Lindenbaum –Tilia platyphyllos
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Classification taxonomique
Reich
Pflanzen (Plantae)
Stamm
Tracheophyta (Tracheophyta)
Klasse
Magnoliopsida (Magnoliopsida)
Ordnung
Malvales (Malvales)
Familie
Malvaceae
Gattung
Tilia
Art
Tilia platyphyllos
Wissenschaftlicher Name:
Tilia platyphyllos Scop.
Akzeptierter Name
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Einleitung
*Tilia platyphyllos* ist eine laubabwerfende Baumart aus der Familie der Malvengewächse (*Malvaceae*), deren natürliches Verbreitungsgebiet von Zentral- und Südeuropa bis nach Südwestasien reicht.[1] Die Art zeichnet sich durch ihre großen, herzförmigen Blätter aus, die sie durch ihre Größe und die behaarte Unterseite von der verwandten *Tilia cordata* unterscheiden. Ökologisch fungiert der Baum als wichtige Nahrungsquelle für bestäubende Insekten und bildet zusammen mit anderen Lindenarten natürliche Hybriden wie *Tilia × europaea*.[2]
Fakten (kompakt)
- Im Herbst verfärbt sich das Laub von *Tilia platyphyllos* in ein blasses Gelb. - Die Art zeigt eine Toleranz gegenüber Trockenheit, städtischer Luftverschmutzung sowie Streusalz. - In Bezug auf die Klimahärte wird der Baum in die USDA-Winterhärtezonen 3 bis 8 eingeordnet. - Junge, zarte Blätter sind essbar und können aufgrund ihres milden, schleimhaltigen Geschmacks roh in Salaten verwendet werden. - Aus dem Baumsaft lässt sich ein süßer Sirup gewinnen, während die innere Rinde Fasern liefert, die zur Herstellung von Seilen und Matten genutzt werden. - Bei der Nutzung älterer Blüten ist Vorsicht geboten, da diese potenziell narkotische Effekte haben können. - Zu den gärtnerischen Zuchtformen zählen 'Pendula' (Hängeform) und 'Rubra' (rotzweigig). - Neben Insektenbefall ist die Art anfällig für Pflanzenkrankheiten wie die Verticillium-Welke. - Ein historisches Synonym für die Art ist *Tilia grandifolia*, das 1788 von Ehrhart beschrieben wurde.[11] - Es werden aktuell fünf Unterarten anerkannt, darunter *T. platyphyllos* subsp. *cordifolia*, die sich durch beidseitig dicht behaarte Blätter auszeichnet.[11] - Weitere Unterarten sind *T. platyphyllos* subsp. *corinthiaca*, die vom Balkan bis in die Türkei vorkommt, sowie die in Ostmittel- und Südeuropa verbreitete subsp. *pseudorubra*.[11]
Name & Einordnung
Der akzeptierte wissenschaftliche Name der Art lautet *Tilia platyphyllos*, wobei die Erstbeschreibung durch den italienischen Naturforscher Giovanni Antonio Scopoli im Jahr 1771 erfolgte. Diese wurde in der zweiten Auflage seines Werkes *Flora Carniolica* veröffentlicht und basierte auf Pflanzenmaterial aus der Region Krain (Carniola) im heutigen Slowenien. Das Art-Epitheton *platyphyllos* entstammt dem Altgriechischen und setzt sich aus *platys* (breit) und *phyllon* (Blatt) zusammen, was die im Vergleich zu anderen Arten großen Blätter beschreibt.[3] Der Gattungsname *Tilia* ist lateinischen Ursprungs und sprachgeschichtlich mit dem altgriechischen *ptelēa* (Ulme) verwandt, was vermutlich auf die breite Blattform anspielt.[1] Systematisch wird die Art heute der Familie der Malvengewächse (Malvaceae) zugeordnet, nachdem phylogenetische Revisionen die ehemals eigenständige Familie Tiliaceae in diese eingegliedert haben.[3][2] Innerhalb der Gattung steht *Tilia platyphyllos* in der Sektion *Anastraea*, die sich durch das Fehlen von Sternhaaren auf der Blattunterseite auszeichnet.[3] Zu den historischen Synonymen zählt unter anderem *Tilia grandifolia* Ehrh. (1788), das heute als konspezifisch mit der Typusart betrachtet wird.[3] Es werden aktuell fünf Unterarten unterschieden, darunter die Nominatform subsp. *platyphyllos* sowie subsp. *cordifolia* und subsp. *pseudorubra*, die sich vorwiegend durch Behaarung und geographische Verbreitung differenzieren.[3] Im englischen Sprachraum ist der Baum als „large-leaved lime“ oder „bigleaf linden“ bekannt, wobei der Begriff „linden“ etymologisch mit dem Wort für Schild (*lind*) verbunden ist. Die deutsche Bezeichnung „Linde“ geht auf die protogermanische Wurzel *lendō* zurück.[1]
