Fakten (kompakt)
- Die Reismotte (*Corcyra cephalonica*) ist ein bedeutender Schädling in tropischen und subtropischen Regionen, der vor allem gelagerte Körner und trockene Lebensmittel befällt.[1] - Ursprünglich stammt die *C. cephalonica* aus Asien, hat sich aber durch den internationalen Handel weltweit verbreitet. - Die Larven der Reismotte bohren sich in Getreide, fressen Endosperm und Keim und erzeugen ein seidenes Gespinst, das die Körner zu Klumpen verbindet. - Die Larven verunreinigen Produkte mit Kot, Häutungsresten und Seide, was zu Gewichtsverlust, Qualitätsminderung und Ablehnung von Exporten führt. - Adulte Reismotten haben eine Flügelspannweite von 20–25 mm und blassgelbbraune Vorderflügel mit gelblich-grünen Farbtönen und dunkleren Querlinien. - Die Hinterflügel adulter [Motten](/pages/lexikon/motten) sind grauweiß und mit langen Schuppen gesäumt.[1] - Adulte *C. cephalonica* sind nachtaktiv, nehmen keine Nahrung auf und leben 5–10 Tage. - Weibchen legen 100–300 Eier einzeln oder in Gruppen auf Nahrungsoberflächen oder Verpackungen. - Die Eier sind klein, oval und perlmuttartig weiß und schlüpfen in 3–6 Tagen. - Die Larven sind cremeweiß, bis zu 15 mm lang, mit einem dunkelbraunen Kopf und einem Halsschild. - Die Larven durchlaufen 7–8 Stadien über 15–35 Tage und verpuppen sich in dichten, weißen, seidenen Kokons. - Der Lebenszyklus dauert 25–40 Tage bei 25–30 °C und 60–75 % relativer Luftfeuchtigkeit.[1] - *C. cephalonica* spielt eine Rolle in der biologischen Schädlingsbekämpfung als Wirt für die Massenzucht von Parasitoiden und Räubern. - Die Art wird der Familie der Zünsler ([Pyralidae](/pages/lexikon/lebensmittelmotten)) zugeordnet. - Die adulten Motten haben eine Körperlänge von 7 bis 10 mm. - Die Vorderflügel sind strohfarben oder blassgelblich-grün, mit braunen Zickzacklinien und dunklen Flecken. - Die optimalen Temperaturen für die Entwicklung liegen zwischen 25 °C und 33 °C, bei einer relativen Luftfeuchtigkeit zwischen 60 % und 80 %.[1] - *C. cephalonica* ist polyphag und befällt eine Vielzahl von gelagerten Produkten wie Reis, Weizen, Mais, Hülsenfrüchte, Nüsse, Mehl und Gewürze. - Die Larven bevorzugen beschädigte oder fein verarbeitete Körner gegenüber intakten Körnern.[1] - Die durch *C. cephalonica* verursachten Schäden umfassen quantitative und qualitative Auswirkungen, einschließlich Gewichtsverluste und Verunreinigungen.[1]
Die Reismotte führt den wissenschaftlichen Namen *Corcyra cephalonica* (Stainton, 1866). Die Erstbeschreibung veröffentlichte der britische Entomologe Henry Tibbats Stainton im Jahr 1866 unter dem Basionym *Melissoblaptes cephalonica* in Band 2 der Zeitschrift *The Entomologist's Monthly Magazine*. Als Typuslokalität für die untersuchten Exemplare wurde Indien angegeben, von wo aus sich die Art global verbreitete.[1] Später wurde die Spezies in die Gattung *Corcyra* Ragonot, 1885 transferiert, welche als monotypisch gilt und *C. cephalonica* als einzige rezente Art umfasst. Systematisch gehört sie zur Familie der Zünsler ([Pyralidae](/pages/lexikon/lebensmittelmotten)) und wird dort der Unterfamilie Galleriinae zugeordnet. Historisch wurde diese Unterfamilie von einigen Autoren zeitweise als eigenständige Familie Galleriidae geführt. Zu den dokumentierten Synonymen zählen *Corcyra oeconomellus* (Mann, 1872) sowie *Corcyra theobromae* (Dyar, 1919). Weitere historische Bezeichnungen wie *Anerastia lineata* und *Corcyra translineella* entstanden durch regionale Beschreibungen ähnlicher Formen. In einigen modernen Klassifikationen wird die Art auch als *Aphomia cephalonica* geführt, was einer vorgeschlagenen Zusammenlegung der Gattung *Corcyra* mit *Aphomia* entspricht. Neben dem deutschen Trivialnamen Reismotte sind international die englischen Bezeichnungen 'rice moth' oder 'rice meal moth' gebräuchlich.[1]
