Die warmen Monate locken uns nach draußen auf Balkone, Terrassen und in heimische Gärten. Doch mit dem Erwachen der Natur beginnt auch die Hochsaison der Insekten. Wenn es plötzlich im Rollladenkasten summt, sich eine dunkle Traube von Insekten im Apfelbaum niederlässt oder unzählige kleine Flieger die Fugen im Mauerwerk inspizieren, läuten bei vielen Hausbesitzern die Alarmglocken. Die Angst vor schmerzhaften Stichen und möglichen Schäden an der Bausubstanz ist groß. Der erste Impuls lautet oft: Die Bienen vertreiben und den Nestbau um jeden Preis verhindern. Doch hier ist äußerste Vorsicht geboten. Bienen sind nicht nur essenziell für unser Ökosystem und die Bestäubung unserer Nahrungspflanzen, sie unterliegen in Deutschland auch einem extrem strengen gesetzlichen Schutz. Wer hier voreilig zu chemischen Keulen greift oder Nester zerstört, riskiert nicht nur empfindliche Bußgelder, sondern schadet auch der ohnehin bedrohten Artenvielfalt massiv. In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie, wie Sie Bienen auf sanfte, legale und ökologisch vertretbare Weise davon abhalten, sich an unerwünschten Orten niederzulassen, wie Sie im Ernstfall richtig reagieren und warum ein friedliches Zusammenleben oft die beste Lösung ist.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Strenger Artenschutz: Alle Bienenarten (Honigbienen und Wildbienen) stehen unter strengem Naturschutz. Das Töten der Tiere oder Zerstören ihrer Nester ist gesetzlich verboten und wird mit hohen Bußgeldern geahndet.
- Prävention ist der beste Schutz: Das Verschließen von Hohlräumen, Rissen im Mauerwerk und Rollladenkästen im zeitigen Frühjahr verhindert den Nestbau, bevor er beginnt.
- Sanfte Vergrämung: Ätherische Öle (wie Pfefferminz oder Nelke), bestimmte Pflanzen und Kaffeesatz können Bienen durch ihren Geruchssinn auf natürliche Weise fernhalten.
- Unterschiedliche Lebensweisen: Honigbienen schwärmen in großen Trauben, während die meisten Wildbienen als Einzelgänger (solitär) in kleinen Röhren oder Erdlöchern nisten.
- Professionelle Hilfe: Ein bereits bestehendes Nest oder ein gelandeter Bienenschwarm darf nur von Fachleuten (Imkern oder zertifizierten Schädlingsbekämpfern) umgesiedelt werden.
- Keine Bauschäden durch Wildbienen: Wildbienen nutzen lediglich bestehende Hohlräume und zerstören keine intakte Bausubstanz.
Biologie und Verhalten: Warum Bienen unsere Nähe suchen
Um Bienen effektiv und tiergerecht fernzuhalten, muss man zunächst verstehen, warum sie sich überhaupt menschliche Behausungen für ihren Nestbau aussuchen. In der freien Natur wird der natürliche Lebensraum für Insekten zunehmend knapper. Durch die intensive Landwirtschaft, den Einsatz von Pestiziden und die Versiegelung von Flächen finden Bienen immer weniger natürliche Nistplätze wie Totholz, offene Bodenstellen oder hohle Baumstämme[1]. Menschliche Siedlungen bieten hingegen oft ideale Ersatzlebensräume. Rollladenkästen, Hohlräume hinter Holzverkleidungen, ungenutzte Vogelhäuschen oder kleine Risse im Mauerwerk simulieren die natürlichen Bruthöhlen perfekt. Sie sind trocken, windgeschützt und erwärmen sich durch die Sonneneinstrahlung auf das Gebäude schnell, was für die Brutentwicklung der Insekten von entscheidender Bedeutung ist[2].
Man muss grundlegend zwischen zwei Szenarien unterscheiden: Dem Schwärmen der Honigbienen und dem Nestbau der Wildbienen. Honigbienen (Apis mellifera) leben in großen Staaten von bis zu 50.000 Individuen. Im Mai und Juni, der sogenannten Schwarmzeit, teilt sich das Volk, wenn es im heimischen Stock zu eng wird. Die alte Königin verlässt mit etwa der Hälfte der Arbeiterinnen den Stock, um eine neue Behausung zu suchen[3]. Dieser Schwarm lässt sich oft als große, summende Traube an Ästen, Dachrinnen oder Balkongeländern nieder. Dies ist meist nur ein Zwischenstopp, während sogenannte Spurbienen die Umgebung nach einer geeigneten, dauerhaften Höhle absuchen. Wildbienen hingegen (von denen es in Deutschland über 560 Arten gibt) leben größtenteils solitär. Das bedeutet, ein einzelnes Weibchen sucht sich eine kleine Röhre (z.B. im Mauerwerk oder in Pflanzenstängeln), legt dort ihre Eier ab, versorgt sie mit Pollen und verschließt die Röhre wieder[4]. Sie bilden keine Staaten und verteidigen ihr Nest auch nicht aggressiv.
