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Können Ameisen schwimmen: Verhalten im Wasser
janvier 30, 2026 Patricia Titz

Können Ameisen schwimmen: Verhalten im Wasser

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen entspannt im Garten, genießen den Sommer, und plötzlich zieht ein schweres Gewitter auf. Während wir Menschen ins Trockene flüchten, stellt sich die Frage: Was passiert eigentlich mit den Millionen von Ameisen, die unter unserem Rasen oder in den Gehwegplatten leben? Ertrinken sie in den Fluten? Können Ameisen schwimmen oder haben sie geheime Überlebensstrategien für das Element Wasser entwickelt? Die Antwort ist faszinierend und komplexer als ein einfaches Ja oder Nein. Ameisen sind wahre Überlebenskünstler, deren Anatomie und Sozialverhalten ihnen erstaunliche Fähigkeiten im Umgang mit Wasser verleihen – von der Bildung lebender Flöße bis hin zu einer Art "Kältestarre" unter Wasser.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Nicht alle schwimmen: Die meisten heimischen Ameisen können nicht aktiv schwimmen, aber sie können sich dank ihrer Körperoberfläche und Oberflächenspannung lange über Wasser halten.
  • Überleben unter Wasser: Ameisen können ihre Atemöffnungen (Stigmen) schließen und im Wasser bis zu 14 Tage überleben, indem sie ihren Stoffwechsel drastisch reduzieren.
  • Rettungsflöße: Einige Arten, wie die invasive Rote Feuerameise, verketten sich bei Überflutung zu lebenden Flößen, um die Königin und die Brut zu schützen.
  • Nestbau gegen Regen: Heimische Waldameisen konstruieren ihre Hügel wie regendichte Dächer, während andere Arten spezielle Techniken entwickelt haben, um Wasser aus dem Nest zu entfernen.
  • Bekämpfung mit Wasser: Das bloße Fluten eines Ameisennestes mit dem Gartenschlauch vertreibt die Kolonie meist nur kurzfristig, tötet sie aber selten ab.

Die Physik des Überlebens: Warum Ameisen nicht sofort untergehen

Um zu verstehen, wie Ameisen im Wasser reagieren, müssen wir uns zunächst ihre Anatomie ansehen. Ameisen gehören zum Stamm der Arthropoda (Gliederfüßer) und besitzen ein Exoskelett aus Chitin[1]. Diese harte Außenhülle ist nicht nur ein Schutzpanzer gegen Feinde, sondern spielt auch im Wasser eine entscheidende Rolle. Die Oberfläche des Chitinpanzers ist hydrophob, also wasserabweisend. In Kombination mit ihrem extrem geringen Körpergewicht sorgt dies dafür, dass Ameisen die Oberflächenspannung des Wassers nicht so leicht durchbrechen.

Wenn eine Ameise ins Wasser fällt, geht sie nicht wie ein Stein unter. Stattdessen bleibt sie oft auf der Oberfläche "kleben". Kleine Härchen am Körper können zusätzlich Luftblasen einschließen, die wie mikroskopisch kleine Schwimmwesten wirken. Diese Luftschicht versorgt die Ameise nicht nur für eine gewisse Zeit mit Sauerstoff, sondern erhöht auch den Auftrieb. Wissenschaftliche Beobachtungen zeigen, dass selbst wenn Ameisen unter die Oberfläche gedrückt werden, diese Luftblasen oft ausreichen, um sie schnell wieder nach oben zu treiben[2].

Atmung unter Wasser: Das Geheimnis der Tracheen

Ameisen besitzen keine Lungen wie Säugetiere. Ihre Atmung erfolgt über ein System von Röhren, den sogenannten Tracheen, die den Sauerstoff direkt zu den Organen transportieren. Die Öffnungen dieses Systems, die Stigmen, befinden sich an den Seiten des Körpers[1]. Der entscheidende Überlebensvorteil im Wasser ist die Fähigkeit vieler Ameisenarten, diese Stigmen bei Gefahr zu verschließen.

Geraten Ameisen unter Wasser, fallen sie in einen Zustand der Hypoxie (Sauerstoffmangel). Sie reduzieren ihren Stoffwechsel auf ein Minimum und verfallen in eine Art Starre. In diesem Zustand verbrauchen sie kaum Sauerstoff. Untersuchungen haben gezeigt, dass manche Ameisenarten in diesem Zustand bis zu zwei Wochen unter Wasser überleben können und nach dem Trocknen wieder "zum Leben erwachen"[3]. Dies erklärt, warum das einfache Gießen von Wasser auf ein Ameisennest oft wirkungslos bleibt – die Tiere warten einfach ab, bis das Wasser versickert ist.

Achtung bei der Bekämpfung

Da Ameisen extrem widerstandsfähig gegen Ertrinken sind, ist der Einsatz von bloßem Wasser zur Bekämpfung meist ineffektiv. Um ein Nest dauerhaft zu entfernen, müsste kochendes Wasser verwendet werden, was jedoch Pflanzen schädigt und grausam ist, oder es müssen spezifische Köderverfahren angewendet werden, die das Nest von innen heraus bekämpfen[4].

