Fakten (kompakt)
- Ameisen (*Formicidae*) gehören zur Ordnung der Hautflügler (*Hymenoptera*) und umfassen weltweit über 16.000 beschriebene Arten, wobei Gesamtschätzungen bei bis zu 25.000 liegen.[7][1]
- Der evolutionäre Ursprung datiert auf den späten Jura bis die frühe Kreidezeit (vor ca. 140–160 Millionen Jahren), wobei fossile Belege wie *Vulcanidris cratensis* rund 113 Millionen Jahre alt sind.[1][1]
- Sie stellen schätzungsweise 20 % der gesamten terrestrischen tierischen Biomasse dar und besiedeln fast alle Landlebensräume außer polare Eiskappen.[1]
- Morphologisch zeichnen sie sich durch gekniete Antennen und eine schmale Taille aus, die durch einen oder zwei Knoten (Petiolus) zwischen Mesosoma und Gaster gebildet wird.[2]
- Ameisen sind eusoziale [Insekten](/pages/lexikon/insekten), die in Kolonien als Superorganismus leben, bestehend aus reproduktiven Königinnen, sterilen Arbeiterinnen und Männchen.[1]
- Das Geschlecht wird haplodiploid bestimmt: Weibchen entstehen aus befruchteten diploiden Eiern, Männchen parthenogenetisch aus unbefruchteten haploiden Eiern.[8]
- Die Kommunikation erfolgt primär chemisch über Pheromone (z. B. für Alarm oder Spurensuche) sowie taktil und teilweise durch Stridulation.[1]
- Einige Arten der Tribus Attini betreiben eine komplexe Landwirtschaft, indem sie seit etwa 66 Millionen Jahren Pilze der Gattung *Leucoagaricus* kultivieren.[1]
- Invasive Arten wie die [Argentinische Ameise](/pages/lexikon/argentinische-ameise) (*[Linepithema humile](/pages/lexikon/argentinische-ameise)*) bilden globale Superkolonien und verursachen massive ökonomische Schäden, die auf 51 Milliarden Dollar geschätzt werden.[1]
- Die Fortbewegung erfolgt meist im alternierenden Dreibeingang, wobei Wüstenameisen wie *Cataglyphis bombycina* Geschwindigkeiten von über 100 Körperlängen pro Sekunde erreichen.[2]
- Als Ökosystem-Ingenieure bewegen sie bis zu 13 Tonnen Boden pro Hektar und Jahr, was die Belüftung und den Nährstoffkreislauf fördert.[1]
- Verteidigungsmechanismen umfassen den Einsatz von Ameisensäure (*Formicinae*), Giftstacheln (*Myrmicinae*) oder spezialisierten Schnappkiefern (*Odontomachus*).[1]
Die Ameisen bilden die Familie *Formicidae* innerhalb der Überfamilie Formicoidea und gehören zur Ordnung der *Hymenoptera*.[2][1] Der wissenschaftliche Name leitet sich vom lateinischen Begriff *formica* ab, der als Basis für die Familienbezeichnung dient.[1] Die nomenklatorische Grundlage legte Carl von Linné 1758 in seinem Werk *Systema Naturae* mit der Aufstellung der Gattung *Formica*, die ursprünglich alle bekannten Ameisenarten umfasste.[1] Etymologisch geht die englische Bezeichnung "ant" auf das altenglische *ǣmete* zurück, was ursprünglich „Abschneider“ oder „Beißer“ bedeutete.[1]
Adulte Ameisen variieren stark in ihrer Größe von etwa 2 bis 25 Millimetern (0,08 bis 1 Zoll) und zeigen Färbungen in Schwarz, Braun, Rot oder Gelb.[1] Zu den zentralen Bestimmungsmerkmalen gehören die geknieten (genikulaten) Antennen sowie eine schmale Taille, die aus einem oder zwei Knoten (Petiolus) besteht und das Mesosoma mit dem Abdomen verbindet.[2] Ein exklusives Merkmal der Familie *Formicidae* ist die Metapleuraldrüse, die antimikrobielle Sekrete zur Krankheitsabwehr produziert.[1] Der Körper gliedert sich in den Kopf, das Mesosoma (verschmolzener Thorax und erstes Hinterleibssegment) sowie das Metasoma, welches den Petiolus und die Gaster umfasst.[6] Am Kopf befinden sich Komplexaugen, deren Entwicklung je nach Lebensweise variiert, sowie kräftige Mandibeln, die zum Greifen, Schneiden oder zur Verteidigung dienen.[7] Innerhalb einer Kolonie herrscht oft ausgeprägter Polymorphismus; während Arbeiterinnen stets flügellos sind, besitzen reproduktive Königinnen und Männchen meist Flügel für den Hochzeitsflug.[1] Die Larven sind beinlos, madenartig und weitgehend unbeweglich, wobei sie drei bis fünf Larvenstadien durchlaufen.[6] Die anschließende Verpuppung erfolgt je nach Unterfamilie entweder in einem Seidenkokon, wie bei vielen *Formicinae*, oder als Nacktpuppe ohne Schutzhülle, wie etwa bei den *Dolichoderinae*.[1] Das Ende der Gaster weist je nach Art einen funktionalen Stachel, etwa bei *Myrmicinae* und *Ponerinae*, oder einen Acidoporus zum Versprühen von Ameisensäure auf.[4]
Ameisen können als invasive Arten erhebliche ökonomische Schäden verursachen, wie die [Argentinische Ameise](/pages/lexikon/argentinische-ameise) (*[Linepithema humile](/pages/lexikon/argentinische-ameise)*), deren globale Kosten zwischen 1930 und 2021 auf 51 Milliarden Dollar geschätzt wurden.[1] In der Landwirtschaft stellt die Rote Feuerameise (*[Solenopsis](/pages/lexikon/feuerameisen) invicta*) eine massive Bedrohung dar, da sie Weidetiere wie Kälber sticht, was zu erhöhter Mortalität und jährlichen Verlusten von über 6 Milliarden Dollar in den USA führt.[1] Blattschneiderameisen der Gattungen *Atta* und *Acromyrmex* gelten in den Neotropen als bedeutende Schädlinge, die bis zu 17 % der Blattbiomasse entfernen und Kulturen wie Zitrusfrüchte oder Kaffee schädigen.[1] Materialschäden entstehen durch Rossameisen (*Camponotus* spp.), die für den Nestbau Galerien in Holz treiben und so die Bausubstanz von Gebäuden schwächen können.[2] Im Hygienebereich sind Pharaoameisen (*Monomorium pharaonis*) problematisch, da sie Krankenhäuser befallen und Krankheitserreger wie *Salmonella* oder *Staphylococcus aureus* mechanisch auf sterile Geräte und Wunden übertragen.[1] Die Bekämpfung erfolgt evidenzbasiert oft durch gezielte Köderstrategien, etwa mit Fipronil-basierten Gelen oder festen Extrudaten, die von Arbeitern in die Kolonie getragen werden, um die Reproduktion zu unterbrechen.[7][2] Dabei werden nicht-repellente Insektizide bevorzugt, um ein Aufspalten der Kolonien (Budding) und erneuten Befall zu verhindern.[7] Neuere biotechnologische Ansätze nutzen RNA-Interferenz (RNAi), um lebenswichtige Gene in Zielarten wie *[Solenopsis](/pages/lexikon/feuerameisen)* spezifisch auszuschalten, ohne breite ökologische Schäden zu verursachen.[2]