Ein neuer Olivenbaum für die Terrasse aus dem Gartencenter – was als Bereicherung für die eigene grüne Oase gedacht ist, kann sich schnell zu einem massiven Problem entwickeln. Die invasive Große Drüsenameise (Tapinoma magnum) breitet sich in Deutschland weiter aus. Ihr Haupttransportmittel? Wir Menschen. Wenn sich die extrem anpassungsfähige und aggressive Superameise erst einmal auf einem Grundstück etabliert hat, ist sie kaum noch zu vertreiben. Daher ist die Prävention das mit Abstand wichtigste Mittel im Umgang mit dieser Art. In diesem Artikel erfährst du, wie du verhinderst, dass Tapinoma magnum überhaupt erst in deinen Garten gelangt, worauf du beim Pflanzenkauf achten musst und wie du dein Grundstück durch gezielte bauliche Maßnahmen unattraktiv für die Ansiedlung machst.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Haupteinschleppungsweg: Tapinoma magnum gelangt meist über die Wurzelballen mediterraner Kübel- und Topfpflanzen aus Gärtnereien in unsere Gärten.
- Strikte Quarantäne: Verdächtige Topfpflanzen sollten vor dem Einpflanzen für 24 Stunden komplett in Wasser getaucht werden.
- Keine Weitergabe: Aus Befallsgebieten dürfen weder Pflanzen noch Erdaushub oder Grünschnitt an Nachbarn oder in andere Regionen weitergegeben werden.
- Bauliche Prävention: Pflastersteine sollten in grobem Splitt oder Mörtel verlegt werden, da die Ameisen Sandunterbauten massiv unterhöhlen.
- Nahrungsentzug: Mülltonnen sichern, Blattläuse bekämpfen und keine zucker- oder proteinreichen Abfälle kompostieren.

Der Hauptweg der Einschleppung: Mediterrane Topf- und Kübelpflanzen
Die Große Drüsenameise stammt ursprünglich aus dem westlichen Mittelmeerraum und Nordafrika [4]. Dass sie heute nach Stand Herbst 2025 in mindestens 92 deutschen Kommunen – mit Schwerpunkt in der Oberrheinebene – zu finden ist, liegt nicht an einer natürlichen Wanderung. Der Erstnachweis in Deutschland im Jahr 2009 erfolgte bezeichnenderweise in einer Baumschule und in Gartencentern in Rheinland-Pfalz [1]. Der internationale Handel mit Zierpflanzen ist der Motor ihrer Ausbreitung.
Besonders die Erdballen mediterraner Kübel- und Topfpflanzen wie Olivenbäume gelten als Haupteinschleppungsweg. Da Tapinoma magnum polygyne (viele Königinnen) und polydome (viele Nester) Superkolonien bildet, kann sich schon eine kleine, abgespaltene Teilkolonie in einem Wurzelballen an einem neuen Ort festsetzen [1].
Pflanzen vor dem Kauf und Einpflanzen kontrollieren
Der wichtigste Schritt zur Vorbeugung beginnt bereits im Gartencenter. Kaufe niemals Pflanzen, an deren Töpfen oder auf deren Erde du ungewöhnlich viele, kleine, komplett schwarze Ameisen (ca. 2 bis 4 mm groß) herumlaufen siehst. Wenn du Pflanzen geliefert bekommst oder gekauft hast, solltest du sie zu Hause nicht sofort ins Beet setzen. Hebe die Pflanze vorsichtig aus dem Topf und kontrolliere den Wurzelballen genau. Bemerkst du ein starkes Gewimmel oder fallen dir weiße, nackte Puppen (ohne Kokon) auf, ist höchste Vorsicht geboten [2].
Praxis-Tipp: Das 24-Stunden-Wasserbad
Wenn du den Verdacht hast, dass sich in einer neu gekauften Topfpflanze Ameisen eingenistet haben, stelle den kompletten Topf (bzw. den Wurzelballen) für 24 Stunden vollständig unter Wasser [2]. Laut Stadt Karlsruhe sterben die Ameisen so ab, bevor sie in deinen Garten übersiedeln können. Prüfe vorher, ob deine Pflanze ein längeres Wasserbad verträgt.

Erde, Grünschnitt und Ableger: Die unsichtbare Gefahr im Garten
Ist eine Nachbarschaft oder eine Gemeinde bereits von Tapinoma magnum betroffen, ändert sich die Dynamik der Ausbreitung. Nun sind es oft unbedachte Gartenarbeiten, die zur weiteren Verschleppung führen. Die Ameisen nisten extrem gerne im Wurzelwerk von Pflanzen und legen dort ihre Eier ab [3].
