Fakten (kompakt)
- Der Chromosomensatz ist diploid mit 2n = 18, wobei die Art zytogenetisch dem C-Genom zugeordnet wird. - Im Modell des „Dreiecks von U“ (1935) bildet das Genom einen der drei Eckpunkte und fungiert als elterlicher Partner für die Entstehung von Raps (*Brassica napus*). - Als nächster lebender Verwandter wurde durch phylogenetische Analysen im Jahr 2021 die in der Ägäis endemische Art *Brassica cretica* identifiziert. - Die Früchte entwickeln sich zu 2,5 bis 10 cm langen, linearen Schoten, die pro Fruchtfach 10 bis 20 dunkelbraune bis schwärzliche Samen enthalten. - Bevorzugt werden für das Wachstum stickstoffreiche Böden mit einem pH-Wert zwischen 6,0 und 8,0.[9]
Der wissenschaftliche Name für Kohlrabi lautet *Brassica oleracea var. gongylodes* L., wobei er in der modernen Taxonomie häufig als *Brassica oleracea* Gongylodes-Gruppe klassifiziert wird.[2][3] Der Gattungsname *Brassica* leitet sich vom keltischen Wort *bresic* für Kohl ab, das bereits von Pliny dem Älteren in der *Naturalis Historia* (ca. 77–79 n. Chr.) verwendet wurde. Das Art-Epitheton *oleracea* entstammt dem Lateinischen *oleraceus* und bedeutet „zum Gemüsegarten gehörig“ oder „Küchenkräuter betreffend“, was die historische Nutzung als Kulturpflanze unterstreicht.[1] Carl von Linné begründete 1753 in *Species Plantarum* die wissenschaftliche Benennung der Art *Brassica oleracea*, zu der auch der Kohlrabi zählt.[2] Innerhalb der Art wird Kohlrabi durch seine verdickte Sprossachse definiert und taxonomisch von anderen Gruppen wie der Capitata-Gruppe (Kopfkohl) oder Botrytis-Gruppe (Blumenkohl) abgegrenzt.[3] Obwohl historisch oft als botanische Varietät (*var. gongylodes*) geführt, werden diese Formen heute zunehmend als Kultivargruppen betrachtet, die sich durch menschliche Selektion aus Wildformen entwickelten. Ein relevantes Synonym für die wilde Stammform der Art ist *Brassica sylvestris*, während die früher taxonomisch assoziierte *Brassica cretica* mittlerweile als eigenständige, verwandte Art identifiziert wurde.[2] Der deutsche Trivialname Kohlrabi enthält das Wort „Kohl“, welches etymologisch eng mit den Wuchsformen der Gattung verknüpft ist und auch in Begriffen wie Grünkohl vorkommt.[1] Genetisch gehört die Pflanze zum C-Genom (2n=18) im sogenannten „Dreieck des U“ und ist diploid.[2]
*Brassica oleracea var. gongylodes* ist eine zweijährige krautige Pflanze, deren auffälligstes Bestimmungsmerkmal die knollenartige, kugelige bis leicht abgeflachte Verdickung der Sprossachse direkt oberhalb des Erdbodens ist.[1][3] Im Gegensatz zu anderen Varietäten dient hier der oberirdische Spross als primäres Speicherorgan, wobei die Pflanze in der vegetativen Phase Wuchshöhen von 30 bis 50 cm erreicht.[1] Die kahlen, fleischigen Laubblätter entspringen spiralförmig direkt an der Knolle und bilden keine geschlossene Kopfstruktur aus.[3] Die Blattspreiten sind eiförmig bis lanzettlich, erreichen Längen von 15 bis 40 cm und besitzen oft gewellte oder gelappte Ränder. Eine wachsartige Schicht (Bereifung) verleiht den Blättern und dem Stängel eine charakteristische graugrüne, glauke Grundfärbung.