Die rechtliche Lage: Strenger Schutz durch das Bundesnaturschutzgesetz
Bevor man Maßnahmen ergreift, um Bienen zu vertreiben, ist ein Blick auf die Gesetzeslage unabdingbar. In Deutschland sind Bienen keine gewöhnlichen Schädlinge, sondern extrem wichtige Nutz- und Wildtiere. Gemäß § 39 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) ist es generell verboten, wild lebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten[5]. Für Wildbienen und Hummeln gilt sogar ein noch strengerer Schutz: Sie zählen nach der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) zu den besonders geschützten Arten. Das bedeutet, dass nicht nur die Tiere selbst, sondern auch ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten (also ihre Nester) streng geschützt sind und weder beschädigt noch zerstört werden dürfen[6].
Wer ein Bienennest eigenmächtig mit Gift zerstört, den Einflugloch verschließt, während sich Tiere darin befinden, oder das Nest herunterschlägt, begeht eine Ordnungswidrigkeit (in manchen Fällen sogar eine Straftat). Je nach Bundesland und betroffener Bienenart können hierfür Bußgelder von bis zu 50.000 Euro verhängt werden. Auch der Einsatz von handelsüblichem Wespenspray gegen Bienen ist illegal und strafbar.
Ausnahmen von diesem strengen Schutz gibt es nur in absoluten Härtefällen, beispielsweise wenn eine akute Gefahr für Menschenleben besteht (z.B. bei nachgewiesenen, lebensbedrohlichen Insektengiftallergien) und das Nest sich in unmittelbarer Nähe von Schlaf- oder Kinderzimmern befindet. Doch selbst in diesen Fällen darf man nicht selbst Hand anlegen. Es muss eine Ausnahmegenehmigung bei der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde eingeholt werden, und die Entfernung oder Umsiedlung darf nur durch einen zertifizierten Fachmann erfolgen[7].
Prävention: Den Nestbau im Vorfeld verhindern
Da die Beseitigung eines bestehenden Nestes rechtlich kompliziert und aufwendig ist, ist die Prävention die mit Abstand beste Methode. Wer verhindert, dass Bienen überhaupt erst einziehen, erspart sich viel Ärger. Die wichtigste Maßnahme hierbei ist die Inspektion und Abdichtung potenzieller Nistplätze am Haus. Dies sollte idealerweise im späten Winter oder sehr zeitigen Frühjahr (Februar/März) geschehen, bevor die Flugsaison der Insekten beginnt[8].
1. Hohlräume und Risse verschließen
Untersuchen Sie die Fassade Ihres Hauses, den Dachboden, Schuppen und Balkone auf Risse, Spalten und Löcher. Wildbienen, aber auch Wespen, benötigen oft nur Öffnungen von wenigen Millimetern Durchmesser, um in das Innere von Wänden oder Holzverkleidungen zu gelangen. Verschließen Sie diese Risse fachgerecht mit Bauschaum, Silikon, Mörtel oder speziellen Dichtmassen. Achten Sie besonders auf den Übergang zwischen Dach und Mauerwerk sowie auf alte, ungenutzte Bohrlöcher in Außenwänden. Holzverkleidungen sollten regelmäßig mit umweltfreundlichen Lasuren gepflegt werden, um der Verwitterung und Rissbildung vorzubeugen, die wiederum Insekten anlockt[9].
2. Rollladenkästen sichern
Rollladenkästen sind der absolute Favorit für staatenbildende Insekten. Sie sind dunkel, warm und vor Feinden geschützt. Um zu verhindern, dass Bienen oder Wespen hier einziehen, können Sie spezielle Bürstendichtungen (Rollladendichtungen) an der Einzugsöffnung des Rollladens anbringen. Diese flexiblen Bürsten lassen den Rollladen ungehindert gleiten, verschließen aber den Spalt so dicht, dass keine Insekten mehr in den Kasten krabbeln können. Alternativ können auch feine Fliegengitter im Inneren des Kastens verklebt werden, sofern die Bauweise dies zulässt[10].
