Fakten (kompakt)
- Die Familie Pholcidae ist sehr artenreich und umfasst etwa 2.055 Spezies in 97 Gattungen (Stand November 2025).[13] - Zu den historischen Synonymen der Art zählen *Aranea meticulosa* (Fourcroy, 1785) und *Pholcus nemastomoides* (C. L. Koch, 1837). - Ein Gelege besteht aus 25 bis 60 Eiern, die vom Weibchen in Seide gehüllt und etwa neun Tage lang bis zur Zerstreuung der Jungtiere bewacht werden. - Das Gift der Spinne dient dazu, die Beute zu immobilisieren und anschließend für den Verzehr zu verflüssigen. - Phylogenetisch bildet die Gattung *Pholcus* eine monophyletische Klade, die eng mit den Gattungen *Uthina*, *Calapnita* und *Panjange* verwandt ist. - Innerhalb der Systematik wird die Unterfamilie Pholcinae als Schwestergruppe der Smeringopinae eingeordnet. - Die Beine der Spinne sind transluzent und mit feinen Haaren besetzt. - Evolutionär gelten die langen Beine und unregelmäßigen Netze als abgeleitete Merkmale von radnetzbauenden Vorfahren, was die Navigation in engen Räumen erleichtert. - Die Familie Pholcidae unterteilt sich in fünf Unterfamilien, wobei die Ninetinae die basale Gruppe darstellen. - Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich explizit auch auf Neuseeland und zahlreiche Inseln weltweit.[13]
Die Art *Pholcus phalangioides* wurde ursprünglich im Jahr 1775 von dem Schweizer Naturforscher Johann Kaspar Füssli unter dem Basionym *Aranea phalangioides* in dessen Werk über Schweizer Insekten wissenschaftlich beschrieben.[5][2] Der Gattungsname *Pholcus* leitet sich vom griechischen Wort *pholkos* ab, was „krumm“ oder „lahm“ bedeutet und vermutlich auf die charakteristisch langen, dünnen Beine der Spinne anspielt. Das Art-Epitheton *phalangioides* verweist auf die visuelle Ähnlichkeit zu den Weberknechten (Ordnung Opiliones, früher Phalangida), wobei das griechische Wort „phalanx“ ein Finger- oder Zehenglied bezeichnet.[1] Im Laufe der taxonomischen Geschichte wurden der Art mehrere jüngere Synonyme zugeordnet, darunter *Aranea meticulosa* (Fourcroy, 1785) und *Pholcus nemastomoides* (C. L. Koch, 1837). Systematisch wird die Spezies in die Familie der Zitterspinnen (Pholcidae) und dort in die Unterfamilie Pholcinae eingeordnet, wo sie eine monophyletische Gruppe mit verwandten Gattungen wie *Uthina* und *Calapnita* bildet.[1] Fossile Belege deuten auf einen Ursprung der Familie in der frühen Kreidezeit hin, wobei *Pholcus*-artige Formen in Bernsteinvorkommen des Eozäns aus dem Pariser Becken und dem Baltikum nachgewiesen wurden.[2] Im deutschen Sprachraum ist die Bezeichnung „Zitterspinne“ etabliert, was sich auf das defensive Verhalten bezieht, bei Bedrohung im Netz schnell zu schwingen oder zu „zittern“.[1][3] International, besonders im englischen Sprachraum, sind die Trivialnamen „long-bodied cellar spider“ sowie „daddy long-legs spider“ gebräuchlich, wobei letzterer Begriff auch für Weberknechte verwendet wird. Die Familie Pholcidae umfasst mittlerweile über 2.055 Arten in fast 100 Gattungen, wobei *P. phalangioides* als eine der bekanntesten synanthropen Vertreterinnen gilt.[5]
