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Rote Ameisen: Arten, Erkennung und Bekämpfung
février 3, 2026 Patricia Titz

Rote Ameisen: Arten, Erkennung und Bekämpfung

Rote Ameisen im Garten oder gar im Haus lösen bei vielen Menschen sofort Alarmbereitschaft aus. Der Anblick einer rötlich gefärbten Ameise wird oft sofort mit schmerzhaften Bissen, aggressiven Feuerameisen oder der Sorge um die Bausubstanz verbunden. Doch nicht jede rote Ameise ist ein Schädling, und nicht jede muss bekämpft werden. Tatsächlich ist die Welt der „roten“ Ameisen in Deutschland vielfältig: Sie reicht von der harmlosen, aber stechfreudigen Roten Gartenameise über die streng geschützte Rote Waldameise bis hin zur gefährlichen Pharaoameise, die ein ernsthaftes Hygienerisiko darstellt. In diesem umfassenden Leitfaden erfahren Sie, wie Sie die verschiedenen Arten sicher unterscheiden, welche rechtlichen Rahmenbedingungen gelten und mit welchen Strategien Sie einen Befall effektiv und nachhaltig lösen können.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Verwechslungsgefahr: „Rote Ameise“ ist kein artgenauer Begriff. Es kann sich um die Rote Gartenameise (Myrmica rubra), die geschützte Rote Waldameise (Formica rufa) oder die invasive Pharaoameise handeln.
  • Schmerzhafte Stiche: Die weit verbreitete Rote Gartenameise gehört zu den Knotenameisen und besitzt einen Giftstachel, der schmerzhafte Quaddeln verursacht.
  • Naturschutz: Waldameisen stehen unter strengem Naturschutz. Sie dürfen weder getötet noch ihre Nester zerstört werden.
  • Hygienerisiko: Bernsteingelbe Pharaoameisen in Gebäuden sind Gesundheitsschädlinge und müssen professionell bekämpft werden.
  • Bausubstanz: Die Zweifarbige Wegameise (rötlicher Thorax) kann als Holzzerstörer in Gebäuden auftreten.
  • Bekämpfung: Die Strategie (Köder vs. Spray vs. Umsiedlung) hängt zwingend von der genauen Artbestimmung ab.

1. Die „Rote Ameise“: Wer krabbelt da eigentlich?

Bevor Sie Maßnahmen ergreifen, ist eine Identifikation der Ameisenart unerlässlich. Die Färbung „Rot“ allein reicht nicht aus, da sie bei verschiedenen Unterfamilien vorkommt, die völlig unterschiedliche Verhaltensweisen und rechtliche Status haben. In Mitteleuropa gibt es rund 160 Ameisenarten, von denen jedoch nur wenige als Lästlinge oder Schädlinge auftreten[1].

Die Rote Gartenameise (Myrmica rubra)

Dies ist die häufigste „rote“ Ameise, der Sie im Garten begegnen werden. Sie gehört zur Unterfamilie der Knotenameisen (Myrmicinae). Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist das Stielchen zwischen Brust und Hinterleib, das bei dieser Art aus zwei Knoten besteht[2].

Die Arbeiterinnen sind etwa 4 bis 6 Millimeter groß und rotbraun gefärbt, wobei der Kopf und der Hinterleib oft etwas dunkler sind[3]. Das Besondere an dieser Art: Sie besitzt einen funktionstüchtigen Giftstachel. Wenn Sie im Garten barfuß in ein Nest treten und einen brennenden Schmerz verspüren, ist meist Myrmica rubra verantwortlich. Sie ist aggressiv und ihre Stiche sind vergleichbar mit Brennnesseln, können aber bei Allergikern stärkere Reaktionen auslösen[3].

Die Rote Waldameise (Formica rufa / polyctena)

Diese Art ist deutlich größer als die Gartenameise und baut die bekannten großen Kuppelnester aus Nadeln und Zweigen. Sie gehört zu den Schuppenameisen (Formicinae), was bedeutet, dass ihr Stielchen nur aus einem Glied (einer Schuppe) besteht[4]. Waldameisen haben keinen Giftstachel. Stattdessen beißen sie und spritzen Ameisensäure in die Wunde, um sich zu verteidigen[4].

