Fakten (kompakt)
- Eine durchschnittliche rohe Karotte (ca. 61 g) besitzt einen Brennwert von etwa 25 Kalorien und liefert 6 g Kohlenhydrate sowie 2 g Ballaststoffe. - Der Verzehr einer einzigen mittelgroßen Wurzel deckt bereits über 100 % des täglichen Bedarfs an Vitamin A, das im Körper aus Beta-Carotin umgewandelt wird. - Neben Vitamin A enthält das Gemüse nennenswerte Mengen an Vitamin K, Kalium und Antioxidantien, die die Augengesundheit und Immunfunktion unterstützen. - Die weltweite Jahresproduktion von Karotten überschritt im Jahr 2023 die Marke von 40 Millionen Tonnen. - Zu den global führenden Produzentenländern zählen China, Usbekistan und die Vereinigten Staaten.[12] - Die heute allgegenwärtige orangefarbene Form wurde spezifisch im 16. und 17. Jahrhundert in den Niederlanden selektiert, um den Carotingehalt und die Süße zu steigern.[12] - Neuere genomische Studien datieren die Domestizierung auf das Frühmittelalter (9. bis 10. Jahrhundert u. Z.), was frühere Schätzungen von vor 5000 Jahren widerlegt. - Im Altenglischen wurde das Gemüse als *more* oder *moru* bezeichnet (vom protogermanischen *mur-*), wobei sprachlich oft nicht zwischen Karotten und Pastinaken unterschieden wurde.[12]
Die kultivierte Karotte trägt den wissenschaftlichen Namen *Daucus carota* subsp. *sativus* (Hoffm.) Arcang. und wird taxonomisch von der Wildform *Daucus carota* subsp. *carota* unterschieden.[1][4] Sie gehört zur Gattung *Daucus* innerhalb der Familie der Apiaceae (Doldenblütler).[1][2] Der Trivialname "Karotte" leitet sich über das Mittelfranzösische *carotte* vom spätlateinischen *carōta* ab. Dieser Begriff geht auf das altgriechische *karōtón* zurück, was auf die hornartige Form der Wurzel anspielt und im proto-indogermanischen Wortstamm *ker-* (Horn) wurzelt. Vor der Etablierung dieses Lehnworts wurde das Gemüse im altenglischen und germanischen Sprachraum oft als *more* oder *moru* bezeichnet, basierend auf dem protogermanischen *mur-* für essbare Wurzeln. Etymologische Verbindungen bestehen zudem zum persischen *gazar* und arabischen *jazar*, was auf den zentralasiatischen Ursprung der Domestizierung hinweist. Die Art *Daucus carota* wurde ursprünglich von Carl von Linné (L.) beschrieben, wobei die Unterart *sativus* die durch menschliche Selektion auf Wurzelgröße gezüchteten Formen umfasst. Genetisch ist die Art diploid mit einem Chromosomensatz von 2n=18 ausgestattet, wodurch sie sich von verwandten Doldenblütlern wie dem Pastinak (*Pastinaca sativa*, 2n=22) abgrenzt. Da sich die Unterarten *sativus* und *carota* kreuzen können, ist eine morphologische Abgrenzung in überlappenden Verbreitungsgebieten oft komplex.[4]
Die Karotte (*Daucus carota subsp. sativus*) ist eine zweijährige krautige Pflanze, die im ersten Jahr eine vegetative Rosette bildet und im zweiten Jahr einen bis zu 150 cm hohen Blütenstängel entwickelt.[1][3] Das markanteste Bestimmungsmerkmal ist die fleischige Pfahlwurzel, die typischerweise konisch oder zylindrisch geformt ist und eine glatte bis leicht raue Außenhaut aufweist.[1] Während die Wurzeln der Wildformen dünn und weiß sind, variieren kultivierte Sorten in der Färbung von Weiß und Gelb über Orange bis hin zu Rot und Violett.