Aussehen & Bestimmungsmerkmale
Tilia platyphyllos ist ein sommergrüner Laubbaum, der Wuchshöhen von 20 bis 40 Metern und eine Kronenbreite von 10 bis 15 Metern erreicht.[1][4] Die Krone entwickelt sich breit eiförmig bis kuppelartig, wobei der Stamm meist frei von Wasserreisern bleibt.[4] Die Rinde ist bei jungen Bäumen glatt und grau, verfärbt sich jedoch im Alter dunkelgraubraun und bildet tiefe Risse aus.[1][4] Junge Zweige sind rotbraun gefärbt und weisen oft eine dichte bis leichte Behaarung auf, die im Alter abnimmt.[4] Die wechselständigen, herzförmigen Blätter sind mit 6 bis 15 cm Länge und Breite deutlich größer als bei verwandten Arten.[4][3] Die Blattoberseite ist dunkelgrün und kahl, während die Unterseite heller und weich behaart ist, insbesondere entlang der Adern und am Stiel.[1][4] Der Blattrand ist gesägt und die Blattspreite läuft in einer zugespitzten Spitze aus.[4] Ein wichtiges taxonomisches Merkmal ist das Fehlen von Sternhaaren auf der Blattunterseite, stattdessen findet sich eine einfache Behaarung.[3] Die zwittrigen, gelblich-weißen Blüten erscheinen im Frühsommer in hängenden Trugdolden aus meist 3 bis 7 Einzelblüten.[1][4] Jede Blüte misst etwa 12 bis 17 mm im Durchmesser und verströmt einen süßlichen Duft.[4] Die Früchte sind eiförmige, verholzte Nüsschen von 8 bis 12 mm Länge, die eine charakteristische Rippung auf der Schale zeigen. Sie sind graufilzig behaart und sitzen an einem zungenförmigen, flügelartigen Hochblatt, das der Windverbreitung dient.[1][4] Im Gegensatz zur Winterlinde (*Tilia cordata*) zeichnet sich *Tilia platyphyllos* durch die größeren Blätter, die behaarten Blattstiele sowie die harten, stark verholzten Früchte aus.[4][3]
Bedeutung, Schäden & Prävention
Tilia platyphyllos gilt primär als ökologisch wertvoller Nützling, der als bedeutende Nahrungsquelle für Bestäuber wie Honigbienen und Schmetterlinge dient und dessen Blüten für die Honigproduktion genutzt werden.[1][2] Wirtschaftlich ist das weiche Holz für Schnitzereien relevant, während Blütenaufgüsse traditionell medizinisch gegen Erkältungen, Angstzustände und als Antispasmodikum eingesetzt werden.[2] Als Wirtspflanze ist der Baum jedoch anfällig für Schädlinge wie die Lindenblattlaus (*Eucallipterus tiliae*), die durch Honigtauausscheidungen die Ansiedlung von Rußtaupilzen fördert und die Photosynthese beeinträchtigt.[7][2] Ein starker Befall führt oft zu Blattvergilbungen und vorzeitigem Welken, was besonders bei gestressten Stadtbäumen problematisch ist.[2] Strukturelle Schäden verursachen holzbohrende Insekten wie der Lindenbohrer (*Saperda vestita*), dessen Larven Galerien in Stamm und Ästen anlegen, was die Stabilität gefährdet. Befallsanzeichen sind hierbei Ausbohrlöcher von etwa 6 mm Durchmesser sowie eine Ausdünnung der Krone.[9] Zusätzlich können Larven von Motten der Gattung *Phyllonorycter* serpentinenartige Minen in den Blättern erzeugen, die bei Massenvermehrung zur Entlaubung führen.[10] Im Bereich der Pathogene stellt die *Phytophthora*-Wurzelfäule eine Gefahr auf staunassen Böden dar, erkennbar an blutenden Rindennekrosen und Welkeerscheinungen. Weitere relevante Krankheiten sind die Verticillium-Welke, die Gefäßverfärbungen verursacht, sowie der Hallimasch (*Armillaria* spp.), der Wurzelfäule auslöst.