Die Art trägt den wissenschaftlichen Namen *Drosophila suzukii* und wurde im Jahr 1931 von dem japanischen Entomologen Shōnen Matsumura erstbeschrieben.[2][1] Die formale Beschreibung erfolgte in der Publikation „6000 Illustrated Insects of Japan-Empire“ auf Basis von Exemplaren, die in Kyushu (Japan) gesammelt wurden, wobei erste Beobachtungen bereits auf das Jahr 1916 zurückgehen. Ein relevantes Synonym ist *Leucophenga suzukii* Matsumura, 1931.[2] Systematisch wird die Spezies der Familie Drosophilidae zugeordnet und steht innerhalb der Gattung *Drosophila* in der Untergattung *Sophophora*. Sie ist Teil der *melanogaster*-Artengruppe und bildet dort die spezifische *suzukii*-Untergruppe.[2][1] Phylogenetisch besteht somit eine enge Verwandtschaft zum Modellorganismus *Drosophila melanogaster*, wobei beide Arten genetisch deutlich getrennten Linien angehören. Im deutschsprachigen Raum ist die Bezeichnung „Kirschessigfliege“ der etablierte Standardname. International wird häufig der englische Trivialname „spotted wing drosophila“ (SWD) verwendet, der sich auf die markanten Flügelflecken der Männchen bezieht.[1] Im Gegensatz zu vielen anderen Vertretern der Familie, die oft allgemein als Essigfliegen bezeichnet werden, grenzt sich *D. suzukii* durch den Befall intakter Früchte ab.[1]
*Drosophila suzukii* ist eine kleine Essigfliege mit einer Körperlänge von 2 bis 4 mm und einer gelblich-braunen bis hellbraunen Grundfärbung. Der Kopf trägt rote Facettenaugen sowie kurze Antennen mit einer verzweigten Arista, während der Thorax schwarze Längsstreifen aufweist. Auf dem Abdomen befinden sich dunkle, durchgehende Bänder, die sich über die Segmente ziehen. Ein ausgeprägter Sexualdimorphismus erleichtert die Bestimmung: Männchen besitzen charakteristische dunkle Flecken an der Vorderkante jedes Flügels nahe der Spitze, zentriert auf der ersten Längsader (R2+3). Zudem verfügen die Männchen an den Vordertarsen über zwei Reihen von Geschlechtskämmen mit je 3 bis 6 Zähnen, die parallel zum Tarsus ausgerichtet sind. Die männlichen Genitalien zeigen einen großen Surstylus mit verjüngter Spitze sowie medial 10 bis 11 primäre Prensisetae. Weibchen fehlen die Flügelflecken und Tarsalkämme; stattdessen besitzen sie einen großen, stark sklerotisierten und gesägten Legebohrer (Ovipositor). Dieser ist sägeartig mit 30 bis 36 schwarzen Randzähnen besetzt, wobei die distale Hälfte dunkler und robuster erscheint.[3] Die ovalen, milchig-weißen Eier sind etwa 0,6 mm lang und weisen zwei schlanke, 0,4 bis 0,6 mm lange Atemfilamente auf, die nach der Ablage aus der Fruchtoberfläche ragen. Die Larven sind weiß, beinlos und madenartig; sie wachsen von etwa 0,5 mm im ersten Stadium auf bis zu 6 mm im reifen dritten Stadium heran. Charakteristisch für die Larven sind die schwarzen Mundhaken sowie die erhöhten hinteren Stigmen, die hornförmig sind und parallele Tubuli aufweisen. Die spindelförmigen, rotbraunen Puppen erreichen eine Länge von 2 bis 3,5 mm und besitzen am hinteren Ende zwei kleine, fingerartige Fortsätze.[1] Zur Abgrenzung von verwechselbaren Arten wie *Drosophila melanogaster* dienen bei Männchen primär der Flügelfleck und die zwei Reihen der Tarsalkämme, da *D. melanogaster* nur eine Reihe oder anders angeordnete Zähne besitzt. Weibchen lassen sich durch die Untersuchung der Ovipositor-Zähnelung unterscheiden, da der Legebohrer bei ähnlichen Arten kürzer und weniger stark gesägt ist.[2] Auch die durchgehenden Bänder auf dem Abdomen grenzen *D. suzukii* von Imitatoren ab, die oft unterbrochene Bänder oder Flecken zeigen.[2]
Drosophila suzukii gilt als einer der destruktivsten invasiven Schädlinge im Obstbau, da die Weibchen im Gegensatz zu anderen Essigfliegen ihre Eier mittels eines sägeartigen Ovipositors direkt in intakte, reifende Früchte legen.[1][2] Dies führt weltweit zu jährlichen Verlusten von über 500 Millionen US-Dollar, wobei Ernteausfälle bei Beerenfrüchten und Kirschen ohne Gegenmaßnahmen 20 bis 80 % erreichen können.[1][4] Das typische Schadbild umfasst durch Larvenfraß kollabiertes Fruchtfleisch, Saftaustritt und weiche Stellen, was oft sekundäre Infektionen durch Fäulniserreger wie *Botrytis cinerea* begünstigt.[1] Zur Früherkennung und Überwachung der Populationsdichte werden Fallen mit Lockstoffen wie Apfelessig oder Hefe-Zucker-Gemischen in schattigen Bereichen der Bestände platziert.[3] Ein Befall der Früchte lässt sich durch die Salzwasser- oder Zuckerflotationsmethode nachweisen, bei der Larven aus zerdrückten Beerenproben an die Oberfläche treiben.[3][2] Präventive Hygienemaßnahmen (Sanitation), wie das konsequente Entfernen und Vernichten überreifer oder herabgefallener Früchte, können den Befallsdruck um bis zu 60 % reduzieren.[5][3] Bauliche Maßnahmen wie die Einnetzung der Kulturen mit feinmaschigen Geweben (0,6–1,0 mm) verhindern den Zuflug der Adulten effektiv.[3] Die chemische Bekämpfung konzentriert sich auf die adulten Fliegen mittels Insektiziden wie Spinosad oder Malathion, wobei Resistenzentwicklungen ein zunehmendes Risiko darstellen.[2][1] Im Rahmen der biologischen Kontrolle werden Larvalparasitoide wie *Ganaspis brasiliensis* oder *Leptopilina* eingesetzt, ergänzt durch natürliche Prädatoren wie Ameisen und Spinnen.[2] Neuere Ansätze umfassen die Sterile-Insekten-Technik (SIT), bei der sterilisierte Männchen zur Paarungskonkurrenz freigesetzt werden, sowie genetische Methoden wie CRISPR/Cas9-basierte Systeme zur Populationsunterdrückung.[3][1] Nach der Ernte verhindern Kühlbehandlungen bei 0–2 °C über 10–12 Tage das Überleben von Eiern und Larven, was für die Einhaltung von Quarantänebestimmungen im Export essenziell ist.[1][2] Ein effektives Management erfordert Strategien der Integrierten Schädlingsbekämpfung (IPM), die Monitoring, kulturelle Praktiken und gezielte Interventionen kombinieren, da einzelne Maßnahmen oft nicht ausreichen.[3]