Fakten (kompakt)
- Zu den fünf domestizierten Hauptarten zählen neben *Capsicum annuum* (z. B. Jalapeños, Cayenne) auch *Capsicum chinense* (Habaneros), *Capsicum baccatum* (Aji), *Capsicum frutescens* (Tabasco) und *Capsicum pubescens* (Rocoto). - Archäologische Nachweise belegen eine Kultivierung von *Capsicum annuum* im zentral-östlichen Mexiko bereits vor 6000 Jahren. - Die fehlende Schärfe bei milden Gemüsesorten resultiert aus rezessiven Allelen am *Pun1*-Locus, wodurch die Biosynthese von Capsaicinoiden unterbunden wird. - Ernährungsphysiologisch zeichnen sich die Früchte durch hohe Gehalte an Vitamin A und C sowie Antioxidantien wie Carotinoide und Flavonoide aus. - Aufgrund der schmerzstillenden und entzündungshemmenden Eigenschaften von Capsaicin besitzen Extrakte der Pflanze ein medizinisches Anwendungspotenzial. - Die Blütenkrone ist glockenförmig (*campanulat*) oder radförmig (*rotat*) und weist einen Durchmesser von 9 bis 15 Millimetern auf. - Wildarten der Gattung dienen in Zuchtprogrammen als wichtige genetische Ressource für Krankheitsresistenzen und Geschmacksvielfalt. - Neben der Nutzung als Nahrungsmittel werden diverse Varietäten aufgrund ihres Erscheinungsbildes als Zierpflanzen im Gartenbau verwendet.[7]
Die Gattung *Capsicum* wurde im Jahr 1753 von Carl Linnaeus in seinem Werk *Species Plantarum* formal erstbeschrieben, wobei er frühere Klassifizierungen von Tournefort aufgriff.[2][1] Sie wird der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) zugeordnet und bildet phylogenetisch eine Schwestergruppe zur Gattung *Lycianthes*.[4][5] Die Etymologie des wissenschaftlichen Namens ist nicht eindeutig geklärt; eine Theorie leitet ihn vom lateinischen *capsa* („Kasten“ oder „Behälter“) ab, was auf die Form der Früchte anspielt. Eine alternative Herleitung bezieht sich auf das griechische Verb *kapto* („beißen“), was die durch Capsaicinoide verursachte Schärfe beschreibt. Im deutschen Sprachraum wird die Gattung als Paprika bezeichnet, während international häufig der Begriff „Chili“ verwendet wird, der auf das Nahuatl-Wort *chīlli* indigener Völker Mesoamerikas zurückgeht. Die englische Bezeichnung „pepper“ etablierte sich durch Christopher Columbus, der die Schärfe der Früchte 1493 fälschlicherweise mit dem nicht verwandten Schwarzen Pfeffer (*Piper nigrum*) assoziierte. In Südamerika ist zudem der Begriff „Aji“ verbreitet, der seinen Ursprung im Taíno-Wort *aší* hat.[1] Aktuelle taxonomische Monographien aus dem Jahr 2022 erkennen 43 Arten an, wobei frühere Zuordnungen teilweise revidiert und Arten in Gattungen wie *Vassobia* oder *Tubocapsicum* ausgegliedert wurden.[2][1] Genetische Analysen datieren die Divergenz von der verwandten Gattung *Physalis* auf das mittlere Miozän vor etwa 17 Millionen Jahren.[1]
