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Schnecken Gastropoda

Schnecken
Mittleres Risiko Krankheitsüberträger Giftig Physische Gefahr

Classification taxonomique

Reich Tiere (Animalia)
Stamm Weichtiere (Mollusca)
Klasse Schnecken (Gastropoda)
Art Gastropoda
Wissenschaftlicher Name: Gastropoda
Akzeptierter Name
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Einleitung

Die *Gastropoda* (Schnecken) bilden die artenreichste und vielfältigste Klasse im Stamm der Weichtiere (*Mollusca*), die mit geschätzten 85.000 bis 90.000 rezenten Arten über 80 % aller lebenden Weichtiere umfasst. Sie zeichnen sich durch einen asymmetrischen Körperbau mit einem muskulösen Kriechfuß und einem Kopf mit Sinnesorganen aus, wobei der Weichkörper meist durch eine gewundene Kalkschale geschützt wird, die bei Nacktschnecken jedoch sekundär reduziert ist oder fehlt.[1][2] Diese Organismen besiedeln weltweit marine, limnische sowie terrestrische Lebensräume und erfüllen wichtige ökologische Funktionen als Destruenten und Konsumenten, wenngleich einige Arten als invasive Agrarschädlinge gelten.[2]

Name & Einordnung

Der wissenschaftliche Name *Gastropoda* wurde 1795 von dem französischen Naturforscher Georges Cuvier eingeführt, der die Gruppe ursprünglich als „les Gastéropodes“ bezeichnete.[2] Die Bezeichnung leitet sich aus den griechischen Wörtern *gastḗr* (Magen) und *poús* (Fuß) ab, was auf die charakteristische Position des Magens über dem zur Fortbewegung dienenden Fuß anspielt.[2][1] Die heute gültige latinisierte Form *Gastropoda* etablierte André Marie Constant Duméril im Jahr 1805, wodurch der Begriff in die binäre Nomenklatur integriert wurde. Im deutschen Sprachraum wird die Klasse als Schnecken bezeichnet, ein Trivialname, der sowohl gehäusetragende Arten als auch Nacktschnecken umfasst. Historisch ordnete Carl von Linné (1758) diese Tiere noch unter der Ordnung Testacea innerhalb der Klasse *Vermes* ein, wobei der Fokus primär auf dem Vorhandensein einer Schale lag. Lange Zeit folgte die Systematik der Einteilung von Johannes Thiele (1929–1935) in die drei Unterklassen Prosobranchia (Vorderkiemer), *Opisthobranchia* (Hinterkiemer) und *Pulmonata* (Lungenschnecken).[2] Neuere phylogenetische Untersuchungen zeigten jedoch, dass die Gruppe der Prosobranchia paraphyletisch ist, was zu einer umfassenden Revision führte.[1] Die aktuelle Klassifikation nach Bouchet et al. (2017) unterteilt die *Gastropoda* nun in sechs Hauptlinien, darunter *Caenogastropoda*, *Heterobranchia* und *Vetigastropoda*.[3] Diese taxonomische Neuordnung basiert auf integrativen Analysen von morphologischen und molekularen Daten und wird in modernen Datenbanken geführt.[3][2]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Die Klasse *Gastropoda* zeichnet sich durch einen weichen Körper aus, der typischerweise von einer einzelnen, oft spiralig gewundenen Schale (Univalve) aus Calciumcarbonat und einem organischen Periostracum geschützt wird.[1][2] Ein definierendes Merkmal des Bauplans ist die Torsion, eine entwicklungsbedingte Drehung der Eingeweidemasse um bis zu 180 Grad gegen den Uhrzeigersinn relativ zu Kopf und Fuß, wodurch eine Asymmetrie entsteht.[1] Die Körpergröße variiert extrem, von winzigen Arten wie *Acmella nana* mit nur 0,5 mm Gehäusebreite bis hin zum Riesen-Seehasen *Aplysia vaccaria*, der eine Länge von 99 cm erreichen kann.