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Natron gegen Ameisen: Hausmittel Anwendung
février 1, 2026 Patricia Titz

Natron gegen Ameisen: Hausmittel Anwendung

Es beginnt oft mit einer einzelnen, unscheinbaren Ameise, die über die Küchenzeile huscht. Doch ehe man sich versieht, hat sich diese einzelne Kundschafterin in eine gut organisierte Straße verwandelt, die zielstrebig zum Obstkorb oder zur Zuckerdose führt. Ameisen sind faszinierende Geschöpfe mit einer komplexen Sozialstruktur, doch in den eigenen vier Wänden werden sie schnell zur Plage. Bevor man jedoch zur chemischen Keule greift, erinnern sich viele an ein altbewährtes Hausmittel aus Großmutters Zeiten: Natron. Dieses weiße Pulver, das eigentlich zum Backen gedacht ist, gilt als Wunderwaffe gegen die krabbelnden Insekten. Doch wie wirkt Natron eigentlich genau? Ist es wirklich so effektiv, wie oft behauptet wird, und gibt es Risiken bei der Anwendung? In diesem Artikel beleuchten wir die Anwendung von Natron gegen Ameisen wissenschaftlich fundiert, erklären die biologischen Hintergründe und zeigen auf, wann Hausmittel an ihre Grenzen stoßen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Wirkungsweise: Natron wirkt in Kombination mit Zucker als Fraßgift, das den pH-Wert im Körper der Ameise verändert oder durch Gasbildung zum Verenden führt.
  • Der Lockstoff: Da Ameisen Natron pur nicht fressen, ist ein Lockmittel wie Puderzucker zwingend notwendig.
  • Gefahr bei falschen Arten: Bei bestimmten Arten, wie der Pharaoameise, können Hausmittel zur Verschlimmerung durch Zweignestbildung führen.
  • Biologischer Hintergrund: Um eine Kolonie nachhaltig zu entfernen, muss die Königin erreicht werden, was durch die Futterweitergabe (Trophallaxis) geschehen kann.
  • Alternativen: Ätherische Öle zum Vergrämen oder Kieselgur als Barriere sind oft effektivere oder sanftere Alternativen.

Warum Natron gegen Ameisen eingesetzt wird

Natron (Natriumhydrogencarbonat) ist ein vielseitiges Salz, das in fast jedem Haushalt zu finden ist. Die Idee hinter der Anwendung gegen Ameisen ist simpel: Da Ameisen einen sehr komplexen Verdauungsapparat besitzen, reagiert das Natron in ihrem Körper. Die populäre Theorie besagt, dass das Natron im Magen der Ameise mit der dort vorhandenen Säure reagiert, Kohlendioxid freisetzt und die Ameise quasi von innen platzen lässt oder zumindest tödliche Verletzungen verursacht. Wissenschaftlich betrachtet verändert das alkalische Natron den pH-Wert im Körper der Insekten, was zu einem fatalen Ungleichgewicht führt. Da Ameisen jedoch nicht dumm sind, fressen sie reines Natron nicht freiwillig. Es muss "maskiert" werden.

Hier kommt die Biologie der Ameise ins Spiel. Die meisten in Häusern anzutreffenden Arten, wie die Schwarzgraue Wegameise (Lasius niger), sind auf der Suche nach kohlenhydratreicher Nahrung[1]. In der Natur melken sie dafür Blattläuse, um an den süßen Honigtau zu gelangen[2]. Im Haus suchen sie nach ähnlichen Energiequellen: Zucker, Honig, Marmelade oder Obstreste. Um das Natron in die Ameise zu bekommen, wird es daher meist im Verhältnis 1:1 mit Puderzucker gemischt. Der Puderzucker dient als unwiderstehlicher Lockstoff, während das Natron als verstecktes Gift fungiert.

Rezeptur: Das Natron-Zucker-Gemisch

Für die klassische Anwendung benötigen Sie:

  • 1 Teil Natron (Backnatron)
  • 1 Teil Puderzucker (kein Kristallzucker, da die Ameisen die Körner trennen könnten)

Vermischen Sie beides gründlich und streuen Sie es trocken auf die Laufwege der Ameisen oder in die Nähe der Nesteingänge.

