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Ameisen im Haus: Ursachen und Lösungen
janvier 16, 2026 Patricia Titz

Ameisen im Haus: Ursachen und Lösungen

Es beginnt meist unscheinbar: Eine einzelne Ameise huscht über die Arbeitsplatte in der Küche oder erkundet das Badezimmer. Doch wo eine ist, sind oft Tausende nicht weit. Ameisen im Haus sind nicht nur ein lästiges Ärgernis, das den hygienischen Standard in den eigenen vier Wänden infrage stellt, sondern können je nach Art auch ernsthafte Schäden an der Bausubstanz verursachen oder sogar gesundheitliche Risiken bergen. Während die meisten Menschen sofort zur Chemiekeule greifen wollen, zeigt die Wissenschaft, dass ein tieferes Verständnis der komplexen Sozialstrukturen dieser Insekten der Schlüssel zur dauerhaften Beseitigung ist. Um das Problem an der Wurzel zu packen, müssen wir verstehen, warum sie kommen, wie sie kommunizieren und wie man sie effektiv – und artgerecht – wieder loswird.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Identifikation ist entscheidend: Nicht alle Ameisen sind gleich. Während die Schwarzgraue Wegameise meist nur lästig ist, können Pharaoameisen Krankheiten übertragen und Holzameisen die Bausubstanz schädigen.
  • Die Königin ist der Schlüssel: Das Töten von Arbeiterinnen allein löst das Problem nicht. Eine Kolonie stirbt nur aus, wenn die Königin entfernt wird oder stirbt.
  • Vorsicht bei Sprays: Bei bestimmten Arten (z. B. Pharaoameisen) führen Insektensprays dazu, dass sich die Kolonie aufspaltet (Zweignestbildung) und das Problem verschlimmert.
  • Prävention: Dicht verschlossene Lebensmittel und das Abdichten von Fugen sind der effektivste Langzeitschutz.
  • Naturschutz beachten: Waldameisen stehen unter Naturschutz und dürfen nicht bekämpft, sondern müssen bei Bedarf von Experten umgesiedelt werden.

Warum kommen Ameisen ins Haus? Die Biologie dahinter

Um Ameisen effektiv fernzuhalten, muss man verstehen, was sie antreibt. Ameisen sind eusoziale Insekten, die in hochorganisierten Staaten leben. Ein solcher Staat kann aus wenigen Dutzend bis zu mehreren Millionen Individuen bestehen[1]. Der primäre Antrieb für das Eindringen in menschliche Behausungen ist meist die Suche nach Nahrung oder geeigneten Nistplätzen, insbesondere im Frühjahr, wenn die Vorräte im Freiland noch knapp sind.

Das Prinzip der Kundschafter

Die Ameisen, die wir in der Küche sehen, sind fast ausschließlich Arbeiterinnen. Ihre Aufgabe ist die Nahrungsbeschaffung für die Brut und die Königin. Sobald eine Kundschafterin eine Nahrungsquelle entdeckt – sei es ein offenes Honigglas, Tierfutter oder Krümel auf dem Boden – kehrt sie zum Nest zurück und legt dabei eine Duftspur aus Pheromonen. Andere Arbeiterinnen folgen dieser Spur, verstärken sie durch eigene Pheromone, und binnen kürzester Zeit entsteht eine stark frequentierte Ameisenstraße[2].

Der soziale Magen (Trophallaxis)

Ein faszinierendes biologisches Phänomen, das für die Bekämpfung essenziell ist, ist die Trophallaxis. Ameisen besitzen einen Kropf, der auch als "sozialer Magen" bezeichnet wird. Nahrung wird dort gespeichert und im Nest an andere Arbeiterinnen, die Larven und die Königin weitergegeben[3]. Dies erklärt, warum schnell wirkende Kontaktgifte oft kontraproduktiv sind: Sie töten die Arbeiterin, bevor sie den Wirkstoff (im Falle von Fraßködern) zur Königin transportieren kann.

