Fakten (kompakt)
- Die Gattung *Lavandula* umfasst etwa 39 Arten, wobei sich *L. angustifolia* von Hybriden wie Lavandin (*L. × intermedia*) durch kürzere Blütenstiele und eine höhere Ölqualität unterscheidet. - Carl von Linné beschrieb die Pflanze ursprünglich 1753 in *Species Plantarum* unter dem Namen *Lavandula spica*, was später zu taxonomischen Verwirrungen führte. - Das ätherische Öl besteht primär aus Linalool und Linalylacetat, die jeweils Anteile von über 20 % ausmachen. - In der kommerziellen Produktion werden Pflanzdichten von 13.000 bis 20.000 Pflanzen pro Hektar angestrebt. - Der Ertrag an ätherischem Öl liegt bei etwa 10 kg pro Tonne frischer Blütenstände. - Die weltweite Jahresproduktion an echtem Lavendelöl beläuft sich auf 300 bis 500 Tonnen. - Kulinarisch werden die essbaren Blüten zur Verfeinerung von Gelees, Essig und Kräutertees verwendet. - Die Art gedeiht in den USDA-Winterhärtezonen 5 bis 9 und eignet sich aufgrund ihrer Toleranz gegenüber sandigen oder felsigen Lehmböden für die Kultivierung auf Grenzertragsflächen.[10]
Der akzeptierte wissenschaftliche Name der Art lautet *Lavandula angustifolia*, der 1768 von Philip Miller in der achten Auflage von *The Gardeners Dictionary* validiert wurde.[5] Die Art gehört zur Gattung *Lavandula* innerhalb der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) und wird taxonomisch der Sektion *Lavandula* zugeordnet.[2][3] Der Gattungsname leitet sich vom lateinischen Verb *lavare* („waschen“) ab und verweist auf die historische Nutzung der Pflanze als Badezusatz durch die Römer. Das Art-Epitheton *angustifolia* kombiniert die lateinischen Begriffe *angustus* (schmal) und *folium* (Blatt), was die charakteristischen schmalen Blätter der Spezies beschreibt.[2] Carl von Linné führte die Pflanze 1753 ursprünglich unter dem Namen *Lavandula spica*, der jedoch aufgrund taxonomischer Unklarheiten heute als *nomen utique rejiciendum* verworfen ist. Zu den relevanten Synonymen zählen *Lavandula officinalis* Chaix und *Lavandula vera* DC., die in älterer Literatur häufig zur Abgrenzung von Hybriden verwendet wurden.[5][1] Innerhalb der Art werden zwei Unterarten unterschieden: die typische *subsp. angustifolia* aus den Alpen und die *subsp. pyrenaica* aus den Pyrenäen, die sich morphologisch leicht differenzieren.[2] Im deutschsprachigen Raum ist die Art als Echter Lavendel bekannt, während international Bezeichnungen wie „English lavender“ oder „true lavender“ geläufig sind.[2][1] Abgegrenzt wird *Lavandula angustifolia* von verwandten Arten wie *Lavandula latifolia* und Hybriden wie *Lavandula × intermedia* durch ihre kürzeren Blütenstiele und schmaleren Blätter.[3]
Lavandula angustifolia wächst als immergrüner Halbstrauch, der typischerweise Wuchshöhen von 30 bis 70 cm erreicht und eine kompakte, buschige Form mit verholzender Basis ausbildet.[1][3] Die aufrechten Stängel weisen einen quadratischen Querschnitt auf und sind dicht mit feinen, filzigen Haaren bedeckt, was der Pflanze ein silbergraues Erscheinungsbild verleiht.[2] Die gegenständig angeordneten Blätter sind schmal linealisch bis lanzettlich geformt und graugrün gefärbt.[1] Sie messen 1 bis 3 cm in der Länge sowie 1 bis 3 mm in der Breite und besitzen einen ganzrandigen Rand sowie eine spitze Endung.[2] Sowohl Blätter als auch Stängel und Blütenstände sind mit Drüsenhaaren (Trichomen) besetzt, die das aromatische ätherische Öl sezernieren.