Fakten (kompakt)
- Die selektive Züchtung in Europa begann im späten 19. Jahrhundert mit Kreuzungen durch Richard Lynch am Cambridge Botanic Garden. - Als Schnittblumen erreichen die Blüten eine Haltbarkeit (Vasenleben) von 7 bis 14 Tagen. - Die Pflanze wird als ungiftig für Menschen und Haustiere eingestuft. - In der Pflanzensymbolik stehen die Blüten für Unschuld und Freude. - Die Gattung *Gerbera* umfasst insgesamt 24 akzeptierte Arten, wobei *Gerbera piloselloides* als Typusart fungiert. - Die formale Benennung der Gattung erfolgte bereits 1737 durch den niederländischen Botaniker Jan Frederik Gronovius. - Der Namenspatron Traugott Gerber (1710–1743) war ein deutscher Mediziner und Botaniker, der Forschungsreisen in Russland unternahm. - In Innenräumen trägt die Pflanze zur Luftreinigung bei. - Die Winterhärte entspricht den USDA-Klimazonen 8 bis 11. - Die Vermehrung kann durch Aussaat (6 bis 8 Wochen vor dem letzten Frost), Teilung der Horste oder Stecklinge erfolgen. - Die einzelnen Blütenkörbe erreichen einen Durchmesser von etwa 7,5 bis 12,5 cm (3 bis 5 Zoll).[10]
Der akzeptierte wissenschaftliche Name lautet *Gerbera jamesonii* Adlam, wobei die Art der Familie der Asteraceae (Korbblütler) zugeordnet wird.[3][1] Innerhalb der Familie steht sie in der Unterfamilie Mutisioideae und der Tribus Mutisieae.[2] Die gültige Erstbeschreibung erfolgte 1888 durch R. W. Adlam im *Gardeners' Chronicle*, basierend auf einem Namensvorschlag des Botanikers Harry Bolus. Eine spätere Veröffentlichung als *Gerbera jamesonii* Bolus ex Hook.f. (1889) im *Curtis's Botanical Magazine* gilt taxonomisch als illegitimes Homonym.[2][1] Der Gattungsname *Gerbera* wurde bereits 1737 von Jan Frederik Gronovius zu Ehren des deutschen Mediziners und Naturforschers Traugott Gerber (1710–1743) etabliert. Das Artepitheton *jamesonii* widmet sich dem schottischen Kaufmann und Pflanzensammler Robert Jameson (1840–1919), der die Art 1884 nahe Barberton entdeckte. Aufgrund dieses Fundortes in der südafrikanischen Provinz Mpumalanga (ehemals Transvaal) leiten sich die internationalen Trivialnamen "Barberton daisy" und "Transvaal daisy" ab.[3] Im englischen Sprachraum und im globalen Handel ist zudem die Bezeichnung "Gerbera daisy" weit verbreitet.[2]
Gerbera jamesonii wächst als ausdauernde, krautige Pflanze, die dichte Horste bildet und Wuchshöhen von 20 bis 45 cm im Blattbereich erreicht. Aus einem kurzen, seidig behaarten Rhizom entspringen die blattlosen Blütenstiele, die eine Gesamthöhe von 25 bis 60 cm erreichen können.[3][1] Die Laubblätter stehen in einer grundständigen Rosette und sind gestielt, lanzettlich bis spatelförmig sowie tief gelappt oder fiederspaltig.[3][5] Die Blattspreiten messen 15 bis 42 cm in der Länge und 4 bis 14 cm in der Breite.[3] Während die Blattoberseite glatt und dunkelgrün erscheint, ist die Unterseite charakteristisch wollig weiß-filzig behaart.[3][5] Der Blütenstand ist ein für Korbblütler typisches Capitulum (Körbchen) mit einem Durchmesser von 7 bis 10 cm, das einzeln auf einem stabilen, hohlen und behaarten Schaft steht.[3][1] Das Köpfchen wird von einer Hülle aus 50 bis 90 dachziegelartig angeordneten, grünen bis bräunlichen Hochblättern (Involucrum) umgeben, die oft behaarte Ränder aufweisen.