Keine Pflanzen verschenken
Es ist eine schöne Tradition unter Gärtnern, Ableger, geteilte Stauden oder überzählige Topfpflanzen an Freunde und Nachbarn weiterzugeben. In Befallsgebieten muss dies jedoch strikt unterlassen werden. Durch das Verschenken von Pflanzen aus dem eigenen Garten verringert sich zwar nicht das eigene Problem, aber das Risiko, dass die Superameise versehentlich an völlig neue, bisher unbefallene Orte gelangt, ist enorm hoch [3].
Der richtige Umgang mit Erdaushub und Grünschnitt
Auch bei Bauarbeiten, beim Ausheben von Beeten oder beim Zurückschneiden von Hecken ist Vorsicht geboten. Erdaushub aus einem befallenen Gebiet darf unter keinen Umständen in andere Regionen transportiert oder dort für Auffüllarbeiten genutzt werden. Gleiches gilt für Grünschnitt. Da die Ameisen auch in dichten Heckenstrukturen oder an Wurzeln nisten, müssen anfallender Grünschnitt und Wurzelballen vor der Entsorgung zwingend untersucht werden.
Achtung: Grünschnitt niemals in der Natur entsorgen!
Gartenabfälle aus Befallsgebieten dürfen ausschließlich bei offiziellen, zugelassenen Annahmestellen entsorgt werden. Entsorge sie nie in der freien Natur, sonst verschleppst du die Ameisen womöglich an neue Orte. Zudem wird empfohlen, starke Rückschnitte in die Wintermonate (Dezember bis Februar) zu legen, da die Ameisen dann weniger aktiv sind [3].

Das eigene Grundstück unattraktiv machen (Bauliche Prävention)
Wenn sich Tapinoma magnum in der Nachbarschaft ausbreitet, kannst du durch gezielte bauliche und gestalterische Maßnahmen verhindern, dass sie sich auf deinem Grundstück wohlfühlt. Die Art bevorzugt warme, trockene und sandige Untergründe, in denen sie ihre bis zu einem Meter tiefen Nester leicht anlegen kann [1].
Pflasterflächen und Wege sichern
Eines der größten Schadbilder der Großen Drüsenameise ist das massive Unterhöhlen von Gehwegen, Terrassen und Parkplätzen. Der typische Sandauswurf zwischen den Fugen führt schnell zum Absacken der Steine [2]. Um dem vorzubeugen, sollten neue Wege und Pflasterflächen niemals auf einem reinen Sandbett verlegt werden. Nutze stattdessen groben Splitt oder ein festes Mörtelbett. Je gröber das Substrat, desto schlechter können die Ameisen darin graben [5]. Bestehende, stark sandige Randbereiche (Kantensteine, Treppen) können abgegraben und mit Lehm oder dichtem organischem Material aufgefüllt werden.
Risse versiegeln und Vegetation anpassen
Spalten zwischen der Hausfassade und dem Asphalt oder Pflaster des Bürgersteigs sind beliebte Nistplätze, da sich diese Bereiche durch die Sonneneinstrahlung stark erwärmen. Solche Fugen sollten präventiv mit Beton oder geeignetem Fugenmaterial versiegelt werden [5]. Auch die Gartengestaltung spielt eine Rolle: Tapinoma magnum meidet schattige, feuchte Flächen sowie dichte Vegetation. Eine hochgrasige Wiese, dichter Rasen in Baumscheiben oder das Abdecken von offenen Pflanzflächen mit Rindenmulch, Kaffeesatz oder Komposterde macht den Boden für die Ameisen deutlich unattraktiver [2].
Nahrungsquellen entziehen und Hauszugänge blockieren
Neben Nistplätzen suchen die riesigen Kolonien vor allem eines: Nahrung. Tapinoma magnum ist omnivor (Allesfresser) und nicht wählerisch. Sie fressen Insekten, Aas und Süßes. Um eine Ansiedlung zu verhindern, muss das Nahrungsangebot drastisch reduziert werden.
Blattläuse als Motor der Superkolonie
Wie viele heimische Ameisen melken auch die invasiven Arten Blatt-, Schild- und Wurzelläuse, um an den zuckerhaltigen Honigtau zu gelangen. Sie fördern und beschützen diese Schädlinge regelrecht [2]. Kontrolliere Bäume und Sträucher (insbesondere Efeu, Obstbäume und Rosen) regelmäßig auf Blattläuse. Mehrere Leimringe an den Stämmen hindern die Ameisen lokal und mittelfristig daran, in die Kronen aufzusteigen und die Läuse zu bewirtschaften. Ohne diese verlässliche Kohlenhydratquelle wird das Grundstück für die Ameisen weniger lukrativ.
Mülltonnen und Kompost sichern
Vermeide es, zuckerhaltige oder proteinreiche Lebensmittelabfälle auf dem offenen Gartenkompost zu entsorgen [3]. Auch Mülltonnen sind eine Futterquelle. Du kannst Mülltonnen sichern, indem du Leimringe oder Klebebänder anbringst oder den Standplatz der Tonne regelmäßig mit einer Barriere aus Kieselgur (amorphes Siliziumdioxid) umrandest [2]. Kieselgur trocknet die Insekten bei Kontakt aus, muss im Außenbereich aber nach Regen erneuert werden.