[2][4] Abiotische Schäden wie Sonnenbrand an der Rinde oder Chlorosen durch Eisenmangel auf alkalischen Böden schwächen den Baum zusätzlich. Präventive Maßnahmen umfassen die Standortwahl mit guter Bodendrainage sowie das Vermeiden von Rindenverletzungen, um Eintrittspforten für Erreger wie *Neonectria* zu minimieren. Regelmäßiges Wässern und Mulchen hilft, Trockenstress zu reduzieren, der die Anfälligkeit für Sekundärschädlinge erhöht. Im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes (IPM) steht die Förderung natürlicher Feinde wie Marienkäfer und Florfliegen zur Kontrolle von Blattlauspopulationen im Vordergrund.[2] Chemische Bekämpfungsmittel sollten nur sparsam bei schwerem Befall eingesetzt werden, während infizierte Äste bei Pilzbefall mechanisch bis ins gesunde Holz zurückgeschnitten werden müssen. Rechtlich ist zu beachten, dass *Tilia platyphyllos* in bestimmten Habitaten gemäß Anhang I der EU-Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie unter Schutz steht und alte Exemplare oft als Naturdenkmäler geschützt sind.[1][2]
Lindenbaum Images et photos d'observations réelles
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Biologie & Lebenszyklus
Biologie & Lebenszyklus *Tilia platyphyllos* bildet zwittrige, protandrische Blüten in hängenden Trugdolden, die von Juni bis Juli blühen und reichlich Nektar für Bestäuber wie Bienen und Nachtfalter produzieren.[2][1] Da die Art selbstinkompatibel ist, ist sie für eine erfolgreiche Befruchtung auf Fremdbestäubung durch Insekten angewiesen.[5] Die Früchte entwickeln sich zu verholzten, gerippten Nüsschen mit ein bis drei Samen, die durch ein flügelartiges Hochblatt unterstützt primär durch den Wind (Anemochorie) über Distanzen von 100 bis 200 Metern verbreitet werden. Aufgrund einer tiefen Dormanz, bedingt durch die harte Fruchtwand und den Embryo, benötigen die Samen eine Kältestratifikation von 12 bis 15 Monaten bei 3–5 °C, bevor die Keimung erfolgt. Die Keimung verläuft epigäisch, wobei die Sämlinge oft erst im zweiten Frühjahr nach der Verbreitung erscheinen und im ersten Jahr empfindlich gegenüber Austrocknung sind.[2] Die Samenproduktion beginnt im Alter von 30 bis 40 Jahren, während die volle Reproduktionskapazität zwischen dem 50. und 100. Lebensjahr erreicht wird.[2] Die Bäume erreichen typischerweise ein Alter von 200 bis 400 Jahren, wobei historische Exemplare wie die Bojnice-Linde auf über 700 Jahre geschätzt werden.[2][1] Für die Nährstoffaufnahme auf den bevorzugten basenreichen Böden geht *Tilia platyphyllos* Ektomykorrhiza-Symbiosen mit Pilzgattungen wie *Hebeloma* und *Russula* ein. Die Blätter dienen als Nahrungsquelle für Raupen verschiedener Nachtfalterarten, darunter der Lindenschwärmer und der Birkenspanner (*Biston betularia*).[2] Ein spezifischer Schädling ist die Lindenblattlaus (*Eucallipterus tiliae*), die Honigtau ausscheidet und dichte Kolonien auf den Blattunterseiten bildet.[7] Am Boden werden die Samen häufig von Nagetieren sowie der Gemeinen Feuerwanze (*Pyrrhocoris apterus*) gefressen, welche an den Früchten saugt.[8][1] Zu den relevanten Krankheitserregern zählen *Phytophthora*-Arten, die Wurzelfäule verursachen, sowie Pilze der Gattung *Neonectria*, die Rindenkrebs auslösen können.[2]
Vorkommen & Lebensraum
Das natürliche Verbreitungsgebiet von *Tilia platyphyllos* umfasst Zentral- und Südeuropa und reicht im Osten bis zur Ukraine und dem westlichen Kaukasus.[1] Die nördliche Arealgrenze verläuft durch Südschweden bei etwa 58° nördlicher Breite, während die südliche Verbreitung Norditalien, den Balkan, Griechenland und Teile Spaniens einschließt.[4] In Mitteleuropa, insbesondere in Deutschland, Frankreich und den Alpenregionen, ist vorwiegend die Unterart *T. platyphyllos* subsp. *platyphyllos* heimisch, wobei die Vorkommen im nördlichen Mitteleuropa oft lückenhaft sind.[3] Pollenanalysen belegen, dass die Art bereits vor etwa 8800 Jahren in Großbritannien präsent war und vor der landwirtschaftlichen Expansion vor 5000 bis 7000 Jahren in den Alpen weit verbreitet war.