Können Ameisen aktiv schwimmen?

Die Frage, ob Ameisen schwimmen können, hängt stark von der Definition und der Art ab. Die meisten heimischen Arten wie die Schwarzgraue Wegameise (Lasius niger) oder die Rote Gartenameise (Myrmica rubra) sind keine Schwimmer im eigentlichen Sinne. Landen sie im Wasser, führen sie hektische Ruderbewegungen durch. Dies ist eher ein unkoordiniertes Strampeln als zielgerichtetes Schwimmen. Dennoch reicht diese Bewegung oft aus, um auf der Wasseroberfläche voranzukommen und – mit etwas Glück und Strömung – das rettende Ufer oder ein treibendes Blatt zu erreichen.

Es gibt jedoch Ausnahmen in der Welt der Ameisen. Einige tropische Arten, wie bestimmte Vertreter der Gattung Polyrhachis (z.B. in Mangrovenwäldern), können tatsächlich tauchen und schwimmen, um ihre Nester zu erreichen oder vor Feinden zu fliehen. In Europa ist das Verhalten jedoch meist auf das Überleben von Überschwemmungen beschränkt und nicht auf eine aquatische Lebensweise ausgelegt[5].

Die Taktik der Feuerameise: Das lebende Floß

Ein besonders beeindruckendes Phänomen zeigt die Rote Feuerameise (Solenopsis invicta). Diese invasive Art, die ursprünglich aus Südamerika stammt und sich weltweit ausbreitet, hat eine bemerkenswerte Strategie gegen Hochwasser entwickelt. Bei Überflutungen verketten sich die Arbeiterinnen mit ihren Beinen und Kiefern zu einem riesigen, lebenden Floß.

Die Königin und die Brut werden sicher in der Mitte und oben auf diesem Floß platziert. Durch die feinen Härchen am Körper der Ameisen und die Oberflächenspannung des Wassers ist dieses Floß praktisch unsinkbar. Selbst wenn man es unter Wasser drückt, nimmt es genug Luft mit, um wieder aufzutauchen. Solche Flöße können wochenlang auf dem Wasser treiben, bis sie auf festes Land stoßen[6]. Dieses Verhalten zeigt eindrucksvoll die kollektive Intelligenz und Anpassungsfähigkeit dieser Insekten.

Bauliche Meisterleistungen: Nester als Festungen gegen Regen

Ameisen verlassen sich nicht nur auf ihre körperlichen Fähigkeiten, sondern auch auf ihre Architektur, um dem Wasser zu trotzen. In Mitteleuropa sind die Hügelnester der Waldameisen (Formica-Arten) bekannte Beispiele für genialen Wasserbau.

Das Reetdach-Prinzip der Waldameisen

Die großen Kuppelnester der Roten Waldameise (Formica rufa) oder der Kahlrückigen Waldameise (Formica polyctena) bestehen aus Nadeln, kleinen Ästchen und Harz. Diese Materialien sind nicht zufällig aufgeschichtet. Die Ameisen ordnen die Nadeln so an, dass sie wie Dachziegel wirken. Regenwasser wird an der Außenseite des Nestes abgeleitet und dringt kaum in das Innere ein. Zusätzlich regulieren die Ameisen durch das Öffnen und Schließen von Gängen die Feuchtigkeit und Temperatur im Nest[7].

Sollte es dennoch zu einem Wassereinbruch kommen, reagieren die Tiere blitzschnell. Die Brut wird in tiefere, trockenere Kammern oder – bei steigendem Grundwasser – in höher gelegene Bereiche des Hügels transportiert. Diese Flexibilität sichert das Überleben der Kolonie auch bei starkem Unwetter.

Kollektives "Pinkeln" gegen die Flut

Eine der kuriosesten Strategien zur Wasserbewältigung zeigt die Bambusameise (Cataulacus muticus), die in den Hohlräumen von Bambusstämmen lebt. Wenn bei starkem Regen Wasser in den Hohlraum eindringt, blockiert zunächst eine Ameise mit ihrem speziell geformten Kopf den Eingang – sie spielt buchstäblich den Türstöpsel. Dringt dennoch Wasser ein, trinken die Arbeiterinnen das Wasser, laufen zum Eingang, drehen sich um und scheiden das Wasser wieder nach draußen aus. Wissenschaftler bezeichnen dieses Verhalten als "Kollektives Pinkeln" (Communal Peeing) – eine höchst effektive Methode, um das Nest trocken zu legen[2].

Ameisen in Feuchtgebieten: Die Spezialisten

Nicht alle Ameisen meiden Wasser. Einige Arten haben sich auf Lebensräume spezialisiert, die regelmäßig überschwemmt werden. Die Schuppenameise Formica fuscocinerea beispielsweise besiedelt Kiesbänke entlang von Flüssen wie der Isar. Diese Pionierart ist an die dynamischen Bedingungen der Flussauen angepasst und kann Überflutungen besser tolerieren als reine Waldarten[8].

