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Ameisen im Gewächshaus: Bekämpfung und Vorbeugung
janvier 15, 2026 Patricia Titz

Ameisen im Gewächshaus: Bekämpfung und Vorbeugung

Ein Gewächshaus ist für jeden Gärtner ein kleiner Traum: Es verlängert die Saison, schützt empfindliche Pflanzen und schafft ein perfektes Mikroklima. Doch genau dieses warme, geschützte Umfeld zieht nicht nur Tomaten und Gurken an, sondern auch sechsbeinige Untermieter, die schnell zur Plage werden können. Wenn Sie beim Gießen plötzlich auf wuselnde Ameisenstraßen stoßen oder feststellen, dass Ihre Pflanzen trotz guter Pflege kümmern, haben Sie vermutlich ein Ameisenproblem. Dabei sind die Tiere an sich oft gar nicht die direkten Zerstörer, sondern eher die Beschützer der wahren Schädlinge. In diesem Artikel erfahren Sie fundiert und praxisnah, wie Sie Ameisen im Gewächshaus erkennen, ihre faszinierende Biologie verstehen und sie effektiv – aber umweltschonend – wieder loswerden.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Indirekte Schäden: Ameisen züchten und beschützen Blattläuse, um an deren zuckerhaltigen Honigtau zu gelangen, was den Pflanzen massiv schadet.
  • Wurzelprobleme: Durch den Nestbau im lockeren Gewächshausboden können Wurzeln freigelegt werden, was zum Vertrocknen der Pflanzen führt.
  • Hauptverursacher: Meist handelt es sich um die Schwarzgraue Wegameise (Lasius niger) oder die Rote Rasenameise (Myrmica rubra).
  • Biologische Bekämpfung: Nematoden (Fadenwürmer) sind eine effektive und ungiftige Methode zur Bekämpfung der Nester im Boden.
  • Prävention: Starke Düfte wie Lavendel oder Zimt können Ameisen vergrämen, bevor sie sich ansiedeln.

Warum fühlen sich Ameisen im Gewächshaus so wohl?

Um Ameisen effektiv zu bekämpfen, muss man verstehen, was sie antreibt. Ameisen sind wechselwarme Tiere. Das bedeutet, ihre Aktivität und die Entwicklungsgeschwindigkeit ihrer Brut hängen direkt von der Umgebungstemperatur ab. Für die Brutentwicklung liegt die optimale Temperatur für die meisten mitteleuropäischen Arten zwischen 22 °C und 32 °C[3]. Ein Gewächshaus bietet genau diese Bedingungen oft schon im zeitigen Frühjahr, wenn es draußen noch empfindlich kühl ist.

Zudem bevorzugen viele Arten, wie die häufig vorkommende Schwarzgraue Wegameise (Lasius niger), lockere und gut drainierte Böden für ihren Nestbau, da sie Staunässe meiden müssen[3]. Die regelmäßig gegossene, aber meist lockere Erde in Pflanzkübeln oder Beeten im Gewächshaus ist daher ideal. Hinzu kommt das Nahrungsangebot: Wo Pflanzen wachsen, sind Pflanzensaftsauger wie Blattläuse meist nicht weit – die wichtigste Kohlenhydratquelle für viele Ameisenarten.

Die häufigsten Arten im Gewächshaus

Nicht jede Ameise ist gleich. Für eine erfolgreiche Bekämpfung lohnt sich ein genauerer Blick auf den Gegner. In Deutschland kommen etwa 111 bis 160 verschiedene Ameisenarten vor, doch im häuslichen Umfeld und im Garten dominieren nur wenige[1][3].

Die Schwarzgraue Wegameise (Lasius niger)

Dies ist der klassische Kulturfolger. Sie ist sehr anpassungsfähig und baut ihre Nester vorzugsweise im Boden oder unter Steinen. Ein Volk besitzt in der Regel nur eine Königin (monogyn), kann aber bis zu 50.000 Arbeiterinnen umfassen[3]. Sie ist die Art, die am häufigsten beim "Melken" von Blattläusen beobachtet wird und die typischen gepflasterten Straßen anlegt.

