Passer au contenu
Schlafen Ameisen: Ruhephasen und Schlafverhalten
février 4, 2026 Patricia Titz

Schlafen Ameisen: Ruhephasen und Schlafverhalten

Haben Sie jemals eine Ameise gesehen, die einfach nur stillsteht und nichts tut? Es scheint, als wären diese winzigen Insekten in einem permanenten Zustand geschäftiger Aktivität. Sie huschen über den Gehweg, erklimmen Pflanzenstängel oder transportieren Nahrung, die ein Vielfaches ihres eigenen Körpergewichts wiegt. Dieses Bild des nimmermüden Arbeiters ist tief in unserer Kultur verankert. Doch biologisch gesehen stellt sich eine faszinierende Frage: Schlafen Ameisen eigentlich? Und wenn ja, wie sieht dieser Schlaf aus, wenn man keine Augenlider hat, die man schließen kann? Die Antwort ist komplexer als ein einfaches Ja oder Nein und führt uns tief in die faszinierende Biologie der Staatenbildung, der Winterruhe und der inneren Uhren dieser hochorganisierten Lebewesen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Kein Schlaf im menschlichen Sinne: Ameisen kennen keinen Tiefschlaf wie Säugetiere, sondern legen zyklische Ruhephasen ein.
  • Winterruhe ist essenziell: Heimische Arten verfallen in eine mehrmonatige Kältestarre (Diapause), um Energie zu sparen und den Winter zu überleben.
  • Innere Uhr: Ameisen besitzen einen ausgeprägten Zeitsinn, der Aktivitäten wie den Hochzeitsflug oder die Nahrungssuche steuert.
  • Unterschiede bei Kasten: Königinnen haben oft längere und tiefere Ruhephasen als die kurzlebigeren Arbeiterinnen, was zu ihrer enormen Langlebigkeit beiträgt.
  • Invasive Arten: Eingeschleppte Arten wie die Pharaoameise halten in beheizten Gebäuden keine Winterruhe, was die Bekämpfung erschwert.

Der Mythos der schlaflosen Arbeiterin

Das Bild der Ameise als Symbol für unermüdlichen Fleiß ist nicht ganz falsch, aber biologisch unvollständig. Würde ein Organismus niemals ruhen, würde er physiologisch zusammenbrechen. Auch Ameisen benötigen Erholungsphasen. Allerdings unterscheiden sich diese Ruhephasen drastisch von unserem Verständnis von Schlaf. Während wir Menschen meist einen monophasischen Schlaf (einmal pro Nacht) praktizieren, zeigen Beobachtungen an Ameisen oft ein polyphasisches Muster – viele kurze Ruhepausen über den Tag verteilt.

Interessant ist hierbei die Arbeitsteilung im Ameisenstaat. Wie Prof. Susanne Foitzik erläutert, spezialisieren sich Ameisen auf bestimmte Aufgaben: Junge Tiere kümmern sich oft um die Brut im sicheren Nestinneren, während ältere Tiere den risikoreichen Außendienst übernehmen[1]. Diese Arbeitsteilung impliziert auch unterschiedliche Ruhebedürfnisse. Eine Außendienst-Ameise ist extremen Umweltreizen und Gefahren ausgesetzt und benötigt andere Regenerationsphasen als eine Innendienst-Ameise, die in der konstanten Umgebung des Nestes arbeitet.

Die Winterruhe: Der große Schlaf

Wenn wir über das "Schlafen" bei Ameisen sprechen, müssen wir in unseren Breitengraden vor allem über die Winterruhe (Hibernation oder Diapause) sprechen. Dies ist die deutlichste Form der Inaktivität bei heimischen Ameisenarten.

Physiologische Anpassung an die Kälte

Ameisen sind wechselwarme (poikilotherme) Tiere. Das bedeutet, ihre Körpertemperatur und damit ihre Aktivität hängen direkt von der Umgebungstemperatur ab. Der limitierende Faktor für ihr Überleben im Winter ist die Kälte. Um nicht zu erfrieren, haben Ameisen faszinierende Strategien entwickelt. Sie produzieren körpereigene Frostschutzmittel, wie zum Beispiel Glycerin, die verhindern, dass die Körperflüssigkeiten gefrieren und Zellen zerstören[2]. Diese physiologische Umstellung ist ein aktiver Prozess, der Zeit benötigt.