Die Biologie verstehen: Warum Einzelkämpfer chancenlos sind

Um zu verstehen, warum die Bekämpfung von Ameisen oft Geduld erfordert, muss man einen Blick auf ihre faszinierende Sozialstruktur werfen. Ameisen sind eusoziale Insekten, was bedeutet, dass sie in streng organisierten Staaten leben[3]. Ein solcher Staat besteht aus drei Kasten: den Königinnen, den Männchen (die nur kurzzeitig für den Hochzeitsflug existieren) und den unfruchtbaren Arbeiterinnen[4]. Die Arbeiterinnen sind diejenigen, die wir in unserer Küche sehen. Sie sind für die Nahrungsbeschaffung, den Nestbau und die Verteidigung zuständig.

Das primäre Ziel jeder Bekämpfungsmaßnahme muss die Beseitigung der Königin sein. Solange die Königin lebt, produziert sie kontinuierlich Nachkommen. Bei der Schwarzgrauen Wegameise kann eine Königin bis zu 29 Jahre alt werden[4]. Tötet man mit einem Spray oder durch Zerdrücken nur die herumlaufenden Arbeiterinnen, ist dies für die Kolonie meist nur ein kleiner Verlust, der schnell ausgeglichen wird. Ein Ameisenvolk funktioniert wie ein Superorganismus, bei dem das einzelne Individuum zugunsten der Gemeinschaft zurücksteht[3].

Der Soziale Magen und die Trophallaxis

Hier liegt die Chance für Fraßgifte wie das Natron-Gemisch. Ameisen besitzen einen Kropf, den sogenannten "sozialen Magen". Wenn eine Arbeiterin Nahrung aufnimmt, verzehrt sie diese nicht sofort vollständig selbst. Sie speichert einen Großteil im Kropf, um ihn im Nest an andere Arbeiterinnen, die Larven und vor allem die Königin weiterzugeben[5]. Dieser Vorgang der Futterweitergabe von Mund zu Mund wird als Trophallaxis bezeichnet. Wenn das Natron-Gemisch also von den Arbeiterinnen aufgenommen und ins Nest getragen wird, besteht die theoretische Chance, dass es bis zur Königin gelangt und die Kolonie von innen heraus dezimiert.

Wichtige Warnung: Die Gefahr bei Pharaoameisen

Nicht jede Ameise ist gleich. Eine besondere Gefahr stellt die Pharaoameise (Monomorium pharaonis) dar. Diese winzigen, bernsteingelben Ameisen nisten gerne in beheizten Gebäuden und Krankenhäusern. Bei dieser Art führt der Einsatz von Kontaktgiften oder ungeeigneten Hausmitteln oft zu einer Katastrophe: Die Kolonie reagiert auf Stress nicht mit dem Tod, sondern mit der sogenannten "Zweignestbildung" (Budding)[6]. Die Kolonie spaltet sich auf, und die Königinnen wandern mit einem Teil der Arbeiterinnen in neue Ritzen und Spalten ab. Aus einem Befallsherd werden so schnell viele. Bei Verdacht auf Pharaoameisen (sehr klein, hellbraun/gelb) sollten Sie keinesfalls mit Natron oder Sprays experimentieren, sondern einen Schädlingsbekämpfer rufen[6].

Grenzen des Natron-Hausmittels

Obwohl Natron als Hausmittel beliebt ist, hat es seine Grenzen. Die Wirksamkeit hängt stark davon ab, ob die Ameisen das Gemisch tatsächlich annehmen. Ameisen ändern ihre Nahrungspräferenzen im Jahresverlauf. Während sie im Frühjahr und Sommer oft auf Zucker (Kohlenhydrate) aus sind, benötigen sie zur Aufzucht der Brut zeitweise vermehrt Proteine[2]. In diesen Phasen werden sie das Zucker-Natron-Gemisch links liegen lassen und sich eher auf Katzenfutter oder Fleischreste stürzen. Zudem lernen Ameisen. Wenn die ersten Arbeiterinnen sterben, bevor das Futter verteilt wurde, wird die Nahrungsquelle oft als gefährlich markiert und gemieden.

