Fakten (kompakt)
- Ein einzelnes Bienenvolk kann eine Populationsstärke von bis zu 80.000 Individuen erreichen. - Im Flug erreichen die Bienen Geschwindigkeiten von bis zu 24 km/h. - Die Königin ist in der Lage, täglich bis zu 2.000 Eier zu legen. - Im Gegensatz zu den Arbeiterinnen besitzt die Königin einen glatten Stachel, der mehrfach verwendet werden kann. - Drohnen verfügen über keinen Stachel und zeichnen sich durch vergrößerte Facettenaugen aus, die sich auf dem Scheitel des Kopfes berühren. - Die Arbeiterinnen besitzen an den Hinterbeinen sogenannte Corbiculae (Pollenkörbchen) und an der Bauchseite spezifische Wachsdrüsen. - Die evolutionäre Abstammung der Bienen (Anthophila) von räuberischen Wespen erfolgte vor etwa 120 Millionen Jahren in der frühen Kreidezeit. - Dieser Entwicklungsschritt beinhaltete einen fundamentalen Wechsel von einer fleischfressenden Lebensweise hin zur Pollenernährung (Pollenivorie). - Der Ursprung der Bienen wird im westlichen Gondwana vermutet, dem heutigen Afrika und Südamerika. - Die Ordnung der Hymenoptera, zu der die Bienen gehören, existiert bereits seit rund 300 Millionen Jahren. - Die Gattung *Apis* umfasst insgesamt 11 rezente Arten, die mit Ausnahme der Westlichen Honigbiene fast alle in Asien endemisch sind.[10]
Die Westliche Honigbiene (*Apis mellifera*) wurde im Jahr 1758 von Carl Linnaeus wissenschaftlich erstbeschrieben.[2][1] Sie wird taxonomisch der Familie der Apidae (Echte Bienen) zugeordnet.[2] *Apis mellifera* stellt die einzige rezente Art der Gattung *Apis* dar, die ursprünglich in Europa, Afrika und Westasien beheimatet ist.[1] Phylogenetische Analysen stellen die Art in eine Klade mit der Östlichen Honigbiene (*Apis cerana*), wobei die Divergenz von den nächsten Verwandten vor etwa 6 bis 25 Millionen Jahren erfolgte. Während früher ein afrikanischer Ursprung angenommen wurde, weisen neuere genomische Studien auf eine Entstehung in Westasien vor rund 7 Millionen Jahren hin. Von dort aus erfolgte die evolutionäre Ausbreitung und Diversifizierung nach Europa und Afrika. Die Art umfasst heute 26 bis 30 anerkannte Unterarten, die in fünf evolutionäre Hauptlinien (A, M, C, Y und O) gruppiert werden.[2] Zu den international gebräuchlichen Trivialnamen bestimmter Unterarten zählen beispielsweise "Italian bee" für *Apis mellifera ligustica* und "Dark European bee" für die Nominatform *Apis mellifera mellifera*.[1] Fossile Belege der Gattung *Apis* in Bernstein aus dem Miozän stützen die Hypothese eines asiatischen Ursprungs der Gattung vor der Ausbreitung von *Apis mellifera*.[2]
Der Körper der adulten *Apis mellifera* gliedert sich in Kopf, Thorax und Abdomen und ist von einem segmentierten Exoskelett mit verzweigten Haaren bedeckt, die das Anhaften von Pollen erleichtern. Am Kopf befinden sich zwei große Facettenaugen zur visuellen Orientierung, drei dorsale Ocellen zur Lichtwahrnehmung sowie paarige, gekniete Antennen, die Pheromone und Luftströmungen registrieren.[6] Der Thorax trägt drei Beinpaare und zwei Paare durchscheinender Flügel, die im Flug durch kleine Häkchen (Hamuli) miteinander verbunden sind.[1] Die sterilen Arbeiterinnen erreichen eine Körperlänge von 10–15 mm und weisen meist goldbraune Farbtöne mit schwarzen Bändern auf einem kompakten, abgerundeten Abdomen auf. Ihre Hinterbeine verfügen über spezialisierte Pollenkörbchen (Corbiculae), während das Abdomen ventrale Wachsdrüsen und einen mit Widerhaken versehenen Stachel besitzt.