[6][2] Der gut entwickelte Kopf trägt gepaarte Tentakel, an deren Spitzen oder Basis sich häufig Augen befinden, und dient als sensorisches Zentrum.[1] Charakteristisch für die Nahrungsaufnahme ist die Radula, ein chitinoses Band mit Reihen mikroskopischer Zähne, das zum Raspeln oder bei Gattungen wie *Conus* als Harpunenapparat dient.[4] Der Mantel scheidet die Schalensubstanz ab und bildet eine Höhle für Atmungsorgane wie Kiemen oder lungenartige Strukturen.[1] Bei vielen Arten verschließt ein horniges oder kalkhaltiges Operculum die Gehäusemündung zum Schutz vor Räubern und Austrocknung, während Nacktschnecken die Schale sekundär reduziert oder verloren haben.[2][1] Die Fortbewegung erfolgt primär über einen breiten, ventralen Muskelfuß, der Schleim absondert, um Reibung zu mindern und Haftung zu ermöglichen. Die Entwicklung mariner Formen umfasst oft ein planktonisches Veliger-Larvenstadium mit einem bewimperten Velum zur Schwimmbewegung und Nahrungsaufnahme, das auf ein Trochophora-Stadium folgt.[2] Die Fortpflanzung ist überwiegend ovipar, wobei Eier in gallertartigen Schnüren oder festen Kapseln abgelegt werden, die teilweise Nähreier zur Versorgung der Embryonen enthalten.[7] Während einige Gruppen getrenntgeschlechtlich sind, treten die meisten *Gastropoda* als Zwitter auf, die über männliche und weibliche Fortpflanzungsorgane verfügen. Von anderen Mollusken unterscheiden sie sich durch das univalve Gehäuse und das Fehlen einer Scharnierverbindung oder von Armen.[1]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Gastropoden erfüllen wichtige ökologische Funktionen als Destruenten und Herbivore, doch treten bestimmte Spezies als invasive Schädlinge auf.[1] Die Große Achatschnecke (*Lissachatina fulica*) beeinträchtigt als invasiver Organismus weltweit die Landwirtschaft und lokale Biodiversität massiv. Auch die Apfelschnecke (*Pomacea canaliculata*) verursacht nach ihrer Verbreitung durch den Aquakulturhandel erhebliche ökonomische Schäden an Nutzpflanzen.[2] In Süßwasserhabitaten konkurriert die Neuseeländische Deckelschnecke (*Potamopyrgus antipodarum*) erfolgreich mit heimischen Gastropoden um Nahrungsressourcen wie Periphyton.[1] Medizinische Relevanz besitzen Schnecken als obligate Zwischenwirte für pathogene Parasiten.[2] Ein prominentes Beispiel ist *Biomphalaria glabrata*, welche für die Übertragung der Schistosomiasis (Bilharziose) verantwortlich ist.[1] Im Bereich des Umweltmonitorings fungieren Gastropoden als sensible Bioindikatoren für Schadstoffe. Arten wie *Melanoides tuberculata* akkumulieren Schwermetalle wie Cadmium und Blei im Gewebe, wodurch Rückschlüsse auf die lokale Gewässerverschmutzung möglich sind.[2] Zudem reagieren marine Arten empfindlich auf Ozeanversauerung, da sinkende pH-Werte die Schalenbildung beeinträchtigen oder auflösen.[1] Die chemische Bekämpfung mittels Pestiziden in Agrarlandschaften führt bei Arten wie *Archachatina marginata* zu schweren Organschäden und direkter Mortalität. Biologische Regulative umfassen Prädatoren wie Drosseln (*Turdus* spp.), die Gehäuse an Steinen aufbrechen, sowie Igel (*Erinaceus europaeus*) und Hundertfüßer.[1][8] Aus rechtlicher Sicht unterliegen bedrohte Arten wie die Große Fechterschnecke (*Aliger gigas*) dem Schutz des CITES-Abkommens (Anhang II), um eine Überfischung zu verhindern.[4]

