die Art dort massive Schäden in der Imkerei und Forstwirtschaft, die auf jährlich 133 Millionen NZD geschätzt werden.[1] Für den Menschen ist die medizinische Relevanz hoch, da Stiche schmerzhafte lokale Reaktionen und bei 0,3 bis 3 % der europäischen Bevölkerung systemische Allergien bis hin zur Anaphylaxie auslösen.[1][4] Das Giftcocktail enthält Enzyme wie Phospholipase A1 und Hyaluronidase, welche biotechnologisch für Hyposensibilisierungs-Therapien genutzt werden können.[4][8] Ein typisches Befallsanzeichen im urbanen Raum ist das verstärkte Auftreten von Arbeiterinnen im Spätsommer, wenn diese aufgrund von Nahrungsknappheit aggressiv zuckerhaltige Lebensmittel und Abfälle frequentieren.[1] Zur Früherkennung und Lokalisierung versteckter Nester kommen zunehmend drohnengestützte Technologien zum Einsatz, die eine effiziente Überwachung ermöglichen.[10] Präventive Maßnahmen im Sinne eines integrierten Schädlingsmanagements (IPM) fokussieren auf Hygiene, insbesondere die Abdeckung von Müllbehältern und Nahrungsmitteln im Freien.[1] Die chemische Bekämpfung erfolgt primär durch Insektizideinsatz am Nest, wobei in Neuseeland spezielle Fipronil-Köder (z. B. Vespex) die Populationsdichte lokal um über 90 % senken konnten. Biologische Kontrollversuche, etwa durch die Freisetzung der parasitoiden Schlupfwespe Sphecophaga vesparum, zeigten bisher nur begrenzte Erfolge bei der Eindämmung invasiver Populationen.[1] Forschungsprojekte untersuchen zudem das Potenzial von Gene-Drives und pathogenen Viren zur populationsweiten Kontrolle.[5] Rechtlich gilt V. vulgaris global als nicht gefährdet („Least Concern“), unterliegt jedoch in Invasionsgebieten wie Australien strikten Managementplänen.[5]