Fakten (kompakt)
- Die Dörrobstmotte (*Plodia interpunctella*) ist ein weltweit verbreiteter Schädling in gelagerten Lebensmitteln. - Die Falter haben eine Körperlänge von 8–13 mm und eine Flügelspannweite von 16–20 mm. - Die Vorderflügel der adulten [Motten](/pages/lexikon/motten) sind im basalen Drittel grau und im distalen Teil kupferrot-bräunlich. - Die Hinterflügel sind einheitlich hellgrau. - Die Larven sind cremefarben bis rosa oder grünlich und erreichen eine Länge von 12–16 mm. - Die Larven haben einen dunkelbraunen Kopf und fünf Paare von Bauchfüßen. - Die Larven produzieren seidene Gespinste, die Lebensmittel mit Kot und anderen Rückständen verunreinigen. - Der Lebenszyklus umfasst die Stadien Ei, Larve, Puppe und Falter und dauert je nach Temperatur und Nahrungsverfügbarkeit 25–300 Tage. - Weibchen legen 100–400 Eier einzeln oder in Gruppen auf oder in der Nähe von Nahrungsquellen. - Die optimale Entwicklungstemperatur liegt bei 25–30 °C. - Die Art verursacht wirtschaftliche Schäden durch direkten Fraß und Gewichtsverlust in Lebensmitteln.[3] - *P. interpunctella* gehört zur Familie der Zünsler ([Pyralidae](/pages/lexikon/lebensmittelmotten)) und zur Unterfamilie Phycitinae. - Der Ursprung des Gattungsnamens *Plodia* ist unbekannt. - Das Artepitheton *interpunctella* stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „gut geteilt“ oder „punktiert“ und bezieht sich auf die dunklen Flecken auf den Vorderflügeln. - Die Art stammt vermutlich aus Südamerika. - Die Dörrobstmotte ist auf allen Kontinenten außer der Antarktis verbreitet. - Die Larven können sich auch in Silikon-Backformen entwickeln und diese sichtbar zersetzen. - Die Larven benötigen bestimmte B-Vitamine, insbesondere Thiamin (Vitamin B1), für ihre Entwicklung.[3]
Die Art trägt den wissenschaftlichen Namen *Plodia interpunctella* (Hübner, 1813). Die Erstbeschreibung erfolgte 1813 durch Jacob Hübner unter dem Basionym *Tinea interpunctella* in dem Werk *Zuträge zur Sammlung Europäischer Schmetterlinge*, basierend auf europäischen Exemplaren. Im Jahr 1845 etablierte der französische Entomologe Achille Guenée die Gattung *Plodia* und überführte die Spezies in diese, um ihren morphologischen Merkmalen innerhalb der Zünsler besser gerecht zu werden. Während für den Gattungsnamen *Plodia* keine spezifische etymologische Bedeutung überliefert ist, leitet sich das Artepitheton *interpunctella* von lateinischen Wurzeln ab, die „gut unterteilt“ oder „punktiert“ bedeuten und auf die charakteristischen dunklen Flecken der Vorderflügel verweisen. Zu den historisch verwendeten Synonymen zählen *Tinea zeae* Fitch (1856), *Unadilla latercula* Clemens (1860) und *Ephestia glycinivora* [Heinrich](/pages/lexikon/guter-heinrich) (1920), bevor sich die taxonomische Einordnung stabilisierte.[1] Phylogenetisch gehört *Plodia interpunctella* zur Unterfamilie Phycitinae innerhalb der Familie der Zünsler ([Pyralidae](/pages/lexikon/lebensmittelmotten)).[2][3] Molekularbiologische Analysen bestätigen eine enge Verwandtschaft zu anderen Vorratsschädlingen wie der Tropischen [Speichermotte](/pages/lexikon/tropische-speichermotte) (*Cadra cautella*) und der Mehlmotte (*[Ephestia kuehniella](/pages/lexikon/mehlmotte)*).[3] Im deutschsprachigen Raum ist die Bezeichnung „Dörrobstmotte“ etabliert.[2] Der englische Trivialname „Indianmeal moth“ geht auf Beobachtungen des Entomologen Asa Fitch Mitte des 19. Jahrhunderts zurück, der einen Befall an „Indian meal“ (Maismehl) dokumentierte. Diese Bezeichnung diente der Abgrenzung zu europäischen „Mehlmotten“ und betonte die wirtschaftliche Relevanz an Maisprodukten in Nordamerika.[1]
