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Invasive Ameisen: Gefahr und Bekämpfung in Europa
janvier 28, 2026 Patricia Titz

Invasive Ameisen: Gefahr und Bekämpfung in Europa

Ameisen sind faszinierende Architekten der Natur und spielen in unseren heimischen Ökosystemen eine unverzichtbare Rolle. Sie lockern den Boden auf, verbreiten Pflanzensamen und halten Schädlingspopulationen in Schach. Doch dieses harmonische Bild gerät ins Wanken, wenn Arten auftauchen, die hier eigentlich nicht hingehören. Invasive Ameisenarten breiten sich in Europa zunehmend aus und stellen eine ernstzunehmende Bedrohung für die heimische Biodiversität, die Landwirtschaft und teilweise sogar für unsere Gesundheit und Bausubstanz dar. Anders als die gewöhnliche Schwarze Wegameise bilden diese Eindringlinge oft riesige Superkolonien, die ganze Landstriche dominieren können. In diesem Artikel beleuchten wir die Biologie dieser invasiven Arten, die Gefahren, die von ihnen ausgehen, und effektive Strategien zur Bekämpfung und Prävention, basierend auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Invasive Superkolonien: Arten wie die Invasive Gartenameise (Lasius neglectus) bilden riesige, vernetzte Kolonien ohne Aggression zwischen den Nestern, was ihnen einen enormen Vorteil verschafft.
  • Verdrängung heimischer Arten: Durch schiere Masse und Aggressivität verdrängen invasive Ameisen heimische Arten und reduzieren die Biodiversität drastisch.
  • Gesundheitsrisiko: Arten wie die Pharaoameise (Monomorium pharaonis) können in Krankenhäusern gefährliche Keime übertragen.
  • Schwierige Bekämpfung: Herkömmliche Kontaktinsektizide versagen oft bei invasiven Arten; Fraßköder und systematische Bekämpfungsstrategien sind meist notwendig.
  • Menschlicher Faktor: Die Ausbreitung erfolgt oft passiv durch den Transport von Erdreich, Pflanzenkübeln oder Baumaterialien ("Jump Dispersal").

Was sind invasive Ameisen und warum sind sie so erfolgreich?

Nicht jede fremde Ameise, die in Europa auftaucht, wird sofort zur Plage. Damit eine Art als "invasiv" gilt, muss sie sich in der neuen Umgebung etablieren, ausbreiten und negative Auswirkungen auf das Ökosystem, die Wirtschaft oder die Gesundheit haben. Ein Schlüsselfaktor für den Erfolg vieler invasiver Ameisenarten ist ihre Sozialstruktur. Während heimische Ameisenkolonien oft streng territorial sind und Artgenossen aus fremden Nestern bekämpfen, zeigen viele invasive Arten eine sogenannte Unikolonialität[1].

Dies bedeutet, dass Individuen verschiedener Nester derselben Art keine Aggression gegeneinander zeigen. Sie bilden stattdessen riesige, kooperierende Netzwerke, sogenannte Superkolonien. Ein bekanntes Beispiel ist die Argentinische Ameise (Linepithema humile), die in Südeuropa eine Superkolonie gebildet hat, die sich über 6.000 Kilometer von Italien bis nach Spanien erstreckt[2]. Diese Kooperation ermöglicht es ihnen, extrem hohe Populationsdichten zu erreichen und heimische Arten durch schiere Übermacht zu verdrängen.

Die biologischen Tricks der Eroberer

Neben der fehlenden innerartlichen Aggression nutzen invasive Ameisen weitere biologische Vorteile. Viele dieser Arten, wie die Invasive Gartenameise (Lasius neglectus), paaren sich innerhalb des Nestes (intranidale Paarung), anstatt einen riskanten Hochzeitsflug zu unternehmen. Dies sichert die Befruchtung und ermöglicht eine schnelle Abspaltung neuer Kolonieteile (Budding) in unmittelbarer Nähe[1]. Zudem entkommen sie durch die Einschleppung oft ihren natürlichen Feinden und Parasiten aus dem Ursprungsgebiet, was ihnen einen weiteren Wettbewerbsvorteil verschafft.

Warnung: Der Faktor Mensch

Die Ausbreitung invasiver Ameisen erfolgt selten aus eigener Kraft über weite Distanzen. Das Hauptproblem ist das sogenannte "Jump Dispersal" (Sprungausbreitung). Durch den Handel mit Topfpflanzen, Erdreich und Baumaterialien transportiert der Mensch unbemerkt ganze Kolonien oder begattete Königinnen über hunderte Kilometer hinweg in neue Gebiete[3]. Seien Sie daher besonders vorsichtig beim Kauf von Pflanzen aus dem mediterranen Raum oder beim Austausch von Gartenerde.