Warnung: Artenschutz beachten!
Alle hügelbauenden Waldameisenarten sind laut Bundesartenschutzverordnung streng geschützt. Sie dürfen nicht bekämpft, gefangen oder in ihren Niststätten gestört werden. Bei Konflikten (z.B. Nest direkt am Haus) muss ein Experte der Ameisenschutzwarte hinzugezogen werden, der über eine mögliche Umsiedlung entscheidet[1].

Die Zweifarbige Wegameise (Lasius emarginatus)

Diese Art wird oft übersehen oder verwechselt. Sie hat einen rotbraunen Brustabschnitt (Thorax), während Kopf und Hinterleib dunkelbraun bis schwarz sind. Sie ist eine der wichtigsten Hausameisen in Deutschland, da sie ihre Nester gerne in Hohlräumen von Mauern, Zwischendecken oder unter Dielen anlegt[1]. Sie gilt als Materialschädling, da sie Isoliermaterialien zernagt und Holzstrukturen besiedeln kann.

Die Pharaoameise (Monomorium pharaonis)

Diese winzige (1,5 – 2,5 mm), bernsteingelbe bis rötliche Ameise ist ein gefürchteter Gesundheitsschädling. Sie stammt ursprünglich aus den Tropen und kann in unseren Breiten nur in beheizten Gebäuden überleben[5]. Da sie Krankheitskeime wie Salmonellen übertragen kann und extrem schwer zu bekämpfen ist, stellt sie in Krankenhäusern, Großküchen und Bäckereien ein massives Problem dar[5].

2. Biologie und Lebensweise: Warum sie so erfolgreich sind

Um Ameisen effektiv zu managen oder zu bekämpfen, muss man ihre Lebensweise verstehen. Ameisen sind eusoziale Insekten, was bedeutet, dass sie in hochorganisierten Staaten leben, in denen Arbeitsteilung herrscht. Es gibt reproduktive Königinnen, sterile Arbeiterinnen und zeitweise Männchen für den Hochzeitsflug[6].

Ernährungsstrategien

Die meisten bei uns heimischen Arten sind Allesfresser (Omnivoren). Ein Großteil ihrer Energie beziehen sie aus Kohlenhydraten, vor allem in Form von Honigtau – den zuckerhaltigen Ausscheidungen von Blattläusen. Dies erklärt, warum Ameisen oft Pflanzen mit Blattlausbefall „bewachen“[1]. Für die Aufzucht der Larven benötigen sie jedoch Proteine, weshalb sie auch Jagd auf andere Insekten machen oder Aas verwerten. Ein Volk der Roten Waldameise kann beispielsweise jährlich bis zu 6,1 Millionen Beutetiere vertilgen und leistet damit einen enormen Beitrag zur Schädlingsregulierung im Wald[1].

Nestbau und Standortwahl

Die Rote Gartenameise (Myrmica rubra) bevorzugt feuchte Böden. Sie baut ihre Nester unter Steinen, im Moos, im Rasen oder unter Gehwegplatten. Sie meidet sehr trockene Areale[3]. Da sie keine ausgeprägten Straßen wie die Schwarze Wegameise (Lasius niger) bildet, ist sie oft schwerer zu lokalisieren, bis man direkt auf das Nest tritt.

Die Pharaoameise hingegen nutzt das Warmwasser- und Heizungsnetz von Gebäuden als „Autobahn“ zur Verbreitung. Ihre Nester liegen oft tief im Mauerwerk, in Steckdosen oder sogar in medizinischen Geräten[5]. Ein besonderes Merkmal der Pharaoameise ist das sogenannte „Zweignest-Bildung“ (Budding): Wenn eine Kolonie gestresst wird (z.B. durch Insektenspray), spaltet sie sich in viele kleine Teilkolonien auf, was den Befall explosionsartig im ganzen Haus verteilen kann[5].