Laut Untersuchungen des Biologiezentrums Linz ziehen sich heimische Arten wie die Rote Waldameise (Formica rufa) oder die Rossameise (Camponotus herculeanus) tief in den Boden zurück, wo sie vor Frost geschützt sind. In dieser Zeit findet keine Brutaufzucht statt, und der Stoffwechsel ist auf ein Minimum reduziert. Die Bedeutung der Wärmesummen im Sommerhalbjahr ist dabei entscheidend für die Brutaufzucht, doch die Winterruhe ist essenziell für die Regeneration der Kolonie[2].

Dauer der Winterruhe

Die Dauer dieser Ruhephase variiert je nach Art und Klima. Bei der Roten Rasenameise (Myrmica rubra) beispielsweise halten die Kolonien eine strikte Winterruhe von Oktober bis März[3]. In dieser Zeit stellen die Arbeiterinnen ihre Aktivität fast vollständig ein. Interessanterweise überwintern bei dieser Art auch die Larven (im dritten oder vierten Stadium), um im nächsten Frühjahr ihre Entwicklung abzuschließen. Dies zeigt, dass der "Schlaf" der Kolonie ein hoch synchronisierter Prozess ist, der das Überleben der gesamten Population sichert.

Achtung: Ameisen im Winter im Haus

Wenn Sie im tiefsten Winter aktive Ameisen in Ihrem Haus bemerken, handelt es sich oft nicht um verirrte Gartenameisen, sondern möglicherweise um invasive Arten oder Holzschädlinge, die keine Winterruhe halten oder durch die Heizungswärme aktiv bleiben. Die Braune Wegameise (Lasius brunneus) beispielsweise kann in beheizten Gebäuden auch im Winter aktiv sein[3].

Die innere Uhr und der Tagesrhythmus

Neben der saisonalen Winterruhe besitzen Ameisen auch einen ausgeprägten Tagesrhythmus, der von einer "inneren Uhr" gesteuert wird. Dies widerspricht der Annahme, sie seien chaotische Dauerläufer. Ein bemerkenswertes Beispiel für dieses Zeitgefühl ist der Hochzeitsflug.

Die Geschlechtstiere (Jung-Königinnen und Männchen) verschiedener Völker einer Art schwärmen oft exakt zur gleichen Zeit aus. Dies erfordert eine präzise zeitliche Abstimmung. Wie in der Fachliteratur beschrieben, wird dieser Zeitpunkt durch eine Kombination aus der inneren Uhr, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Lichtverhältnissen bestimmt[2]. Bei der Rossameise (Camponotus ligniperda) schwärmen die Geschlechtstiere beispielsweise Anfang Mai bis Ende Juni zwischen fünf und zwei Stunden vor Sonnenuntergang[3]. Ohne ein Gefühl für Zeit und Ruhephasen wäre eine solche Synchronisation über Kilometer hinweg unmöglich.

Licht und Orientierung

Auch die Orientierung der Ameisen deutet auf Ruhephasen hin. Viele Arten, wie die Waldameisen, nutzen den Sonnenstand zur Navigation. Sie können sogar das Polarisationsmuster des Himmelslichts wahrnehmen[2]. Da diese Orientierungshilfen nachts fehlen (außer bei spezialisierten nachtaktiven Arten), reduzieren viele tagaktive Arten ihre Aktivität bei Dunkelheit drastisch und ziehen sich in das Nest zurück – eine Form der täglichen Ruhe.

Schlafunterschiede: Königin vs. Arbeiterin

Ein faszinierender Aspekt der Ameisenbiologie ist die enorme Diskrepanz in der Lebenserwartung. Während Arbeiterinnen oft nur wenige Monate oder Jahre leben, können Königinnen ein biblisches Alter erreichen. Die Königin der Schwarzen Wegameise (Lasius niger) hält den Rekord mit bis zu 29 Jahren in Gefangenschaft[4]. Prof. Foitzik weist darauf hin, dass Königinnen teilweise 40 Jahre alt werden können, während Arbeiterinnen derselben Art nur Wochen leben[1].