Pholcus phalangioides ist eine kleine pholcoide Spinne mit einem schlanken, länglichen Körperbau, wobei Weibchen eine Körperlänge von 7–8 mm und Männchen etwa 6 mm erreichen.[1][8] Die Grundfärbung ist blass gelblich-braun bis durchscheinend grau-braun, wobei der auffällig breite Cephalothorax (Prosoma) zentral einen prominenten grauen Fleck aufweist. Das zylindrische Opisthosoma (Hinterleib) ist etwa dreimal so lang wie breit und zeigt oft dunklere Musterungen in Form von gepaarten Flecken oder V-förmigen Zeichnungen. Auf dem Kopfbereich befinden sich acht Augen, die in drei Gruppen angeordnet sind: ein Paar kleiner, dunkler vorderer Mittelaugen flankiert von zwei seitlichen Triaden größerer, hellerer Augen. Die Cheliceren sind klein und robust gebaut, wobei sie bei Weibchen speziell für das Tragen der in Seide gehüllten Eiersäcke modifiziert sind. Charakteristisch sind die im Verhältnis zum Körper extrem langen und dünnen Beine, die transluzent erscheinen, sodass unter Vergrößerung interne Strukturen wie Blutzellen sichtbar sind. Die Beine bestehen aus sieben Segmenten, wobei die Tarsen besonders flexibel sind und ein enges Einrollen ermöglichen.[1] Ein deutlicher Sexualdimorphismus zeigt sich in der Beinlänge: Während weibliche Beine etwa 50 mm messen, erreichen die der Männchen Längen von bis zu 60 mm, was deren Mobilität bei der Paarungssuche erhöht.[8] Männchen besitzen zudem massiv vergrößerte, U-förmige Pedipalpen, die komplexe Strukturen wie Procursus, Embolus und Uncus zur Spermaübertragung tragen.[8][3] Weibchen verfügen hingegen über eine Epigyne, die als sklerotisierte, dreieckige Platte mit einem anterioren Haken über der Genitalöffnung ausgebildet ist. Juvenile Stadien durchlaufen mehrere Häutungen und ähneln den Adulten, wobei subadulte Männchen keulenförmig verdickte Pedipalpen entwickeln, bevor die sklerotisierten Kopulationsorgane nach der letzten Häutung vollständig ausgeformt sind.[3] Die Eigelege bestehen aus 20 bis 60 Eiern, die vom Weibchen in einen nur spärlich mit Seide umhüllten Ballen verpackt und permanent in den Cheliceren getragen werden.[2][3] Aufgrund der extremen Beinlänge ähnelt die Art oberflächlich den Weberknechten (Opiliones), unterscheidet sich jedoch durch die deutliche Zweiteilung des Körpers.[5]
Obwohl *Pholcus phalangioides* in Gebäuden oft als Lästling wahrgenommen wird, erfüllt die Art ökologisch eine nützliche Funktion als biologischer Schädlingsbekämpfer.[1] Sie erbeutet aktiv synanthrope Insekten wie Fliegen, Mücken und Schaben sowie andere Spinnen, wodurch sie zur natürlichen Regulation von Innenraumpopulationen beiträgt und den Bedarf an synthetischen Pestiziden senken kann.[3][10] Entgegen weitverbreiteter Mythen stellt die Zitterspinne keine medizinische Gefahr für den Menschen dar, da ihr Gift nur eine geringe Toxizität aufweist.[3][2] Bissunfälle sind extrem selten und verursachen lediglich leichte Symptome wie kurzes Brennen oder lokale Rötungen, ohne Risiko für Nekrosen oder systemische Effekte.[2][9] Materielle Schäden an der Bausubstanz verursacht die Art nicht; das Schadbild beschränkt sich auf die optische Beeinträchtigung durch unregelmäßige Raumnetze in Zimmerecken, Kellern und Deckenbereichen.[11][2] Zur Befallsanzeige dienen primär diese charakteristischen Gespinste, die oft kopfüber hängende Spinnen beherbergen.[1] Im Rahmen einer integrierten Schädlingsbekämpfung (IPM) wird auf den Einsatz chemischer Mittel meist verzichtet, da mechanische Methoden wie das Absaugen von Netzen und Tieren ausreichend und ungiftig sind.[7][12] Präventiv wirken Maßnahmen zur Reduktion der Luftfeuchtigkeit und das Abdichten von Zugängen, um das Eindringen von Beuteinsekten zu minimieren.[1] Jüngste Forschungen heben zudem das biomedizinische Potenzial hervor: Die Spinnenseide zeigt antibakterielle Wirkung gegen Erreger wie *Staphylococcus aureus* und fördert die Wundheilung.[3][1] Zudem wird die Dragline-Seide aufgrund ihrer Biokompatibilität und Zugfestigkeit zur Herstellung von Linsen für die biologische Bildgebung genutzt.[1]