Die Familie *Pyralidae* wurde im Jahr 1809 durch den französischen Entomologen Pierre André Latreille wissenschaftlich aufgestellt, wobei *Pyralis farinalis* (Linnaeus, 1758) als Typusart fungiert.[1] Im deutschsprachigen Raum wird die Gruppe allgemein als "Zünsler" bezeichnet[1], während für vorratsschädliche Vertreter häufig der Trivialname "Lebensmittelmotten" Verwendung findet.[3] International sind die Falter aufgrund ihrer charakteristisch verlängerten Labialpalpen als "snout moths" (Schnauzenmotten) oder historisch als "grass moths" bekannt. Die taxonomische Einordnung unterlag im Laufe der Zeit signifikanten Änderungen; ursprünglich fasste die Familie auch Taxa, die heute der Schwestergruppe *Crambidae* zugeordnet sind.[1] Eine systematische Trennung dieser Linien begann Mitte des 19. Jahrhunderts, als Herrich-Schäffer 1849 die Flügeladerung als Unterscheidungsmerkmal etablierte.[1] Spätere Revisionen im 20. Jahrhundert, insbesondere durch Eugene Munroe, festigten die Abgrenzung unter Einbeziehung morphologischer Merkmale wie der Tympanalorgane. Historisch wurden fälschlicherweise auch Gruppen wie die *Hyblaeidae* und *Thyrididae* den *Pyraloidea* zugerechnet, was durch moderne phylogenetische Analysen korrigiert wurde. Heute gliedert sich die Familie in die fünf Unterfamilien *Chrysauginae*, *Epipaschiinae*, *Galleriinae*, *Phycitinae* und *Pyralinae*. Die Gattungszuordnung bleibt in Einzelfällen komplex, wie das Beispiel der Gattung *Acentropus* zeigt, die aufgrund molekularer Evidenz von den *Pyralidae* zu den *Crambidae* transferiert wurde.[1]
Die adulten Falter der *Pyralidae* sind klein bis mittelgroß und erreichen typischerweise eine Flügelspannweite von 9 bis 40 mm. Ein charakteristisches Merkmal sind die verlängerten Labialpalpen, die gerade nach vorne ragen und dem Kopf ein schnauzenartiges Aussehen verleihen. Die Antennen sind bei beiden Geschlechtern fadenförmig und weisen keine keulenartigen Verdickungen an den Spitzen auf. In der Ruhehaltung werden die dreieckigen Vorderflügel meist flach oder dachartig über das Abdomen gelegt, wodurch die schmaleren, abgerundeten Hinterflügel verdeckt bleiben. Die Grundfärbung ist oft unscheinbar in Braun-, Grau- oder Ockertönen zur Tarnung, wobei einige Arten metallische Schuppen oder Muster aufweisen.[2] Diagnostisch relevant für das Flügelgeäder ist die Verschmelzung oder Stielung der Vorderflügelader R5 mit R3+4 sowie das Vorhandensein von drei Analadern auf den Hinterflügeln.[2][1] Zur Abgrenzung von den verwandten *Crambidae* dient das Fehlen einer ovalen Sklerotisierung an der Basis der Vorderflügelader A1+2 sowie der Bau der Tympanalorgane, die bei *Pyralidae* ein geschlossenes Gehäuse aufweisen. Für die Artbestimmung sind oft die Genitalien entscheidend; Männchen zeigen variierende Uncus-Formen, während Weibchen spezifische Sklerotisierungen in der Corpus bursae besitzen.[1] Die Larven erscheinen als längliche, zylindrische Raupen mit glattem bis leicht gekörntem Integument und einer stark sklerotisierten Kopfkapsel. Bauchbeine finden sich an den Abdominalsegmenten 3 bis 6 und 10, wobei die Hakenkränze (Crochets) kreis- oder ellipsenförmig angeordnet sind. Die Puppen sind kompakt, rotbraun bis glänzend gefärbt, messen etwa 10 bis 25 mm und besitzen eine deutliche Rüsselscheide.[2] Die Eiablage erfolgt in Clustern von 50 bis 300 Stück, wobei die kleinen, abgeflachten Eier eine weiße Färbung aufweisen.[1]
Die Familie der *Pyralidae* umfasst sowohl bedeutende Agrar- und Vorratsschädlinge als auch ökologisch nützliche Arten.[2] Insbesondere Vertreter der Unterfamilie Phycitinae, wie die Dörrobstmotte (*Plodia interpunctella*) und *Amyelois transitella*, verursachen durch den Fraß an Getreide, Nüssen und Trockenfrüchten massive ökonomische Schäden und Verunreinigungen.[3][1] Ein spezifisches Schadbild zeigt die Große Wachsmotte (*Galleria mellonella*), deren Larven Bienenstöcke befallen und dort Wachswaben sowie Pollenvorräte zerstören.[1] Demgegenüber stehen nützliche Aspekte, etwa die Bestäubungsleistung durch *Upiga virescens* oder die kommerzielle Nutzung von Wachsmottenlarven als Futterinsekten und Angelköder.[4][5] In der Forschung dienen diese Larven zudem als Modellorganismen für den biologischen Abbau von Polyethylen-Kunststoffen.[2] Das Management von schädlichen *Pyralidae* erfolgt vorwiegend durch Integrierte Schädlingsbekämpfung (IPM), die Monitoring und biologische Verfahren kombiniert. Zur Befallsüberwachung werden Pheromonfallen oder Lockstoffzusammensetzungen auf Basis von Phenylacetaldehyd und Salicylaldehyd eingesetzt. Als biologische Bekämpfungsmaßnahme hat sich der Einsatz von Schlupfwespen bewährt, die die Eier der Motten parasitieren und so die Populationsdichte senken. Ergänzend werden mikrobielle Pestizide auf Basis von *Bacillus thuringiensis* oder dem Pilz *Lecanicillium muscarium* entwickelt, die spezifisch auf Larven wirken. Neuere Ansätze untersuchen zudem botanische Pestizide aus Extrakten von *Stemona*-Knollen und *Sophora* als umweltfreundliche Alternativen zu synthetischen Mitteln. In der Landwirtschaft kommen ferner Verfahren zur Paarungsstörung (Mating Disruption) zum Einsatz, um die Kommunikation der Falter zu unterbinden.[3]