Fakten (kompakt)
- Die ältesten bekannten fossilen Belege der Ordnung stammen aus einer untertriassischen Formation in Frankreich, wobei Dipteren auch im eozänen Baltischen Bernstein zu den häufigsten organischen Einschlüssen zählen. - Zur Flugstabilisierung nutzen die Tiere ihre Schwingkölbchen (Halteren), welche durch die Detektion von Corioliskräften Drehungen während des Fluges registrieren. - Die Haftung der Beine auf Untergründen wird durch sogenannte Pulvillen ermöglicht, die bei Schmeißfliegen mit etwa 5000 feinen Haaren und einem ausgeschiedenen Sekret besetzt sind. - Bei der Gruppe der Schizophora bläht sich beim Schlüpfen aus der Puppe eine temporäre Kopfblase auf, um die Puppenhülle zu sprengen, was eine charakteristische hufeisenförmige Naht (Ptilinalnaht) am Kopf hinterlässt.[10] - Ein alkalischer Wundgeruch übt eine Anziehungskraft auf pathogene Fliegen aus, was zur Eiablage in den betroffenen Arealen führen kann. - Im Gegensatz zu sterilen Therapiemaden verursachen wildlebende Larven in Wunden häufig bakterielle Superinfektionen mit Erregern wie *Staphylococcus aureus*, *Pseudomonas aeruginosa* oder *Ignatzschineria indica*.[2] - Zur Bekämpfung von Maden in Möbelstücken und Antiquitäten existieren patentierte Verfahren, die auf das Tiefgefrieren der Gegenstände setzen, um die Larven ohne Chemikalien abzutöten.[14]
Die wissenschaftliche Bezeichnung der Ordnung lautet *Diptera*, wobei die Erstbeschreibung im Jahr 1758 durch Carl von Linné erfolgte.[3][4] Systematisch werden die Zweiflügler in die Klasse der Insekten (*Insecta*) und den Unterstamm der Sechsfüßer (*Hexapoda*) eingeordnet.[4] Der im Deutschen gebräuchliche Trivialname „Made“ bezeichnet im engeren biologischen Sinne die Larven der Fliegen (*Brachycera*).[1][5] Diese zeichnen sich im Gegensatz zu den Larven der Mücken (*Nematocera*) durch das Fehlen einer Kopfkapsel und echter Gliederbeine aus, wobei Mundwerkzeuge oft reusenartig ausgebildet sind.[1] Die *Diptera* gehören zu den holometabolen Insekten, was bedeutet, dass sie eine vollständige Metamorphose von der Larve über die Puppe zum Imago durchlaufen.[4][1] Innerhalb der Ordnung werden traditionell die Unterordnungen der Mücken (*Nematocera*) und der Fliegen (*Brachycera*) unterschieden, wobei letztere als Monophylum gelten.[6] Fossile Belege deuten darauf hin, dass die Vorfahren dieser Gruppe bereits in der Trias existierten, während die *Brachycera* ab dem Jura nachweisbar sind.[1]
Adulte Zweiflügler (*Diptera*) erreichen eine durchschnittliche Körpergröße zwischen 0,8 und 23 Millimetern, wobei die größte Art *Gauromydas heros* bis zu 60 Millimeter misst. Der Körperbau variiert stark zwischen den filigranen Mücken (*Nematocera*) und den kompakteren Fliegen (*Brachycera*). Ein entscheidendes Bestimmungsmerkmal ist die Reduktion der Hinterflügel zu keulenförmigen Schwingkölbchen (Halteren), während nur die Vorderflügel als Flugorgane ausgebildet sind. Der Kopf trägt meist gut entwickelte Facettenaugen, die sich bei einigen Arten auf der Oberseite berühren, sowie oft drei Punktaugen (Ocellen). Die Antennen sind bei Mücken lang und vielgliedrig, bei Fliegen hingegen kurz und meist auf drei Segmente reduziert. Die Mundwerkzeuge der Imagines sind je nach Gruppe leckend-saugend oder stechend-saugend ausgeprägt. Die Larven der Zweiflügler unterscheiden sich signifikant: Echte Maden (Larven der Fliegen) sind beinlos und besitzen keine Kopfkapsel. Im Gegensatz dazu weisen die Larven der Mücken eine Kopfkapsel und Stummelbeine auf. Bei vielen Mückenlarven sind die Mundwerkzeuge reusenartig ausgebildet, während sie bei Fliegenlarven ins Innere verlagert sind. Die Atmung der Larven erfolgt oft über Stigmenpaare, die sich am Hinterleib befinden. Nach drei bis vier Larvenstadien erfolgt die Verpuppung, aus der bei den Deckelschlüpfern (*Cyclorrhapha*) das fertige Insekt unter Zuhilfenahme einer Kopfblase schlüpft.[10] Bei der Wundmyiasis schlüpfen die Maden, angelockt durch den Geruch von Wunden, bereits wenige Tage nach der Eiablage.[2]
Die Larven der Zweiflügler (*Diptera*), gemeinhin als Maden bekannt, nehmen ökologisch diverse Rollen als Zersetzer, Räuber oder Parasiten ein. In der Human- und Tierhygiene kommt ihnen eine signifikante Bedeutung als Lästlinge und potenzielle Krankheitsüberträger zu.[10] Ein klinisch relevantes Schadbild ist die Myiasis, der Befall von Wunden oder lebendem Gewebe, der durch den Klimawandel auch in Europa an Prävalenz gewinnt. Wärmere Temperaturen begünstigen die Reproduktionsbedingungen der Insekten und beschleunigen die Verpuppungsgeschwindigkeit. Zu den Risikofaktoren für einen Befall beim Menschen zählen offene Wunden, Gefäßerkrankungen sowie sozioökonomische Benachteiligung. Ein alkalischer Wundgeruch lockt die Fliegen zur Eiablage an, woraus nach wenigen Tagen die Larven schlüpfen. Dies führt oft zu einer Vertiefung der Wunden und bakteriellen Superinfektionen mit Keimen wie *Staphylococcus aureus* oder *Pseudomonas aeruginosa*. Zur Prävention werden bauliche Maßnahmen wie der Einbau von Fliegengittern und die Klimatisierung von Krankenstationen empfohlen. Die Therapie eines manifesten Befalls umfasst das mechanische Entfernen der Larven (Débridement) sowie den Einsatz von Antiseptika. Da Maden resistente Bakterien übertragen können, ist häufig eine begleitende antibiotische Behandlung erforderlich.[15] Im Materialschutz werden zur Bekämpfung von Larven in Gegenständen auch physikalische Methoden wie das Tiefgefrieren eingesetzt.[16]