3. Insektenschutzgitter anbringen
Um zu verhindern, dass Spurbienen auf der Suche nach einem Nistplatz in Wohnräume, auf Dachböden oder in Keller eindringen, sollten Fenster und Lüftungsschächte mit engmaschigen Insektenschutzgittern versehen werden. Dies schützt nicht nur vor Bienen, sondern auch vor Mücken, Fliegen und Spinnen und ermöglicht ein unbeschwertes Lüften im Sommer.
Eine sehr effektive Methode, um Wildbienen von der Hausfassade fernzuhalten, ist das Anbieten von attraktiveren Alternativen. Stellen Sie ein hochwertiges Insektenhotel in einer ruhigen, sonnigen Ecke Ihres Gartens auf (weit genug entfernt von der Terrasse). Wenn die Bienen dort ideale Nistbedingungen (z.B. saubere Bohrungen in Hartholz, hohle Schilfhalme) vorfinden, werden sie diese den Rissen in Ihrer Hauswand vorziehen.

Sanfte Hausmittel: Bienen durch Gerüche vertreiben
Wenn Sie im Frühjahr bemerken, dass Bienen auffällig oft bestimmte Stellen an Ihrem Haus oder Balkon anfliegen und scheinbar einen Nistplatz auskundschaften, können Sie mit sanften Hausmitteln gegensteuern. Bienen haben einen extrem feinen Geruchssinn, den sie zur Orientierung und Nahrungssuche nutzen. Bestimmte, für uns Menschen oft angenehme Düfte, wirken auf Bienen abschreckend und können sie dazu bewegen, sich einen anderen Ort für den Nestbau zu suchen[11]. Wichtig: Diese Methoden funktionieren nur in der Suchphase. Ist das Nest bereits gebaut und Eier abgelegt, lassen sich die Tiere durch Gerüche nicht mehr vertreiben.
Ätherische Öle als Duftbarriere
Stark riechende ätherische Öle sind ein bewährtes Mittel zur Insektenabwehr. Besonders effektiv gegen Bienen und Wespen sind Pfefferminzöl, Nelkenöl, Teebaumöl, Eukalyptus und Zitronella. Sie können diese Öle auf verschiedene Arten anwenden:
- Duftschälchen: Träufeln Sie einige Tropfen des reinen Öls auf Wattepads oder kleine Stofflappen und platzieren Sie diese in der Nähe der potenziellen Einfluglöcher.
- Sprays: Mischen Sie Wasser mit einem Schuss Spülmittel (als Emulgator) und 15-20 Tropfen des ätherischen Öls in einer Sprühflasche. Besprühen Sie damit die Holzverkleidungen oder Mauerritzen, an denen sich die Bienen aufhalten. Dieser Vorgang muss nach Regenfällen oder starker Sonneneinstrahlung regelmäßig wiederholt werden, da sich die Öle verflüchtigen[12].
Kaffeepulver und Knoblauch
Der Geruch von geröstetem Kaffee oder Knoblauch ist für Bienen äußerst unangenehm. Sie können trockenen Kaffeesatz in kleinen Schälchen auf dem Balkon aufstellen. Eine noch stärkere Wirkung erzielen Sie, wenn Sie den Kaffeesatz in einer feuerfesten Schale leicht anrauchen (glimmen lassen). Der aufsteigende Rauch signalisiert den Bienen Gefahr (Feuer) und überdeckt zudem alle anderen Pheromone, was sie schnell das Weite suchen lässt. Auch aufgeschnittene Knoblauchzehen, die auf der Fensterbank ausgelegt werden, bilden eine natürliche Duftbarriere.
Abwehrpflanzen auf dem Balkon
Wer seinen Balkon oder die Terrasse dauerhaft unattraktiv für nistende Bienen machen möchte, kann auf bestimmte Pflanzen setzen. Während Lavendel und Thymian Bienen eher anlocken, wirken Pflanzen wie Tomaten, Basilikum, Rosmarin oder Geranien (Pelargonien) durch ihre ätherischen Ausdünstungen oft abschreckend auf Insekten, die einen Nistplatz suchen. Eine geschickte Bepflanzung kann somit als natürlicher Schutzschild dienen[13].
