Die Schwarzgraue Wegameise führt den wissenschaftlichen Namen *Lasius niger* (Linnaeus, 1758) und fungiert als Typusart der Gattung *Lasius* Fabricius, 1804. Carl von Linné begründete die binäre Nomenklatur dieser Art ursprünglich in seinem Werk *Systema Naturae* unter dem Basionym *Formica nigra*. Im Laufe der historischen Taxonomie entstanden durch Neukombinationen Synonyme wie *Acanthomyops nigra* (Mayr, 1861), bevor sich die eigenständige Einordnung in die Gattung *Lasius* durchsetzte. Systematisch wird die Spezies der Tribus Lasiini innerhalb der Unterfamilie der Schuppenameisen (Formicinae) zugeordnet.[1] Im deutschsprachigen Raum ist neben dem Namen Schwarzgraue Wegameise auch die triviale Bezeichnung Gartenameise gebräuchlich, was sich mit den internationalen Namen „black garden ant“ oder „common black ant“ deckt.[3] Moderne morphometrische und molekulare Analysen grenzen *Lasius niger* heute strikt von der nah verwandten Art *Lasius platythorax* Seifert, 1992 ab, die früher oft nicht unterschieden wurde. Auch biogeographisch erfolgte eine taxonomische Revision, da vermeintliche Populationen in Nordamerika mittlerweile als die eigenständige kryptische Art *Lasius ponderosae* identifiziert wurden. Der evolutionäre Ursprung der Gattung *Lasius* wird in Eurasien gegen Ende der Kreidezeit vor etwa 66 Millionen Jahren verortet.[1]
Die Arbeiterinnen von *Lasius niger* sind monomorph und erreichen eine Körperlänge von 3,0 bis 5,0 mm.[1][2] Ihre Grundfärbung variiert von einem glänzenden Schwarz bis zu Dunkelbraun, wobei der Thorax oft etwas heller erscheint.[1] Ein charakteristisches Merkmal ist die dichte, abstehende Behaarung auf Kopf, Antennen, Thorax, Petiolus und Gaster.[1][2] Der Kopf trägt große Augen, einen breit abgerundeten Clypeus sowie grob skulpturierte Mandibeln mit scharfen Zähnen. Die gewinkelten Antennen der weiblichen Kasten bestehen aus 12 Segmenten. Als Schuppenameisen besitzen sie einen eingliedrigen Petiolus und keinen Giftstachel, sondern verteidigen sich durch das Versprühen von Ameisensäure aus der Gasterspitze.[1] Königinnen sind mit 6,0 bis 9,0 mm deutlich größer und weisen einen massiven Thorax sowie nach der Begattung abgeworfene Flügel auf.[1][2] Ihre Färbung ist glänzend schwarz, gelegentlich mit schwachen braunen Streifen auf dem Abdomen. Die schlankeren Männchen messen 3,5 bis 5,0 mm, besitzen 13-gliedrige Antennen und zahnlose Mandibeln. Ihre großen Augen umschließen fast den gesamten quadratischen Kopf, und die Flügel sind hyalin mit dunklen Adern. Die Eier sind weiß, nierenförmig, etwa 0,5 mm lang und besitzen eine klebrige Oberfläche zur Bildung von Eipaketen. Larven entwickeln sich als beinlose, weiße und C-förmige Maden, die bis zu 3 mm heranwachsen. Die Verpuppung erfolgt meist in einem seidenen Kokon, wobei unter sehr feuchten Bedingungen auch Nacktpuppen vorkommen können. Zur Abgrenzung gegen die nah verwandte Art *Lasius platythorax* dienen morphometrische Analysen der Scapuslänge und der Petiolusform. In Nordamerika wurden zudem kryptische Arten wie *Lasius ponderosae* identifiziert, die sich genetisch unterscheiden, aber morphologisch stark ähneln.[1]
Die Schwarzgraue Wegameise (*Lasius niger*) wird überwiegend als Lästling im häuslichen Umfeld sowie als potentieller Vorratsschädling klassifiziert, übernimmt im Garten jedoch auch nützliche Funktionen als Räuber kleiner Arthropoden und durch Bodenbelüftung.[1] Das primäre Schadpotenzial in der Landwirtschaft resultiert aus der Trophobiose mit Blattläusen (z. B. *Aphis fabae*), deren Schutz vor Fressfeinden Schädlingspopulationen fördert.[1] Experimentelle Studien an Ackerbohnen zeigten, dass von Ameisen betreute Blattlauskolonien den Samenertrag signifikant auf durchschnittlich 8 Samen pro Pflanze reduzierten, verglichen mit 56 Samen bei blattlausfreien Pflanzen.[8] Im urbanen Raum führen die unterirdischen Bautätigkeiten gelegentlich zu strukturellen Schäden, wie dem Absacken von Gehwegplatten oder dem Verschieben von Fundamentsand. Ein Eindringen in Gebäude erfolgt oft durch Risse im Mauerwerk oder morsche Holzteile, wobei besonders die massenhaften Hochzeitsflüge im Sommer als Belästigung wahrgenommen werden. Medizinisch ist die Art harmlos, da sie nicht stechen kann und zur Verteidigung lediglich gering konzentrierte Ameisensäure versprüht. Bauliche Präventionsmaßnahmen umfassen das Abdichten von Eintrittspforten sowie die Beseitigung von verrottendem Holz und Nahrungsresten in Gebäudenähe. Für das Monitoring und die Bekämpfung haben sich Fraßköder bewährt, die Zucker als Lockstoff mit verzögert wirkenden Toxinen wie Borsäure oder Fipronil kombinieren. Durch den sozialen Futteraustausch (Trophallaxis) wird der Wirkstoff bis zur Königin transportiert, was eine nachhaltige Nestelimination ermöglicht.[1] Alternativ werden proteinhaltige Köderformulierungen beschrieben, die beispielsweise Eigelb als Attraktans nutzen. Als physikalische Bekämpfungsmethode kommt hydrophobe amorphe Kieselsäure zum Einsatz, welche die wachsartige Kutikula der Ameisen zerstört und deren Austrocknung bewirkt.[3] Biologische Maßnahmen im Sinne des integrierten Pflanzenschutzes (IPM) beinhalten die Applikation entomopathogener Nematoden der Art *Steinernema feltiae* direkt in die Bodennester. Der Einsatz von Breitbandinsektiziden wird vermieden, um ökologisch wertvolle Bestäuber und natürliche Gegenspieler nicht zu gefährden.[1]