Ein weiteres Problem ist die Dosierung. Ist der Natron-Anteil zu hoch, schmecken die Ameisen die Gefahr und rühren den Köder nicht an. Ist er zu niedrig, überleben sie. Professionelle Fraßköder arbeiten daher oft mit verzögert wirkenden Substanzen, die sicherstellen, dass die Arbeiterin lange genug lebt, um den Wirkstoff im Nest zu verteilen[7].

Sanfte Alternativen und Prävention

Wer Ameisen nicht töten, sondern nur aus dem Haus fernhalten möchte, hat biologische Alternativen. Das Bayerische Landesamt für Umwelt empfiehlt das "Vergrämen" durch Düfte[1]. Ameisen orientieren sich stark an Pheromonspuren, die sie legen, um Futterquellen zu markieren. Starke Gerüche können diese Orientierung stören.

Ätherische Öle und Kräuter

Lavendelöl, Eukalyptusöl, Zedernduft oder auch Gewürznelken und Zimt werden von vielen Ameisenarten gemieden. Das Auslegen von Farnkraut oder Wacholderblättern auf den Laufwegen kann ebenfalls dazu führen, dass die Ameisen ihre Route ändern[1]. Essig oder Zitronensaftreiniger helfen kurzfristig, die Pheromonspur zu überdecken und die Orientierung der Tiere zu stören.

Kieselgur (Diatomeenerde)

Eine physikalische Methode zur Bekämpfung ist Kieselgur. Dabei handelt es sich um fossile Schalen von Kieselalgen. Das feine Pulver wirkt mechanisch auf den Chitinpanzer der Ameisen. Es beschädigt die schützende Wachsschicht, was dazu führt, dass die Insekten austrocknen[8]. Im Gegensatz zu Natron muss es nicht gefressen werden, sondern wirkt bei Kontakt. Es ist für Haustiere und Menschen ungiftig, sollte aber nicht eingeatmet werden.

Nematoden

Für die Bekämpfung von Nestern im Garten gibt es eine rein biologische Methode: Nematoden (Fadenwürmer). Diese mikroskopisch kleinen Würmer dringen in die Ameisen ein und bekämpfen sie von innen. Da Ameisen diese Parasiten erkennen, flüchten sie oft panikartig und verlegen ihr Nest – weg von Ihrer Terrasse[8].

Prävention ist der beste Schutz

Damit Sie gar nicht erst zu Natron oder Köderdosen greifen müssen, ist Vorbeugung entscheidend. Ameisen sind die "Putzkolonne" der Natur und werden von Essensresten magisch angezogen[1].

  • Nahrungsquellen entziehen: Lassen Sie keine offenen Lebensmittel, Tierfutter oder zuckerhaltige Getränke stehen. Verschließen Sie Vorratsdosen luftdicht.
  • Mülleimer leeren: Leeren Sie Mülleimer (besonders Bioabfall) täglich und reinigen Sie diese regelmäßig.
  • Zugänge abdichten: Versiegeln Sie Ritzen und Fugen im Mauerwerk, an Fenstern und Türen mit Silikon oder Gips[9].
  • Blattläuse bekämpfen: Da Ameisen Blattläuse als "Melkkühe" halten, sollten Sie bei starkem Blattlausbefall an Zimmer- oder Terrassenpflanzen auch diese bekämpfen, um den Ameisen die Nahrungsquelle zu entziehen[1].

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist Natron schädlich für Haustiere oder Kinder?

In kleinen Mengen ist Natron (Backsoda) für Menschen und größere Haustiere ungiftig. Allerdings kann der Verzehr großer Mengen zu Magenbeschwerden führen. Da das Gemisch viel Zucker enthält, sollten Hunde und Katzen davon ferngehalten werden.