[1][2] Die essbare Speicherwurzel erreicht meist eine Länge von 5 bis 20 cm und einen Durchmesser von bis zu 5 cm, wobei bestimmte Zuchtformen wie der 'Imperator'-Typ bis zu 25 cm lang werden können. Das Laub besteht aus einer basalen Rosette von 8 bis 12 wechselständigen Blättern, die 5 bis 40 cm lang und doppelt bis dreifach gefiedert sind. Die Blattsegmente sind fein zerteilt und linear, was der Pflanze ein farnartiges Aussehen verleiht, wobei die Blattränder und Unterseiten oft behaart sind. Der im zweiten Jahr austreibende Blütenstängel ist schlank, verzweigt und kahl bis spärlich behaart. Die kleinen, weißen Blüten mit fünf Blütenblättern stehen in flachen, zusammengesetzten Dolden von 5 bis 10 cm Breite. Charakteristisch für die Dolde ist oft eine einzelne, dunkelviolette oder rötliche Zentralblüte sowie das Vorhandensein gefiederter Hüllblätter. Während der Samenreife wölben sich die Dolden konkav nach innen und bilden ein vogelnestartiges Gebilde. Die Früchte sind kleine, längliche Spaltfrüchte (Schizokarpien) von 2 bis 3 mm Länge, die auf einer Seite gerippt und auf der anderen borstig sind, um die Verbreitung durch Tierfell zu begünstigen.[1] Die orange Färbung der Wurzel wird durch Carotinoide, insbesondere Beta-Carotin, verursacht, während violette Sorten Anthocyane in den äußeren Schichten einlagern.[9] Von der wilden Möhre (*Daucus carota subsp. carota*) unterscheidet sich die Kulturform primär durch die verdickte, pigmentierte Speicherwurzel im Gegensatz zur dünnen, weißen Wurzel der Wildart. Gegenüber dem Pastinak (*Pastinaca sativa*) grenzt sich die Art genetisch durch die Chromosomenzahl (2n=18 gegenüber 2n=22) ab, wobei beide Arten ähnliche Doldenblüten ausbilden.[2]
Die Karotte (*Daucus carota subsp. sativus*) ist eine wirtschaftlich bedeutende Kulturpflanze, unterliegt jedoch potenziellen Ertragsverlusten von bis zu 50 % durch spezifische Schädlinge und Krankheiten.[3][5] Als Hauptschädling gilt die Möhrenfliege (*Psila rosae*), deren Larven Fraßgänge in der Pfahlwurzel anlegen, was zu rötlich-braunen Narben und Fäulnis führt und die Ware unverkäuflich macht. Wurzelgallennematoden (*Meloidogyne* spp.) dringen in das Wurzelgewebe ein und verursachen Gallenbildungen, Wachstumsstörungen sowie Verzweigungen der Rübe.[1] Bei den Pilzkrankheiten dominiert die *Alternaria*-Blattdürre (*Alternaria dauci*), die Läsionen und Blattverlust verursacht, sowie die Weißstängeligkeit (*Sclerotinia sclerotiorum*), die besonders im Lager zu weichen Läsionen und weißem Myzelbewuchs führt. Medizinisch relevant ist neben der positiven Wirkung auf die Darmgesundheit eine mögliche Phototoxizität von Möhrensamenöl, das bei Sonneneinstrahlung Hautreizungen auslösen kann. Zur Prävention ist eine weite Fruchtfolge von drei bis vier Jahren ohne Doldenblütler essenziell, um die Lebenszyklen bodenbürtiger Schaderreger zu unterbrechen.[2][3] Hygienische Maßnahmen wie das Entfernen von Ernterückständen und der Verzicht auf Überkopfberegnung reduzieren den Pilzbefall signifikant.[4] Mischkulturen mit Zwiebeln oder Lauch können durch ihren Geruch die Möhrenfliege abwehren.[1] Im Rahmen des Integrierten Pflanzenschutzes (IPM) werden Pheromonfallen zur Überwachung des Fliegenfluges und Bodenproben zur Bestimmung der Nematodendichte eingesetzt.[4] Biologische Bekämpfungsstrategien umfassen den Einsatz parasitärer Wespen gegen Fliegenlarven oder antagonistischer Pilze wie *Purpureocillium lilacinum* gegen Nematoden.[3] Chemische Pflanzenschutzmittel wie Pyrethroide oder Azoxystrobin kommen erst nach Überschreiten von Schadschwellen zum Einsatz.[2] Die Züchtung resistenter Sorten spielt eine zunehmende Rolle, wobei Patente bereits genetische Marker für Resistenzen gegen Echten Mehltau (*Erysiphe heraclei*) beschreiben.[1][6] Nach der Ernte sind Lagertemperaturen von 0–2 °C bei 95–100 % Luftfeuchtigkeit notwendig, um Nachernteverluste durch Fäule und Austrocknung, die bis zu 35 % betragen können, zu minimieren.[6][11]