Die Familie *Dermestidae* wird systematisch der Überfamilie Bostrichoidea innerhalb der Ordnung Coleoptera (Käfer) zugeordnet.[2][1] Im deutschsprachigen Raum ist die Bezeichnung "Speckkäfer" der etablierte Trivialname.[6] International sind Namen wie "skin beetles" (Hautkäfer), "carpet beetles" (Teppichkäfer) oder "dermestid beetles" verbreitet, welche direkt auf die nekrophagen Ernährungsgewohnheiten an tierischen Überresten und Textilien Bezug nehmen.[1] Phylogenetische Untersuchungen mitochondrialer Genome verorten die *Dermestidae* als Schwestergruppe einer Klade, die aus den *Bostrichidae* und *Ptinidae* gebildet wird. Historisch wurden auch Einordnungen in die Überfamilie Cucujoidea oder eine Verwandtschaft mit den Nosodendridae diskutiert, die jedoch durch neuere phylogenomische Daten zugunsten der Bostrichoidea-Platzierung widerlegt wurden. Eine umfassende taxonomische Revision in den 2020er Jahren reduzierte die Gliederung der Familie auf sechs monophyletische Unterfamilien, darunter Dermestinae, Attageninae und Megatominae. Dabei wurden ehemalige Unterfamilien wie die Thorictinae auf den Rang eines Tribus innerhalb der Dermestinae herabgestuft, um die phylogenetischen Verhältnisse präziser abzubilden. Der fossile Ursprung der Familie lässt sich bis in den Mittleren Jura zurückverfolgen, wobei die Art *Paradermestes jurassicus* aus China mit einem Alter von etwa 164 Millionen Jahren als ältester bekannter Vertreter gilt. Weltweit umfasst die Familie heute etwa 1.700 bis 2.000 beschriebene Arten in rund 66 bis 70 Gattungen.[1]
Adulte *Dermestidae* weisen einen kompakten, ovalen bis länglichen Körperbau auf und erreichen typischerweise eine Länge von 1,5 bis 12 mm, was ihnen die Fortbewegung in engen Räumen erleichtert. Die Grundfärbung variiert von einheitlich braun bis schwarz, wobei viele Arten, insbesondere im Genus *Anthrenus*, komplexe Muster aus bunten Schuppen, Bändern oder Flecken zeigen, die sich leicht abreiben lassen. Ein wichtiges diagnostisches Merkmal sind die 11-gliedrigen Antennen, deren letzte drei Segmente eine deutlich abgesetzte, lamellenartige Keule bilden.[3] Während Vertreter der Unterfamilie *Attageninae* ein Medianauge (Ocellus) auf der Stirn besitzen, fehlt dieses Merkmal oft bei der Unterfamilie *Dermestinae*.[2] Die Käfer verfügen über kräftige Mandibeln zum Zerkleinern trockener tierischer Materialien, und die Elytren bedecken in der Regel das gesamte Abdomen zum Schutz der darunterliegenden Hinterflügel. Der Sexualdimorphismus ist meist subtil, zeigt sich jedoch bei Männchen mancher Gattungen wie *Dermestes* durch stärker entwickelte oder gekämmte Fühlerkeulen zur besseren chemischen Partnerfindung. Die Larven sind langgestreckt, oft karottenförmig oder verjüngt und weisen eine dichte Behaarung (Setae) auf, die der Tarnung und dem Schutz dient. Ein charakteristisches Merkmal vieler Larven sind die Urogomphi, paarige hornartige Fortsätze am letzten Abdominalsegment, die nach oben oder unten gebogen sind und der Verteidigung oder dem Graben dienen.[3] Larven der Unterfamilie *Megatominae* besitzen zudem spezialisierte Pfeilhaare (Hastisetae).[2] Morphologisch unterscheiden sich die Larven deutlich: *Anthrenus*-Larven („Wollkrautblütenkäfer“) sind oval und rötlich-braun mit dunklen Haarbüscheln, während *Attagenus*-Larven goldbraun sind und einen langen Haarschwanz am Hinterleib tragen. Die Puppen sind exarat, wobei die Gliedmaßen frei vom Körper abstehen, und die Verpuppung erfolgt oft in der letzten Larvenhaut oder einem Kokon. Die Eier sind klein, weiß bis cremefarben, messen 1–2 mm und werden in Clustern nahe der Nahrungsquelle abgelegt. Zur Artabgrenzung dienen oft Details der Flügeldecken: *Dermestes maculatus* besitzt bedornte Elytrenspitzen, während *Dermestes lardarius* durch ein breites, helles Haarband auf der vorderen Elytrenhälfte gekennzeichnet ist.[3]
Dermestidae spielen eine Doppelrolle als bedeutende Materialschädlinge in Haushalten, Museen und Lagern sowie als Nützlinge in der Forensik und Taxidermie.[1][11] Während adulte Käfer oft Pollen fressen, verursachen die Larven durch den Fraß an keratinhaltigen Materialien wie Wolle, Pelzen oder Leder typische Schadbilder wie unregelmäßige Löcher und Kahlstellen.[3][1] Vorratsschädlinge wie der Khaprakäfer (*Trogoderma granarium*) befallen Getreide und können durch Verunreinigung und Fraß massive ökonomische Verluste in der Lebensmittelindustrie verursachen.[6][4] Gesundheitlich relevant sind die Pfeilhaare (Hastisetae) der Larven, die bei Kontakt Papeln, Dermatitis oder respiratorische Allergien wie Rhinitis auslösen können.[1] Ein Befall zeigt sich oft durch abgestreifte Larvenhäute, staubartigen Kot (Frass) oder Ansammlungen adulter Käfer an Fensterbänken.[1][3] Zur Früherkennung und Überwachung werden Klebefallen oder artspezifische Pheromonfallen eingesetzt, die Männchen anlocken und eine Lokalisierung der Befallsherde ermöglichen.[8][6] Präventiv wirken bauliche Maßnahmen wie das Abdichten von Rissen sowie die Lagerung gefährdeter Textilien und Lebensmittel in luftdichten Behältern.[3] Da die Entwicklung temperaturabhängig ist, hemmen kühle Lagerbedingungen unter 15 °C und eine relative Luftfeuchtigkeit unter 50 % die Ausbreitung der Populationen.[1][3] Zur physikalischen Bekämpfung eignen sich thermische Verfahren, etwa das Erhitzen auf 60 °C für 30 Minuten oder das Einfrieren bei -18 °C über 72 Stunden, um alle Entwicklungsstadien abzutöten.[6][10] In Museen kommen zum Schutz empfindlicher Exponate anoxische Atmosphären oder begasende Wirkstoffe wie Ameisensäureester und Sulfonylfluorid zum Einsatz.[4][3] Im Rahmen der Integrierten Schädlingsbekämpfung (IPM) werden neben strikter Hygiene auch biologische Gegenspieler wie die parasitoide Wespe *Laelius pedatus* oder mechanisch wirkende Diatomeenerde genutzt.[6][5] Chemische Bekämpfungsmaßnahmen umfassen den Einsatz von Pyrethroiden wie Deltamethrin, wobei Resistenzbildungen ein Monitoring der Wirksamkeit erfordern.[6][1] Aufgrund des hohen Schadpotenzials unterliegen invasive Arten wie *Trogoderma granarium* strengen internationalen Quarantänebestimmungen und Meldepflichten gemäß IPPC-Standards.[7][4]