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Was fressen Ameisen: Ernährung und Futterpräferenzen
février 6, 2026 Patricia Titz

Was fressen Ameisen: Ernährung und Futterpräferenzen

Ameisen sind faszinierende Geschöpfe, die nahezu jeden terrestrischen Lebensraum der Erde erobert haben. Einer der Hauptgründe für ihren enormen evolutionären Erfolg ist ihre bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit in Bezug auf ihre Ernährung. Wenn Sie sich jemals gefragt haben: „Was fressen Ameisen eigentlich?“, dann ist die Antwort weitaus komplexer als nur „Zucker“ oder „Krümel vom Picknick“. Von Viehzüchtern, die Blattläuse melken, über Pilzgärtner bis hin zu gnadenlosen Jägern – die Speisekarte der Ameisen ist so vielfältig wie ihre Artenvielfalt selbst. In diesem Artikel tauchen wir tief in die Welt der Ameisenernährung ein, basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und Verhaltensforschung. Wir klären, warum manche Ameisen süße Speisen bevorzugen, während andere nach Proteinen jagen, und wie Sie dieses Wissen nutzen können, um unerwünschte Gäste in Haus und Garten effektiv zu managen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Zwei Hauptnährstoffe: Ameisen benötigen Kohlenhydrate (Zucker) als „Treibstoff“ für die Arbeiterinnen und Proteine (Eiweiß) für das Wachstum der Larven und die Eiproduktion der Königin.
  • Trophallaxis: Nahrung wird oft nicht sofort verdaut, sondern im „sozialen Magen“ (Kropf) gespeichert und an Nestgenossen weitergegeben.
  • Vielseitige Strategien: Es gibt Jäger (Zoophagen), Sammler (Granivoren), Viehzüchter (Trophobiose mit Blattläusen) und Pilzzüchter.
  • Saisonale Unterschiede: Im Frühjahr und Frühsommer ist der Proteinbedarf für die Brutaufzucht am höchsten, während im Spätsommer der Energiebedarf (Zucker) dominiert.
  • Schädlingsbekämpfung: Die Wahl des richtigen Köders (Zucker- vs. Proteinbasis) entscheidet oft über den Erfolg bei der Bekämpfung im Haus.

Grundlagen der Ameisenernährung: Der soziale Magen

Um zu verstehen, was Ameisen fressen, muss man zunächst verstehen, wie sie fressen. Ein zentrales Element im Leben eines Ameisenstaates ist die sogenannte Trophallaxis. Ameisen besitzen einen Kropf, der auch als „sozialer Magen“ bezeichnet wird. Wenn eine Arbeiterin Nahrung aufnimmt – sei es Honigtau oder der Saft eines Beutetieres – verdaut sie diesen oft nicht sofort selbst. Stattdessen speichert sie die Nahrung im Kropf und kehrt zum Nest zurück[1].

Im Nest angekommen, wird die flüssige Nahrung wieder hervorgewürgt und an andere Arbeiterinnen, die Königin oder die Larven weitergegeben. Dies geschieht durch Mund-zu-Mund-Fütterung. Dieser Mechanismus sorgt für eine extrem effiziente Verteilung von Nährstoffen innerhalb der Kolonie. Selbst Tiere, die das Nest nie verlassen (wie die Königin oder junge Innendienst-Arbeiterinnen), werden so optimal versorgt. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Nahrungsmangel im Volk durch dieses System rasch erkannt und kommuniziert wird[1].

Der Unterschied zwischen Arbeiterinnen und Larven

Ein faszinierender Aspekt der Ameisenbiologie ist die unterschiedliche Ernährungsweise der Entwicklungsstadien. Erwachsene Ameisen (Imagines) können aufgrund ihrer Anatomie – der Kropf fungiert als Filter – fast nur flüssige oder sehr fein zerkleinerte Nahrung aufnehmen. Larven hingegen besitzen die Fähigkeit, auch feste Nahrungspartikel zu kauen und zu verdauen. In vielen Fällen füttern Arbeiterinnen die Larven mit festen Insektenstücken, die Larven verdauen diese und geben anschließend proteinreiche Sekrete an die Arbeiterinnen zurück[1].