Warum kommen die Ameisen trotz Natron wieder?

Wenn Ameisen wiederkehren, wurde die Königin nicht eliminiert. Die Kolonie produziert einfach neue Arbeiterinnen nach. Oder es handelt sich um eine Art, die das Ködergemisch nicht annimmt. In diesem Fall sollten professionelle Köderdosen verwendet werden, die einen verzögerten Wirkmechanismus haben[7].

Hilft Backpulver genauso gut wie Natron?

Backpulver besteht größtenteils aus Natron, enthält aber zusätzlich Säuerungsmittel und Trennmittel. Es kann ebenfalls wirken, aber reines Natron ist in der Konzentration höher und oft effektiver. Die Wirkweise ist ähnlich.

Können Ameisen Schäden am Haus anrichten?

Die meisten heimischen Arten wie die Schwarzgraue Wegameise sind eher Lästlinge. Es gibt jedoch holzzerstörende Arten wie die Rossameise (Camponotus ligniperda) oder die Braune Wegameise (Lasius brunneus), die morsche Balken aushöhlen und die Bausubstanz schädigen können[2][7]. Hier ist professionelle Hilfe ratsam.

Wie erkenne ich, ob ich Pharaoameisen habe?

Pharaoameisen sind sehr klein (ca. 2 mm) und bernsteingelb. Sie treten ausschließlich in beheizten Gebäuden auf und benötigen Wärme (ca. 27°C Nesttemperatur)[6]. Wenn Sie solche Ameisen in der Nähe von Heizungsrohren oder in der Küche sehen: Keine Hausmittel verwenden, sondern den Experten rufen!

Fazit

Natron gemischt mit Puderzucker ist ein klassisches, kostengünstiges Hausmittel, das bei leichtem Befall durch gewöhnliche Wegameisen durchaus Wirkung zeigen kann. Es basiert auf dem Prinzip, dass die Arbeiterinnen das Gift in den Bau tragen und über die Trophallaxis an die Königin verfüttern. Dennoch ist es keine Garantie für eine dauerhafte Lösung. Die Intelligenz und Anpassungsfähigkeit des "Superorganismus Ameise" wird oft unterschätzt. Bei hartnäckigem Befall, holzzerstörenden Arten oder der gefürchteten Pharaoameise sollten Sie auf professionelle Produkte oder Dienstleister zurückgreifen, um größere Schäden und eine Ausbreitung der Kolonie zu verhindern. Oftmals reicht aber schon das Abdichten von Fugen und das Wegräumen von offenen Lebensmitteln, um den kleinen Krabblern das Interesse an Ihrer Küche zu nehmen.

Quellen und Referenzen

  1. Bayerisches Landesamt für Umwelt, "Ameisen - UmweltWissen Praxis", 2013, S. 2.
  2. Seifert, B., "Ameisen beobachten, bestimmen", Naturbuch Verlag, zitiert in: Behr's Verlag, "Ameisen", Kap 1.6.1, S. 27.
  3. SWR2 Wissen, "Ameisen – Welteroberer und Wunderwesen", Gespräch mit Susanne Foitzik, Sendung vom 02.05.2021, Manuskript S. 2-3.
  4. Dietrich, C. & Steiner, E., "Das Leben unserer Ameisen – ein Überblick", Denisia 25, 2009, S. 7-9.
  5. Grokipedia, "Ameise - Morphologie und Verdauungstrakt", abgerufen am 29.01.2026, S. 8.
  6. Sellenschlo, U., "Pharaoameise (Monomorium pharaonis)", Behr's Verlag, Kap 1.6.2, S. 3-5.
  7. Felke, M. / Karg, G., "Bekämpfung von Ameisen", Behr's Verlag, Kap 1.6.1, S. 29-30.
  8. Produktinformation "Übersicht: Welches Ameisenmittel passt zu deinem Fall?", S. 1-2.
  9. Heeschen, W., "Monitoring bei Ameisen", Behr's Verlag, Kap 3.4, S. 1.

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