Die adulten Falter von *Plodia interpunctella* erreichen eine Körperlänge von 8 bis 13 mm bei einer Flügelspannweite von 16 bis 20 mm. Charakteristisch für die Art ist die zweifarbige Musterung der Vorderflügel: Das basale Drittel ist hellgrau gefärbt, während die distalen zwei Drittel eine kupferrote bis bronzene Färbung aufweisen. Oft trennt ein dunkles, unregelmäßiges Band diese beiden Farbbereiche voneinander, wobei die Flügel in Ruhestellung dachartig über dem Körper gefaltet werden. Die Hinterflügel sind einheitlich weißlich bis hellgrau und besitzen am Hinterrand einen dunklen Fransensaum. Der Kopf trägt einen spiralförmigen Rüssel, der zur Aufnahme von Flüssigkeiten wie Nektar geeignet ist.[1] Ein Sexualdimorphismus zeigt sich in der Antennenstruktur: Männchen besitzen kammartige (pektinate) Fühler mit einer hohen Dichte an Riechsensillen, während die Antennen der Weibchen eher fadenförmig sind.[1][2] Zudem sind die Männchen meist geringfügig kleiner als die weiblichen Tiere. Die zylindrischen Larven erreichen im letzten Stadium eine Länge von etwa 12,7 mm und haben einen cremeweißen Körper mit einer dunkelbraunen Kopfkapsel. Je nach aufgenommener Nahrung kann die Körperfärbung der Larven ins Gelbliche, Rosafarbene oder Grünliche variieren. Der Körper ist glatt und glänzend, ausgestattet mit drei Brustbeinpaaren und fünf Bauchbeinpaaren (Prolegs). Spinndrüsen am Labium ermöglichen die Produktion von Seide, mit der die Larven Gespinste im Nahrungssubstrat anlegen. Die Puppen sind zigarrenförmig, 6 bis 11 mm lang und hellbraun gefärbt. Sie besitzen am hinteren Ende einen Cremaster zur Verankerung im Kokon.[1] Die ovalen Eier messen 0,3 bis 0,5 mm, sind weißlich gefärbt und weisen eine strukturierte Oberfläche mit feinen Leisten auf.[2]
Die Dörrobstmotte (*Plodia interpunctella*) gilt weltweit als bedeutender Vorratsschädling, der Getreide, Nüsse, Trockenfrüchte und verarbeitete Lebensmittel in Haushalten und Lagerhäusern befällt.[1] Die wirtschaftlichen Schäden entstehen primär durch direkten Fraß, Gewichtsverlust der Ware sowie massive Kontamination durch Spinnweben, Kot (Frass) und Häutungsreste, was im Handel zu Ablehnungsraten von 10–20 % führen kann.[2] In Getreidelagern sind Verluste von bis zu 10 % der Gesamtproduktion möglich, wobei die Larven sogar Verpackungen durchdringen und Materialien wie Silikonbackformen beschädigen können.[2][4] Gesundheitlich ist die Art relevant, da das Allergen Thioredoxin (Plo i 2) bei sensibilisierten Personen Asthma oder Hautreaktionen auslösen kann, obwohl keine direkte Krankheitsübertragung stattfindet. Ein Befall lässt sich visuell durch charakteristische Gespinste, klumpiges Substrat und körnigen Kot, der Kaffeesatz ähnelt, identifizieren. Zum Monitoring werden Pheromonfallen mit (Z,E)-9,12-Tetradecadienylacetat (ZETA) eingesetzt, um männliche Falter zu fangen, wobei Schwellenwerte von 1–5 [Motten](/pages/lexikon/motten) pro Falle Handlungsbedarf signalisieren. Präventive Maßnahmen im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes (IPM) umfassen strikte Hygiene zur Beseitigung von Nahrungsresten sowie die Lagerung in luftdichten Behältern, um die Eiablage zu verhindern. Physikalische Bekämpfungsmethoden nutzen Temperaturextreme, wie das Einfrieren bei -18 °C für mindestens 48 Stunden oder Hitzebehandlungen bei 55 °C für 30–60 Minuten, um alle Entwicklungsstadien abzutöten.[2] Biologische Kontrollstrategien beinhalten den Einsatz der parasitoiden [Wespe](/pages/lexikon/deutsche-wespe) *Habrobracon hebetor* gegen Larven oder die Anwendung des Bakteriums *Bacillus thuringiensis* subsp. *kurstaki*, das eine Mortalität von bis zu 99 % erreichen kann.[2][3] Chemische Bekämpfungsmittel wie Phosphin oder Pyrethroide (z. B. Deltamethrin) werden genutzt, jedoch erschweren zunehmende Resistenzen deren Effektivität.[2] Neuere Ansätze zur Paarungsstörung nutzen mikroverkapselte Pheromone oder Pflanzenextrakte wie Ingweröl, um die Populationen nachhaltig zu reduzieren.[6]