Die häufigsten Ameisenarten im Haus und ihre Risiken

Nicht jede Ameise stellt das gleiche Risiko dar. Die Identifikation der Art ist der erste und wichtigste Schritt für eine erfolgreiche Bekämpfung. In Deutschland kommen etwa 111 Ameisenarten vor, doch nur wenige dringen regelmäßig in Häuser ein[4].

1. Die Schwarzgraue Wegameise (Lasius niger)

Dies ist der klassische Kulturfolger und die häufigste Art in deutschen Haushalten. Sie nisten meist außerhalb des Hauses unter Plattenwegen oder in Mauerspalten und dringen zur Nahrungssuche ein.
Erkennung: 3-5 mm groß, dunkelbraun bis schwarz.
Risiko: Lästling, Hygieneschädling, unterhöhlt Terrassen, schützt Blattläuse an Zimmerpflanzen[4].

2. Die Pharaoameise (Monomorium pharaonis)

Diese aus den Tropen eingeschleppte Art ist ein ernstzunehmender Gesundheitsschädling. Sie benötigt Wärme (Nesttemperatur ca. 27°C) und nistet daher ausschließlich in beheizten Gebäuden, oft in Wandzwischenräumen oder an Warmwasserleitungen.
Erkennung: Sehr klein (1,5-2,5 mm), bernsteingelb.
Risiko: Überträgt Krankheitserreger (Salmonellen, Streptokokken) und ist besonders in Krankenhäusern und lebensmittelverarbeitenden Betrieben gefürchtet. Sie frisst proteinhaltige Nahrung, einschließlich Blut und Eiter an Wundverbänden[5].

WARNUNG: Pharaoameisen niemals besprühen!

Bei Pharaoameisen darf keinesfalls mit herkömmlichen Insektensprays gearbeitet werden. Die Kolonien besitzen oft mehrere Königinnen (Polygynie). Bei Stress durch Gift spaltet sich die Kolonie auf (Zweignestbildung) und befällt weitere Räume. Das Problem explodiert förmlich[5].

3. Holzzerstörende Ameisen (Lasius brunneus & Camponotus)

Die Braune Wegameise (Lasius brunneus) und Rossameisen (Camponotus spp.) sind Materialschädlinge. Sie nisten gerne in morschem, aber auch in intaktem Holz und Dämmmaterialien innerhalb von Gebäuden.
Erkennung: L. brunneus ist zweifarbig (Kopf/Brust hellbraun, Hinterleib dunkel), Rossameisen sind sehr groß (bis 14 mm).
Risiko: Zerstörung von Balken, Fachwerk und Dämmung. Sie werden oft erst spät entdeckt, wenn Geschlechtstiere schwärmen[4].

4. Invasive Arten (z.B. Lasius neglectus)

Invasive Arten wie die Vernachlässigte Ameise (Lasius neglectus) bilden sogenannte Superkolonien. Dabei kooperieren Nester über weite Areale hinweg, ohne Aggression untereinander. Dies führt zu einer extrem hohen Populationsdichte und Verdrängung heimischer Arten[6]. In Süddeutschland breitet sich zudem die Schuppenameise Formica fuscocinerea aus, die besonders auf Spielplätzen durch ihre Aggressivität zum Problem wird[6].

Strategien zur Bekämpfung: Was wirklich hilft

Die Bekämpfung muss immer auf die Tilgung der gesamten Kolonie, insbesondere der Königin(nen), abzielen. Das Töten einzelner Arbeiterinnen ist bei Völkern mit bis zu 50.000 Tieren (bei Lasius niger) wirkungslos[7].

1. Fraßköder (Die effektivste Methode)

Der Einsatz von Fraßködern (Gels oder Dosen) macht sich das Sozialverhalten der Ameisen zunutze. Die Arbeiterinnen nehmen den Köder auf, der einen verzögert wirkenden Wirkstoff enthält, und füttern im Nest via Trophallaxis die Königin und die Larven.
Vorteil: Die gesamte Kolonie wird erreicht.
Wichtig: Der Wirkstoff muss niedrig dosiert sein, damit die Trägerin nicht stirbt, bevor sie das Nest erreicht. Geduld ist gefragt – die Tilgung kann Wochen dauern[5].