Die adulte *Corcyra cephalonica* ist ein kleiner Falter mit einer Körperlänge von 7 bis 10 mm und einer Flügelspannweite von 12 bis 25 mm. Der Körper ist mit feinen Schuppen bedeckt und weist eine insgesamt lederbraune bis hellbraune Grundfärbung auf. Die Vorderflügel sind strohfarben oder blass gelblich-grün gefärbt und zeigen oft subtile braune Zickzacklinien entlang der Adern sowie verstreute dunkle Punkte. Im Kontrast dazu sind die Hinterflügel einfarbig weiß, grauweiß oder blass lederfarben und mit langen Fransen gesäumt. Die Antennen der Falter sind fadenförmig ausgebildet. Ein deutlicher Sexualdimorphismus zeigt sich in der Größe, wobei Weibchen mit bis zu 12 mm Körperlänge und 25 mm Spannweite meist größer sind als die Männchen. Zudem lassen sich die Geschlechter an den Labialpalpen unterscheiden: Weibchen besitzen längere, spitz zulaufende Palpen, während diese bei Männchen kürzer und stumpfer sind. Die ovalen, perlweißen Eier sind etwa 0,3 bis 0,5 mm lang und besitzen eine skulpturierte Oberfläche mit einem nippelartigen Fortsatz an einem Ende. Die Larven schlüpfen als cremeweiße [Raupen](/pages/lexikon/raupen) mit einem dunkelbraunen oder rotbraunen Kopf sowie einem prothorakalen Schild. Im ausgewachsenen Stadium erreichen die Larven eine Länge von 15 bis 18 mm und verfügen über drei Paar Thorakalbeine sowie fünf Paar Bauchfüße. Ihr Körper ist mit kurzen Haaren besetzt, wobei sich charakteristischerweise eine Borste (Seta) über jedem Stigma befindet. Ein markantes Bestimmungsmerkmal des Larvenbefalls ist die Bildung von dichten Gespinsten aus Seide, die Körner verklumpen lassen. Die Puppe ist 8 bis 12 mm lang, rotbraun bis lederbraun gefärbt und weist eine gedrungene Form mit einem sich verjüngenden Abdomen auf. Sie ruht in einem weißen Seidenkokon, der häufig an Säcken oder Wänden befestigt wird.[1]
Die Reismotte (*Corcyra cephalonica*) nimmt eine Doppelrolle ein: Sie ist primär ein bedeutender Vorratsschädling in den Tropen und Subtropen, fungiert jedoch gleichzeitig als essenzieller Nützling für die biologische Schädlingsbekämpfung. Das Schadpotenzial resultiert aus der Fraßtätigkeit der Larven an Reis, Hirse, Mais, Nüssen und verarbeiteten Produkten, was zu Gewichtsverlusten von 7–10 % führen kann. Ein charakteristisches Befallsbild sind dichte Seidengespinste, die Körner, Larvenhäute und Exkremente (Frass) zu festen Klumpen verkleben und die Weiterverarbeitung massiv behindern. Gesundheitlich ist der Schädling relevant, da kontaminierte Stäube und Rückstände bei Lagerarbeitern allergische Reaktionen auslösen können.[1] Paradoxerweise werden die Eier und Larven von *C. cephalonica* weltweit als kosteneffizienter Ersatzwirt (Factitious Host) für die Massenzucht von über 60 Parasitoiden- und Räuberarten genutzt. Zur Prävention sind strikte Hygiene (Sanitation) zur Entfernung von Getreideresten und der Einsatz hermetischer Lagersysteme entscheidend. Bauliche Maßnahmen wie feinmaschige Insektenschutzgitter und eine Temperaturkontrolle unter 15 °C stoppen die Larvenentwicklung effektiv. Das Monitoring erfolgt standardmäßig mittels Pheromonfallen, die männliche Falter anlocken und eine Früherkennung ermöglichen.[1] Die Bekämpfung umfasst physikalische Methoden wie den Einsatz von inerten Stäuben (z. B. Kieselgur) sowie chemische Begasungen mit Phosphin, wobei zunehmend Resistenzen gegen Insektizide wie Deltamethrin auftreten.[1] Neuere technologische Ansätze untersuchen pflanzliche Biofumigantien als umweltfreundliche Alternative zu synthetischen Mitteln.[2] Ein integriertes Schädlingsmanagement (IPM) kombiniert diese Ansätze, etwa durch den gezielten Einsatz natürlicher Feinde wie *Trichogramma*-[Schlupfwespen](/pages/lexikon/schlupfwespen) oder *Bracon hebetor* in Rotation mit anderen Maßnahmen.[1]