Auch die Gelbe Wiesenameise (Lasius flavus), die oft im Gartenrasen vorkommt, baut stabile Erdhügel. Diese dienen nicht nur als "Sonnenkollektoren" zur Wärmespeicherung, sondern schützen das Nest auch vor Staunässe im Boden. Durch die Erhöhung liegen die Brutkammern oft über dem Wasserspiegel des umgebenden Erdreichs bei starkem Regen[4].

Tipp für Gartenbesitzer

Wenn Sie Erdhügel im Rasen entdecken, handelt es sich oft um die Gelbe Wiesenameise. Diese Art ist harmlos und nützlich, da sie den Boden auflockert und Wurzelläuse frisst. Ein Bekämpfen ist meist nicht notwendig. Wenn die Hügel stören, können sie oft einfach eingeebnet werden, ohne Chemie einzusetzen[4].

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ertrinken Ameisen, wenn ich Wasser in das Nest gieße?

In der Regel ertrinken sie nicht sofort. Ameisen können ihre Atemöffnungen schließen und bis zu 14 Tage unter Wasser überleben. Kaltes Wasser vertreibt sie meist nur kurzfristig oder veranlasst sie, das Nest tiefer zu graben oder umzuziehen. Nur kochendes Wasser tötet sie direkt ab, erreicht aber oft nicht die Königin in der Tiefe[4].

Warum laufen Ameisen nicht über Wasser mit Spülmittel?

Die Fähigkeit von Ameisen, auf dem Wasser zu laufen oder zu schwimmen, basiert auf der Oberflächenspannung. Spülmittel (Tenside) setzt diese Oberflächenspannung herab. Dadurch können die Ameisenfüße das Wasser nicht mehr "treten", und der hydrophobe Schutzfilm bricht zusammen. Die Ameise geht sofort unter und ertrinkt schneller, da das Wasser in die Tracheen eindringen kann.

Können Ameisen Regen riechen?

Ameisen reagieren sehr sensibel auf Luftdruckveränderungen und Feuchtigkeit, die einem Gewitter vorausgehen. Oft kann man beobachten, dass die Aktivität vor einem Sturm zunimmt, da sie versuchen, Nahrungsvorräte zu sichern und die Nesteingänge zu verschließen oder zu verengen, um das Eindringen von Wasser zu verhindern.

Was passiert bei Hochwasser mit den Ameisen im Garten?

Bei langsam steigendem Wasser versuchen die Ameisen, in höhere Vegetation (Grashalme, Büsche, Bäume) zu klettern. Manche Arten bilden Trauben oder Bälle aus Arbeiterinnen, um die Königin zu schützen. Sobald das Wasser zurückgeht, kehren sie in den Boden zurück oder suchen einen neuen Nistplatz.

Gibt es Ameisen, die unter Wasser jagen?

In Europa nicht. Es gibt jedoch tropische Arten wie Polyrhachis sokolova, die in Mangrovengebieten leben und tatsächlich bei Ebbe und Flut aktiv sind und auch unter Wasser nach Nahrung suchen können. Dies ist jedoch eine absolute Ausnahme im Reich der Ameisen.

Fazit

Ameisen sind zwar keine geborenen Schwimmer wie Fische oder Frösche, aber sie sind auch im Wasser keineswegs hilflos. Ihre Strategien reichen von physikalischen Tricks wie der Nutzung der Oberflächenspannung über physiologische Anpassungen wie die Atemstarre bis hin zu komplexen sozialen Verhaltensweisen wie dem Bau von lebenden Flößen oder wasserdichten Nestern.

Für uns Menschen bedeutet das: Wasser allein ist selten eine effektive Methode, um Ameisen langfristig aus dem Haus oder von der Terrasse zu vertreiben. Die Tiere sind Meister des Überlebens und haben in Millionen Jahren der Evolution gelernt, mit den Tücken des Wetters umzugehen. Wenn Sie Probleme mit Ameisen haben, setzen Sie lieber auf Methoden, die den Geruchssinn der Tiere stören (wie ätherische Öle) oder nutzen Sie im Ernstfall spezifische Köder, anstatt den Gartenschlauch zu bemühen.

Quellen und Referenzen

  1. Grokipedia/Wikipedia Kompendium: Ameisen - Morphologie und Physiologie (Tracheenatmung, Chitinpanzer), 2026.
  2. Grokipedia/Wikipedia Kompendium: Ameisen - Verhalten und Ökologie (Cataulacus muticus, Schwimmverhalten), 2026.
  3. Bayerisches Landesamt für Umwelt: UmweltWissen – Praxis: Ameisen (Überlebensdauer unter Wasser, Bekämpfung), 2013.
  4. Bayerisches Landesamt für Umwelt: Ameisen im Garten und Haus (Lasius flavus, Bekämpfungsmethoden), 2013.
  5. Grokipedia/Wikipedia Kompendium: Polyrhachis und Mangrovenameisen, 2026.
  6. Cremer, S.: Invasive Ameisen in Europa: Wie sie sich ausbreiten (Solenopsis invicta, Floßbildung), 2017.
  7. Dietrich, C. & Steiner, E.: Das Leben unserer Ameisen – ein Überblick (Nestbau Waldameisen), 2009.
  8. Cremer, S.: Invasive Ameisen in Europa (Formica fuscocinerea in Flussauen), 2017.

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