Die Art *Melolontha melolontha* wurde im Jahr 1758 von Carl von Linné wissenschaftlich erstbeschrieben. Sie ordnet sich taxonomisch in die Familie der Blatthornkäfer (Scarabaeidae) ein und fungiert als Typusart der Gattung *Melolontha*. Der deutsche Trivialname "Maikäfer" bezieht sich direkt auf die charakteristische Hauptflugzeit der adulten Käfer im Mai.[1] Im englischen Sprachraum ist die Bezeichnung "Cockchafer" etabliert, die sich etymologisch aus dem späten 17. Jahrhundert ableitet und das altenglische Wort "chafer" (Käfer, Nager) mit einem Präfix für Größe oder Vitalität verbindet. Historisch und regional werden auch Begriffe wie "May bug" oder "May-beetle" verwendet, die analog zum Deutschen das saisonale Erscheinen betonen. Zur Abgrenzung gegenüber dem ebenfalls in Europa heimischen Waldmaikäfer (*Melolontha hippocastani*) wird *Melolontha melolontha* häufig als Feldmaikäfer oder Gemeiner Maikäfer spezifiziert.[1] Morphologisch unterscheidet sich die Art unter anderem durch das schlankere Pygidium von *M. hippocastani*. Für *Melolontha melolontha* werden derzeit keine Unterarten anerkannt, da Variationen in Größe und Färbung primär auf Umweltfaktoren und nicht auf genetische Divergenz zurückgeführt werden. Die Gattung *Melolontha* umfasst insgesamt etwa 20 Arten in der Paläarktis, wobei *Melolontha melolontha* in den gemäßigten Breiten Europas dominiert.[1]
Der adulte *Melolontha melolontha* ist ein großer Käfer mit einer Körperlänge von 20 bis 34 mm und einer robusten, konvexen Körperform. Der Kopf ist dunkel bis schwarz gefärbt, ebenso wie das glänzend schwarze Pronotum (Halsschild), das mit kurzen, dicht stehenden Haaren bedeckt ist. Die Flügeldecken (Elytren) sind rotbraun bis mattbraun gefärbt und weisen eine gerippte Struktur auf. Dorsal erscheint das Abdomen schwärzlich, während die Ventralseite eine feine, kurze Behaarung zeigt, die an den Thoraxseiten dichter ausgeprägt ist.[1] Ein entscheidendes Bestimmungsmerkmal ist das Pygidium (das verlängerte Hinterleibsende), das bei *M. melolontha* schlank und langgestreckt ist, wodurch er sich vom Waldmaikäfer (*Melolontha hippocastani*) unterscheidet, dessen Pygidium kürzer und knopfförmig endet. Die Beine sind rötlich gefärbt und als Laufbeine ausgebildet. Ein deutlicher Sexualdimorphismus zeigt sich an den fächerartigen Antennen: Männchen besitzen sieben terminale Lamellen zur Pheromonderkennung, während Weibchen nur sechs aufweisen. Die Larven, bekannt als Engerlinge, zeigen die für Blatthornkäfer typische C-förmige Körperhaltung mit einem weichen, cremeweißen Körper und einer harten, braunen Kopfkapsel mit kräftigen Mandibeln. Sie verfügen über drei Paar gut entwickelte, gelbliche und behaarte Thoraxbeine, jedoch keine Bauchfüße. Zur taxonomischen Unterscheidung dient das Raster (Analplatte) der Larven, das zwei Reihen kurzer Dornen in einer charakteristischen V-Anordnung aufweist. Reife Larven im dritten Stadium erreichen eine Länge von 40 bis 46 mm. Die Puppen sind 25 bis 35 mm groß und verfärben sich während der Entwicklung von weißlich zu rotbraun. Die Eier sind perlweiß, oval bis kugelförmig und messen etwa 2 bis 3 mm im Durchmesser.[1]
Der Feldmaikäfer (*Melolontha melolontha*) wird primär als bedeutender Forst- und Landwirtschaftsschädling klassifiziert, dessen Schadpotenzial vorwiegend von den im Boden lebenden Larven (Engerlinge) ausgeht.[1] Diese fressen an den Wurzeln von Gräsern, Getreide, Kartoffeln sowie Obstbäumen und Weinreben, was zu Welkeerscheinungen, Wachstumsstörungen oder dem Absterben der Pflanzen führt.[9][1] In Grünlandflächen verursachen hohe Besatzdichten von über 20 Engerlingen pro Quadratmeter massive Schäden an der Grasnarbe, die oft durch grabende Fressfeinde wie Dachse oder Krähen verstärkt werden. Adulte Käfer führen während der Schwärmphasen im Frühjahr einen Reifungsfraß an Laubbäumen wie Eichen (*Quercus* spp.) und Buchen (*Fagus sylvatica*) durch, der bei Massenauftreten bis zum Kahlfraß reichen kann.[1] Zur Überwachung der Populationen werden Grabungen zur Bestimmung der Engerlingsdichte sowie Pheromon- oder Lichtfallen für adulte Käfer eingesetzt.[1][4] Präventive ackerbauliche Maßnahmen umfassen Bodenbearbeitung wie tiefes Pflügen, um Larven der Austrocknung oder Prädation auszusetzen.[1][5] In der biologischen Bekämpfung hat sich der Einsatz des entomopathogenen Pilzes *Beauveria brongniartii* bewährt, der als Granulat in den Boden eingebracht wird und Epizootien in der Population auslöst. Ebenso werden parasitäre Nematoden der Gattungen *Heterorhabditis* und *Steinernema* verwendet, die in die Larven eindringen und diese durch bakterielle Symbionten abtöten. Chemische Bekämpfungsstrategien sind in Europa stark reglementiert; so ist die Anwendung von Neonicotinoiden wie Imidacloprid im Freiland seit 2018 verboten. Für die Larvenbekämpfung stehen selektive Wirkstoffe wie Chlorantraniliprole zur Verfügung, während gegen Adulte teilweise Acetamiprid eingesetzt wird, um die Eiablage zu reduzieren. Integrierte Schädlingsbekämpfung (IPM) kombiniert diese biologischen und mechanischen Verfahren, um Resistenzen zu vermeiden und Nützlinge zu schonen.[1] Historisch war das mechanische Absammeln der Käfer von Bäumen eine verbreitete Methode, für die spezielle Fangvorrichtungen entwickelt wurden.[4] Trotz des Schädlingsstatus stellen Maikäfer eine wichtige Nahrungsquelle für Fledermäuse und Vögel dar, weshalb Bekämpfungsmaßnahmen ökologisch abgewogen werden müssen.[2]