Die Familie *Culicidae* wird taxonomisch der Unterordnung *Nematocera* zugeordnet, einer Gruppe, die sich durch ihre primitive Morphologie von den *Brachycera* (Fliegen) unterscheidet.[1][2] Der wissenschaftliche Name der übergeordneten Gruppe *Nematocera* leitet sich aus dem Griechischen ab (*nēma* für „Faden“ und *kéras* für „Horn“) und verweist auf die vielgliedrigen, fadenförmigen Antennen, die auch für *Culicidae* charakteristisch sind. Historisch ordnete Carl von Linné 1758 entsprechende Arten in seinem Werk *Systema Naturae* noch irrtümlich der Gattung *Acarus* zu, da die Bedeutung der Antennenmorphologie damals noch nicht erkannt wurde. Erst Johann Wilhelm Meigen etablierte 1800 eine Klassifikation basierend auf der Antennenstruktur, wodurch langhörnige Formen wie die *Culicidae* von anderen Dipteren abgegrenzt wurden.[2] John Obadiah Westwood verfeinerte diese Einteilung 1840 unter dem Begriff „Nemocera“, bevor Willi Hennig die Gruppe 1954 formal als Unterordnung definierte.[2][3] Phylogenetische Analysen stellen die *Culicidae* heute in die Infraordnung *Culicomorpha*, die als monophyletische Klade gilt und auch die *Simuliidae* (Kriebelmücken) umfasst.[2] Im internationalen Sprachgebrauch ist die Bezeichnung „Mosquitoes“ (englisch) etabliert, während im Deutschen der Begriff „Mücken“ oft synonym für die gesamte Unterordnung *Nematocera* verwendet wird.[1]
Adulte *Culicidae* weisen einen schlanken, fragilen Körperbau auf, der typischerweise Längen von wenigen Millimetern bis über einen Zentimeter erreicht.[1] Der Kopf ist subglobos geformt und trägt prominente Facettenaugen, die bei Männchen oft dorsal zusammenstoßen (holoptisch).[2] Ein entscheidendes Bestimmungsmerkmal ist der lange Rüssel (Proboscis), der bei Weibchen zu stechend-saugenden Mundwerkzeugen modifiziert ist, während Männchen diesen nur zur Nektaraufnahme nutzen.[1][2] Die Antennen sind lang und vielgliedrig, wobei sie aus einem Scapus, Pedicellus und einem Flagellum mit zahlreichen Segmenten bestehen. Es liegt ein deutlicher Sexualdimorphismus vor: Die Antennen der Männchen sind stark gefiedert (plumos) und tragen dichte Borstenwirtel zur Wahrnehmung weiblicher Pheromone, während sie bei Weibchen schlichter geformt sind. Der Thorax ist für die Flugmuskulatur vergrößert und trägt ein Paar funktionale Flügel sowie Halteren (Schwingkölbchen) zur Stabilisierung. Die Flügeladerung ist ursprünglich, wobei die Subcosta reduziert ist und der Radius oft mehrere freie Äste beibehält. Die Beine sind auffällig lang und dünn, enden in fünfgliedrigen Tarsen und dienen oft dem Sitzen auf Vegetation. Das Abdomen ist langgestreckt, segmentiert und bei Weibchen dehnbar, um die Eiproduktion aufzunehmen.[2] Die Larven besitzen eine wurmartige Gestalt mit einer vollständig ausgebildeten Kopfkapsel (eucephal) und Mundwerkzeugen, die zum Filtrieren oder Weiden geeignet sind.[1][2] Ein charakteristisches Merkmal vieler *Culicidae*-Larven ist der am Hinterleib sitzende Siphon (Atemrohr), durch den sie kopfüber an der Wasseroberfläche hängend atmosphärischen Sauerstoff atmen. Die Puppen sind beweglich (orthorrhaph), besitzen freie Gliedmaßenhüllen und nutzen caudale Strukturen, um im Wasser zu schwimmen. Eier werden von den Weibchen häufig in Form von Flößen aus 100 bis 300 Stück auf der Wasseroberfläche abgelegt, um Austrocknung zu vermeiden.[1] Zur Abgrenzung gegenüber den oft riesenhaft wirkenden Schnaken (*Tipulidae*) dient vor allem das Fehlen des Stechrüssels bei letzteren sowie deren meist deutlich größere Körperlänge. Von den ähnlich aussehenden Zuckmücken (*Chironomidae*) lassen sich Stechmücken durch den langen Rüssel unterscheiden, da Zuckmücken keine stechenden Mundwerkzeuge besitzen.[1][2]
Stechmücken (*Culicidae*) sind medizinisch hochrelevante Vektoren, die für die Übertragung schwerwiegender Krankheiten wie Malaria, Dengue, Zika und das West-Nil-Virus verantwortlich sind.[2] Weibliche Mücken benötigen Blutmahlzeiten zur Eiproduktion und injizieren dabei Speichel, der Antikoagulanzien und potenzielle Pathogene enthält. Dies führt jährlich zu über 700.000 Todesfällen durch vektorübertragene Krankheiten, wobei *Anopheles*-Arten primär Malaria und *Aedes*-Arten Arboviren übertragen.[2] Neben der Infektionsgefahr verursachen die Stiche durch die Immunreaktion auf den Speichel lästigen Juckreiz und lokale Schwellungen. Ökologisch sind sie jedoch keine reinen Schädlinge, da die Larven eine wesentliche Nahrungsquelle in aquatischen Nahrungsnetzen darstellen und adulte Tiere beider Geschlechter durch Nektaraufnahme als Bestäuber fungieren. Die Entwicklung der Larven erfolgt in stehenden Gewässern, Baumhöhlen oder künstlichen Wasseransammlungen (Phytotelmata), wo sie oft anhand ihres Atem-Siphons an der Wasseroberfläche erkennbar sind.[1] Präventionsmaßnahmen fokussieren sich auf das Entfernen solcher Brutstätten (Sanitation) sowie den Einsatz physikalischer Barrieren wie Moskitonetze. Zur chemischen Bekämpfung werden effektiv mit Insektiziden behandelte Bettnetze (ITNs) und das Besprühen von Innenwänden eingesetzt, was die Malaria-Inzidenz signifikant gesenkt hat.[2] Biologische Bekämpfungsstrategien im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes (IPM) nutzen natürliche Feinde, wie etwa die räuberischen Larven der Gattung *Toxorhynchites*, die Populationen von schädlichen Mückenlarven dezimieren.[1] Ein striktes Monitoring ist zunehmend wichtig, da der Klimawandel die Ausbreitung invasiver Arten wie *Aedes albopictus* in kühlere Regionen wie Südeuropa begünstigt.[8]