Fakten (kompakt)
- Die offizielle Identifizierung der Art in den USA erfolgte erst im Jahr 2001, obwohl das erste Exemplar bereits im September 1998 in Allentown, Pennsylvania, gesammelt wurde und eine Präsenz seit etwa 1996 vermutet wird. - Mit Stand 2025 ist die Art in mindestens 47 US-Bundesstaaten, kanadischen Provinzen wie Ontario und Quebec sowie in europäischen Ländern wie Deutschland, Frankreich, Italien und der Schweiz etabliert. - Im pazifischen Nordwesten der USA, speziell im Willamette Valley in Oregon, hat sich die Wanze zu einem Schlüsselschädling im Haselnussanbau entwickelt. - Das von den abdominalen Duftdrüsen abgesonderte Abwehrsekret wird geruchlich oft mit Koriander oder verbranntem Gummi assoziiert. - Für den Menschen besteht keine direkte Gefahr durch Bisse oder Krankheitsübertragung, jedoch kann das Sekret bei Kontakt allergische Reaktionen wie Rhinitis oder Bindehautentzündung (Konjunktivitis) auslösen. - Bekämpfungsstrategien umfassen neben Überwachungsfallen auch biologische Kontrollmaßnahmen, wie den Einsatz der Samurai-Wespe. - Die Fortpflanzungsrate variiert klimatisch bedingt, wobei typischerweise ein bis zwei Generationen pro Jahr hervorgebracht werden.[7]
Die Art trägt den wissenschaftlichen Namen *Halyomorpha halys* (Stål, 1855). Die Erstbeschreibung erfolgte im Jahr 1855 durch den schwedischen Entomologen Carl Stål auf Basis von Exemplaren aus dem ostasiatischen Verbreitungsgebiet. Taxonomisch wird sie der Gattung *Halyomorpha* innerhalb der Familie der Baumwanzen (Pentatomidae) zugeordnet, wobei sie genauer zur Unterfamilie Pentatominae und der Tribus Cappaeini zählt. In der wissenschaftlichen Literatur sind diverse Synonyme verzeichnet, darunter *Halyomorpha mista*, *Halyomorpha brevis*, *Halyomorpha remota*, *Poecilometis mistus* sowie *Dalpada brevis*. Obwohl morphologische und genetische Variationen im ursprünglichen Verbreitungsgebiet auftreten, werden aktuell keine formalen Unterarten anerkannt.[2] Im deutschsprachigen Raum hat sich die Bezeichnung „Marmorierte Baumwanze“ etabliert.[1] Der international gebräuchliche englische Trivialname lautet „Brown marmorated stink bug“. Dieser Name bezieht sich, ebenso wie die deutsche Entsprechung, auf die charakteristische marmorierte beziehungsweise gefleckte Musterung des Exoskeletts, welche die Art optisch abgrenzt.[2]
Die adulte *Halyomorpha halys* weist den für Pentatomiden typischen schildförmigen Körper auf, ist 12 bis 17 mm lang und fast ebenso breit.[2][1] Die Grundfärbung ist ein marmoriertes Braun-Grau, wobei die dorsale Musterung namensgebend für die Art ist. Der Kopf zeigt kupferfarbene oder bläulich-metallische Punktierungen sowie rote Augen, denen kleine Dornen vorgelagert sind. Ein entscheidendes Bestimmungsmerkmal sind die Antennen, die alternierende helle und dunkle Bänder aufweisen, insbesondere ein weißes Band am vorletzten Segment. Das Pronotum besitzt glatte, abgerundete Ränder ohne Zähne, weist jedoch an den Schulterkanten dornartige Vorsprünge auf. Auch die Beine und der Rand des Abdomens (Connexivum) sind mit alternierenden weißen Bändern gezeichnet, was die Unterscheidung von heimischen Arten erleichtert. Auf der Unterseite des Thorax befinden sich Stinkdrüsen, die bei Störung defensive