Fakten (kompakt)
- Die Chromosomenzahl der Art beträgt 2n = 96, was zur Wuchskraft und morphologischen Variabilität der Pflanze beiträgt. - Als Frucht bildet *Mentha aquatica* vier ovale Nüsschen (Nuculae) aus. - Das phytochemische Profil umfasst spezifische bioaktive Verbindungen wie 1,8-Cineol, trans-Caryophyllen, Rosmarinsäure, Kaffeesäure sowie die Flavonoide Eriocitrin und Luteolin-7-O-glucosid. - In der Volksmedizin des Iran, Nordafrikas und Europas wurde die Pflanze traditionell gegen Epilepsie, Depressionen, Asthma und Colitis ulcerosa eingesetzt. - Kulinarische Verwendung finden die Blätter besonders in der iranischen Küche, wo sie Salaten und gekochten Gerichten beigefügt werden. - Pharmakologische Untersuchungen deuten auf antidiabetische Effekte hin, die auf einer Hemmung des Enzyms α-Glucosidase basieren. - Die einzelnen Röhrenblüten sind mit einer Länge von lediglich 3 bis 5 Millimetern sehr klein. - Neben den typischen violetten Farbtönen können die Blüten auch blau, rot oder weiß gefärbt sein.[7]
Der akzeptierte wissenschaftliche Name der Art lautet *Mentha aquatica* L., wobei die Erstbeschreibung im Jahr 1753 durch den schwedischen Botaniker Carl von Linné in seinem Werk *Species Plantarum* erfolgte.[1][2] Taxonomisch wird die Pflanze in die Familie der Lamiaceae (Lippenblütler), Unterfamilie Nepetoideae und die Tribus Mentheae eingeordnet. Der Gattungsname *Mentha* leitet sich aus der griechischen Mythologie ab und verweist auf die Nymphe Minthe, die der Legende nach von Persephone in diese Pflanze verwandelt wurde. Das lateinische Art-Epitheton *aquatica* bedeutet „im Wasser lebend“ oder „wasserliebend“ und bezieht sich auf die bevorzugten Feuchtbiotope der Spezies.[2] Aufgrund der hohen morphologischen Variabilität und historischen taxonomischen Unsicherheiten existieren über 300 Synonyme, darunter Bezeichnungen wie *Mentha hirsuta* Huds. und *Mentha fatida* Mill.[2] Im deutschen Sprachraum ist die Art primär als Wasserminze oder Bachminze bekannt.[5] International ist der englische Trivialname „Water mint“ verbreitet.[3] Innerhalb der Art werden verschiedene Varietäten unterschieden, darunter die typische *var. aquatica* und die krausblättrige *var. crispa*. *Mentha aquatica* ist zudem eine zentrale Elternart für zahlreiche Hybriden, insbesondere für die ökonomisch bedeutende Pfefferminze (*Mentha × piperita*), die aus einer Kreuzung mit *Mentha spicata* hervorging.[2] Weitere relevante Hybriden sind *Mentha × suavis* (Kreuzung mit *M. suaveolens*) und *Mentha × verticillata* (Kreuzung mit *M. arvensis*).[2]
*Mentha aquatica* ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 10 bis 90 cm erreicht.[3] Sie bildet aufrechte oder aufsteigende Stängel aus einem kriechenden Rhizomsystem, das der vegetativen Ausbreitung dient.[2] Die Stängel weisen den für die Familie charakteristischen quadratischen Querschnitt auf. Ihre Färbung ist typischerweise grün, kann jedoch oft violett überlaufen sein. Die Behaarung der Sprossachse variiert stark von fast kahl bis behaart, wobei oft Haare zwischen den Nodien zu finden sind. Die gegenständig angeordneten Laubblätter sind einfach und besitzen eine eiförmige bis eiförmig-lanzettliche Form. Sie messen 2 bis 6 cm in der Länge sowie 1 bis 4 cm in der Breite und gehen in einen