Der Bienenschwarm im Garten: Richtiges Verhalten im Akutfall
Ein besonderes Phänomen, das Hausbesitzer oft in Panik versetzt, ist der Einfall eines Honigbienenschwarms. Plötzlich verdunkelt sich der Himmel, ein lautes Summen erfüllt die Luft, und Tausende von Bienen lassen sich als riesige Traube an einem Ast, am Gartenzaun oder sogar an einem geparkten Fahrrad nieder. Dieses Naturschauspiel wirkt bedrohlich, ist aber in der Regel völlig harmlos.
Wenn Honigbienen schwärmen, haben sie sich vor dem Verlassen ihres alten Stocks die Honigbläsen mit Proviant vollgeschlagen. Mit vollem Magen sticht es sich schlecht, da die Bienen ihren Hinterleib nicht mehr so gut krümmen können. Zudem haben sie in diesem Moment weder eine Brut noch Vorräte zu verteidigen. Ein Bienenschwarm ist daher erstaunlich friedlich, solange man nicht nach den Tieren schlägt oder sie quetscht[14].
Schritt-für-Schritt Anleitung bei einem Bienenschwarm:
- Ruhe bewahren: Verfallen Sie nicht in Panik. Halten Sie Abstand (etwa 3 bis 5 Meter) und beobachten Sie das Schauspiel aus sicherer Entfernung. Schlagen Sie nicht um sich.
- Kinder und Haustiere fernhalten: Erklären Sie Kindern, dass sie sich dem Schwarm nicht nähern dürfen. Hunde und Katzen sollten vorübergehend ins Haus gebracht werden, da sie oft nach den Insekten schnappen und so gestochen werden könnten.
- Kein Wasser oder Gift: Spritzen Sie den Schwarm niemals mit dem Gartenschlauch ab und verwenden Sie unter keinen Umständen Insektensprays. Dies würde die Tiere nur aggressiv machen und ist zudem illegal.
- Einen Imker kontaktieren: Ein Bienenschwarm in der freien Natur hat in unseren Breitengraden kaum noch Überlebenschancen, da er fast unweigerlich der Varroamilbe zum Opfer fällt. Der Schwarm muss von einem Fachmann eingefangen werden. Kontaktieren Sie den örtlichen Imkerverein, die Feuerwehr (über die nicht-dringliche Nummer, die Feuerwehr hat oft Listen von Schwarmfängern) oder suchen Sie im Internet nach "Schwarmbörse" oder "Schwarmfänger" in Ihrer Region. Imker freuen sich in der Regel über den Anruf und kommen oft kostenlos vorbei, um den Schwarm fachgerecht in eine Schwarmkiste zu fegen und ihm ein neues Zuhause zu geben[15].
Wildbienen, Honigbienen oder Wespen? Die wichtige Unterscheidung
Bevor man überhaupt über das Vertreiben nachdenkt, muss man wissen, mit wem man es zu tun hat. Oft werden harmlose Wildbienen mit aggressiveren Wespen verwechselt. Die Unterscheidung ist fundamental für das weitere Vorgehen.
Wespen: Wespen (insbesondere die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe) sind gelb-schwarz gestreift, haben eine deutliche "Wespentaille" und sind kaum behaart. Sie bauen papierartige Nester aus zerkautem Holz, oft frei hängend oder in dunklen Hohlräumen. Wespen interessieren sich im Spätsommer stark für menschliche Nahrung (Kuchen, Fleisch, süße Getränke) und können bei Bedrohung schnell und mehrfach stechen[16].
Honigbienen: Sie sind eher bräunlich, pelzig behaart und wirken etwas gedrungener als Wespen. Sie bauen Nester aus Wachswaben, die in unseren Breiten fast ausschließlich in den Kästen von Imkern zu finden sind (Ausnahme: der oben beschriebene Schwarm). Honigbienen interessieren sich nicht für unser Essen am Kaffeetisch. Sie stechen nur im äußersten Notfall, da sie beim Stich ihren Stachel verlieren und sterben.
Wildbienen: Hierzu zählen auch die dicken, pelzigen Hummeln. Andere Wildbienenarten (wie Mauerbienen, Sandbienen oder Holzbienen) sehen oft aus wie kleinere, dunklere Versionen der Honigbiene, manche ähneln auch fliegenden Ameisen. Sie leben meist solitär. Wenn Sie sehen, dass einzelne Insekten immer wieder in kleine Löcher im Mauerwerk, in Fugen oder in den Boden fliegen, handelt es sich fast immer um Wildbienen. Wichtig: Wildbienen zerstören keine Bausubstanz! Sie nutzen lediglich bereits vorhandene Hohlräume. Ihr Stachel ist zudem meist so weich, dass er die menschliche Haut gar nicht durchdringen kann. Von ihnen geht absolut keine Gefahr aus[17].