[3] Im Zentrum befinden sich zahlreiche gelbe, röhrenförmige Scheibenblüten, die zwittrig sind. Diese werden von ein bis drei Reihen steriler oder weiblicher Zungenblüten umgeben, die in der Wildform meist orangerot gefärbt sind, bei Kulturformen jedoch auch rot, gelb, rosa oder weiß auftreten.[3][1] Nach der Befruchtung entwickeln sich die Fruchtknoten zu einsamigen Achänen, die mit einem Pappus aus federigen Borsten besetzt sind. Dieser Pappus dient als Flugorgan für die Windausbreitung der Samen.[1] Als Unterscheidungsmerkmal zu anderen Arten der Gattung dienen unter anderem die spezifisch gelappten Blätter und die dichte Behaarung der Blattunterseite.[3][5]
Gerbera jamesonii ist primär eine ökonomisch bedeutende Zierpflanze und Schnittblume, die mit einer jährlichen Produktion von rund 500 Millionen Stielen weltweit zu den Top 10 des globalen Blumenhandels zählt.[3][1] In der Kultivierung ist die Art jedoch anfällig für diverse Schaderreger, wobei Pilzinfektionen wie Echter Mehltau (*Golovinomyces cichoracearum*) und Grauschimmel (*Botrytis cinerea*) bei hoher Luftfeuchtigkeit zu ästhetischen Schäden und Nekrosen führen.[5][6] Ein Hauptschädling ist der Kalifornische Blütenthrips (*Frankliniella occidentalis*), der durch Saugtätigkeit Gewebe schädigt und als Vektor für Tospoviren wie das Tomatenbronzefleckenvirus fungiert, was zu Kümmerwuchs führt. Weitere relevante Insekten sind Blattläuse (*Myzus persicae*), deren Honigtauausscheidungen Rußtaupilze fördern, sowie Minierfliegen (*Liriomyza* spp.), die durch Larvengänge die Photosynthesefläche reduzieren.[3][9] Milbenbefall, insbesondere durch die Gemeine Spinnmilbe (*Tetranychus urticae*) und Weichhautmilben (*Polyphagotarsonemus latus*), verursacht charakteristische Sprenkelungen, Gespinste und Blattdeformationen. Zur Früherkennung in Gewächshäusern werden Monitoring-Methoden wie Gelbtafeln für Fluginsekten und regelmäßiges visuelles Scouting mit Lupen eingesetzt.[1][6] Präventive Maßnahmen konzentrieren sich auf kulturtechnische Anpassungen wie ausreichende Belüftung, weite Pflanzabstände und die Vermeidung von Überkopfberegnung, um die Sporenkeimung von Pilzen zu hemmen.[5] In der kommerziellen Produktion ist der Integrierte Pflanzenschutz (IPM) Standard, wobei Nützlinge wie die Raubmilben *Amblyseius swirskii* oder *Neoseiulus californicus* gezielt gegen Spinnmilben ausgebracht werden.[1][6] Gegen Weiße Fliegen und Minierfliegen kommen parasitoide Wespen wie *Encarsia formosa* und *Dacnusa sibirica* zum Einsatz.[9] Chemische Bekämpfungsmaßnahmen umfassen selektive Fungizide wie Chlorothalonil oder Akarizide wie Abamectin, wobei eine strikte Rotation der Wirkstoffgruppen zur Vermeidung von Resistenzen notwendig ist.[5][6] Zur Verlängerung der Haltbarkeit und Verhinderung von Bakterienwachstum werden post-harvest oft Lösungen auf Basis von Chitosan-Oligosacchariden und Glucose verwendet.[5] Züchtungsprogramme arbeiten zudem aktiv an der Einkreuzung genetischer Resistenzen, beispielsweise gegen Mehltau, um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln langfristig zu reduzieren.[6]