Das Haus vor dem Eindringen schützen
Wenn die Ameisen auf dem Grundstück sind, ist der Weg ins Haus oft nicht weit. Sie dringen durch kleinste Öffnungen im Mauerwerk ein und können sogar Störungen an Elektroanlagen und Internetkabeln verursachen [2]. Verschließe Risse im Fundament, an Kellerfenstern und Türschwellen sorgfältig. Als temporäre Barrieren an Terrassentüren oder Lüftungsschlitzen eignen sich Streifen aus Kieselgur oder Vaseline, die regelmäßig erneuert werden müssen.
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie kommt Tapinoma magnum in meinen Garten?
Der häufigste Einschleppungsweg sind die Wurzelballen von mediterranen Topf- und Kübelpflanzen (z. B. Olivenbäume), die über Gartencenter oder Baumschulen gekauft werden. Auch über Erdaushub oder Grünschnitt aus bereits befallenen Nachbargebieten kann die Ameise übertragen werden.
Was soll ich tun, wenn ich Ameisen in einer neu gekauften Topfpflanze entdecke?
Pflanze das Gewächs nicht sofort ein. Stelle den kompletten Topf oder Wurzelballen für 24 Stunden vollständig unter Wasser. So sterben die Ameisen im Erdreich ab (Empfehlung der Stadt Karlsruhe). Prüfe vorher, ob deine Pflanze das verträgt.
Darf ich Pflanzen aus meinem Garten verschenken, wenn Tapinoma magnum in der Nähe ist?
Nein, in Befallsgebieten solltest du strikt darauf verzichten, Ableger, Stauden oder Topfpflanzen weiterzugeben. Das Risiko ist zu groß, dass sich unbemerkt Königinnen oder Arbeiterinnen in der Erde befinden und so neue Superkolonien an anderen Orten gegründet werden.
Wie schütze ich meine Pflastersteine vor der Unterhöhlung durch diese Ameisen?
Verzichte bei neuen Wegen und Terrassen auf ein reines Sandbett, da die Ameisen dieses leicht ausgraben. Verlege Pflastersteine stattdessen in grobem Splitt oder in einem festen Mörtelbett. Versiegele zudem Risse zwischen Hausfassade und Gehwegen.
Wohin mit dem Grünschnitt, wenn ich einen Befall vermute?
Grünschnitt und Wurzelballen aus Befallsgebieten dürfen ausschließlich bei offiziellen, zugelassenen Annahmestellen entsorgt werden. Entsorge Gartenabfälle niemals in der freien Natur oder im Wald, da sich die Kolonien dort ungehindert weiter ausbreiten können.
Fazit
Die Bekämpfung einer etablierten Superkolonie von Tapinoma magnum ist extrem langwierig, kostspielig und mit ungewissem Ausgang. Daher ist die Vorbeugung der wichtigste Hebel, den du als Gartenbesitzer hast. Kontrolliere neue Pflanzen akribisch, nutze im Zweifelsfall das 24-Stunden-Wasserbad und achte penibel darauf, keinen Erdaushub oder Grünschnitt aus Befallsgebieten zu übernehmen oder weiterzugeben. Indem du dein Grundstück durch Splittbetten, dichte Vegetation und den Entzug von Nahrungsquellen unattraktiv gestaltest, baust du eine starke erste Verteidigungslinie auf. Wachsamkeit und konsequentes Handeln sind der beste Schutz vor dieser invasiven Art.
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- Lexikon: Tapinoma magnum (Große Drüsenameise)
Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Quellenverzeichnis
- Verhaagh, M. & Höcherl, A. (2025): Tapinoma magnum. Vortrag, 9. Hessische Landesnaturschutztagung „Double trouble – Klimawandel und Neobiota“, 03.09.2025. (PDF/Link)
- Stadt Karlsruhe, Gartenbauamt (Stand Dezember 2025): Invasive Ameisen – Vorbeugen, Erkennen, Bekämpfen. Information für private Eigentümer*innen (Faltblatt). (PDF/Link)
- Stadt Wiesloch (o. J.): Invasive Ameisen in Wiesloch – Informationen zur Tapinoma magnum (Flyer). (PDF/Link)
- Stadtverwaltung Kehl (2025): Erfahrungen bei der Bekämpfung von Tapinoma magnum mit dem Heißwasserverfahren. Online-Workshop Umweltbundesamt, 26.06.2025. (PDF/Link)
- Gemeinde Stockstadt: Bekämpfungsverfahren gegen Tapinoma magnum (Liste von Bekämpfungsmethoden). (PDF/Link)
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