Wenn sich Mauerbienen in den Fugen Ihrer Hauswand eingenistet haben, ist die beste Maßnahme: Gar nichts tun! Die Tiere sind nach wenigen Wochen im Frühjahr wieder verschwunden. Die Brut überwintert sicher in der Röhre und schlüpft erst im nächsten Jahr. Es entstehen keine Schäden am Haus, und Sie leisten einen wertvollen Beitrag zum Naturschutz.
Wann und wie darf ein Nest entfernt werden?
Trotz aller Toleranz gibt es Situationen, in denen ein Zusammenleben nicht möglich ist. Dies ist primär der Fall, wenn sich ein großes Wespen- oder Hornissennest (seltener ein wildes Honigbienennest) direkt am Haus befindet und Personen im Haushalt an einer ärztlich diagnostizierten Insektengiftallergie leiden. Ein Stich kann in diesem Fall einen lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock auslösen[18].
In solchen Fällen muss eine Umsiedlung erfolgen. Der Ablauf ist gesetzlich geregelt:
- Behörde kontaktieren: Wenden Sie sich an die Untere Naturschutzbehörde (meist beim Landratsamt oder der Stadtverwaltung angesiedelt). Schildern Sie die Gefahrenlage (Allergie, Kleinkinder).
- Genehmigung abwarten: Die Behörde prüft den Fall und erteilt eine Ausnahmegenehmigung zur Umsiedlung oder (in seltenen Fällen bei Wespen) zur Beseitigung.
- Fachmann beauftragen: Beauftragen Sie einen zertifizierten Schädlingsbekämpfer, einen spezialisierten Imker oder einen ehrenamtlichen Wespen-/Hornissenberater. Diese Experten verfügen über Schutzkleidung, spezielle Sauger und Transportboxen, um das Nest mitsamt der Königin sicher an einen Waldrand oder in ein Naturschutzgebiet umzusiedeln.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Darf ich ein Bienennest selbst entfernen oder verschließen?
Nein, auf keinen Fall. Alle Bienenarten stehen unter strengem Naturschutz. Das eigenmächtige Entfernen, Zerstören oder Verschließen der Einfluglöcher (während Tiere darin sind) ist eine Straftat bzw. Ordnungswidrigkeit und kann mit Bußgeldern bis zu 50.000 Euro bestraft werden. Nur zertifizierte Fachleute dürfen mit behördlicher Genehmigung Nester umsiedeln.
Was kostet die Umsiedlung eines Nestes durch einen Experten?
Die Kosten variieren stark je nach Aufwand, Zugänglichkeit des Nestes und Region. Ein ehrenamtlicher Schwarmfänger (Imker) fängt einen frei hängenden Bienenschwarm oft kostenlos oder gegen eine kleine Spende für die Vereinskasse ein. Die professionelle Umsiedlung eines Wespennestes aus einem Rollladenkasten durch einen Schädlingsbekämpfer kostet in der Regel zwischen 100 und 250 Euro.
Helfen Ultraschall-Geräte gegen Bienen und Wespen?
Nein. Im Handel angebotene Ultraschall-Stecker, die Insekten vertreiben sollen, haben sich in wissenschaftlichen Tests als völlig wirkungslos erwiesen. Insekten reagieren nicht auf diese hochfrequenten Töne. Sparen Sie sich dieses Geld und setzen Sie stattdessen auf physische Barrieren (Fliegengitter) oder Duftstoffe.
Wie lange bleibt ein Bienenschwarm im Garten sitzen?
Ein Schwarm, der sich als Traube an einem Ast gesammelt hat, bleibt dort meist nur für wenige Stunden bis maximal zwei bis drei Tage. Sobald die Spurbienen eine geeignete, dauerhafte Höhle gefunden haben, erhebt sich der gesamte Schwarm wieder und zieht weiter. Dennoch sollte man einen Imker rufen, da der Schwarm in der Natur kaum Überlebenschancen hat.
Sind Wildbienen gefährlich für die Bausubstanz meines Hauses?
Nein. Wildbienen haben nicht die anatomischen Werkzeuge (wie kräftige Beißzangen), um intakten Mörtel, Beton oder gesundes Holz zu zerstören. Sie nutzen ausschließlich bereits vorhandene Risse, alte Käferfraßgänge oder bröckeligen, alten Mörtel. Wenn Sie Wildbienen im Mauerwerk haben, ist dies eher ein Indikator dafür, dass die Fugen ohnehin saniert werden müssten, aber die Bienen sind nicht die Verursacher des Schadens.