[6] Die Färbung der Knollenschale variiert sortenabhängig von Blassgrün bis zu tiefem Violett, wobei die violette Pigmentierung genetisch durch die Akkumulation von Anthocyanen bedingt ist.[3] Das innere Fleisch der Knolle bleibt jedoch unabhängig von der Schalenfarbe stets weißlich bis cremefarben.[1] Das Wurzelsystem wird durch eine tiefreichende Pfahlwurzel gebildet, die der Pflanze Stabilität verleiht. Im zweiten Jahr oder nach einem Kältereiz treibt die Pflanze einen aufrechten, verzweigten Blütenstand, der bis zu 1,5 Meter hoch werden kann. Die zwittrigen Blüten sind vierzählig und kreuzförmig angeordnet, mit hellgelben bis cremeweißen Kronblättern von 1,5 bis 3 cm Länge. Aus den Blüten entwickeln sich 2,5 bis 10 cm lange, zylindrische Schoten (Siliquen), die bei Reife längs aufspringen. Diese Früchte enthalten pro Fach 10 bis 20 kleine, dunkelbraune bis schwärzliche Samen mit kugelförmiger Gestalt.[6] Zur Abgrenzung gegenüber dem Kopfkohl (*Capitata*-Gruppe) dient das Fehlen eines festen Blätterkopfes, während die fehlende Umbildung des Blütenstandes den Kohlrabi vom Blumenkohl (*Botrytis*-Gruppe) unterscheidet.[1] Genetisch weist die Pflanze einen diploiden Chromosomensatz von 2n = 18 auf.[6]
Als Kulturpflanze der Gongylodes-Gruppe ist Kohlrabi (*Brassica oleracea var. gongylodes*) anfällig für diverse Schädlinge, darunter die Mehlige Kohlblattlaus (*Brevicoryne brassicae*), die Blattkräuselungen verursacht und Viren wie das Turnip-Mosaic-Virus überträgt.[2] Larven des Kleinen Kohlweißlings (*Pieris rapae*) fressen an den Blättern, während die Kleine Kohlfliege (*Delia radicum*) durch Wurzelfraß Welkeerscheinungen und Sekundärinfektionen auslöst.[2][1] Ein bedeutendes phytopathologisches Problem stellt die Kohlhernie (*Plasmodiophora brassicae*) dar, die durch Gallenbildung an den Wurzeln die Nährstoffaufnahme blockiert.[7] In feuchten Umgebungen treten zudem Pilzkrankheiten wie die Umfallkrankheit (*Phoma lingam*) oder Falscher Mehltau (*Hyaloperonospora brassicae*) sowie die bakterielle Adernschwärze (*Xanthomonas campestris*) auf.[8][3] Gesundheitlich relevant sind seltene allergische Reaktionen auf Proteine wie Profilin oder Lipid-Transfer-Proteine sowie goitrogene Effekte durch Glucosinolate bei übermäßigem Rohverzehr und Jodmangel. Zur Prävention ist eine strikte Fruchtfolge von drei bis vier Jahren essenziell, um bodenbürtige Pathogene zu unterbrechen und Nährstoffverarmung zu vermeiden.[1] Moderne ökologische Anbaumethoden setzen auf den Ersatz chemischer Dünger durch funktionelle mikrobielle organische Düngemittel, um die Pflanzengesundheit präventiv zu stärken. Physikalische Maßnahmen umfassen das Einweichen von Saatgut zur Abtötung von Schädlingen und Viren sowie die Nutzung von Setzlingsschalen zur Vermeidung von Wurzelschäden beim Umpflanzen.[3] Im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes (IPM) werden biologische Bekämpfungsmittel und Monitoring kombiniert, um den Einsatz synthetischer Pestizide zu reduzieren.[1] Neben der Nutzung als Nahrungsmittel finden Kohlrabi-Extrakte aufgrund ölregulierender und hautpflegender Eigenschaften zunehmend Anwendung in kosmetischen Formulierungen gegen Akne und Hautalterung.[3]