Die Rote Rasenameise (Myrmica rubra)

Diese Art ist etwas aggressiver. Sie gehört zu den Knotenameisen und besitzt einen Giftstachel, den sie auch gegen Menschen einsetzt. Die Stiche sind schmerzhaft und vergleichbar mit Brennnesseln. Im Gegensatz zur Wegameise bevorzugt sie eher feuchtere Böden und halbschattige Bereiche, was sie ebenfalls zu einem Kandidaten für gut gewässerte Gewächshäuser macht[5]. Ihre Völker können mehrere Königinnen (polygyn) enthalten und erreichen Volksstärken von durchschnittlich 1.000 bis zu 20.000 Tieren[5].

Die Gelbe Wiesenameise (Lasius flavus)

Diese bernsteingelben Ameisen leben fast ausschließlich unterirdisch. Sie legen oft stabile Erdhügel an, die im Gewächshausrasen stören können. Ihre Hauptnahrungsquelle ist der Honigtau von Wurzelläusen, die sie unterirdisch an den Wurzeln der Pflanzen züchten[1]. Dies kann bei Kübelpflanzen zu Wachstumsstörungen führen, ohne dass man oberirdisch viele Ameisen sieht.

Achtung: Invasive Arten

In den letzten Jahren breitet sich auch die Invasive Gartenameise (Lasius neglectus) aus. Sie bildet riesige Superkolonien mit vielen Königinnen und verdrängt heimische Arten aggressiv. Sie ist oft an Bäumen in Parkanlagen zu finden, kann aber auch in Gärten auftreten[4]. Wenn Sie riesige Mengen Ameisen bemerken, die sich extrem schnell ausbreiten, könnte es sich um diese Art handeln.

Das Problem: Die Trophobiose (Zucht von Pflanzenschädlingen)

Ameisen selbst fressen keine Pflanzenblätter (mit Ausnahme der in den Tropen heimischen Blattschneiderameisen). Warum also gelten sie als Schädlinge im Gewächshaus? Das Hauptproblem ist die sogenannte Trophobiose.

Viele Ameisenarten, insbesondere Lasius niger, haben sich auf die Nutzung von Honigtau spezialisiert. Honigtau ist eine zuckerhaltige Ausscheidung von Pflanzensaftsaugern wie Blattläusen, Schildläusen oder Zikaden. Diese Insekten stechen das Phloem der Pflanzen an, um an Proteine zu gelangen. Da der Pflanzensaft aber sehr viel Zucker und wenig Protein enthält, scheiden sie den überschüssigen Zucker als Honigtau wieder aus[2].

Die Ameisen "melken" die Läuse, indem sie diese mit ihren Fühlern betrillern. Im Gegenzug bieten die Ameisen einen massiven Schutzservice: Sie verteidigen "ihre" Läuse aggressiv gegen Fressfeinde wie Marienkäferlarven oder Florfliegen. Manche Ameisenarten bauen sogar kleine "Ställe" aus Erde über den Läusekolonien oder tragen die Läuse aktiv zu neuen, frischen Trieben[2].

Das Resultat: Die Schädlinge vermehren sich unter dem Schutz der Ameisen explosionsartig, saugen die Pflanzen im Gewächshaus aus und können Viren übertragen. Zudem siedeln sich auf dem klebrigen Honigtau oft Rußtaupilze an, die die Photosynthese behindern.

Maßnahmen zur Bekämpfung und Vorbeugung

Die Bekämpfung im Gewächshaus erfordert Fingerspitzengefühl, da wir hier Lebensmittel produzieren und das Bodenleben nicht nachhaltig mit Chemie schädigen wollen. Hier sind die besten Strategien, sortiert von sanft bis rigoros.

1. Vorbeugung und Vergrämung (Duftstoffe)

Ameisen orientieren sich stark über Pheromone (Duftspuren). Wenn Sie diese Kommunikation stören, können Sie die Tiere vertreiben oder davon abhalten, sich niederzulassen.