Was tun, wenn man von einer Biene gestochen wurde?
Bewahren Sie Ruhe. Kratzen Sie den Stachel (der bei Honigbienen in der Haut stecken bleibt) schnellstmöglich mit dem Fingernagel oder einer Scheckkarte seitlich weg. Nicht mit zwei Fingern greifen, da Sie sonst das restliche Gift aus der Giftblase in die Wunde drücken. Kühlen Sie die Stelle sofort mit Eis oder kaltem Wasser. Sogenannte Stichheiler (die mit Hitze arbeiten) können das Giftprotein zerstören, wenn sie sofort angewendet werden. Bei Atemnot, Schwindel oder Schwellungen im Mund-Rachen-Raum rufen Sie sofort den Notarzt (112)!
Fazit
Die Begegnung mit Bienen am eigenen Haus löst oft Unbehagen aus, doch Panik ist in den seltensten Fällen angebracht. Bienen sind friedfertige, ökologisch unverzichtbare Tiere, die unter strengem gesetzlichem Schutz stehen. Das gewaltsame Vertreiben oder Zerstören von Nestern ist keine Option. Setzen Sie stattdessen auf kluge Prävention im zeitigen Frühjahr, indem Sie Hohlräume verschließen und Insektengitter anbringen. Sollten sich dennoch Spurbienen für Ihren Balkon interessieren, können sanfte Hausmittel wie ätherische Öle helfen, sie umzuleiten. Bei einem echten Bienenschwarm ist der örtliche Imker Ihr bester Ansprechpartner. Oftmals ist jedoch die beste Methode schlichtweg Toleranz: Wer den harmlosen Wildbienen ein paar Fugen im Mauerwerk oder ein Insektenhotel überlässt, leistet einen wertvollen Beitrag zum Naturschutz und kann das faszinierende Treiben der nützlichen Bestäuber gefahrlos aus der Nähe beobachten.
Quellen und Referenzen
- Naturschutzbund Deutschland (NABU) e.V., "Lebensräume für Wildbienen: Warum sie schwinden und wie wir helfen können", 2022.
- Julius Kühn-Institut (JKI) - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, "Nistverhalten von solitären Wildbienen im urbanen Raum", 2021.
- Deutscher Imkerbund e.V., "Das Schwarmverhalten der Honigbiene: Biologie und imkerliche Praxis", 2020.
- Paul Westrich, "Die Wildbienen Deutschlands", Eugen Ulmer Verlag, 2. Auflage, 2019.
- Bundesministerium der Justiz, "Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (Bundesnaturschutzgesetz - BNatSchG) § 39 Allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen", Stand: 2023.
- Bundesministerium der Justiz, "Verordnung zum Schutz wild lebender Tier- und Pflanzenarten (Bundesartenschutzverordnung - BArtSchV) Anlage 1", Stand: 2023.
- Umweltbundesamt, "Umgang mit Wespen, Hornissen und Bienen am Haus: Rechtliche Rahmenbedingungen und ökologische Bedeutung", 2021.
- Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, "Insekten im Haus: Vorbeugung und sanfte Abwehr", 2022.
- Deutsches Institut für Bautechnik (DIBt), "Baulicher Insektenschutz an Wohngebäuden", 2020.
- Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), "Fachgerechte Abdichtung von Rollladenkästen zur Vermeidung von Insektenbefall", 2019.
- Institut für Bienenkunde Celle, "Olfaktorische Wahrnehmung und Repellents bei Hymenopteren", 2018.
- Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), "Natürliche Hausmittel gegen unerwünschte Insekten", 2021.
- Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG), "Pflanzen zur natürlichen Insektenabwehr auf Balkon und Terrasse", 2022.
- Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf e.V., "Verhalten von Bienenschwärmen im urbanen Umfeld", 2020.
- Schwarmbörse.de, "Leitfaden für Bürger: Was tun bei einem Bienenschwarm?", 2023.
- Aktion Wespenschutz, "Unterscheidung von Bienen, Wespen und Hornissen: Ein Bestimmungsleitfaden", 2021.
- Wildbienen.info (Dr. Paul Westrich), "Wildbienen am Haus: Keine Gefahr für Bausubstanz und Mensch", 2020.
- Robert Koch-Institut (RKI), "Epidemiologie und Prävention von Insektengiftallergien in Deutschland", 2019.
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