[2] Die fertilen Königinnen sind mit 18–20 mm deutlich größer und zeichnen sich durch ein verlängertes, glänzend dunkelbraunes Abdomen sowie einen glatten, wiederverwendbaren Stachel aus.[3] Männliche Drohnen messen 15–17 mm, besitzen einen robusten Körperbau, eine dunklere Färbung und verfügen über keinen Stachel. Ein charakteristisches Merkmal der Drohnen sind die vergrößerten Facettenaugen, die sich auf dem Scheitel berühren, um das Auffinden von Königinnen zu erleichtern. Die Grundfärbung variiert bei den über 30 Unterarten von hellbraun bis fast schwarz, wobei nördliche Linien oft eine dichtere Thoraxbehaarung zur Kältetoleranz zeigen. Die taxonomische Abgrenzung zu ähnlichen Arten erfolgt primär durch morphometrische Merkmale wie den Cubitalindex des Flügelgeäders, die Discoidalverschiebung und Pigmentierungsmuster.[2] Larven entwickeln sich in offenen Zellen, wobei Königinnenlarven ein Gewicht von über 200 mg erreichen, während Arbeiterinnen- und Drohnenlarven leichter bleiben. Während der Puppenphase erfolgt die Histogenese der adulten Strukturen, wobei Königinnen im Gegensatz zu Arbeiterinnen gerade Mandibeln und reduzierte Corbiculae ausbilden.[3] Die Eier werden einzeln abgelegt und schlüpfen nach etwa drei Tagen, wobei die Größe des Eis mit dem Zelltyp korreliert.[5]
Die Westliche Honigbiene (*Apis mellifera*) gilt primär als unverzichtbarer Nützling, der weltweit Bestäubungsleistungen im Wert von über 200 Milliarden Dollar erbringt und Produkte wie Honig und Wachs liefert. In nicht-nativen Verbreitungsgebieten tritt die Art jedoch als Nahrungskonkurrent auf, der lokale Nektar- und Pollenressourcen um bis zu 80 % reduzieren und native Bestäuber verdrängen kann.[2] Die Verteidigung der Kolonie erfolgt durch Arbeiterinnen mit einem Widerhaken-Stachel, dessen Einsatz für die Biene tödlich ist und beim Menschen schmerzhafte Reaktionen auslösen kann.[6] Als Höhlenbrüter nisten verwilderte Schwärme gelegentlich in Gebäudewänden oder hohlen Bäumen, was bauliche Maßnahmen zur Entfernung erfordern kann.[3] Ein zentraler Aspekt des Managements ist das Monitoring der ektoparasitischen Milbe *Varroa destructor*, wobei Befallsraten über 3 % als kritische Schwelle für Interventionen gelten.[8][1] Zur Diagnose werden Methoden wie Alkoholwaschungen oder Klebebretter eingesetzt, um die Milbendichte präzise zu erfassen.[1] Anzeichen für bakterielle Brutkrankheiten wie die Amerikanische Faulbrut sind lückenhafte Brutnester und zersetzte Larven, die bei schwerem Befall oft zur gesetzlich vorgeschriebenen Verbrennung des Volkes zwingen.[2][3] Die Integrierte Schädlingsbekämpfung (IPM) kombiniert biotechnische Verfahren wie die Entnahme von Drohnenbrut mit dem selektiven Einsatz von organischen Säuren (z. B. Ameisen- oder Oxalsäure) oder Thymol.[1][8] Präventiv wirken die Zucht auf hygienisches Verhalten, bei dem Bienen befallene Puppen entfernen, sowie eine Standortwahl mit guter Durchlüftung zur Vermeidung von Pilzerkrankungen wie Kalkbrut.[1][9] Um das natürliche Schwärmen und den damit verbundenen Bienenverlust zu verhindern, führen Imker im Frühjahr gezielte Völkerteilungen durch oder erweitern den Raum im Stock.[3] Trotz hoher jährlicher Völkerverluste durch Stressoren wie Pestizide und Pathogene wird der Bestand durch intensive imkerliche Pflege und Königinnenzucht stabilisiert.[3][6]