  • Ätherische Öle: Lavendel, Eukalyptus, Zitrone oder Zimt sind Düfte, die Ameisen meiden. Das Auslegen von Lavendelblüten, Gewürznelken oder Zitronenschalen auf den Laufwegen kann helfen[1].
  • Pflanzenjauchen: Eine Jauche aus Wermut (300g frisches Kraut auf 10 Liter Wasser, 14 Tage gären lassen) kann, in die Gänge gegossen, Ameisen vertreiben[1].
  • Barrieren: Kreidepulver oder Gesteinsmehl (Urgesteinsmehl) können als Barriere gestreut werden. Besonders alkalische Stoffe wie Algenkalk stören die Ameisen empfindlich.

2. Die Umsiedlung (Der Blumentopf-Trick)

Wenn sich ein Nest an einer ungünstigen Stelle befindet (z.B. direkt im Wurzelballen einer Gurkenpflanze), ist die Umsiedlung eine humane Methode.

So funktioniert es:
  1. Füllen Sie einen Tontopf fest mit Holzwolle, feuchter Erde oder Stroh.
  2. Stellen Sie den Topf umgekehrt (mit der Öffnung nach unten) direkt auf das Ameisennest.
  3. Halten Sie den Topf feucht und beschatten Sie ihn eventuell.
  4. Da Ameisen die Wärme und Feuchtigkeit im Topf lieben, ziehen sie oft mitsamt der Brut und der Königin in den Topf um.
  5. Nach einigen Tagen können Sie den Topf mit einer Schaufel aufnehmen und die Kolonie an einen entfernten Ort (mindestens 30 Meter weg) umsiedeln[1].

3. Biologische Bekämpfung mit Nematoden

Eine der effektivsten und biologisch unbedenklichsten Methoden ist der Einsatz von Nematoden (Fadenwürmern), speziell der Art Steinernema feltiae. Diese mikroskopisch kleinen Würmer dringen in die Ameisenlarven oder adulten Tiere ein. Die Ameisen erkennen die Gefahr oft instinktiv und verlegen ihr Nest fluchtartig, oder die Population wird dezimiert.

Anwendung: Die Nematoden werden als Pulver geliefert, in Wasser aufgelöst und direkt in die Nester oder auf die Laufwege gegossen. Dies ist besonders bei unterirdischen Nestern in Hochbeeten oder Rasenflächen effektiv[6]. Der Vorteil: Es ist völlig ungefährlich für Pflanzen, Haustiere und Menschen.

4. Kieselgur (Diatomeenerde)

Kieselgur ist ein feines Pulver aus den Schalen fossiler Kieselalgen. Es wirkt rein mechanisch-physikalisch. Wenn Ameisen über das Pulver laufen, verletzt es ihre schützende Wachsschicht auf dem Chitinpanzer. Dies führt dazu, dass die Insekten austrocknen. Kieselgur sollte trocken auf Laufwege und in Ritzen gestreut werden[6]. Es ist im ökologischen Landbau zugelassen, sollte aber nicht direkt eingeatmet werden (Staubmaske tragen).

5. Köder und Fraßgifte (Ultima Ratio)

Wenn natürliche Mittel versagen, greifen viele zu Köderdosen oder Gelen. Das Prinzip dahinter ist die Trophallaxis (der soziale Futteraustausch): Arbeiterinnen nehmen den vergifteten Köder auf, tragen ihn ins Nest und füttern damit die Königin und die Larven. Nur wenn die Königin eliminiert wird, stirbt die Kolonie nachhaltig ab[3].

Wichtig: Verwenden Sie Köder mit verzögerter Wirkung (z.B. Spinosad oder Fipronil), damit die Arbeiterin Zeit hat, das Gift im Nest zu verteilen. Sprays (Kontaktgifte) töten meist nur die wenigen Arbeiterinnen an der Oberfläche und lösen das Problem nicht dauerhaft[3].

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Hilft Backpulver wirklich gegen Ameisen?