Zudem unterscheidet sich der Nährstoffbedarf drastisch:

  • Kohlenhydrate (Zucker): Dienen als reiner „Treibstoff“ für die erwachsenen Arbeiterinnen, um deren hohe Bewegungsaktivität aufrechtzuerhalten.
  • Proteine (Eiweiß): Sind essenziell für das Wachstum der Larven (Biomasseaufbau) und für die Königin zur Eiproduktion. Ohne Proteine kann ein Ameisenvolk nicht wachsen[1][3].

Ernährungsstrategien: Von Viehzüchtern und Jägern

Die Evolution hat bei Ameisen zu einer beeindruckenden Spezialisierung geführt. Während viele heimische Arten Generalisten sind (Allesfresser), gibt es weltweit hochspezialisierte Ernährungsweisen.

1. Die Viehzüchter: Trophobiose mit Blattläusen

Eine der bekanntesten Symbiosen in der Natur ist die Beziehung zwischen Ameisen und Pflanzensaftsaugern wie Blattläusen, Schildläusen oder Zikaden. Diese Insekten saugen den zuckerhaltigen Phloemsaft von Pflanzen. Da dieser Saft sehr viel Zucker, aber kaum Proteine enthält, müssen die Läuse große Mengen davon aufnehmen, um ihren Proteinbedarf zu decken. Den überschüssigen Zucker scheiden sie als sogenannten Honigtau wieder aus[1].

Ameisenarten wie die Rote Waldameise (Formica rufa) oder die Schwarze Wegameise (Lasius niger) haben sich diese Ressource erschlossen. Sie „melken“ die Läuse, indem sie diese mit ihren Fühlern betrillern, woraufhin die Laus einen Tropfen Honigtau abgibt. Im Gegenzug beschützen die Ameisen ihre „Herde“ vor Fressfeinden wie Marienkäfern und bauen teilweise sogar schützende Erdunterstände über den Lauskolonien[2].

Wussten Sie schon?

Bei der Roten Waldameise (Formica rufa) kann der Anteil von Honigtau an der Gesamtnahrung bis zu 62 % betragen. Diese enorme Menge an Zuckerwasser ist der Treibstoff, der das geschäftige Treiben im Ameisenhaufen erst ermöglicht[1].

2. Die Jäger und Aasfresser (Zoophagie)

Protein ist, wie erwähnt, der Baustein des Lebens für die Ameisenbrut. Um diesen Bedarf zu decken, betätigen sich fast alle heimischen Ameisenarten als Räuber oder Aasfresser. Sie sind die „Gesundheitspolizei“ des Waldes und Gartens. Ein großes Volk der Kleinen Roten Waldameise (Formica polyctena) kann auf einer Fläche von 0,27 Hektar jährlich bis zu 6,1 Millionen Insekten und Spinnentiere erbeuten[4].

Zu den Beutetieren gehören:

  • Raupen (z.B. von Schmetterlingen)
  • Fliegen und Mücken
  • Spinnen
  • Käfer und deren Larven
  • Tote Tiere (Aas) wie Regenwürmer oder kleine Wirbeltiere

Besonders im Frühjahr, wenn die Königin nach der Winterruhe mit der Eiablage beginnt und die ersten Larven schlüpfen, ist der Jagdtrieb der Ameisen enorm, da der Proteinbedarf sprunghaft ansteigt[4].

3. Die Pilzgärtner: Blattschneiderameisen

Eine besonders faszinierende Form der Ernährung findet sich bei den in den Tropen beheimateten Blattschneiderameisen (Gattungen Atta und Acromyrmex). Entgegen der landläufigen Meinung fressen diese Ameisen die geschnittenen Blätter nicht selbst. Sie können die Cellulose der Pflanzen gar nicht verdauen. Stattdessen nutzen sie die Blätter als Substrat, um darauf einen speziellen Pilz (Leucoagaricus gongylophorus) zu züchten[6].

Die Ameisen und der Pilz leben in einer obligaten Symbiose: Der Pilz baut das Pflanzenmaterial ab und produziert proteinreiche Futterkörperchen (Gongylidien), die den Ameisen als exklusive Nahrungsquelle dienen. Die Ameisen pflegen den Pilzgarten akribisch, entfernen Unrat und bekämpfen sogar parasitäre Schadpilze (wie Escovopsis) mithilfe von Antibiotika produzierenden Bakterien, die sie auf ihrem Körper tragen[6].

