Fakten (kompakt)
- Im Jahr 2022 erreichte die weltweite Tomatenproduktion etwa 182 Millionen Tonnen, wobei China mit einem Anteil von rund 36 % (65 Millionen Tonnen) der größte Produzent war. - Die Früchte variieren in ihrer Größe von 3 bis über 10 cm und enthalten im Inneren typischerweise 50 bis 200 Samen. - Neben den bekannten roten Varietäten existieren auch gelbe und orange gefärbte Früchte. - Ernährungsphysiologisch liefern 100 g Frischgewicht etwa 237 mg Kalium, 14 mg Vitamin C, 24 mg Phosphor und 11 mg Magnesium. - Der Gehalt an Lycopin, einem antioxidativen Carotinoid in der Fruchtschale, liegt üblicherweise zwischen 3 und 5 mg, kann jedoch in bestimmten Sorten bis zu 6,5 mg erreichen. - Tomaten enthalten phenolische Verbindungen wie 5-Caffeoylchinasäure in Konzentrationen von bis zu 10 mg pro 100 g. - Aufgrund ihrer genetischen Zugänglichkeit dient *Solanum lycopersicum* in der Pflanzenbiologie als wichtiger Modellorganismus für die Forschung. - Für den erfolgreichen Anbau benötigen die Pflanzen gut durchlässige Böden mit einem pH-Wert zwischen 5,5 und 7,5 sowie Schutz vor Wind.[11] - Nach der Einführung in Europa wurde die Pflanze zunächst primär als Zierpflanze kultiviert, bevor sie im 17. und 18. Jahrhundert kulinarische Bedeutung erlangte. - Die italienische Bezeichnung *pomodoro* (wörtlich „Goldapfel“) leitet sich von frühen gelbfrüchtigen Sorten ab, die anfangs in Europa verbreitet waren.[11]
Die Tomate trägt den wissenschaftlichen Namen *Solanum lycopersicum* L., der auf die taxonomische Einordnung durch Carl Linnaeus im Jahr 1753 zurückgeht. Sie gehört zur Gattung *Solanum* innerhalb der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae).[1] Historisch wurde die Art lange unter dem Synonym *Lycopersicon esculentum* in der eigenständigen Gattung *Lycopersicon* geführt, bis molekularbiologische Untersuchungen die Wiedereingliederung in die Gattung *Solanum* bestätigten.[2] Etymologisch leitet sich der Name vom Nahuatl-Wort *tomatl* ab, das von den Azteken für die „geschwollene Frucht“ verwendet wurde.[1] Über die spanische Adaption *tomate* gelangte der Begriff im 16. Jahrhundert in den europäischen Sprachraum.[1] Eine der ersten europäischen Beschreibungen stammt von Pietro Andrea Mattioli aus dem Jahr 1544, der die Pflanze als *poma aurea* („Goldapfel“) bezeichnete, was sich im italienischen *pomodoro* erhalten hat und auf gelbfrüchtige frühe Sorten hindeutet.[3] Aufgrund historisch vermuteter aphrodisierender Eigenschaften war im Deutschen früher der Trivialname „Liebesapfel“ (analog zum französischen *pomme d'amour*) gebräuchlich. Im mexikanischen Spanisch wird sprachlich noch heute zwischen dem roten *jitomate* (*Solanum lycopersicum*) und dem grünen *tomate* (Tomatillo) unterschieden.[1] Obwohl die Frucht botanisch als Beere definiert ist, wird sie kulinarisch und handelsrechtlich meist als Gemüse behandelt, eine Klassifizierung, die in den USA durch das Urteil *Nix v. Hedden* von 1893 sogar juristisch bestätigt wurde.[1][3]
Die Tomate (*Solanum lycopersicum*) wächst als krautige, ausdauernde Pflanze, die meist einjährig kultiviert wird und Wuchshöhen von 0,3 bis 3 Metern erreicht. Der Stängel ist weich, hell- bis dunkelgrün gefärbt und dicht mit drüsigen Trichomen besetzt, die der Pflanze eine klebrige Oberfläche verleihen und sie vor Schädlingen schützen. Die wechselständigen Laubblätter sind unpaarig gefiedert und bestehen aus fünf bis neun gesägten Fiederblättchen, die bis zu 7,6 cm lang werden können. Das Laub fühlt sich samtig an und verströmt aufgrund der Drüsenhaare einen