Fakten (kompakt)
- Die trichterförmigen Blüten erreichen einen Durchmesser von 12 bis 15 Millimetern und treten gelegentlich in blassrosa oder weißen Farbvarianten auf. - Das Höhenverbreitungsspektrum der Art konzentriert sich spezifisch auf Lagen zwischen 1.500 und 2.500 Metern. - Individuen von *Rhododendron ferrugineum* sind ausgesprochen langlebig und können ein Alter von über 300 Jahren erreichen. - In der Roten Liste der IUCN wird der Bestand der Art global als „nicht gefährdet“ (Least Concern) klassifiziert. - Prognosemodelle zum Klimawandel sagen bis zum Jahr 2100 signifikante Habitatverluste voraus, insbesondere in den Pyrenäen aufgrund reduzierter Schneedecken. - Zu den historischen, heute als heterotypisch geltenden Synonymen zählen *Azalea ferruginea*, *Chamaerhododendron ferrugineum* und *Plinthocroma ferrugineum*. - Die Art wird taxonomisch der Klasse Magnoliopsida und der Ordnung Ericales zugeordnet. - Neben der Verwendung als Zierpflanze für saure Böden gibt es historische Nachweise für eine Nutzung zu medizinischen Zwecken. - Im Habitat wächst die Art häufig in Gesellschaft von Kiefern (*Pinus* spp.) in offenen Wäldern oder Zwergstrauchheiden.[10]
Der wissenschaftliche Name der Art lautet *Rhododendron ferrugineum* L., wobei die formale Erstbeschreibung durch Carl Linnaeus im Jahr 1753 in Band 1 seines Werkes *Species Plantarum* erfolgte. Als Typusart dient sie als Referenz für die taxonomische Definition der gesamten Gattung *Rhododendron*.[1] Der Gattungsname leitet sich aus dem Altgriechischen ab, zusammengesetzt aus *rhódon* (Rose) und *déndron* (Baum), was auf die rosenartigen Blüten des Gehölzes anspielt.[3] Das Artepitheton *ferrugineum* entstammt dem lateinischen Adjektiv *ferrugineus* (rostfarben) und bezieht sich auf die charakteristische rostbraune Beschuppung (Indumentum) auf den Blattunterseiten. In der botanischen Nomenklatur existieren mehrere, heute als heterotypisch betrachtete Synonyme, darunter *Azalea ferruginea* (L.) Kuntze, *Chamaerhododendron ferrugineum* (L.) Bubani und *Plinthocroma ferrugineum* (L.) J.Dulac.[1] Systematisch wird die Art innerhalb der Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae) dem Subgenus *Rhododendron* sowie der gleichnamigen Sektion zugeordnet. Im deutschsprachigen Raum ist die Pflanze allgemein als Alpenrose bekannt.[1][3] Internationale Trivialnamen im Englischen umfassen „Alpenrose“, „snow-rose“ oder beschreibend „rusty-leaved alpenrose“. Taxonomisch ist sie eng mit *Rhododendron hirsutum* verwandt, mit welcher sie bei gemeinsamem Vorkommen auf intermediären Böden die Hybride *Rhododendron* × *intermedium* bildet.[1]
Rhododendron ferrugineum wächst als immergrüner Zwergstrauch, der typischerweise Wuchshöhen von 30 bis 150 Zentimetern erreicht.[1][3] Die Pflanzen bilden dichte, halbkugelige Bestände oder ausgebreitete Matten, die bis zu zwei Meter breit werden können. Junge Triebe sind charakteristisch mit einem dichten, rostfarbenen Besatz aus überlappenden Schuppen bedeckt, was der Pflanze ein unverwechselbares Aussehen verleiht.[3] Die lederartigen, immergrünen Blätter besitzen eine lanzettliche bis elliptische Form mit einer Länge von 1,5 bis 6 Zentimetern und einer Breite von 0,8 bis 1,6 Zentimetern.