4. Die Sammler: Granivorie (Samenfresser)

Einige Ameisenarten, wie die im Mittelmeerraum verbreiteten Arten der Gattung Messor (Ernteameisen), haben sich auf das Sammeln von Pflanzensamen spezialisiert. Sie tragen Samen in ihre Nester ein, entfernen die Schale und zerkauen den Inhalt zu einem sogenannten „Ameisenbrot“. Dieses dient als Vorrat für schlechte Zeiten. In Mitteleuropa spielt diese Ernährungsweise eine geringere Rolle, ist aber bei der Art Messor struktor zu beobachten[4].

Wichtig für die heimische Flora ist jedoch die sogenannte Myrmekochorie. Viele Frühjahrsblüher (z.B. Schneeglöckchen, Lerchensporn, Veilchen) bilden an ihren Samen ein fettreiches Anhängsel, das Elaiosom. Ameisen lieben dieses Elaiosom, schleppen den Samen in ihr Nest, fressen das Anhängsel und entsorgen den unversehrten Samen wieder außerhalb des Nestes. So helfen sie aktiv bei der Verbreitung dieser Pflanzen[2].

Spezielle Vorlieben heimischer und invasiver Arten

Für die erfolgreiche Bekämpfung oder Ansiedlung von Ameisen ist es entscheidend zu wissen, welche Art welche Vorlieben hat. Hier ein Überblick über die häufigsten Vertreter:

Die Schwarzgraue Wegameise (Lasius niger)

Dies ist die klassische „Gartenameise“, die oft auch in Häuser eindringt. Sie ist ein Generalist. Ihre Hauptnahrungsquelle im Freiland ist der Honigtau von Blattläusen. Im Haus wird sie magisch von allem Süßen angezogen: Marmelade, Honig, Zuckerwasser, aber auch Obstsäfte. Während der Brutaufzucht im Frühjahr nimmt sie auch gerne proteinhaltige Nahrung (Fleischreste, tote Insekten) an[4].

Die Rote Gartenameise (Myrmica rubra)

Diese Art liebt es feucht und sticht schmerzhaft. Ihr Nahrungsspektrum ist breit gefächert. Sie ernährt sich vorwiegend von Honigtau, besucht aber auch Nektarien von Pflanzen. Ein wichtiger Unterschied zu Lasius niger ist ihr noch stärker ausgeprägter Jagdtrieb auf kleine Insekten und die Nutzung von Aas. In der Bekämpfung sind daher Köder attraktiv, die sowohl Zucker als auch Proteine enthalten[7].

Die Pharaoameise (Monomorium pharaonis)

Diese winzige, bernsteinfarbene Ameise ist ein gefürchteter Hygieneschädling in Krankenhäusern und Großküchen. Ihre Ernährung ist besonders problematisch: Sie bevorzugt proteinreiche Stoffe und wird von Fleisch, Wurst, aber auch von Blut, Eiter und Wundsekreten angezogen. Gleichzeitig verschmäht sie auch Süßwaren wie Marmelade oder Gebäck nicht. Da sie Krankheitskeime übertragen kann, ist ihr Drang zu eiweißhaltigen, medizinischen Abfällen besonders gefährlich[5].

Auswirkungen auf die Bekämpfung: Der richtige Köder

Das Wissen um die Futterpräferenzen ist der Schlüssel zur erfolgreichen Ameisenbekämpfung. Viele Hausmittel oder günstige Köderdosen versagen, weil sie nicht zur aktuellen Bedürfnis-Lage der Kolonie passen.

Praxis-Tipp: Köderwechsel

Wenn Ameisen einen zuckerhaltigen Köder ignorieren, suchen sie wahrscheinlich gerade primär nach Proteinen für die Brut. Versuchen Sie in diesem Fall einen Köder auf Proteinbasis (z.B. Leberwurst vermischt mit dem Wirkstoff) oder spezielle Fraßköder-Granulate, die beides abdecken. Im Frühjahr sind Proteinköder oft erfolgreicher, im Spätsommer Zucker[4].

Bei der Verwendung von Fraßködern ist Geduld gefragt. Das Ziel ist nicht, die einzelne Arbeiterin sofort zu töten. Der Wirkstoff muss so dosiert sein, dass die Ameise Zeit hat, ihn zurück ins Nest zu tragen und via Trophallaxis an die Königin zu verfüttern. Nur wenn die Königin eliminiert wird, stirbt die Kolonie nachhaltig ab. Bei Pharaoameisen, die oft hunderte Königinnen haben, können schnell wirkende Kontaktgifte sogar kontraproduktiv sein, da sie zur Aufspaltung der Kolonie (Zweignestbildung) führen können (sogenanntes „Budding“)[5].