Die gefährlichsten invasiven Arten in Europa

Es gibt weltweit über 12.000 Ameisenarten, doch nur eine Handvoll verursacht massive Probleme. In Europa rücken besonders vier Arten in den Fokus von Wissenschaftlern und Schädlingsbekämpfern.

1. Die Invasive Gartenameise (Lasius neglectus)

Diese Art wurde erst 1990 wissenschaftlich als eigene Art beschrieben, nachdem sie in Budapest entdeckt wurde. Sie stammt vermutlich aus Kleinasien (Türkei) und hat sich seitdem rasant ausgebreitet, unter anderem nach Deutschland (z.B. Jena, Köln), Frankreich und Spanien[1]. Äußerlich ähnelt sie stark unserer heimischen Schwarzen Wegameise (Lasius niger), ist jedoch etwas kleiner und blasser. Das entscheidende Merkmal ist ihr Verhalten: Sie bildet enorme Superkolonien mit einer extrem hohen Anzahl an Königinnen. In befallenen Gebieten verdrängt sie fast alle anderen Ameisenarten und viele andere Arthropoden, was zu einem drastischen Rückgang der Biodiversität führt. Zudem züchtet sie intensiv Blattläuse, was Bäume schädigen und durch den Honigtau zu massiven Verschmutzungen führen kann[4].

2. Die Pharaoameise (Monomorium pharaonis)

Die Pharaoameise ist ein klassischer Hygieneschädling. Ursprünglich aus den Tropen stammend (vermutlich Indien), kann sie in Mitteleuropa nur in beheizten Gebäuden überleben. Sie ist winzig (ca. 2 mm), bernsteingelb und nistet bevorzugt in Mauerspalten, hinter Fliesen oder in Hohlräumen in der Nähe von Wärmequellen[5]. Besonders problematisch ist ihr Auftreten in Krankenhäusern. Da sie sowohl zuckerhaltige Nahrung als auch Proteine (Fleisch, Eiter, Wundsekret) sucht, kann sie gefährliche Krankheitserreger wie Salmonellen, Streptokokken oder Pseudomonas aeruginosa auf Patienten übertragen. Sie kriecht sogar unter Wundverbände und in sterile Verpackungen[6].

3. Die Argentinische Ameise (Linepithema humile)

Diese Art ist wohl das bekannteste Beispiel für eine invasive Ameise. Sie hat sich weltweit in Gebieten mit mediterranem Klima etabliert. In Europa dominiert sie große Teile der Küstenregionen. Ihre Aggressivität gegenüber anderen Ameisenarten bei gleichzeitiger Friedfertigkeit gegenüber Artgenossen aus weit entfernten Nestern ist legendär. In Kalifornien führte ihre Ausbreitung beispielsweise dazu, dass die Zahl der heimischen Ameisenarten in befallenen Gebieten von 27 auf 16 sank[7].

4. Die Rote Feuerameise (Solenopsis invicta)

Ursprünglich aus Südamerika stammend, ist sie vor allem in den USA und Australien als Plage bekannt, wurde aber auch schon in Europa nachgewiesen. Sie ist bekannt für ihr aggressives Verhalten und ihren schmerzhaften Stich, der bei Allergikern schwere Reaktionen auslösen kann. Sie verursacht weltweit Schäden in Milliardenhöhe, unter anderem in der Landwirtschaft, wo sie Jungtiere und Ernten angreift[8].

Auswirkungen auf Mensch und Umwelt

Die Folgen einer Invasion sind vielfältig und gehen weit über das "Lästigsein" beim Picknick hinaus.

Ökologisches Desaster

Invasive Ameisen sind oft exzellente Jäger und Nahrungskonkurrenten. Sie verdrängen heimische Ameisenarten, die wichtige ökologische Funktionen erfüllen, wie zum Beispiel die Verbreitung von Pflanzensamen (Myrmekochorie). Viele Frühjahrsblüher wie Veilchen oder Lerchensporn sind auf heimische Ameisen angewiesen. Invasive Arten fressen zwar oft das nährstoffreiche Anhängsel der Samen, transportieren den Samen aber nicht an geeignete Keimplätze oder zerstören ihn[9]. Dies verändert die Pflanzenzusammensetzung langfristig.