[1][3] Oberseits sind die Blätter dunkelgrün, glänzend und kahl, gelegentlich jedoch schwach beschuppt. Ein entscheidendes Bestimmungsmerkmal ist die Unterseite der Blätter, die dicht mit rostbraunen Schuppen besetzt ist, was zum Artnamen „ferrugineum“ (rostfarben) führte. Die Blattränder sind leicht nach unten umgerollt. Die Blüten stehen in endständigen Trauben von fünf bis zehn Einzelblüten zusammen, die sich aus schuppigen Knospen entwickeln.[3] Die trichter- bis glockenförmige Krone misst 12 bis 15 Millimeter im Durchmesser und weist fünf ausgebreitete, längliche Lappen auf. Die Blütenfärbung variiert von tiefem Rosa bis Purpurrot, selten treten weiße Formen auf, wobei die Außenseite der Krone oft schuppig und behaart ist.[1][3] Jede Blüte ist zwittrig und besitzt zehn Staubblätter sowie einen kahlen Griffel. Nach der Befruchtung bilden sich 5 bis 8 Millimeter lange, verholzte Kapseln, die spärlich mit Schuppen bedeckt sind. Diese Kapseln öffnen sich septizid und entlassen zahlreiche kleine, geflügelte Samen, die an die Windausbreitung angepasst sind.[3] Im Gegensatz zur nah verwandten Art *Rhododendron hirsutum*, die auf kalkhaltigen Böden wächst, zeichnet sich *R. ferrugineum* durch die spezifische rostbraune Beschuppung der Blattunterseiten aus. In Kontaktzonen können Hybriden (*Rhododendron* × *intermedium*) auftreten, die intermediäre Merkmale beider Elternarten aufweisen.[3]
Rhododendron ferrugineum erfüllt eine wichtige ökologische Funktion bei der Stabilisierung erodierter Böden und bietet Lebensraum für alpine Tierarten wie das Birkhuhn.[3] Aufgrund enthaltener Grayanotoxine (Andromedotoxine) in Blättern und Nektar wird die Pflanze jedoch als giftig für Weidetiere und Menschen klassifiziert.[2] Bei Wiederkäuern wie Schafen und Ziegen kann bereits die Aufnahme von 0,2 % des Körpergewichts an Blattmasse tödlich wirken, wobei Symptome wie übermäßiger Speichelfluss, Ataxie und Krämpfe auftreten.[8] Für den Menschen besteht ein Risiko durch sogenannten "Tollhonig" aus dem Nektar, der Herzrhythmusstörungen und Hypotonie auslösen kann, wenngleich schwere Vergiftungen spezifisch durch diese Art selten dokumentiert sind.[2] Im Gartenbau gilt die Art als anfällig für den Gefurchten Dickmaulrüssler, dessen Larven das Wurzelsystem zerstören, während die adulten Käfer typischen Buchtenfraß an den Blatträndern verursachen.[9] Ein weiteres häufiges Schadbild ist die Chlorose (Gelbfärbung der Blätter) auf kalkhaltigen Böden, da die Pflanze zwingend saure Substrate benötigt. Staunässe begünstigt zudem den Befall durch Phytophthora-Wurzelfäule, weshalb eine gute Bodendrainage die wichtigste bauliche Präventionsmaßnahme darstellt. Zur Pflege und Vorbeugung sollten Böden mit ericoidem Kompost oder Torf angereichert und auf die Gabe von Kalk strikt verzichtet werden.[3] Das Monitoring erfolgt durch visuelle Kontrolle auf Blattkerben als Indikator für Rüsselkäferbefall sowie auf Verfärbungen durch Nährstoffmangel.[9] Rechtlich ist R. ferrugineum im Anhang V der EU-FFH-Richtlinie gelistet, was die Entnahme aus der Natur reglementiert, um die Bestände trotz Bedrohungen durch Klimawandel und Tourismus ("Trampling") zu sichern.[2][3] Obwohl die Art laut IUCN als "nicht gefährdet" (Least Concern) gilt, erfordern lokale Populationen in Schutzgebieten ein Management zur Begrenzung von Weideschäden und Trittbelastung.[4][3]