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Fressen Ameisen Holz?

In Mitteleuropa fressen Ameisen kein Holz im Sinne von Ernährung (wie Termiten). Arten wie die Rossameise (Camponotus) oder die Braune Wegameise (Lasius brunneus) nagen jedoch Gänge in morsches oder weiches Holz, um dort ihre Nester zu bauen. Sie nutzen das Holz als Wohnraum, nicht als Nahrung. Dennoch können sie dadurch Bausubstanz zerstören[4].

Warum tragen Ameisen Samen durch die Gegend?

Viele Pflanzen haben sich evolutionär an Ameisen angepasst. Ihre Samen besitzen ein nahrhaftes Anhängsel (Elaiosom). Die Ameisen tragen den Samen wegen dieses Anhängsels ins Nest, fressen das Elaiosom und lassen den Samen keimfähig zurück. Dies nennt man Myrmecochorie[2].

Kann ich Ameisen mit Backpulver bekämpfen?

Backpulver ist ein altes Hausmittel, das oft als qualvoll für die Tiere beschrieben wird (Aufblähen im Magen). Aus Tierschutzgründen und wegen oft geringer Effizienz (da die Königin meist nicht erreicht wird) ist von Backpulver abzuraten. Moderne Fraßköder sind zielgerichteter und effektiver.

Was fressen fliegende Ameisen?

Fliegende Ameisen sind Geschlechtstiere (Jung-Königinnen und Männchen) auf dem Hochzeitsflug. In dieser Phase fressen sie meist nichts. Sie zehren von Reserven, die sie im Nest angefressen haben. Nach der Paarung sterben die Männchen, und die Königin baut ihre Flugmuskulatur ab, um daraus Energie für die erste Brutaufzucht zu gewinnen[1].

Warum melken Ameisen Blattläuse?

Blattläuse saugen Pflanzensaft, der viel Zucker enthält. Den Überschuss scheiden sie als Honigtau aus. Für Ameisen ist dies eine leicht verfügbare, erneuerbare Energiequelle. Sie beschützen die Läuse im Gegenzug vor Fressfeinden[1].

Fazit

Die Frage „Was fressen Ameisen?“ offenbart die komplexe und faszinierende Natur dieser Insekten. Sie sind Überlebenskünstler, die gelernt haben, fast jede Energiequelle ihrer Umgebung zu nutzen – sei es durch Jagd, Sammeln oder Viehzucht. Für den Menschen im Hausgarten bedeutet dies: Ameisen sind nützliche Helfer, die Schädlinge vertilgen und den Boden lockern. Wenn sie jedoch im Haus zur Plage werden, hilft das Verständnis ihrer Ernährungsgewohnheiten dabei, sie effektiv wieder loszuwerden. Achten Sie auf die Jahreszeit und die Art der Ameise, um den richtigen Köder zu wählen. Ob Protein oder Zucker – der Schlüssel zum Erfolg liegt im Detail.

Quellen und Referenzen

  1. Dietrich, C. & Steiner, E. (2009): Das Leben unserer Ameisen – ein Überblick. In: Denisia 25, S. 7-36.
  2. Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU): UmweltWissen – Praxis: Ameisen, Augsburg 2013.
  3. SWR2 Wissen: Ameisen – Welteroberer und Wunderwesen. Gespräch mit Prof. Susanne Foitzik, Sendung vom 02.05.2021.
  4. Heeschen, W. / Felke, M. / Karg, G.: Schädlingsbekämpfung und Monitoring bei Ameisen. Behr's Verlag.
  5. Sellenschlo, U.: Pharaoameise (Monomorium pharaonis). Behr's Verlag.
  6. Sellenschlo, U.: Biologische Schädlingsbekämpfung in den Pilzgärten von Blattschneiderameisen. Behr's Verlag (Bezug auf PNAS Studie 2009).
  7. Pospischil, R.: Die Rote Rasenameise (Myrmica rubra). In: DpS 2/2011, zitiert in Behr's Verlag Dokumentation.

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