Fakten (kompakt)
- Die Nebenblätter an der Blattbasis sind gezähnt und können violette extraflorale Nektarien aufweisen. - Das Innere der Hülsen besitzt eine wollige Textur, während sich die Außenhülle bei vollständiger Reife dunkelbraun bis schwarz verfärbt. - Die Blütenkronblätter sind auf den Flügeln und dem Schiffchen häufig mit violetten oder schwärzlichen Flecken gezeichnet. - Neben grünen und beigen Varianten können die Samen rötliche bis schwarze Färbungen annehmen und zeigen einen auffälligen dunklen Nabel (Hilum). - Der Proteingehalt der Samen und unreifen Hülsen liegt zwischen 25 und 33 %. - Für die Knospenentwicklung und eine effiziente Bestäubung sind Temperaturen von 15 bis 18 °C ideal. - Die Samen besitzen eine bemerkenswerte Langlebigkeit und können über längere Zeiträume im Boden lebensfähig bleiben. - In der Küche ist *Vicia faba* eine Hauptzutat für das Gericht *Ful medames*. - Im spanischen Sprachraum wird die Art als „habas“, im Portugiesischen und Galicischen als „favas“ bezeichnet.[9]
Der wissenschaftliche Name *Vicia faba* wurde 1753 von Carl von Linné in seinem Werk *Species Plantarum* etabliert. Taxonomisch wird die Art innerhalb der Gattung *Vicia* in die Sektion *Faba* gestellt, eine monotypische Sektion, die durch große Samen und einen aufrechten Wuchs definiert ist. Phylogenetisch gehört sie zur Tribus Fabeae und weist eine enge Verwandtschaft zu *Vicia sativa* (Futterwicke) und *Pisum sativum* (Erbse) auf.[1] Historische Synonyme unterscheiden oft Varietäten basierend auf der Samengröße, wie *Vicia faba* var. *major* („broad bean“) und *V. faba* var. *minor* („field bean“). Im deutschen Sprachraum wird die Pflanze als Ackerbohne bezeichnet, wie auch aktuelle patentrechtliche Beschreibungen belegen. International sind die Trivialnamen „broad bean“, „fava bean“ oder „faba bean“ im Englischen sowie „habas“ im Spanischen und „favas“ im Portugiesischen geläufig.[1] Ein wilder Vorfahre der Art ist unbekannt und möglicherweise ausgestorben, wobei der Ursprung der Domestikation im Nahen Osten verortet wird.[2] Die evolutionäre Abspaltung der Linie von anderen Leguminosen erfolgte vor etwa 20 bis 25 Millionen Jahren im mittleren Miozän.[1]
Die Ackerbohne (*Vicia faba*) wächst als aufrechte, einjährige oder kurzlebige ausdauernde krautige Pflanze, die typischerweise Wuchshöhen von 0,6 bis 2,1 Metern erreicht, wobei manche Sorten unter optimalen Bedingungen bis zu 2,5 Meter groß werden.[2][1] Die kräftigen Stängel sind hohl und im Querschnitt quadratisch, wobei sie sich oft von der Basis her verzweigen und einen buschigen Habitus bilden, der den aufrechten Wuchs stützt. Die wechselständigen, gefiederten Laubblätter bestehen aus zwei bis drei Paaren von eiförmigen bis elliptischen Fiederblättchen, die bis zu 30 mm lang und 15 mm breit werden. An der Blattbasis befinden sich gezähnte Nebenblätter (Stipeln), die charakteristische purpurfarbene extraflorale Nektarien aufweisen können. Die zwittrigen Blüten sind 1,5 bis 2,5 cm lang und stehen in kurzen, achselständigen Trauben von ein bis fünf Einzelblüten an bis zu 5 cm langen Blütenstielen. Die Kronblätter zeigen eine weiße Fahne, während die Flügel und das Schiffchen oft mit purpurnen oder schwärzlichen Flecken