3. Gesundheitsrisiken und Schäden

Warum sollte man rote Ameisen überhaupt bekämpfen? Hier muss differenziert werden:

  • Gesundheit: Myrmica rubra (Rote Gartenameise) besitzt einen Stachel. Das Gift verursacht brennende Schmerzen und Pusteln. In den USA, wo die Art als invasiv gilt ("European Fire Ant"), wird sie wegen ihrer Aggressivität gefürchtet[3]. Pharaoameisen sind Hygieneschädlinge, die Krankheitserreger auf Lebensmittel und sterile Instrumente übertragen können[5].
  • Materialschäden: Arten wie Lasius emarginatus oder die Rossameise (Camponotus) können Dämmmaterialien (Styropor, Kork) aushöhlen und nisten sich in morschem, teils auch gesundem Holz ein, was die Bausubstanz schädigen kann[1].
  • Pflanzenschäden: Durch das Pflegen von Blattlauskolonien fördern Ameisen indirekt den Pflanzenschaden an Rosen, Obstbäumen und Gemüsepflanzen[7].

4. Bekämpfungsmethoden: Was wirklich hilft

Die Bekämpfung von Ameisen ist oft eine Geduldsprobe. Das bloße Töten der herumlaufenden Arbeiterinnen ist meist sinnlos, da die Königin(nen) im Nest ständig für Nachschub sorgen. Das Ziel muss immer die Eliminierung der Königin sein[1].

Prävention und mechanische Maßnahmen

Bevor die "chemische Keule" zum Einsatz kommt, sollten bauliche und hygienische Mängel beseitigt werden:

  • Nahrungsquellen entziehen: Lebensmittel verschlossen lagern, Tierfutter nicht offen stehen lassen, Mülleimer dicht schließen.
  • Zugänge dichtmachen: Risse im Mauerwerk, Fugen an Terrassentüren und Fensterrahmen mit Silikon oder Gips abdichten[1].
  • Umsiedlung im Garten: Kleinere Nester unter Blumentöpfen können oft einfach umgesetzt werden. Füllen Sie einen Tontopf mit Holzwolle, stellen Sie ihn umgekehrt auf das Nest. Wenn die Ameisen eingezogen sind, tragen Sie den Topf weit weg[1].

Biologische Bekämpfung (Nematoden)

Eine umweltfreundliche Methode im Garten ist der Einsatz von Nematoden (Fadenwürmern). Diese mikroskopisch kleinen Würmer dringen in die Ameisen ein und töten sie ab oder vertreiben sie durch ihre Anwesenheit. Dies ist besonders bei Nestern im Rasen oder in Hochbeeten eine gute Option, da keine Giftstoffe in den Boden gelangen[8].

Einsatz von Ködern (Fraßgifte)

Fraßköder sind die effektivste Methode für die meisten Arten. Die Arbeiterinnen nehmen den Wirkstoff auf, tragen ihn ins Nest und füttern damit die Königin und die Brut (Trophallaxis).

  • Für Gartenameisen (Myrmica rubra): Da diese Art oft mehrere Nester bewohnt und polygyn sein kann (mehrere Königinnen), ist Geduld erforderlich. Zuckerköder oder proteinhaltige Köder (je nach Jahreszeit) sind effektiv[3].
  • Wichtig bei Pharaoameisen: Verwenden Sie niemals sofort Kontaktinsektizide (Sprays)! Dies führt zum „Budding“ (Aufspaltung der Kolonie) und verschlimmert das Problem massiv. Hier müssen spezielle Fraßköder (z.B. mit Wachstumsregulatoren oder langsam wirkenden Giften) über einen langen Zeitraum (Monate) ausgelegt werden[5].

Kontaktgifte und Sprays

Sprays mit Wirkstoffen wie Permethrin oder Geraniol wirken sofort, töten aber meist nur die Arbeiterinnen. Sie eignen sich zur akuten Barrierebildung (z.B. an der Türschwelle), lösen aber das Nestproblem meist nicht dauerhaft[8]. Bei holzzerstörenden Ameisen kann eine direkte Injektion in das Nest notwendig sein.

Experten-Tipp: Kieselgur (Diatomeenerde)
Ein rein physikalisches Mittel ist Kieselgur. Das feine Pulver aus fossilen Kieselalgen beschädigt die Wachsschicht des Chitinpanzers der Ameisen, woraufhin diese austrocknen. Es ist ungiftig für Haustiere und Menschen und ideal für trockene Bereiche im Haus oder auf der Terrasse geeignet[8].

