Die wissenschaftliche Bezeichnung der Ordnung lautet *Siphonaptera*, im deutschen Sprachraum allgemein als Flöhe bekannt. Diese Gruppe umfasst weltweit etwa 2.500 Arten in rund 250 Gattungen, die aktuell in 19 rezente Familien gegliedert werden. Systematisch gehören Flöhe zur Klade der Mecopterida und entwickelten sich phylogenomischen Analysen zufolge aus geflügelten Vorfahren der Schnabelfliegen (*Mecoptera*), wobei sie heute als Schwestergruppe der Nannochoristidae gelten. Die interne Klassifikation unterscheidet vier Infraordnungen: Pulicomorpha, Hystrichopsyllomorpha, Ceratophyllomorpha und Pygiopsyllomorpha. Zu den taxonomischen Revisionen jüngerer Zeit gehört die Erhebung der ehemaligen Unterfamilie Stenoponiinae zur eigenständigen Familie Stenoponiidae auf Basis molekularer Studien.[1] Historisch maßgeblich für die Systematik war die Arbeit von Nathaniel Charles und Miriam Rothschild, die im 20. Jahrhundert eine der umfassendsten Sammlungen anlegten und katalogisierten.[2] Der Fossilbericht der Gruppe reicht mit Arten wie *Pseudopulex jurassicus* bis in den Mittleren Jura zurück, während die Diversifizierung der modernen Linien in der Kreidezeit ansetzte. International ist die englische Bezeichnung 'Flea' gebräuchlich.[1]
Adulte Flöhe sind kleine, flügellose Insekten mit einer Körperlänge von 1 bis 4 mm und einem charakteristisch seitlich abgeflachten Körper, der die Fortbewegung im Wirtsfell erleichtert. Ihr Chitinpanzer ist stark sklerotisiert und mit zahlreichen nach hinten gerichteten Borsten und Stacheln besetzt, die ein Zurückrutschen im Haarkleid verhindern. Der kleine Kopf trägt stechend-saugende Mundwerkzeuge (Haustellum), die aus drei Stiletten bestehen und zum Durchdringen der Wirtshaut dienen. Augen sind oft reduziert oder fehlen ganz, während die kurzen, knieförmigen Antennen in seitlichen Gruben am Kopf verborgen liegen.[1] Ein wichtiges Bestimmungsmerkmal sind die bei vielen Arten vorhandenen Zahnkämme (Ctenidien), die als Genalkamm am Kopf und Pronotalkamm am vorderen Thorax ausgebildet sein können.[1][3] Der Thorax trägt drei Beinpaare, wobei die Hinterbeine mit verlängerten Femora und Tibien sowie elastischen Resilin-Polstern extrem für die Sprungfortbewegung spezialisiert sind. Das Abdomen besteht aus bis zu zehn sichtbaren Segmenten und trägt am Ende das Pygidium, ein Sinnesorgan mit chemosensorischen Haaren zur Wahrnehmung von Umweltreizen. Ein Sexualdimorphismus zeigt sich in der Körpergröße, wobei Weibchen meist größer sind als Männchen. Männchen besitzen am neunten Abdominalsegment Klammerorgane (Clasper) zur Paarung, während Weibchen intern über eine Spermatheka zur Spermienspeicherung verfügen.[1] Die Eier sind glatt, oval und etwa 0,5 mm lang; sie werden lose ins Fell gelegt und fallen meist in die Umgebung. Die Larven sind beinlos, wurmartig und transluzent; sie wachsen über drei Stadien von etwa 1 mm auf bis zu 6 mm heran. Zur Verpuppung spinnen die Larven einen seidenen Kokon, der zur Tarnung oft mit organischem Material wie Staub oder Sand aus der Umgebung beklebt ist.[2] Die taxonomische Unterscheidung erfolgt häufig anhand der Anordnung oder des Fehlens der Ctenidien, die beispielsweise bei der Gattung *Ctenocephalides* stark ausgeprägt sind.[3]
Flöhe (*Siphonaptera*) sind als obligate Ektoparasiten bedeutende Hygieneschädlinge, die durch ihre Blutsaugetätigkeit direkten physischen Schaden anrichten und als Vektoren für gefährliche Pathogene fungieren.[1][2] Die Stiche lösen bei Menschen und Tieren sofortige sowie verzögerte Überempfindlichkeitsreaktionen aus, die sich oft in starkem Juckreiz, Papeln und Urtikaria manifestieren.[2] Bei sensibilisierten Wirten kann dies zu einer Flohspeichel-Allergie-Dermatitis (FAD) eskalieren, die durch intensives Kratzen zu Haarausfall und sekundären bakteriellen Infektionen wie Pyodermie führt.[2][5] Ein massiver Befall verursacht insbesondere bei Jungtieren und kleinen Säugern eine schwere Anämie, wobei der Hämatokritwert lebensbedrohlich unter 15 % sinken kann.[2] Medizinisch relevant ist die Übertragung von Erregern wie *Yersinia pestis* (Pest), *Rickettsia typhi* (Murines Fleckfieber) und *Bartonella henselae* (Katzenkratzkrankheit). Der Katzenfloh (*Ctenocephalides felis*) überträgt zudem *Rickettsia felis* und dient als Zwischenwirt für den Gurkenkernbandwurm (*Dipylidium caninum*), der durch das Verschlucken infizierter Insekten aufgenommen wird.[1][2] Ein Befall lässt sich frühzeitig durch das Auffinden von Flohkot („Flohdreck“) im Fell oder in der Schlafstätte identifizieren, der Larven als essentielle Nahrungsgrundlage dient. Eine effektive Bekämpfung erfordert ein integriertes Schädlingsmanagement (IPM), da adulte Flöhe nur etwa 5 % der Population ausmachen und Entwicklungsstadien in der Umgebung eliminiert werden müssen. Zu den physikalischen Maßnahmen zählen regelmäßiges Staubsaugen und das Waschen von Textilien, um Eier, Larven und Puppen mechanisch zu entfernen.[3] Die chemische Kontrolle nutzt neurotoxische Insektizide wie Neonicotinoide oder Carbamate (z. B. in Halsbändern) sowie synergistische Kombinationen aus Spinosynen und makrozyklischen Lactonen. Ergänzend werden spezifische substituierte Alkoxydiphenylether oder Phosphorothioate eingesetzt, um resistente Populationen zu kontrollieren. Da die Entwicklung stark von Temperatur und Luftfeuchtigkeit abhängt, unterstützen bauliche und hygienische Maßnahmen zur Reduktion von Feuchthabitaten die Prävention.[3]