Die wissenschaftliche Bezeichnung der Art lautet *Musca domestica* Linnaeus, 1758.[2][1] Die Erstbeschreibung erfolgte durch Carl von Linné in der zehnten Auflage seines Werkes *Systema Naturae*, wobei er sich auf morphologische Merkmale wie die Flügeladerung stützte. Das Art-Epitheton *domestica* verweist etymologisch auf die ausgeprägte synanthrope Lebensweise und die enge Bindung an menschliche Behausungen.[2] Systematisch wird die Art der Familie der Echten Fliegen (Muscidae) und der Gattung *Musca* (Stubenfliegen) zugeordnet.[2][1] Innerhalb der Muscidae gehört *Musca* zur Tribus Muscini, einer Abstammungslinie, die phylogenetisch durch DNA-Sequenzdaten und morphologische Studien gestützt wird.[3] Fossilfunde belegen die Existenz der Gattung *Musca* bereits in der späten Kreidezeit vor etwa 70 Millionen Jahren, während der genetische Ursprung von *M. domestica* im Känozoikum in den Steppen Zentralasiens verortet wird. Im deutschsprachigen Raum ist der Trivialname „Große Stubenfliege“ etabliert.[1] International ist die englische Bezeichnung „Housefly“ gebräuchlich.[2] Archäologische Nachweise, wie mitochondriale DNA aus römischen Siedlungen, bestätigen die jahrtausendealte Verbindung dieser Art zum Menschen.[1]
Die erwachsene *Musca domestica* erreicht eine Körperlänge von 4 bis 8 mm, wobei Weibchen in der Regel größer als Männchen sind. Der Körper ist überwiegend grau gefärbt und weist am Thorax vier charakteristische, schmale schwarze Längsstreifen auf.[2] Der halbkugelförmige Kopf wird von großen, rötlichen Komplexaugen dominiert, die ein weites Sichtfeld ermöglichen.[1] Ein deutlicher Sexualdimorphismus zeigt sich im Augenabstand: Bei Männchen stoßen die Augen dorsal fast zusammen, während sie bei Weibchen durch einen breiteren Spalt getrennt sind. Die Mundwerkzeuge sind als leckend-saugender Rüssel (Proboscis) ausgebildet, der am Ende ein Labellum mit Pseudotracheen zur Aufnahme verflüssigter Nahrung besitzt.[2][1] Die kurzen Antennen sind dreigliedrig und tragen eine Borste (Arista).[1] Ein wichtiges Bestimmungsmerkmal der häutigen Flügel ist die vierte Längsader, die einen scharfen Knick nach oben aufweist.[2] Hinter den Flügeln befinden sich die Schwingkälbchen (Halteren), die als Stabilisatoren dienen.[1] Das Abdomen ist eiförmig, grau bis gelblich gefärbt und zeigt eine dunkle mittlere Rückenlinie sowie unregelmäßige seitliche Zeichnungen.[2][1] Die Unterseite des Hinterleibs erscheint bei Männchen gelblich. Weibchen verfügen über einen teleskopartigen Legebohrer (Ovipositor), der aus den hinteren Segmenten gebildet wird.[2] Die Beine enden in fünfgliedrigen Tarsen, die mit Krallen und Haftpolstern (Pulvillen) für den Halt auf glatten Oberflächen ausgestattet sind.[2][1] Die Eier sind länglich, weiß und messen etwa 1 bis 1,2 mm. Die beinlosen, zylindrischen Larven (Maden) wachsen über drei Stadien von 1 mm auf bis zu 12 mm heran. Die Verpuppung erfolgt in einem tönnchenförmigen, rotbraunen Puparium von 6 bis 9 mm Länge, das aus der erhärteten Haut des letzten Larvenstadiums besteht.[2]
Die Große Stubenfliege (*Musca domestica*) gilt primär als bedeutender Hygiene- und Lästlingsschädling, der als mechanischer Vektor über 100 pathogene Erreger wie Salmonellen, Shigellen, *E. coli* und Cholera-Bakterien überträgt.[2][3] Die Kontamination erfolgt durch Regurgitation von Verdauungssäften, Defäkation sowie den direkten Kontakt der behaarten Körperoberfläche mit Lebensmitteln oder Wunden.[1] Zudem spielen Stubenfliegen eine Rolle bei der Verbreitung antibiotikaresistenter Keime, einschließlich MRSA, was ihre medizinische Relevanz in Krankenhäusern und landwirtschaftlichen Betrieben unterstreicht.[4] Trotz des hohen Schadpotenzials fungieren die Larven ökologisch als Zersetzer organischer Abfälle und finden in der forensischen Entomologie zur Bestimmung des Todeszeitpunkts (Post-Mortem-Intervall) Anwendung.[1] Das Fundament des Managements bildet strikte Hygiene, insbesondere die zweiwöchentliche Entfernung von Brutsubstraten wie Tierdung und Müll, um den Entwicklungszyklus der Larven zu unterbrechen. Bauliche Barrieren wie Fliegengitter an Fenstern und Türen verhindern effektiv das Eindringen der Adulten in Wohn- und Produktionsbereiche. Zur Befallsüberwachung und Reduktion werden UV-Lichtfallen, Klebebänder sowie Köderfallen eingesetzt, wobei neuere Entwicklungen auch bakterielle Lockstoffe nutzen.[2] Die chemische Bekämpfung erfolgt oft mittels Pyrethroiden, jedoch erschweren weltweit verbreitete Resistenzen, bedingt durch *kdr*-Genmutationen und metabolische Entgiftung, den Einsatz zunehmend.[2][3] Als Alternativen oder Repellents werden Verbindungen wie Geraniol oder spezifische Lockstoffe auf Jasmin-Basis beschrieben. Biologische Maßnahmen umfassen den Einsatz von Schlupfwespen wie *Muscidifurax raptor* oder *Spalangia cameroni*, die Fliegenpuppen parasitieren und in geschlossenen Ställen Parasitierungsraten von bis zu 80 % erreichen können. Eine Integrierte Schädlingsbekämpfung (IPM) kombiniert diese biologischen und physikalischen Methoden mit sanitären Maßnahmen, um den Insektizideinsatz zu minimieren und Resistenzbildungen entgegenzuwirken.[2]