Die Überfamilie *Aphidoidea* wird taxonomisch der Unterordnung *Sternorrhyncha* innerhalb der Ordnung *Hemiptera* zugeordnet.[1] Der wissenschaftliche Name leitet sich vom Neulateinischen *aphis* (Plural *aphides*) ab, ein Begriff, den Carl von Linné 1758 in der 10. Auflage seiner *Systema Naturae* einführte, als er diese Insekten ursprünglich der Gattung *Aphis* zuwies. Etymologisch geht die Bezeichnung auf das altgriechische *apheidēs* zurück, was „unersättlich“ oder „verschwenderisch“ bedeutet und auf die enorme Vermehrungsrate sowie die schädliche Saugaktivität an Pflanzen anspielt. Alternativ wird in der Fachliteratur diskutiert, dass der Name auf einer historischen Fehlinterpretation des griechischen Wortes *koris* („Wanze“) beruhen könnte.[3] Innerhalb der Überfamilie werden drei Hauptfamilien unterschieden: die artenreichen *Aphididae* („echte Blattläuse“), die *Adelgidae* (im Englischen als „woolly aphids“ bekannt) und die *Phylloxeridae*. Phylogenetische Untersuchungen weisen die *Aphididae* als Schwestergruppe einer Klade aus *Adelgidae* und *Phylloxeridae* aus.[1] Im englischen Sprachraum entstanden im 19. Jahrhundert zudem beschreibende Trivialnamen wie „greenfly“ oder „blackfly“, die sich direkt auf die Färbung dominanter Arten wie *Aphis fabae* beziehen.[3] Während die klassische Einordnung primär auf morphologischen Merkmalen wie Antennensegmenten basierte, führten molekulare Analysen seit den frühen 2000er Jahren zu umfangreichen taxonomischen Revisionen und der Auflösung kryptischer Artkomplexe.[1]
Blattläuse sind kleine, weichhäutige Insekten mit einer Körperlänge von typischerweise 1 bis 10 mm und einer birnenförmigen Gestalt, bei der Thorax und Abdomen ohne deutliche Trennung ineinander übergehen.[1] Der Kopf trägt ein Paar langer Antennen zur sensorischen Wahrnehmung sowie stechend-saugende Mundwerkzeuge (Stylette), die in einem schützenden Labium liegen und an das Anstechen von Pflanzengewebe angepasst sind.[1][2] Ein charakteristisches Bestimmungsmerkmal auf dem Abdomen ist ein Paar röhrenförmiger Strukturen, die als Siphunkuli oder Cornicula bezeichnet werden und vom fünften oder sechsten Segment abstehen. Am hinteren Ende des Abdomens befindet sich die Cauda, eine dreieckige oder knaufartige Platte, die dazu dient, Honigtautropfen wegzuschleudern, um eine Verunreinigung des Körpers zu verhindern.[1] Die Grundfärbung variiert stark zwischen den Arten und Morphen und reicht von Grün und Gelb bis hin zu Schwarz oder Rot, wobei Pigmente wie Carotinoide und Melanin sowie wachsartige Ausscheidungen das Erscheinungsbild bestimmen.[2] Innerhalb einer Art treten oft unterschiedliche Morphen auf, darunter flügellose (aptere) Formen für die sesshafte Nahrungsaufnahme und geflügelte (alate) Individuen mit funktionstüchtigen Flügeln und längeren Körpern für die Verbreitung. Während der sexuellen Phase im Herbst unterscheiden sich die Geschlechter morphologisch: Eilegende Weibchen (Oviparae) besitzen oft reduzierte Mundwerkzeuge und funktionelle Ovarien, während Männchen meist geflügelt sind und spezifische Genitalien, jedoch keinen Legebohrer aufweisen. Die Larven (Nymphen) ähneln bereits beim Schlupf den adulten Tieren, sind jedoch kleiner, flügellos und besitzen noch keine voll entwickelten Genitalien.[1] Bei einigen eusozialen Arten der Unterfamilie *Hormaphidinae* entwickeln sich spezialisierte Soldaten-Nymphen mit vergrößerten, sklerotisierten Vorderbeinen und frontalen Hörnern zur Verteidigung der Kolonie.[3] Die im Herbst abgelegten Eier sind kälteresistent, von einem Chorion sowie oft einer Wachsschicht geschützt und werden zur Überwinterung an Rinde oder Stängeln der Wirtspflanzen platziert. Phylogenetisch und morphologisch lassen sich Blattläuse (*Aphididae*) durch ihre Siphunkuli und die spezifische Flügeladerung von verwandten Gruppen wie den Adelgidae (Tannenläuse) und Phylloxeridae (Zwergläuse) abgrenzen.[1]
Blattläuse gelten weltweit als bedeutende Schädlinge in der Landwirtschaft und im Gartenbau, da sie durch das Anstechen von Phloemgefäßen zuckerhaltigen Pflanzensaft extrahieren. Dieser Saugvorgang führt zu direkten Schäden wie Wuchshemmungen, Chlorosen (Vergilbungen), Blattkräuselungen und Deformationen an Gemüse, Obst und Zierpflanzen.[2] Ein indirektes Schadbild entsteht durch die Ausscheidung von Honigtau, der das Wachstum von Rußtaupilzen fördert und dadurch die Photosynthese der Wirtspflanzen durch Lichtmangel beeinträchtigt.[2][1] Besonders gravierend ist die Rolle der *Aphidoidea* als Vektoren für über 275 Pflanzenviren, darunter das *Potato virus Y* und das *Barley yellow dwarf virus*, was zu weltweiten Ernteverlusten von bis zu 70 Milliarden US-Dollar jährlich beiträgt.[2][3] Befallsanzeichen sind dichte Kolonien an Trieben und Blattunterseiten, oft begleitet von Ameisen, die den Honigtau melken und die Läuse im Gegenzug vor Fressfeinden schützen.[3] Präventive Maßnahmen im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes (IPM) umfassen Fruchtfolgen sowie den Anbau resistenter Sorten, die beispielsweise durch erhöhte Trichomdichte oder spezifische Metaboliten den Befall erschweren.[2][3] Sogenannte Push-Pull-Strategien kombinieren repellente Pflanzen wie Knoblauch mit Lockpflanzen wie Senf, um die Schädlinge von den Hauptkulturen fernzuhalten.[2] Für das Monitoring und die Früherkennung werden zunehmend KI-gestützte Bilderkennungsverfahren eingesetzt, um gezielte Eingriffe zu ermöglichen.[3] Die biologische Bekämpfung nutzt natürliche Feinde wie Marienkäfer (*Coccinellidae*), Florfliegenlarven und parasitoide Wespen (z. B. *Aphidius ervi*), welche die Populationen effizient dezimieren können.[2][3] Ergänzend kommen endophytische Pilze wie *Beauveria bassiana* oder neuartige RNA-Interferenz-Sprays zum Einsatz, die spezifische Gene der Blattläuse, etwa zur Chitinsynthese, blockieren.[1][5] Chemische Insektizide wie Neonicotinoide (z. B. Imidacloprid) werden aufgrund weit verbreiteter Resistenzen, etwa bei der Grünen Pfirsichblattlaus (*Myzus persicae*), nur noch zurückhaltend und rotierend verwendet.[6][1]