[1] Die Sommerlinde bevorzugt basenreiche, neutrale bis alkalische Böden mit einem pH-Wert von 6,0 bis 7,4, wie etwa gut durchlässige Lehme, Rendzinen oder Braunerden über Kalkstein. Sie benötigt Standorte mit Jahresniederschlägen über 600 mm und reagiert empfindlich auf Staunässe sowie saure Substrate unter pH 5,6.[2] Als schattentolerante Baumart besiedelt sie typischerweise Schluchtwälder, Hangfüße und Auenbereiche, oft in Gesellschaft von *Fraxinus excelsior*, *Fagus sylvatica* und *Acer pseudoplatanus*. Ökologisch bedeutsam ist ihr Vorkommen in den europarechtlich geschützten Tilio-Acerion-Wäldern auf Hangschutt und in Schluchten.[1] Die vertikale Verbreitung erstreckt sich vom Tiefland bis in die montane Stufe, wobei sie in den Alpen Höhen bis zu 1500 Metern erreicht, jedoch unterhalb von 700 Metern häufiger anzutreffen ist.[2] Außerhalb ihres natürlichen Areals wurde *Tilia platyphyllos* als Ziergehölz nach Nordamerika eingeführt, wo sie im Nordosten der USA, etwa in Connecticut und Maine, stellenweise verwildert ist.[1] In urbanen Räumen wird die Art häufig in Parks und Alleen gepflanzt, da sie toleranter gegenüber städtischen Belastungen ist, wenngleich sie empfindlich auf Bodenverdichtung reagiert.[4] Aktuelle Beobachtungsdaten zeigen stabile Populationen in den Kerngebieten wie dem Balkan, während Bestände in Westeuropa durch historische Habitatfragmentierung oft auf Reliktstandorte in alten Wäldern beschränkt sind.[2]
Saisonnalité et tendance de la demande
Basé sur l'indice Silver Power Trend – notre propre modèle issu de données de recherche et d'observations de la nature
Activité saisonnière
Évolution au fil des ans
Saisonalität & Aktivität
Die phänologische Aktivität von *Tilia platyphyllos* ist durch eine Blütezeit im späten Frühjahr bis Frühsommer gekennzeichnet, die sich primär auf die Monate Juni und Juli konzentriert.[2][1] Während dieser Phase produzieren die Blüten reichlich Nektar, wobei die Sekretion bemerkenswerterweise selbst bei kühlen Tageshöchsttemperaturen von 8 bis 10 °C anhält. Die Bestäubung erfolgt sowohl durch tagaktive Insekten wie Bienen und Schmetterlinge als auch durch nachtaktive Falter. Nach der Befruchtung reifen die Früchte (Nüsschen) im Herbst zwischen September und Oktober heran. Die Samen unterliegen einer tiefen Dormanz und benötigen eine Kältestratifikation von 12 bis 15 Monaten, weshalb die Keimung in der Regel erst im zweiten Frühjahr nach der Ausbreitung erfolgt. Auch die assoziierte Fauna folgt saisonalen Mustern: Die Lindenblattlaus (*Eucallipterus tiliae*) bildet mehrere Generationen pro Jahr, erreicht im Sommer ihre maximale Dichte und legt im Herbst überwinternde Eier ab. Adulte Exemplare des Lindenbohrers (*Saperda vestita*) schlüpfen im Frühjahr zur Eiablage, während die Gemeine Feuerwanze (*Pyrrhocoris apterus*) als Imago überwintert und im Frühjahr aktiv wird.[2] Das öffentliche Interesse an der Art korreliert mit der Vegetationsperiode und verzeichnet in den Monaten Mai und Juni deutliche Spitzenwerte.[3]
Sources et références
- https://plants.ces.ncsu.edu/plants/tilia-platyphyllos/
- https://www.woodlandtrust.org.uk/trees-woods-and-wildlife/british-trees/a-z-of-british-trees/large-leaved-lime/
- https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:332109-2
- https://temperate.theferns.info/plant/Tilia+platyphyllos
- https://besjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1365-2745.13490
- https://www.loebclassics.com/view/pliny_elder-natural_history/1938/pb_LCL352.93.xml
- https://pnwhandbooks.org/insect/hort/landscape/hosts-pests-landscape-plants/linden-tilia-aphid
- http://www.eje.cz/pdfs/eje/2011/04/11.pdf
- https://barron.extension.wisc.edu/files/2023/02/Linden-Borer.pdf
- http://www.leafmines.co.uk/html/Plants/tilia.htm
- Literaturzusammenfassung (mit Bibliographie, siehe Primärquellenliste)