Backpulver (Natron) wird oft als Hausmittel empfohlen. Es bläht sich im Magen der Ameisen auf, wenn es gefressen wird, und lässt die Tiere qualvoll verenden. Tierschützer und Experten raten davon ab, da es eine unnötig grausame Methode ist. Zudem lernen Ameisen oft schnell, das Pulver zu meiden. Besser sind Vergrämungsmethoden oder Nematoden[1].

Schaden Ameisen den Pflanzenwurzeln direkt?

In der Regel fressen heimische Ameisen keine Wurzeln an. Der Schaden entsteht indirekt: Durch das Graben von Gängen und Kammern lockern sie die Erde so stark, dass die Wurzeln keinen Kontakt mehr zum Boden haben und "in der Luft hängen". Dadurch können die Pflanzen kein Wasser mehr aufnehmen und vertrocknen. Dies ist besonders bei jungen Setzlingen im Gewächshaus gefährlich[1].

Sind Ameisen auch nützlich?

Ja, absolut! Außerhalb des Gewächshauses sind sie wichtige Nützlinge. Sie fressen Unmengen an Schadinsekten (Raupen, Larven), verbreiten Samen von Wildpflanzen (Myrmecochorie) und lockern den Boden auf, was die Belüftung verbessert[1][2]. Eine Bekämpfung sollte daher immer nur punktuell dort erfolgen, wo sie direkten Schaden anrichten (wie im Gewächshaus oder im Haus).

Wann fliegen die Ameisen?

Der sogenannte "Hochzeitsflug" findet bei den meisten heimischen Arten wie Lasius niger an warmen, schwülen Tagen zwischen Juni und September statt. Dabei schwärmen geflügelte Jungköniginnen und Männchen aus, um sich zu paaren. In dieser Zeit sieht man oft massenhaft fliegende Ameisen. Nach der Paarung sterben die Männchen, und die Königinnen suchen einen Platz zur Gründung einer neuen Kolonie – leider oft im Gewächshaus[3].

Fazit

Ameisen im Gewächshaus sind kein Weltuntergang, aber ein Signal, genau hinzuschauen. Meistens sind sie ein Indikator für einen Blattlausbefall, den es primär zu bekämpfen gilt. Wer die Blattläuse entfernt, entzieht den Ameisen oft schon die Motivation zu bleiben.

Setzen Sie auf eine integrierte Strategie: Beginnen Sie mit präventiven Duftbarrieren (Lavendel, Zimt) und der Pflege der Pflanzen. Bei akutem Befall im Wurzelbereich ist das Umsiedeln mittels Blumentopf oder der Einsatz von Nematoden die umweltfreundlichste und nachhaltigste Lösung. Chemische Keulen sollten im Gewächshaus, wo wir gesunde Lebensmittel anbauen wollen, immer das allerletzte Mittel bleiben. Beobachten Sie Ihre Pflanzen regelmäßig – so können Sie eingreifen, bevor aus einer kleinen Straße eine Ameisenautobahn wird.

Quellen und Referenzen

  1. Bayerisches Landesamt für Umwelt, "Ameisen - UmweltWissen Praxis", 2013.
  2. Dietrich, C. & Steiner, E., "Das Leben unserer Ameisen – ein Überblick", in: Denisia 25, S. 7-36, 2009.
  3. Felke, M. & Karg, G., "Ameisen - Biologie und Bekämpfung", Behr's Verlag, Kapitel 1.6.1.
  4. Cremer, S., "Invasive Ameisen in Europa: Wie sie sich ausbreiten und die heimische Fauna verändern", Rundgespräche Forum Ökologie, Bd. 46, S. 105-116, 2017.
  5. Pospischil, R., "Die Rote Rasenameise (Myrmica rubra)", in: DpS 2/2011.
  6. Produktübersicht Ameisenbekämpfung (Anti-Ameisen-Spray, Nematoden, Kieselgur), basierend auf internen Produktdatenblättern.
  7. Wikipedia/Grokipedia Factsheet "Ameisen", abgerufen 2026.

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