Chemikalien absondern. Ein Sexualdimorphismus zeigt sich am terminalen Abdominalsegment: Männchen besitzen eine U-förmige Einbuchtung, während Weibchen eine abgerundete Spitze zur Eiablage haben. Die fass- oder ellipsenförmigen Eier sind etwa 1,6 mm lang, blassgelb bis hellgrün gefärbt und besitzen winzige Dornen am Operculum. Die Larven durchlaufen fünf Stadien, wobei das erste Stadium oval, leuchtend rot-orange gefärbt ist und schwarze Beine sowie einen schwarzen Kopf aufweist. Spätere Nymphenstadien wechseln zu grau-braunen Farbtönen mit schwarzen Markierungen und entwickeln im vierten und fünften Stadium sichtbare Flügelanlagen sowie weiße Abdominalbänder.[2] Zur Abgrenzung von verwechselbaren Arten dient vor allem das Fehlen von Zähnen am Pronotumrand sowie die weiße Antennenbänderung, die der Braunen Baumwanze (*Euschistus servus*) fehlt.[1] Im Gegensatz zur Grünen Stinkwanze (*Chinavia hilaris*), die schwarze Antennenbänder besitzt, zeigt *H. halys* weiße Bänderungen.[1] Die Südliche Grüne Stinkwanze (*Nezara viridula*) unterscheidet sich deutlich durch ihren hellgrünen Körper und rote Antennenbänder.[2]
Die Marmorierte Baumwanze (*Halyomorpha halys*) ist ein bedeutender landwirtschaftlicher Schädling und zugleich ein Lästling im Siedlungsbereich, der durch seine Polyphagie an über 300 Pflanzenarten enorme ökonomische Schäden verursacht.[2][1] Durch das Anstechen von Früchten und die Injektion von Verdauungsenzymen entstehen Nekrosen, Verkorkungen und Deformationen („Katzenaugen“), die Ernteprodukte wie Äpfel, Pfirsiche und Haselnüsse oft unverkäuflich machen.[3][2] Das wirtschaftliche Schadpotenzial ist immens; so führte ein Massenauftreten im Jahr 2010 allein im mittelatlantischen Obstanbau der USA zu Verlusten von über 37 Millionen Dollar.[1] Im Herbst suchen die Adulten in großen Aggregationen Schutz in Gebäuden, wobei sie durch kleine Ritzen eindringen und bei Störung ein übelriechendes Sekret absondern, das Koriander oder verbranntem Gummi ähnelt.[4][2] Aus medizinischer Sicht ist *H. halys* kein Krankheitsüberträger, jedoch können die Abwehrsekrete (u. a. Trans-2-decenal) bei empfindlichen Personen allergische Reaktionen wie Rhinitis oder Konjunktivitis auslösen.[1] Zur Überwachung der Populationen werden Pheromonfallen eingesetzt, die Aggregationspheromone mit Synergisten wie Methyldecatrienoat kombinieren.[6][2] Präventive Maßnahmen an Gebäuden umfassen das Abdichten von Fugen mit Silikon oder Schaum sowie die Installation engmaschiger Insektengitter, um das Eindringen in Wohnräume zu verhindern.[3][2] In der Landwirtschaft kommen physikalische Barrieren wie Netze zum Einsatz, während die chemische Bekämpfung oft auf Breitbandinsektizide wie Pyrethroide zurückgreift, deren Effizienz jedoch durch die Mobilität der Wanzen begrenzt ist.[1][2] Im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes (IPM) liegt der Fokus zunehmend auf der biologischen Kontrolle durch den Samurai-Wespen-Eiparasitoiden *Trissolcus japonicus*, der in seinem Ursprungsgebiet Parasitierungsraten von bis zu 80 % erreicht.[1][3] Ergänzend werden innovative Ansätze wie Repellents auf Basis von Tridecan oder der Einsatz spezifischer Bakterienstämme (*Serratia*) zur biologischen Bekämpfung erforscht.[2]