Biologie & Lebenszyklus

Die Fortpflanzungsbiologie der Gastropoda ist überwiegend durch Hermaphroditismus geprägt, wobei viele Arten wie die Stylommatophora als Simultanzwitter auftreten, während bei einigen Caenogastropoda ein sequentieller Geschlechtswechsel stattfindet.[2][1] Das Paarungsverhalten umfasst oft komplexe Rituale, wie den Einsatz von kalkhaltigen Liebespfeilen bei *Helix pomatia*, um den Fortpflanzungserfolg zu steigern.[4] Während marine Formen häufig eine externe Befruchtung nutzen, erfolgt bei terrestrischen Arten meist eine interne Befruchtung mit anschließender Eiablage (Oviparie), wobei Gelegegrößen von 1 bis 200 Eiern typisch sind.[1][8] Die Entwicklung mariner Arten verläuft oft über ein Trochophora-Stadium zur planktonischen Veliger-Larve, die sich entweder von Plankton ernährt oder durch Dottervorräte versorgt wird.[1][2] Ein entscheidender Entwicklungsschritt ist die Torsion, eine 180-Grad-Drehung des Eingeweidesacks während der Larvalphase, die zur charakteristischen Asymmetrie führt.[2] Im Gegensatz dazu zeigen terrestrische Lungenschnecken eine direkte Entwicklung, bei der fertige Jungtiere ohne freies Larvenstadium schlüpfen.[1] Nach der Metamorphose, bei der das Velum resorbiert wird, wachsen die meisten beschalten Arten ihr Leben lang weiter (indeterminiertes Wachstum).[2] Die Lebensdauer variiert stark und reicht von wenigen Monaten bei tropischen Arten bis zu über 15 Jahren bei manchen Süßwasserschnecken gemäßigter Breiten.[1] Die Ernährung erfolgt primär über die Radula, die bei Herbivoren zum Abschaben von Algen und bei Karnivoren wie Kegelschnecken (*Conus*) als Harpunenapparat dient.[4] Physiologisch sind viele Landschnecken an Trockenheit angepasst und können in eine Ästivation (Trockenruhe) fallen, indem sie die Gehäuseöffnung mit einem Epiphragma aus getrocknetem Schleim verschließen.[2] Wüstenarten wie *Sphincterochila boissieri* überdauern in diesem Zustand bis zu vier Jahre ohne Nahrungsaufnahme. Zu den natürlichen Feinden zählen Vögel wie Drosseln, die Gehäuse auf Steinen zertrümmern, sowie Krebse und Säugetiere.[1] Als Abwehrmechanismen dienen neben dem Gehäuse und dem Operculum auch chemische Strategien wie das Ausstoßen von Tinte bei Seehasen (*Aplysia*).[1][2] Besondere biologische Assoziationen finden sich bei *Elysia chlorotica*, die Chloroplasten aus Algen für die Photosynthese einlagert (Kleptoplastie), oder bei Tiefseearten wie *Alviniconcha*, die Symbiosen mit chemosynthetischen Bakterien eingehen.[2]

Présence et observations actuelles en Allemagne

  • Edemissen, 31234 Edemissen, Deutschland

    19.01.2026

  • Edemissen, 31234 Edemissen, Deutschland

    19.01.2026

  • Edemissen, 31234 Edemissen, Deutschland

    19.01.2026

  • Wipshausen, Im Bühfeld, 31234 Edemissen, Deutschland

    19.01.2026

  • Edemissen, 31234 Edemissen, Deutschland

    19.01.2026

Daten: iNaturalist

Vorkommen & Lebensraum

Die Klasse *Gastropoda* ist weltweit verbreitet und besiedelt alle Kontinente sowie sämtliche großen Ozeanbecken von den Polarregionen bis zum Äquator. Im marinen Lebensraum reicht ihr Vorkommen von der Gezeitenzone bis in die Tiefsee, wobei Nachweise im Kuril-Kamtschatka-Graben Tiefen von über 9.600 Metern belegen. Terrestrische Arten dringen ebenfalls in extreme Höhen vor und sind im Himalaya bis auf etwa 5.000 Meter anzutreffen.[2] Während die marine Artenvielfalt im Indo-Pazifik und dessen Korallenriffen am höchsten ist, liegt der Schwerpunkt der terrestrischen Diversität in den gemäßigten Waldzonen der Nordhalbkugel.[1] In den polaren Gewässern der Antarktis leben hingegen weniger als 1 % der weltweiten Arten, die jedoch oft endemisch sind.[5] Die besiedelten Habitate umfassen hydrothermale Tiefseequellen, Süßwasserflüsse, feuchte Waldböden und sogar aride Wüsten. An Land bevorzugen Schnecken feuchte Mikrohabitate wie die Laubstreu in Wäldern oder Felsspalten in Grasländern, wobei arboreale Gattungen wie *Partula* auf Vegetation angewiesen sind.[1] In Trockengebieten, beispielsweise in Australien, überdauern spezialisierte Arten extreme Dürreperioden in tiefen Erdhöhlen oder Felsspalten.[2] Isolierte Lebensräume wie Höhlensysteme oder ozeanische Inselgruppen weisen eine hohe Endemismusrate auf; so sind auf Hawaii über 99 % der heimischen Landschneckenarten endemisch.[1] Durch menschliche Aktivitäten wurden invasive Arten wie die Apfelschnecke *Pomacea canaliculata* über den Aquakulturhandel weit über ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet hinaus verschleppt. Kulturfolger, darunter Nacktschnecken der Gattung *Deroceras*, profitieren in Siedlungsbereichen weltweit von künstlicher Bewässerung in Gärten und Parks. Historische Verbreitungsmuster lassen sich teilweise auf den Zerfall des Superkontinents Pangäa zurückführen, was durch Gondwana-Reliktarten in Südafrika und Australien belegt wird. In Europa und anderen Gebirgsregionen zeigen sich zudem vertikale Verbreitungsmuster, bei denen Körpergrößen, wie bei *Cepaea sylvatica* beobachtet, mit zunehmender Höhe abnehmen.[2]