charakteristischen, starken Geruch. Das Wurzelsystem ist faserig und flach ausgebildet, wobei die Pflanze an vergrabenen Stängelabschnitten Adventivwurzeln bilden kann. Die zwittrigen, selbstbefruchtenden Blüten stehen in Wickeln von 3 bis 12 Einzelblüten zusammen. Jede Blüte misst weniger als 2,5 cm im Durchmesser, ist sternförmig und besitzt fünf gelbe Kronblätter. Botanisch handelt es sich bei der Frucht um eine Beere mit einem glatten, glänzenden Perikarp, das eine zentrale Plazenta und zahlreiche, in eine gallertartige Matrix eingebettete Samen umschließt.[2] Die Früchte variieren stark in Größe und Form, von kleinen, kugelförmigen Kirschtomaten (1–2 cm) bis hin zu großen, abgeflachten Fleischtomaten mit bis zu 10 cm Durchmesser.[1] Während die Grundfärbung meist rot ist, existieren je nach Sorte auch gelbe, orange, grüne, rosa oder violette Varianten. Eine einzelne Frucht enthält typischerweise zwischen 50 und 200 Samen. Man unterscheidet zwei Wuchstypen: Determinierte Sorten wachsen buschig bis etwa 1 Meter Höhe und schließen mit Blütenständen ab, während indeterminierte Formen als Ranken kontinuierlich weiterwachsen. Als diploide Spezies weist *Solanum lycopersicum* einen Chromosomensatz von 2n=24 auf. Von verwandten Arten wie der Tomatillo (*Physalis* spp.) unterscheidet sie sich taxonomisch, während sie sich von der wilden Johannisbeertomate (*S. pimpinellifolium*) primär durch die domestikationsbedingt größeren Früchte abgrenzt.[2][4]
Die Tomate ist weltweit eines der bedeutendsten Gemüse, jedoch führen Schädlinge und Krankheiten ohne Gegenmaßnahmen zu Ertragsverlusten von bis zu 50% in unbehandelten Feldern.[2] Zu den wichtigsten Insektenschädlingen zählen der Tomatenschwärmer (*Manduca quinquemaculata*), der massive Entlaubung verursacht, sowie saftsaugende Arten wie Blattläuse (*Myzus persicae*) und die Weiße Fliege (*Bemisia tabaci*), die zudem Viren übertragen.[2][9] Pilzliche Erreger wie die Dürrfleckenkrankheit (*Alternaria solani*) und die Kraut- und Braunfäule (*Phytophthora infestans*) profitieren von feuchten Bedingungen und zerstören rasch Blattwerk und Früchte.[2][3] Bakterielle Infektionen durch *Xanthomonas*-Arten und Viren wie das *Tomato yellow leaf curl virus* (TYLCV) führen zu Wachstumsstörungen und Ertragseinbußen.[2] Eine wachsende Bedrohung stellt das *Tomato brown rugose fruit virus* (ToBRFV) dar, das Früchte deformiert und aufgrund seiner mechanischen Übertragbarkeit strikte Hygienemaßnahmen bei Saatgut und Werkzeugen erfordert.[1] Gesundheitlich relevant ist, dass Tomaten bei 1,5–9% der Bevölkerung allergische Reaktionen auslösen können, oft bedingt durch Kreuzreaktivitäten mit Pollen.[2] Zudem kann der Säuregehalt Symptome der gastroösophagealen Refluxkrankheit verstärken, und der Vitamin-K-Gehalt erfordert Beachtung bei der Einnahme von Blutverdünnern wie Warfarin.[1] Ein integriertes Schädlingsmanagement (IPM) setzt auf regelmäßiges Monitoring, etwa die Kontrolle von 20–25 Pflanzen pro Acre, um Befall frühzeitig zu erkennen.[3] Präventiv wirken der Anbau resistenter Sorten (z. B. mit VFNT-Resistenz), Fruchtwechsel und der Einsatz von Tröpfchenbewässerung zur Vermeidung von Blattfeuchte.[1][3] Im geschützten Anbau werden physikalische Barrieren und Klimasteuerung genutzt, während im Freiland bei Überschreitung von Schadschwellen gezielte chemische oder biologische Bekämpfungsmaßnahmen erfolgen.[1] Zur Minimierung von Nachernteverlusten, die global 20–30% betragen, ist eine kühle Lagerung bei 10–13°C essenziell, um Fäulnis zu verzögern, ohne Kälteschäden zu verursachen.[7]