Die Vertreter der Gattung *Capsicum* wachsen als krautige Pflanzen oder Sträucher, die Wuchshöhen zwischen 0,5 und 4 Metern erreichen.[2][1] Sie bilden aufrechte oder buschige Strukturen aus und verhalten sich in gemäßigten Klimazonen meist einjährig, während sie in tropischen Ursprungsgebieten als ausdauernde Stauden gedeihen.[2] Die Laubblätter sind wechselständig angeordnet, einfach und besitzen eine eiförmige bis lanzettliche Gestalt.[1] Sie zeichnen sich typischerweise durch eine dunkelgrüne Färbung und glatte Blattränder aus.[2] Die zwittrigen Blüten sind vergleichsweise klein mit einem Durchmesser von 9 bis 15 mm.[1] Sie besitzen eine glockenförmige oder radförmige Krone, die meist weiß gefärbt ist, bei Arten wie *Capsicum pubescens* jedoch violett erscheint.[1][3] Botanisch werden die Früchte als Beeren klassifiziert, die eine enorme Variabilität in Form und Größe von sphärisch bis konisch aufweisen.[1] Während der Reifung wechselt die Exokarp-Färbung von Grün zu Gelb, Orange, Rot oder Violett.[2] Ein wichtiges anatomisches Merkmal ist das Plazentagewebe im Inneren der Frucht, in dessen epidermalen Drüsenzellen bei scharfen Varietäten die Capsaicinoide gebildet werden.[3] Süße Varietäten unterscheiden sich durch das Fehlen dieser Verbindungen, was genetisch durch rezessive Allele am *Pun1*-Locus bedingt ist.[1] Die Samen sind überwiegend hellgelb, wobei *Capsicum pubescens* (Rocoto) durch charakteristische schwarze Samen eindeutig von anderen domestizierten Arten abgrenzbar ist.[3] Zytologisch weisen die meisten *Capsicum*-Taxa einen diploiden Chromosomensatz von 2n=24 auf.[1]
Capsicum-Arten sind weltweit ökonomisch bedeutende Nutzpflanzen, deren Anbau jedoch durch diverse Schädlinge und Krankheitserreger gefährdet ist. Zu den Hauptschädlingen zählen Blattläuse (*Myzus persicae*), Thripse (*Frankliniella occidentalis*) und Spinnmilben (*Tetranychus urticae*), die durch Saugtätigkeit Symptome wie Blattkräuselung, Wachstumshemmung und silbrige Verfärbungen verursachen. Insbesondere Blattläuse fungieren zudem als Vektoren für Viren wie das Gurkenmosaikvirus oder das Kartoffelvirus Y. Pilzliche und bakterielle Erreger wie *Phytophthora capsici* (Wurzelfäule) und *Xanthomonas euvesicatoria* (Bakterienfleckenkrankheit) führen zu massiven Ernteverlusten durch Wurzelschäden oder nekrotische Läsionen an Früchten.[3] Aus medizinischer Sicht können die enthaltenen Capsaicinoide bei Kontakt Reizungen hervorrufen und sind bei gastroösophagealer Refluxkrankheit (GERD) kontraindiziert, da sie starke intestinale Kontraktionen auslösen können.[1] Im Rahmen des Integrierten Pflanzenschutzes (IPM) werden biologische Nützlinge wie die Raubmilbe *Phytoseiulus persimilis* gegen Spinnmilben eingesetzt.[3] Neuere biologische Bekämpfungsansätze nutzen spezifische Mikroorganismen wie *Trichoderma virens* oder *Paenibacillus polymyxa*, um das Myzelwachstum von *Phytophthora*-Erregern präventiv zu hemmen.[2] Züchterische Maßnahmen fokussieren sich auf die Einkreuzung von Resistenzgenen wie *Bs2* gegen Bakterienflecken oder die Nutzung von CRISPR/Cas9 zur Reduktion von Anfälligkeitsgenen.[5] Hygienische Präventionsmaßnahmen umfassen die Beseitigung infizierter Pflanzenreste und die Verwendung von virusfreiem Saatgut, um die mechanische Übertragung des Tabakmosaikvirus (TMV) zu verhindern. Zusätzlich erfordert das Management abiotischer Stressfaktoren wie Trockenheit und Salinität angepasste Bewässerungsstrategien, da diese die Pflanzengesundheit und Erträge signifikant beeinträchtigen.[3]