Wirtschaftliche Schäden und Materialschäden

Einige Ameisenarten, auch heimische wie die Braune Wegameise (Lasius brunneus) oder die Zweifarbige Wegameise (Lasius emarginatus), können als Materialschädlinge auftreten, indem sie Nester in morsche oder sogar intakte Holzbalken von Gebäuden bauen. Sie höhlen das Holz aus und können so die Statik gefährden[10]. Invasive Arten, die in hoher Dichte auftreten, können zudem elektrische Geräte kurzschließen oder in der Landwirtschaft durch die Förderung von Blattläusen Ernteausfälle verursachen.

Erkennung und Monitoring

Bevor Maßnahmen ergriffen werden, muss klar sein, um welche Art es sich handelt. Ein Monitoring ist essenziell. Da Pheromone zur Anlockung artspezifisch und oft schwer synthetisierbar sind, bleiben Sichtinspektionen und Klebefallen das Mittel der Wahl. Besonders in Betrieben, in denen schon einmal Pharaoameisen aufgetreten sind, sind regelmäßige Kontrollen Pflicht, da diese Art extrem hartnäckig ist und sich tief im Mauerwerk verstecken kann[11].

Anzeichen für einen Befall:

  • Massenhaftes Auftreten von Ameisenstraßen, auch im Winter (in Gebäuden).
  • Ameisenstraßen, die nicht versiegen, sondern über Wochen bestehen.
  • Kleine Häufchen aus Holzmehl oder Isoliermaterial (Hinweis auf Nestbau in der Bausubstanz).
  • Winzige, bernsteinfarbene Ameisen in Küche oder Bad (Verdacht auf Pharaoameise).

Bekämpfungsstrategien: Was hilft wirklich?

Die Bekämpfung invasiver Ameisen ist deutlich schwieriger als die von heimischen Arten. Da invasive Arten oft polygyn sind (viele Königinnen haben), reicht es nicht, eine einzelne Königin zu töten. Wird eine Kolonie durch Sprays gestresst, kann es bei Arten wie der Pharaoameise zum sogenannten "Budding" kommen: Die Kolonie teilt sich auf und breitet sich noch weiter aus. Sprühinsektizide (Kontaktgifte) sind daher oft kontraproduktiv, da sie nur die außen laufenden Arbeiterinnen töten, aber nicht das Nest erreichen[6].

Praxis-Tipp: Die Köder-Strategie

Der Schlüssel zum Erfolg ist der soziale Magen der Ameise (Kropf). Arbeiterinnen geben flüssige Nahrung an Nestgenossen und die Königinnen weiter (Trophallaxis).

So gehen Sie vor:

  1. Verwenden Sie Fraßköder (Gele oder Granulate), die einen verzögerten Wirkstoff enthalten.
  2. Die Arbeiterin nimmt den Köder auf, trägt ihn ins Nest und füttert damit die Brut und die Königinnen.
  3. Erst im Nest entfaltet das Gift seine Wirkung. So wird die Kolonie von innen heraus bekämpft.
  4. Geduld ist wichtig: Der Prozess kann mehrere Wochen dauern.

Spezifische Maßnahmen

1. Im Haus (z.B. Pharaoameise):
Hier sind Fraßköder auf Protein- oder Zuckerbasis (je nach Jahreszeit und Vorliebe der Kolonie) zwingend. Kontaktinsektizide sollten vermieden werden, um eine Zersplitterung der Kolonie zu verhindern. Eine professionelle Bestimmung und Bekämpfung durch Schädlingsbekämpfer ist oft unumgänglich, da alle Nester im Gebäude gleichzeitig behandelt werden müssen[6].

2. Im Garten (z.B. Lasius neglectus):
Bei invasiven Arten im Garten ist eine vollständige Tilgung oft unmöglich, sobald sie sich etabliert haben. Ziel ist die Eindämmung.

  • Köderdosen: Platzieren Sie diese direkt an den Laufstraßen.
  • Gießmittel: Können bei direkt zugänglichen Nestern im Boden wirken, erreichen aber oft nicht die tief liegenden Königinnen der Superkolonien.
  • Nematoden: Mikroskopisch kleine Fadenwürmer (Steinernema feltiae) sind eine biologische Methode. Sie dringen in die Ameisen ein und töten sie. Dies funktioniert gut bei Nestern in Pflanzenkübeln oder Hochbeeten, ist aber bei riesigen invasiven Netzwerken oft nur punktuell wirksam[12].