kurzen Blattstiel über. Der Blattrand ist deutlich gezähnt. Auf der grünen Blattoberfläche befinden sich häufig glanduläre Punkte, die beim Zerreiben ein starkes Minzaroma freisetzen. Die zwittrigen Einzelblüten sind winzig, etwa 3 bis 5 mm lang, und besitzen eine röhrenförmige Krone aus verwachsenen Kronblättern. Sie stehen in dichten, halbkugeligen Scheinquirlen zusammen, die endständige, kugel- bis eiförmige Blütenstände bilden. Diese Blütenstände erreichen eine Länge von 15 bis 30 mm und eine Breite von 12 bis 20 mm. Die Blütenfarbe reicht meist von Violett bis Rosa-Lila, variiert jedoch gelegentlich zu Blassviolett, Rot oder Weiß.[3] Die Blütezeit erstreckt sich in gemäßigten Regionen von Juli bis Oktober. Als Früchte werden Spaltfrüchte gebildet, die in vier kleine, trockene und ovale Nüsschen (Klausen) zerfallen. Morphologisch ist die Art variabel, wobei regionale Varianten unterschiedliche Blattformen von länglich bis rundlich zeigen können.[2] Eine bekannte Varietät ist *var. crispa*, die sich durch gekräuselte Blätter auszeichnet. Verwechslungsgefahr besteht vor allem mit Hybriden wie der Pfefferminze (*Mentha × piperita*), die jedoch oft steril sind.[2]
In nativen Ökosystemen fungiert *Mentha aquatica* als ökologisch wertvoller Nützling, der durch sein ausgeprägtes Wurzelwerk Uferbereiche stabilisiert und Bestäubern wie Bienen und Schwebfliegen reichhaltige Nahrungsquellen bietet.[2] In eingeführten Regionen, insbesondere in Nordamerika, wird die Art jedoch teils als invasiver Schädling klassifiziert, da sie durch aggressives Rhizomwachstum dichte Monokulturen bildet und heimische Pflanzen verdrängt.[5][2] Das Schadpotenzial äußert sich vor allem in der Veränderung der Hydrologie von Feuchtgebieten, weshalb in Regionen wie Florida strikte Managementvorgaben existieren und eine Anpflanzung nicht empfohlen wird.[4] Medizinisch besitzt die Pflanze Relevanz durch antimikrobielle und entzündungshemmende Wirkstoffe, wobei Extrakte auch in patentierten kosmetischen Anwendungen zur Hautstraffung und Lipolyse-Stimulierung genutzt werden.[3][5] Im landwirtschaftlichen Anbau ist *Mentha aquatica* anfällig für den Minzrost (*Puccinia menthae*), dessen Befall sich durch orangefarbene Pusteln an Blättern und Stängeln manifestiert und Erträge mindern kann. Als Indikator für die biotische Interaktion dient das Auftreten von Minzmotten (*Pyrausta* spp.), deren Raupen an den Blättern fressen, während das starke Aroma viele größere Herbivoren wie Rehe abschreckt.[5][3] Zur Prävention von Krankheiten im Kulturanbau werden Fruchtfolgen von drei bis vier Jahren sowie der Einsatz von zertifiziertem, krankheitsfreiem Pflanzgut empfohlen.[6] Die Bekämpfung unerwünschter Ausbreitung erfordert meist physische Maßnahmen wie das Ausgraben der Rhizome, da die vegetative Vermehrung sehr dominant ist.[2] Im Rahmen integrierter Managementansätze (IPM) wird Mulchen zur Unkrautunterdrückung eingesetzt, um den Einsatz chemischer Mittel zu minimieren.[6] Chemische Profile zeigen eine hohe Variabilität an Inhaltsstoffen wie Menthofuran, was bei der Nutzung berücksichtigt werden muss. Aus gesundheitlicher Sicht gilt der Konsum generell als sicher, jedoch wird Schwangeren aufgrund möglicher uteriner Stimulation durch den Mentholgehalt zur Vorsicht geraten.[2]