gezeichnet sind. Die Früchte sind ledrige, zylindrische Hülsen von 5 bis 25 cm Länge und 1 bis 2,5 cm Breite, die im unreifen Zustand grün und glatt sind. Zur Reife verfärben sich die Hülsen dunkelbraun bis schwarz und weisen ein wolliges Inneres auf, bevor sie aufplatzen. Jede Hülse enthält drei bis acht große, abgeflachte, ovale Samen, die je nach Sorte beige, braun, rötlich oder schwarz gefärbt sind und einen markanten dunklen Nabel (Hilum) besitzen. Mit einem Samendurchmesser von typischerweise 1 bis 2,5 cm unterscheidet sich *Vicia faba* (Sektion Faba) deutlich von den kleinsamigen, rankenden Arten anderer *Vicia*-Sektionen. Das Wurzelsystem umfasst eine flache Pfahlwurzel mit ausgedehnten Seitenwurzeln, an denen sich Knöllchen für die Symbiose bilden. Cytologisch ist die Art durch einen diploiden Chromosomensatz von 2n = 12 charakterisiert, der aus sechs Paaren großer Chromosomen besteht.[2]
Vicia faba gilt primär als wertvolle Kulturpflanze, die durch Symbiose mit Rhizobium-Bakterien 100 bis 250 kg Stickstoff pro Hektar fixiert und die Bodenfruchtbarkeit nachhaltig verbessert.[2][1] Medizinisch ist die Pflanze jedoch hochrelevant als Auslöser des Favismus, einer akuten hämolytischen Anämie bei Menschen mit genetischem Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel, verursacht durch die Toxine Vicin und Convicin in den Samen.[7][3] Gleichzeitig wird der natürliche Gehalt an L-DOPA pharmazeutisch zur unterstützenden Behandlung der Parkinson-Krankheit genutzt, während bioaktive Peptide potenziell blutdrucksenkende Eigenschaften aufweisen.[8][3] Zu den bedeutendsten Schädlingen zählt die Schwarze Bohnenlaus (*Aphis fabae*), die durch Saugtätigkeit und die Übertragung von Viren wie dem Bohnengelbmosaikvirus (BYMV) Ertragsverluste von über 50 % verursachen kann.[1][3] Ein relevanter Vorratsschädling ist der Ackerbohnenkäfer (*Bruchus rufimanus*), dessen Larven sich in die Samen bohren und deren Keimfähigkeit sowie Marktwert massiv mindern.[3] Pilzliche Erkrankungen wie die Schokoladenfleckenkrankheit (*Botrytis fabae*) und Rost (*Uromyces viciae-fabae*) führen besonders in feuchten Klimaten zu massiven Schäden an Blättern und Stängeln.[2] Präventive Maßnahmen umfassen weite Fruchtfolgen zur Unterbrechung von Infektionszyklen sowie den Mischanbau mit Getreide, der den Schädlingsdruck senkt und die Flächenproduktivität um 20 bis 30 % steigern kann.[4][5] Im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes (IPM) wird die Förderung natürlicher Feinde wie Marienkäfer und Schlupfwespen priorisiert, um Blattlauspopulationen biologisch zu regulieren.[3] Chemische Bekämpfungsmaßnahmen wie der Einsatz von Fungiziden erfolgen meist kurativ, wobei zunehmende Resistenzen gegen Insektizide (z. B. Neonicotinoide) problematisch sind. Die Züchtung fokussiert sich auf krankheitsresistente Sorten sowie Genotypen mit reduziertem Vicin-Gehalt, um die Nutzungssicherheit zu erhöhen.[2] Neuere Patentanmeldungen untersuchen zudem Extrakte der Pflanze auf antikonvulsive Wirkungen sowie zur Steigerung der Muskelfunktion durch mTOR-Aktivierung.[1] Zur Vermeidung gesundheitlicher Schäden ist die Verarbeitung durch Kochen oder Rösten essenziell, da dies antinutritive Faktoren signifikant reduziert.[2]