Experten-Tipp zur Köderung

Platzieren Sie Köder direkt auf den Laufstraßen. Entfernen Sie alle anderen Nahrungsquellen (offene Lebensmittel, Tierfutter), damit die Ameisen gezwungen sind, den Köder anzunehmen. Bei Pharaoameisen sollten Köder auf Proteinbasis (Leberwurst, Fleisch) und Kohlenhydratbasis (Honig, Zucker) getestet werden, da sich die Nahrungspräferenzen ändern können[5].

2. Sprays und Kontaktgifte

Sprays haben meist eine Sofortwirkung (Knock-down-Effekt) und töten nur die getroffenen Tiere. Sie eignen sich, um akute Wanderungen zu stoppen oder Barrieren zu errichten, lösen aber das Nestproblem nicht nachhaltig. Bei invasiven Arten oder Pharaoameisen können sie, wie erwähnt, schädlich sein. Für die Ritzen- und Spaltenbehandlung können sie jedoch eine langanhaltende Barrierewirkung bieten, um das Eindringen zu verhindern[8].

3. Hausmittel und Vergrämung

Viele Hausmittel basieren auf starken Gerüchen (Lavendel, Zimt, Essig, Zitrone), welche die Duftspuren der Ameisen überdecken und sie orientierungslos machen.
Wirksamkeit: Diese Methoden vertreiben Ameisen oft nur kurzfristig oder lenken die Straße um. Sie töten nicht die Kolonie. Backpulver ist ein grausamer Tod für einzelne Tiere (sie platzen innerlich), aber ineffizient gegen das Nest.
Kieselgur: Ein physikalisches Mittel, das den Chitinpanzer der Ameisen beschädigt und sie austrocknen lässt. Es ist ungiftig für Menschen und Haustiere und eignet sich gut zur Barrierebildung[8].

Prävention: Ameisen gar nicht erst einladen

Die beste Bekämpfung ist die Vorbeugung. Da Ameisen oft durch winzige Ritzen eindringen, ist eine hermetische Abriegelung oft schwierig, aber man kann die Attraktivität des Hauses senken.

  • Nahrungsquellen entziehen: Lebensmittel luftdicht verschließen (Glas, Keramik, dicker Kunststoff). Ameisen können dünne Plastiktüten durchbeißen.
  • Sauberkeit: Krümel sofort entfernen, Mülleimer täglich leeren und fest verschließen. Tierfutter nicht offen stehen lassen.
  • Bauliche Maßnahmen: Fugen an Fenstern und Türen mit Silikon abdichten. Risse im Mauerwerk verschließen. Dies ist besonders wichtig zur Abwehr von Lasius brunneus[4].
  • Gartengestaltung: Blattlausbefall an Pflanzen nahe der Hauswand bekämpfen, da der Honigtau Ameisen anlockt. Äste, die das Haus berühren, kürzen (dienen als Brücken).

Sonderfall: Geschützte Arten

Nicht jede Ameise darf bekämpft werden. Die hügelbauenden Waldameisen (Formica-Arten) stehen unter strengem Naturschutz (Bundesartenschutzverordnung). Sie sind wichtige Nützlinge im Ökosystem Wald, vertilgen Schädlinge und verbreiten Pflanzensamen[9]. Sollten sich Waldameisen in den Garten oder (selten) ins Haus verirren, darf nicht zur Chemiekeule gegriffen werden. In solchen Fällen muss die Deutsche Ameisenschutzwarte e.V. oder die untere Naturschutzbehörde kontaktiert werden, um eine fachgerechte Umsiedlung zu prüfen[10].

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Sind fliegende Ameisen eine eigene Art?