[3] Der Blütenstand besteht aus kompakten, endständigen Ähren von 6 bis 10 cm Länge, die auf schlanken, blattlosen Blütenstielen von 20 bis 30 cm Höhe sitzen. Jede Ähre setzt sich aus Scheinquirlen von 6 bis 10 röhrenförmigen Blüten zusammen, die eine typische Lippenblüten-Struktur aufweisen.[2] Die Färbung der Kronblätter reicht meist von Lavendel-Lila bis Violett-Blau, wobei kultivierte Formen auch rosa oder weiße Blüten zeigen können.[1][2] Begleitet werden die Einzelblüten von kleinen, dachziegelartig angeordneten Tragblättern (Brakteen), die 1 bis 8 mm lang sind und oft eine rostfarbene oder grünliche Färbung annehmen. Unterirdisch bildet die Pflanze eine verholzte Pfahlwurzel aus, die von faserigen Seitenwurzeln unterstützt wird. Nach der Bestäubung entwickeln sich pro Blüte bis zu vier kleine, dunkle Klausen, die als harte, einsamige Früchte der Verbreitung dienen.[2] Zur Abgrenzung von verwechselbaren Taxa dient unter anderem die Blattform: Der Artname angustifolia verweist auf die charakteristisch schmalen Blätter, die ihn von breitblättrigeren Arten unterscheiden.[3] Gegenüber dem häufig kultivierten Hybriden Lavandin (Lavandula × intermedia) zeichnet sich der Echte Lavendel durch deutlich kürzere Blütenstiele und eine insgesamt geringere Wuchsgröße aus.[1] Innerhalb der Art variieren die Unterarten leicht; so besitzt subsp. pyrenaica etwas breitere Blätter und größere Tragblätter als die Nominatform.[2]
Lavandula angustifolia wird primär als ökologisch wertvoller Nützling klassifiziert, der Bestäuber wie Apis mellifera anzieht und durch Allelopathie das Keimen von Unkräutern wie Amaranthus retroflexus unterdrückt.[1][2] Aufgrund seiner repellierenden Wirkung wird getrockneter Lavendel traditionell zur Abwehr von Kleidermotten in Textilien sowie als Begleitpflanze zum Schutz von Rosen vor Blattläusen genutzt.[4][2] In der Hygieneindustrie finden Extrakte in patentierten Gelen Anwendung, die desinfizierend wirken und gleichzeitig Mücken sowie Fliegen abwehren.[1] Medizinisch relevant ist die antimikrobielle Aktivität des ätherischen Öls gegen Hauterreger wie Propionibacterium acnes, was den Einsatz bei Akne und kleinen Wunden begründet.[3] Als Kulturpflanze unterliegt L. angustifolia jedoch selbst einem Schadrisiko durch Insekten wie Blattläuse, Schaumzikaden und Heuschrecken.[1] Ein erhebliches ökonomisches Schadpotenzial in Anbaugebieten wie der Provence verursacht die Zikade (Cicadelle), die als Vektor für Phytoplasmen-Erkrankungen fungiert und das Absterben ganzer Felder auslösen kann.[9] Typische Befallsanzeichen für pilzliche Erreger wie Phytophthora oder Armillaria sind Welkeerscheinungen und Wurzelfäule, die vorwiegend auf schlecht drainierten Böden auftreten. Präventive Maßnahmen erfordern bauliche Anpassungen wie Hochbeete oder Bodenverbesserungen mit Sand, um Staunässe strikt zu vermeiden. Zur Vorbeugung von Pilzinfektionen ist ein Pflanzabstand von 45 bis 60 cm essenziell, um eine ausreichende Luftzirkulation zu gewährleisten. Das Monitoring der Bestände sollte auf frühe Anzeichen von Vergilbung oder Insektenfraß achten, wobei physikalische Bekämpfungsmethoden wie starke Wasserstrahlen gegen Blattläuse bevorzugt werden. Bei starkem Befall durch größere Schädlinge wie Heuschrecken kommen mechanische Methoden wie das manuelle Absammeln oder Barrieren zum Einsatz. Chemische Interventionen werden im Rahmen einer integrierten Schädlingsbekämpfung (IPM) minimiert, um Nützlinge zu schonen und die Bodenqualität in Rotationssystemen zu erhalten. Organische Bekämpfungsansätze umfassen zudem den Einsatz von insektiziden Seifen bei Weichhautmilben oder Blattläusen.[1]