Fakten (kompakt)
- Im Jahr 2023 wurde das erste Genom-Assembly von *Acheta domesticus* auf Chromosomen-Ebene veröffentlicht, das auf Long-Read-Sequenzierungsdaten basiert und Einblicke in die genetische Struktur ermöglicht. - Der vollständige Lebenszyklus vom Ei bis zum Adulttier wird bei optimalen Temperaturen von 27 bis 32 °C (80–90 °F) innerhalb von zwei bis drei Monaten abgeschlossen. - Analysen des mitochondrialen Genoms zeigen eine enge phylogenetische Verwandtschaft zu den Gattungen *Gryllus* und *Gryllodes*. - Als Nahrungsquelle weist das Heimchen einen Proteingehalt von über 60 % in der Trockenmasse auf und ist reich an essenziellen Aminosäuren, Fetten und Mineralien. - Zu den spezifischen Synonymen der Art zählen *Acheta aegyptiacus* (Haan, 1843), *Acheta melanocephalus* (Zacher, 1917) und *Acheta transversalis* (Walker, 1871). - Verwilderte Populationen haben sich außerhalb des ursprünglichen Verbreitungsgebiets in Regionen wie den östlichen Vereinigten Staaten und Südkalifornien etabliert. - Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) genehmigte die Verwendung als neuartiges Lebensmittel in der EU im Dezember 2024. - In der wissenschaftlichen Forschung dient die Spezies als Modellorganismus für Untersuchungen zur Insektenphysiologie und zur nachhaltigen Proteinproduktion.[9]
Der wissenschaftliche Name der Art lautet *Acheta domesticus*, wobei die Erstbeschreibung im Jahr 1758 durch Carl Linnaeus erfolgte.[2][1] In der 10. Auflage seines Werkes *Systema Naturae* führte Linnaeus die Spezies ursprünglich unter dem Basionym *Gryllus domesticus*.[1] Systematisch wird das Heimchen heute in die Gattung *Acheta* innerhalb der Familie der Echten Grillen (Gryllidae) gestellt.[2][1] Innerhalb dieser Familie gehört die Art zur Unterfamilie Gryllinae. Historische taxonomische Revisionen und regionale Beschreibungen führten zu mehreren Synonymen, zu denen unter anderem *Acheta aegyptiacus* (Haan, 1843), *Acheta melanocephalus* (Zacher, 1917) und *Acheta transversalis* (Walker, 1871) zählen. Vergleichende Analysen des mitochondrialen Genoms zeigen eine enge phylogenetische Verwandtschaft zu den Gattungen *Gryllus* (Feldgrillen) und *Gryllodes*. Im Jahr 2023 veröffentlichten Forscher zudem ein erstes Genom-Assembly auf Chromosomenebene, welches die genetische Struktur und die taxonomische Abgrenzung innerhalb der Gryllidae weiter präzisiert. Neben dem deutschen Trivialnamen 'Heimchen' ist international vor allem die englische Bezeichnung 'House cricket' etabliert, was auf die synanthrope Lebensweise hinweist.[1]
Das Heimchen (*Acheta domesticus*) erreicht eine Körperlänge von 16 bis 21 mm und weist eine überwiegend hell gelblich-braune bis graubraune Grundfärbung auf. Ein charakteristisches Bestimmungsmerkmal sind drei auffällige dunkle Querbinden, die auf der Oberseite des Kopfes verlaufen.[1][2] Der Kopf trägt seitlich positionierte große Komplexaugen sowie lange, fadenförmige Antennen, die aus zahlreichen Segmenten bestehen und an den vorderen Ecken des Kopfes entspringen. Am Thorax befinden sich bei adulten Tieren voll entwickelte Flügel, wobei die ledrigen Vorderflügel das Abdomen schützend bedecken. Darunter liegen zarte, fächerartige Hinterflügel für kurze Flüge, die jedoch bei Populationen in Gefangenschaft oft reduziert sind oder fehlen. Die Beine sind segmentiert, wobei die Hinterbeine durch kräftige, für das Springen angepasste Femora deutlich vergrößert sind. An den Tibien der Vorderbeine befinden sich die Tympanalorgane, die als dünne Membranen zur Wahrnehmung von Schallvibrationen dienen. Ein ausgeprägter Sexualdimorphismus zeigt sich in der Morphologie des Abdomens und der Flügel. Männchen besitzen auf den Vorderflügeln spezialisierte Strukturen, bestehend aus einer geriffelten Feile und einem glatten Schaber, die zur Stridulation genutzt werden. Weibchen hingegen verfügen über einen langen, braun-schwarzen Legebohrer (Ovipositor) am Hinterleibsende, der etwa der Körperlänge entspricht. Beide Geschlechter tragen am Abdomenende zwei prominente Cerci, jedoch fehlt den Männchen der Ovipositor.[2] Die Larven (Nymphen) ähneln den Adulten in der Körperform, sind jedoch kleiner und zunächst flügellos, wobei sich Flügelscheiden erst in späteren Stadien entwickeln.[1][2] Da die Art eine unvollkommene Metamorphose durchläuft, existiert kein Puppenstadium. Die Eier sind länglich, weiß gefärbt und messen etwa 1,5 mm in der Länge.[3]
Obwohl *Acheta domesticus* weltweit als Futterinsekt und Lebensmittel gezüchtet wird, gilt die Art in Wohn- und Wirtschaftsgebäuden als Hygiene- und Materialschädling.[1] Die Tiere bevorzugen warme, feuchte Bereiche wie Heizungskeller, Garagen oder Küchen und dringen opportunistisch durch Risse im Mauerwerk, undichte Fenster oder Lüftungsschächte in Gebäude ein.[3] Die Fraßtätigkeit verursacht Schäden an Textilien aus Wolle, Seide, Baumwolle und synthetischen Fasern, insbesondere wenn diese durch Schweiß oder Speisereste verunreinigt sind.[1] Zudem können Papier, Gummi, Isoliermaterialien und stärkehaltige Komponenten von Trockenbauwänden durch Benagen beschädigt werden. In Lebensmittellagern stellt ein Befall durch die Kontamination mit Kot (Frass) und Häutungsresten ein Hygienerisiko dar.[3] Ein charakteristisches Anzeichen für einen Befall ist das anhaltende Zirpen der Männchen in der Nacht, das zu erheblicher Lärmbelästigung und Schlafstörungen führen kann.[1] Präventive Maßnahmen im Rahmen des Integrierten Schädlingsmanagements (IPM) konzentrieren sich auf das Abdichten von Zugangswegen mit Silikon oder Schaum sowie die Installation von Türbesen. Hygienische Maßnahmen umfassen den Entzug von Nahrungsquellen, die Nutzung fest verschließbarer Behälter und die Reduktion von Feuchtigkeitsquellen. Zur Überwachung (Monitoring) und Bekämpfung kleinerer Populationen eignen sich Klebefallen sowie das gründliche Absaugen der betroffenen Areale. Der Einsatz chemischer Bekämpfungsmittel wie Ködergele mit Insektenwachstumsregulatoren oder Randsprays sollte nur als letztes Mittel erfolgen, wobei Formulierungen mit geringer Toxizität bevorzugt werden.[3] Rechtlich ist *Acheta domesticus* in der EU als neuartiges Lebensmittel zugelassen, was strenge Hygienevorschriften für Zuchtbetriebe bedingt, um Krankheitsausbrüche wie das Acheta domesticus Densovirus (AdDNV) zu verhindern.[6][1]