Nein. Fliegende Ameisen sind geschlechtsreife Männchen und Jungköniginnen bekannter Arten (z. B. Lasius niger), die zum "Hochzeitsflug" das Nest verlassen. Dies geschieht meist an warmen Tagen zwischen Mai und August. Nach der Paarung sterben die Männchen, und die Königinnen werfen ihre Flügel ab, um neue Kolonien zu gründen[7].

Helfen Backpulver oder Hefe wirklich?

Backpulver und Hefe blähen sich im Magen der Ameisen auf und töten sie qualvoll. Dies betrifft jedoch nur die Arbeiterinnen, die es fressen. Der Effekt auf die gesamte Kolonie ist meist gering, weshalb diese Methode aus Tierschutzsicht und Effizienzgründen nicht empfohlen wird.

Warum kommen Ameisen jedes Jahr wieder?

Wenn das Nest nicht zerstört wurde, überwintert die Kolonie. Die Königin von Lasius niger kann bis zu 29 Jahre alt werden[8]. Solange die Königin lebt, produziert sie im Frühjahr neue Arbeiterinnen, die erneut auf Nahrungssuche gehen.

Kann ich Ameisen im Blumentopf umsiedeln?

Ja. Ein einfacher Trick: Füllen Sie einen Blumentopf mit Holzwolle oder Erde und stülpen Sie ihn umgekehrt über das Ameisennest. Nach einiger Zeit ziehen die Ameisen oft mitsamt der Brut in den warmen, trockenen Topf um, den Sie dann (mit einer Schaufel darunter) weit wegtragen können[1].

Fazit

Ameisen sind faszinierende Lebewesen mit einer beeindruckenden sozialen Intelligenz. Im Haus sind sie jedoch ein Hygieneproblem und im Falle von Materialschädlingen eine Gefahr für die Immobilie. Eine erfolgreiche Bekämpfung erfordert Geduld und Strategie. Wildes Sprühen hilft selten langfristig. Setzen Sie auf die Kombination aus Hygiene, baulicher Prävention und – bei hartnäckigem Befall – auf hochwertige Fraßköder, die das Problem an der Wurzel (der Königin) packen. Bei Verdacht auf Pharaoameisen oder holzzerstörende Arten sollten Sie nicht zögern, einen professionellen Schädlingsbekämpfer hinzuzuziehen.

Quellen und Referenzen

  1. Bayerisches Landesamt für Umwelt: "Ameisen - UmweltWissen Praxis", 2013, S. 1-3.
  2. Biologiezentrum Linz (Dietrich & Steiner): "Das Leben unserer Ameisen – ein Überblick", Denisia 25, 2009, S. 9.
  3. Biologiezentrum Linz (Dietrich & Steiner): "Das Leben unserer Ameisen – ein Überblick", Denisia 25, 2009, S. 9-10 (Sozialer Magen).
  4. Behr's Verlag (Felke/Karg): "1.6.1 Ameisen", Schädlingsbekämpfung, S. 23-27 (Steckbriefe Wegameisen & Rossameisen).
  5. Behr's Verlag (Sellenschlo): "1.6.2 Pharaoameise (Monomorium pharaonis)", Schädlingsbekämpfung, S. 3-5.
  6. Cremer, Sylvia: "Invasive Ameisen in Europa: Wie sie sich ausbreiten und die heimische Fauna verändern", Rundgespräche Forum Ökologie, Bd. 46, S. 105-110.
  7. Bayerisches Landesamt für Umwelt: "Ameisen - UmweltWissen Praxis", 2013, S. 3 (Ameisen im Haus & Umsiedeln).
  8. Ameisen-Ex: "Anmerkungen zur Biologie von Ameisen / Die Bekämpfung der Ameisen", Produktinformation, S. 1.
  9. Bayerisches Landesamt für Umwelt: "Ameisen - UmweltWissen Praxis", 2013, S. 2 (Ökologische Funktion).
  10. Behr's Verlag (Felke/Karg): "1.6.1 Ameisen", S. 28 (Waldameisen & Notumsiedlung).

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