Wissenschaftler vermuten einen Zusammenhang zwischen Schlaf/Ruhe und Lebenserwartung. Königinnen verbringen den Großteil ihres Lebens sicher im Nest, gut versorgt und mit vermutlich längeren, ungestörten Ruhephasen als die Arbeiterinnen, die ständig Reizen ausgesetzt sind und "auf Abruf" bereitstehen müssen. Dieser "Luxus" der Ruhe könnte ein Schlüsselfaktor für die extreme Langlebigkeit der Königinnen sein, da Ruhephasen zelluläre Reparaturprozesse ermöglichen.

Wenn der Schlaf fehlt: Invasive Arten und Probleameisen

Nicht alle Ameisen halten sich an die bei uns üblichen Ruhezeiten. Invasive Arten, die aus wärmeren Klimazonen stammen, bringen oft ihren eigenen Rhythmus mit – oder gar keinen, wenn die Umweltbedingungen es zulassen.

Die schlaflose Pharaoameise

Ein klassisches Beispiel ist die Pharaoameise (Monomorium pharaonis). Ursprünglich in den Tropen beheimatet, kann sie in unseren Breiten nur in beheizten Gebäuden überleben (Krankenhäuser, Bäckereien, Wohnhäuser mit Fernwärme). Da sie in einer Umgebung mit konstanter Temperatur (bevorzugt ca. 27 °C) lebt, hält sie keine Winterruhe[5]. Das bedeutet, dass die Kolonie das ganze Jahr über aktiv ist, Brut aufzieht und Nahrung sucht. Für Betroffene bedeutet dies eine ganzjährige Belastung ohne "Verschnaufpause" im Winter. Dies macht die Bekämpfung langwierig und schwierig, da es keine natürliche Phase der Inaktivität gibt, die die Population dezimiert.

Die invasive Gartenameise

Auch im Freiland gibt es Veränderungen. Die invasive Gartenameise (Lasius neglectus), die sich in Europa ausbreitet, zeigt ebenfalls Verhaltensweisen, die auf veränderte Aktivitätsmuster hindeuten. Sie bildet riesige Superkolonien und verdrängt heimische Arten[6]. Ihre Fähigkeit, Ressourcen extrem effizient und massenhaft zu nutzen, deutet auf eine sehr hohe Aktivitätsrate hin, die heimische Arten oft überfordert.

Praktische Bedeutung für Haus und Garten

Das Wissen um die Ruhephasen der Ameisen ist nicht nur biologisch interessant, sondern hat ganz praktische Auswirkungen auf den Umgang mit ihnen, sei es im Naturschutz oder bei der Schädlingsbekämpfung.

Tipp: Nutzung der Winterruhe

Wenn Sie im Garten Ameisenhaufen haben, die Sie nicht stören, lassen Sie diese im Winter unbedingt in Ruhe. Jede Störung (Umgraben, Wässern) während der Kältestarre kann zum Tod der Kolonie führen, da die Tiere nicht flüchten oder den Schaden reparieren können. Im Haus hingegen ist der Winter die beste Zeit zur Diagnose: Sehen Sie Ameisen, haben Sie wahrscheinlich ein Nest im Gebäudeinneren (Wände, Dämmung), da Außenameisen jetzt schlafen würden.

Bei der Bekämpfung von Holzschädlingen wie der Braunen Wegameise ist das Timing entscheidend. Da die Geschlechtstiere oft schon früh im Jahr (Mai/Juni) schwärmen, muss eine Bekämpfung oder Köderung erfolgen, sobald die erste Aktivität nach der Winterruhe sichtbar wird[3]. Verpasst man dieses Fenster, ziehen sich die Tiere oft tief in das Holz zurück und sind schwerer zu erreichen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Schließen Ameisen zum Schlafen die Augen?

Nein, Ameisen können ihre Augen nicht schließen, da sie keine Augenlider besitzen. Ihre Komplexaugen (Facettenaugen) sind starr[2]. Ruhephasen erkennt man eher an der Unbeweglichkeit der Fühler und des Körpers sowie einer herabgesetzten Reaktionsbereitschaft.

Träumen Ameisen?