5. Invasive Arten: Eine wachsende Bedrohung?

In den Medien wird oft vor der „Roten Feuerameise“ (Solenopsis invicta) gewarnt. Diese Art verursacht weltweit Schäden in Milliardenhöhe, unter anderem durch Ernteausfälle und medizinische Behandlungskosten nach Stichen[7]. Während sie in den USA und Australien bereits weit verbreitet ist, ist sie in Deutschland noch nicht flächendeckend etabliert. Allerdings breitet sich eine andere invasive Art aus: Lasius neglectus (Invasive Gartenameise). Diese bildet riesige Superkolonien mit Millionen von Arbeitern und verdrängt heimische Arten[9]. Auch hier gilt: Bei Verdacht auf ungewöhnlich große, aggressive Kolonien sollten Sie einen Fachmann zur Bestimmung hinzuziehen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Sind alle roten Ameisen geschützt?

Nein. Geschützt sind laut Bundesartenschutzverordnung nur die hügelbauenden Waldameisen (Gattung Formica). Die im Garten häufige Rote Gartenameise (Myrmica rubra) steht nicht unter diesem strengen Schutz[1].

Warum kommen Ameisen immer wieder, obwohl ich gesprüht habe?

Insektensprays töten meist nur die sichtbaren Arbeiterinnen. Die Königin im Nest produziert jedoch ständig Eier nach. Bei manchen Arten (z.B. Pharaoameise) führt Sprayen sogar dazu, dass sich die Kolonie teilt und das Problem vergrößert[5].

Helfen Hausmittel wie Backpulver?

Backpulver (oft gemischt mit Zucker) ist ein altes Hausmittel. Die Ameisen fressen es und verenden qualvoll. Oft wird der Köder jedoch von den schlauen Tieren gemieden, sobald die ersten Verluste auftreten. Professionelle Köderdosen sind zuverlässiger und hygienischer[1].

Können rote Ameisen Krankheiten übertragen?

Die im Garten lebenden Arten (Myrmica) sind primär Lästlinge durch ihre Stiche. Die im Haus lebende Pharaoameise hingegen ist ein ernstzunehmender Hygieneschädling, der Keime auf Lebensmittel und Wunden übertragen kann[5].

Fazit

Rote Ameisen sind faszinierende Tiere mit einer komplexen Sozialstruktur, können aber im direkten Umfeld des Menschen zur Plage werden. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der genauen Bestimmung: Handelt es sich um die stechende Gartenameise, die geschützte Waldameise oder die gefährliche Pharaoameise? Während Sie im Garten oft mit Toleranz oder biologischen Mitteln wie Nematoden auskommen, erfordert ein Befall im Haus – insbesondere bei Pharaoameisen oder holzzerstörenden Arten – ein konsequentes Vorgehen mit Fraßködern oder professioneller Hilfe. Respektieren Sie dabei stets den Artenschutz und greifen Sie nur dann zu Bekämpfungsmitteln, wenn es wirklich notwendig ist.

Quellen und Referenzen

  1. Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU), "Ameisen - UmweltWissen Praxis", 2013.
  2. Dietrich, C. & Steiner, E., "Das Leben unserer Ameisen – ein Überblick", Denisia 25, 2009.
  3. Pospischil, R., "Die Rote Rasenameise (Myrmica rubra)", DpS 2/2011.
  4. Seifert, B., "Die Ameisen Mittel- und Nordeuropas", Lutra Verlag, 2007 (zitiert in Felke/Karg).
  5. Sellenschlo, U., "Pharaoameise (Monomorium pharaonis)", Behr's Verlag.
  6. Felke, M. & Karg, G., "Ameisen - Biologie und Sozialstruktur", Behr's Verlag.
  7. Grokipedia, "Ameise - Fakten und Ökologie", 2025.
  8. Übersicht Ameisenmittel, Wirkstoffe und Anwendungen (Doc 4).
  9. Cremer, S., "Invasive Ameisen in Europa: Wie sie sich ausbreiten", 2017.

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