Fakten (kompakt)
- Die Markteinführung erfolgte im Jahr 2001 durch den schwäbischen Gärtner Dieter Stegmeier († 2016) aus Essingen. - Der Antrag auf gemeinschaftlichen Sortenschutz für die Sorte „SUMCOL 01“ wurde vom CPVO und dem Europäischen Gerichtshof abgelehnt, da die Pflanze nicht von *Plectranthus ornatus* unterscheidbar war.[2] - In den USA besteht im Gegensatz zur EU ein gültiges Pflanzenpatent (Nr. PP 13,843) für die Sorte. - Die Markenrechte an Bezeichnungen wie „Hundeschreck“, „Katzenschreck“ und „Scardy Cat!“ werden von der Volmary GmbH gehalten. - Ein öffentliches Experiment zur Wirksamkeit in der Sendung *stern TV* mit Günther Jauch lieferte umstrittene Ergebnisse.[2] - Chemische Analysen brasilianischer Exemplare zeigten (E)-Caryophyllen (bis zu 29,61 %) und Oct-1-en-3-ol (13,92 %) als Hauptkomponenten des ätherischen Öls. - Die Ausbeute bei der Hydrodestillation ist mit etwa 0,1 ml Öl aus 90 g getrocknetem Pflanzenmaterial sehr gering. - Histo-chemische Untersuchungen wiesen Alkaloide, Tannine, Phenole und Polysaccharide direkt in den Drüsenhaaren nach. - Ethnobotanisch findet die Art Anwendung bei der Behandlung von Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Dermatitis und als Desinfektionsmittel. - Das Sekret der Drüsenhaare reagiert positiv auf Nadi-Reagenz, was auf eine Mischung aus ätherischen Ölen und Harzen (Terpene unterschiedlicher Molekülmasse) hinweist.[1]
Die Art wird wissenschaftlich aktuell als *Coleus comosus* Hochst. ex Gürke geführt, ist jedoch in der Literatur und im Handel häufig unter dem Synonym *Plectranthus ornatus* Codd bekannt. Der Gattungsname *Plectranthus* leitet sich von den griechischen Wörtern *plektron* (Sporn) und *anthos* (Blüte) ab, was einen Hinweis auf die Blütenform darstellt.[1] Die Erstbeschreibung des Basionyms *Coleus comosus* erfolgte im Jahr 1894 durch Robert Louis August Maximilian Gürke in den „Botanischen Jahrbüchern für Systematik“, wobei er einen Namen von Christian Ferdinand Friedrich Hochstetter übernahm. Das zugrundeliegende Typusexemplar wurde von Wilhelm Schimper in Äthiopien gesammelt. Der Name *Plectranthus ornatus* wurde später im Jahr 1975 von Leslie Edward Wastell Codd im Journal *Bothalia* vergeben.[3] Durch eine neuere taxonomische Revision gilt inzwischen *Coleus comosus* als der korrekte Name, während *Plectranthus ornatus* als Synonym betrachtet wird. Züchterisch wurde die Pflanze zunächst unter der botanisch nicht validen Bezeichnung *Coleus canina* eingeführt. Nomenklatorische Verwechslungsgefahr besteht zudem mit dem Homonym *Plectranthus comosus* Sims, welches heute ein Synonym von *Coleus barbatus* darstellt.[1] Im deutschsprachigen Raum wurde die Pflanze 2001 unter dem Trivialnamen „Verpiss-dich-Pflanze“ bekannt und wird auch als „Katzenschreck“ oder „Hundeschreck“ vermarktet. Im englischen Sprachraum sind Bezeichnungen wie *Scar(e)dy Cat Plant*, *Piss-off plant* oder *Dog’s Gone* geläufig.[4] In Brasilien, wo die Art ebenfalls verbreitet ist, nennt man sie unter anderem „boldo“, „boldo miúdo“ oder „falso boldo“.[1]
Die als *Coleus canina* gehandelte Pflanze erreicht eine Wuchshöhe von bis zu 40 cm.[9] Die Blätter von *Plectranthus ornatus* sind gegenständig angeordnet, einfach und weisen eine elliptische bis ovale Form auf. Der Blattrand ist in der oberen Hälfte gezähnt, während die Blattspreite fiedernervig durchzogen ist. Sowohl die adaxiale als auch die abaxiale Blattseite sind behaart und sukkulent, wobei das Gewebe als Wasserspeicher und Schleimdepot dient. Die Blätter sitzen an kleinen Blattstielen, die im Querschnitt eine konvexe Form mit seitlichen Vorsprüngen zeigen. Ein wesentliches Bestimmungsmerkmal sind die auf der Epidermis befindlichen sternförmigen Trichome, die neben mehrzelligen, einreihigen Deckhaaren und Drüsenhaaren vorkommen. Die Spaltöffnungen sind diacytisch und amphistomatisch auf beiden Blattseiten verteilt. Im Inneren des Blattstiels und des Mesophylls sind Idioblasten mit Calciumoxalat-Kristallen eingelagert, was als Anpassung an Herbivorie gedeutet wird. Aufgrund der in den Drüsenschuppen produzierten ätherischen Öle verströmt die Pflanze einen starken Geruch.[8] Die Blütezeit erstreckt sich von April bis September.[9]
In Südafrika, wo die Art ursprünglich als Zierpflanze eingeführt wurde, gilt *Coleus comosus* (Syn. *Plectranthus ornatus*) inzwischen als unerwünschte invasive Spezies und wurde dort mit einem Handelsverbot belegt.[14] Die Pflanze zeichnet sich durch ein schnelles Wachstum aus und besitzt die Fähigkeit, sich an verschiedenste Biome anzupassen sowie Ressourcenknappheit zu tolerieren.[15] Als biochemische Verteidigungsstrategie gegen Herbivoren produziert *Plectranthus ornatus* Calciumoxalat, eine toxische Substanz, die als Abwehrmechanismus dient.[14] Zusätzlich fungieren die in den Drüsenhaaren gebildeten ätherischen Öle und Terpene als Schutz gegen Fressfeinde und Pathogene.[16] Obwohl die Pflanze im europäischen Handel primär zur Vergrämung von Säugetieren wie Hunden, Katzen und Kaninchen beworben wird, ist die wissenschaftliche Evidenz für diese abschreckende Wirkung umstritten.[17] In der Ethnobotanik und traditionellen Medizin wird die Art hingegen zur Behandlung von Kopfschmerzen, Dermatitis, Verbrennungen oder Insektenstichen sowie als Desinfektionsmittel genutzt.[18] Rechtlich wurde der spezifischen Sorte 'Sumcol 01' in der Europäischen Union der Sortenschutz verweigert, da sie sich phänotypisch nicht hinreichend von wilden *Plectranthus ornatus*-Exemplaren unterscheiden ließ.[19] In den USA besteht hingegen ein Pflanzenpatent für diese Züchtung.[20]