Saisonalität & Aktivität

Terrestrische Gastropoden sind überwiegend nachtaktiv, um Austrocknung und hohen Temperaturen zu entgehen, wobei endogene Uhren bei Arten wie *Cepaea nemoralis* den Rhythmus steuern. In Gezeitenzonen folgen Arten wie *Littorina obtusata* zirkatidalen Rhythmen und synchronisieren ihre Aktivität mit dem Niedrigwasser, um das Risiko des Untergetauchtseins zu minimieren.[1] Um Trockenperioden zu überstehen, fallen viele Landschnecken in eine Trockenstarre (Ästivation), bei der sie ihr Gehäuse mit einem Epiphragma aus getrocknetem Schleim verschließen, um Dehydrierung zu verhindern.[2] Wüstenbewohnende Arten wie *Sphincterochila boissieri* können in diesem Ruhezustand bis zu vier Jahre überdauern, wobei sie ihren Stoffwechsel drastisch reduzieren. Die Entwicklung ist stark temperaturabhängig; so führen kühlere Bedingungen bei marinen Larven wie denen von *Bursa corrugata* oft zu einer größeren Körpergröße bei der Metamorphose.[1] Die Fortpflanzungsstrategien variieren von Semelparität (einmalige Fortpflanzung vor dem Tod) bei einigen *Helicid*-Arten bis hin zu Iteroparität mit mehreren Brutzyklen über eine Lebensspanne von bis zu 15 Jahren bei temperaten Süßwasserarten.[1][2] Während marine Formen oft planktonische Veliger-Larven freisetzen, schlüpfen terrestrische Arten meist als Miniatur-Adulte direkt aus den Eikapseln, um das Larvenstadium zu umgehen.[4] Klimaveränderungen und Erwärmungstrends beeinflussen zunehmend die Phänologie und bedrohen die saisonalen Zyklen, insbesondere bei Süßwasserarten.[1]

Vue au microscope 3D : Schnecken

Gastropoda — Vue 3D interactive

ℹ️ Lizenz & Quelle

Model: Adelomelon obesa (Philippi, 1887) | Creator: Museo Nacional de Historia Natural de Chile | Source: https://sketchfab.com/3d-models/none-13648a0ea5ce4f5bb59771670320d441 | License: CC BY 4.0

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Sources et références

  1. https://manoa.hawaii.edu/exploringourfluidearth/biological/invertebrates/phylum-mollusca
  2. https://www.molluscabase.org/about.php
  3. http://www.marinespecies.org/aphia.php?p=notes&id=55941
  4. https://repository.si.edu/bitstreams/5f64fcf6-aa11-4a91-99c8-22d4c354b568/download
  5. https://www.frontiersin.org/journals/marine-science/articles/10.3389/fmars.2022.657124/full
  6. https://blog.pensoft.net/2015/11/03/worlds-tiniest-snail-record-broken-with-a-myriad-of-new-species-from-borneo/
  7. https://royalsocietypublishing.org/doi/10.1098/rspb.2018.1314
  8. https://zslpublications.onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/j.1469-7998.1973.tb04652.x