Das ist unwahrscheinlich. Träumen, wie wir es kennen, ist mit REM-Schlafphasen und komplexen Gehirnaktivitäten verbunden. Zwar haben Ameisen für ihre Größe ein komplexes Gehirn und zeigen erstaunliche Lernleistungen, aber Hinweise auf Traumphasen gibt es bisher nicht.

Was passiert, wenn man Ameisen am Schlafen hindert?

Wie bei fast allen Tieren führt Schlafentzug zu Stress, geringerer Leistungsfähigkeit und früherem Tod. In Laborstudien (nicht in den vorliegenden Quellen spezifiziert, aber allgemeiner Konsens) zeigt sich, dass isolierte Ameisen ohne soziale Interaktion und Ruhephasen schneller sterben.

Warum sind Ameisen nachts aktiv?

Viele Arten sind opportunistisch oder temperaturabhängig. Wenn es tagsüber zu heiß ist (z.B. in Wüsten oder im Hochsommer auf Pflastersteinen), verlegen sie ihre Aktivität in die kühleren Nachtstunden. Andere Arten nutzen die Nacht, um Fressfeinden auszuweichen.

Halten alle Ameisen Winterschlaf?

Nein. Nur Arten in gemäßigten und kalten Klimazonen halten eine echte Winterruhe (Diapause/Kältestarre). Tropische Arten wie die Pharaoameise oder die Argentinische Ameise kennen diesen Zyklus in ihrer Heimat nicht und behalten ihre Aktivität bei, wenn sie in warme Gebäude eingeschleppt werden[5].

Fazit

Die Frage "Schlafen Ameisen?" lässt sich mit einem klaren "Jein" beantworten. Sie schlafen nicht wie wir Menschen acht Stunden am Stück im weichen Bett. Aber sie sind keineswegs biologische Maschinen, die ohne Pause laufen. Sie benötigen Ruhephasen, sei es durch kurze Inaktivität im Tagesverlauf oder durch die monatelange Winterruhe, um ihre Energiereserven zu schonen und physiologische Prozesse zu regulieren.

Das Verständnis dieser Ruhezyklen hilft uns, diese faszinierenden Tiere besser zu verstehen und respektvoller mit ihnen umzugehen. Es zeigt uns auch, wann Vorsicht geboten ist: Eine Ameise, die im Januar durch Ihre Küche läuft, ist kein Wunder der Natur, sondern ein Warnsignal für einen Befall, der Aufmerksamkeit erfordert. Beobachten Sie also genau – manchmal ist das Nicht-Tun der Ameisen genauso spannend wie ihre sprichwörtliche Emsigkeit.

Quellen und Referenzen

  1. SWR2 Wissen: Aula - Ameisen – Welteroberer und Wunderwesen, Gespräch mit Susanne Foitzik, Sendung vom 2. Mai 2021.
  2. Dietrich, C. & Steiner, E.: Das Leben unserer Ameisen – ein Überblick. In: Denisia 25, Biologiezentrum Linz, 2009.
  3. Behr's Verlag: Schädlingsbekämpfung - Ameisen (Kapitel 1.6.1 & 1.6.3), div. Jahrgänge (basierend auf Seifert 1996, Buschinger 1997).
  4. Cremer, S.: Invasive Ameisen in Europa: Wie sie sich ausbreiten und die heimische Fauna verändern. In: Rundgespräche Forum Ökologie, Bd. 46, 2017.
  5. Sellenschlo, U.: Pharaoameise (Monomorium pharaonis). In: Behr's Verlag, Schädlingsbekämpfung, Kap. 1.6.2.
  6. Ugelvig, L.V. et al.: The introduction history of invasive garden ants in Europe. BMC Biology 6: 11, 2008 (zitiert in Cremer 2017).

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Kommentare werden vor der Veröffentlichung geprüft.

Weiterführende Artikel zum Thema

>

Merci d'être venu!

Wir versuchen jeden Tag unsere Produkte nachhaltiger und besser für Dich zu machen. In unserem Shop findest du alle unsere Produkte. Klicke einfach auf den folgenden Button.

Merci d'être venu!

Wir versuchen jeden Tag unsere Produkte nachhaltiger und besser für Dich zu machen. In unserem Shop findest du alle unsere Produkte. Klicke einfach auf den folgenden Button.
Zum Silberkraft Shop