3. Vorbeugung und Barrieren:
Um das Eindringen in Häuser zu verhindern, sollten bauliche Mängel behoben werden (Ritzen abdichten). Duftstoffe wie Lavendelöl, Eukalyptus oder Wacholder können Ameisen kurzfristig vergrämen, da diese sich stark am Geruch orientieren. Dies ist jedoch keine dauerhafte Lösung bei starkem Befallsdruck[13].

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Sind alle Ameisen im Garten schädlich?

Nein, ganz im Gegenteil. Heimische Ameisenarten sind extrem nützlich für das Ökosystem. Sie belüften den Boden und fressen Schädlinge. Eine Bekämpfung ist nur notwendig, wenn sie ins Haus eindringen oder invasive Arten die Überhand gewinnen.

Woran erkenne ich die Invasive Gartenameise?

Sie sieht der heimischen Schwarzen Wegameise sehr ähnlich, tritt aber in massiven Mengen auf. Wenn Sie Ameisenstraßen sehen, die ganze Baumstämme dicht bedecken und auch im Winter Aktivität zeigen (in milden Lagen), könnte es sich um Lasius neglectus handeln[4].

Hilft Backpulver gegen Ameisen?

Backpulver ist ein altes Hausmittel, aber oft qualvoll für die Tiere und bei großen, invasiven Kolonien völlig ineffektiv. Professionelle Ködergele sind zielgerichteter und sicherer in der Anwendung.

Können Ameisen Krankheiten übertragen?

Ja, bestimmte Arten wie die Pharaoameise können in Krankenhäusern und lebensmittelverarbeitenden Betrieben Krankheitserreger mechanisch übertragen, da sie zwischen Unrat/Wunden und Nahrungsmitteln wechseln[5].

Was ist der Unterschied zwischen einheimischen und invasiven Kolonien?

Einheimische Kolonien sind meist territorial (kämpfen gegen Nachbarn) und haben oft nur eine Königin (Monogynie). Invasive Kolonien sind oft unicolonial (keine Aggression zwischen Nestern) und haben viele Königinnen (Polygynie), was sie extrem widerstandsfähig macht[1].

Fazit

Invasive Ameisen sind ein ernstzunehmendes ökologisches und ökonomisches Problem in Europa. Ihre Fähigkeit, riesige Superkolonien zu bilden und heimische Arten zu verdrängen, macht sie zu einer Gefahr für die Biodiversität. Für Hausbesitzer und Gärtner ist es wichtig, wachsam zu sein und bei Verdacht auf invasive Arten (wie extreme Massenansammlungen oder Befall im Winter) schnell zu handeln. Während bei heimischen Ameisen oft eine sanfte Vergrämung reicht, erfordern invasive Arten meist den Einsatz von spezifischen Fraßködern, um die Königinnen zu erreichen und die Kolonie nachhaltig zu schwächen. Achten Sie beim Kauf von Pflanzen auf "blinde Passagiere", um eine weitere Ausbreitung dieser kleinen Eroberer zu verhindern.

Quellen und Referenzen

  1. Cremer, S. et al., "The evolution of invasiveness in garden ants", PLOS ONE, 2008.
  2. Giraud, T. et al., "Evolution of supercolonies: The Argentine ants of southern Europe", PNAS, 2002.
  3. Ugelvig, L. V. et al., "The introduction history of invasive garden ants in Europe", BMC Biology, 2008.
  4. Seifert, B., "Die Ameisen Mittel- und Nordeuropas", Lutra Verlag, 2007.
  5. Eichler, Wd., "Zur Mittelanwendung in der Pharaoameisenbekämpfung", DpS, 1989.
  6. Behr's Verlag, "Monitoring bei Ameisen" & "Pharaoameise", Dokumentation Schädlingsbekämpfung.
  7. Suarez, A.V. et al., "Effects of the invasive Argentine ant on native ant communities", Ecology, 1998.
  8. Lofgren, C.S. et al., "Biology and Control of Imported Fire Ants", Annual Review of Entomology, 1975.
  9. Bayerisches Landesamt für Umwelt, "Ameisen - UmweltWissen Praxis", 2013.
  10. Buschinger, A., "Ameisen abwehren, bekämpfen, vertreiben", Ameisenschutz aktuell, 1997.
  11. Heeschen, W., "Monitoring bei Ameisen", Behr's Verlag.
  12. Produktinformation "Nematoden: natürliche Mittel gegen Ameisen".
  13. Verbraucherzentrale Sachsen, "Tipps zur umweltfreundlichen Vorbeugung und Vertreibung von Ameisen".

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