Warum die Lagererzwespe gegen Holzwürmer versagte – und was wirklich hilft: Der Fall Erfurter Dom
Biologische Schädlingsbekämpfung klingt wie der Heilige Gral: Keine Chemie, keine Rückstände, einfach die Natur machen lassen. Doch ein prominentes Experiment im Erfurter Dom zeigt, dass gut gemeint nicht immer gut gemacht ist. Wir rollen den Fall neu auf und zeigen, warum die "Wunderwaffe" Lagererzwespe scheiterte und welche Alternativen es wirklich gibt.
Wer den Begriff „Holzwurm“ hört, denkt oft sofort an die chemische Keule. Doch der Wunsch nach sanften Methoden ist groß. Vor allem im Jahr 2005 blickte die Fachwelt gespannt nach Erfurt. Dort sollte ein biologisches Experiment Geschichte schreiben und ein unbezahlbares Kunstwerk retten. Es endete jedoch mit einer ernüchternden Erkenntnis.
Das Experiment: Wespen statt Giftgas am Lucas-Cranach-Altar
Im Erfurter Dom war der weltberühmte Lucas-Cranach-Altar vom Gemeinen Nagekäfer (Anobium punctatum), im Volksmund Holzwurm genannt, befallen. Eine herkömmliche Begasung oder Wärmebehandlung schien riskant für das empfindliche Kunstwerk.
Die Idee der Verantwortlichen klang genial: Man setzt auf die Lagererzwespe (Lariophagus distinguendus). Diese winzige Schlupfwespenart hatte sich zuvor einen hervorragenden Ruf bei der Bekämpfung von Vorratsschädlingen gemacht. Sie spürt Kornkäfer in Getreidesilos auf, lähmt die Larven und legt ihre Eier darauf ab – der Schädling wird von innen aufgefressen.
Die verfrühte Erfolgsmeldung
Im Januar 2005 wurden tausende dieser Wespen im Dom ausgesetzt. Bereits im März meldete das Bistum euphorisch einen „revolutionären Erfolg“.
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In ausgelegten Probehölzern waren 98 % der Holzwurmlarven abgetötet worden.
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Die Medien feierten die Methode als den neuen Standard im Holzschutz.
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Das Argument: Die Wespe findet den Holzwurm durch ihren Geruchssinn, egal wie tief er bohrt.
Doch diese Schlussfolgerung war ein Trugschluss, wie sich im Jahr darauf zeigen sollte.
Die Ernüchterung: Warum die Lagererzwespe scheiterte
Schon 2006, nur ein Jahr später, tauchten neue, frische Bohrmehlhäufchen am Altar auf. Der Wurm fraß weiter. Die Verantwortlichen mussten kleinlaut zugeben: Die biologische Waffe hatte versagt. Der Altar musste schlussendlich doch für sechs Wochen mit Stickstoff begast werden, um die Zerstörung zu stoppen.
Warum hat es nicht funktioniert? Wissenschaftler wie Prof. Johannes Steidle (Universität Hohenheim) und Dr. Uwe Noldt (Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft) lieferten die Erklärung, die im Hype untergegangen war:
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Falscher Einsatzort: Die Lagererzwespe ist – wie der Name sagt – auf Vorratsschädlinge (z.B. im Kornspeicher) spezialisiert. Sie findet Larven, die in Samen oder lockeren Substraten sitzen.
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Die Barriere: Holzwürmer leben tief im Holz. Ihre Gänge sind fest mit Bohrmehl und Kot verstopft. Für die Lagererzwespe ist diese Barriere oft unüberwindbar. Sie kommt schlichtweg nicht an die Larve heran, um sie zu parasitieren.
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Labor vs. Realität: Die anfänglichen Erfolge in den „Probehölzern“ waren vermutlich irreführend, da die Bedingungen dort für die Wespen günstiger waren als im massiven, alten Holz des Altars.
Blick auf die Fakten: Der Unterschied macht’s
Ein Blick auf die wissenschaftlichen Daten (siehe auch die Tabelle zur biologischen Schädlingsbekämpfung oben) zeigt den entscheidenden Unterschied. Es gibt für jeden Schädling den passenden Nützling – man darf sie nur nicht verwechseln.
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Lagererzwespe (Lariophagus distinguendus): Ideal gegen Vorratsschädlinge wie die Mehlmotte oder den Kornkäfer.
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Holzwurm-Brackwespe (Spathius exarator): Dies ist der eigentliche natürliche Feind von Holzschädlingen wie dem Nagekäfer.
Hätte man in Erfurt auf die spezifischen Holz-Parasitoide gesetzt, wären die Chancen vielleicht besser gewesen. Doch auch hier gibt es Haken.
Gibt es funktionierende biologische Alternativen?
Ja, aber sie sind komplex. Wie aktuelle Berichte (z.B. aus der Klosterkirche Fürstenfeldbruck) zeigen, ist eine biologische Bekämpfung möglich, erfordert aber einen enormen Aufwand:
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Der richtige Nützling: Es müssen spezialisierte Schlupfwespen (wie Spathius exarator) verwendet werden, die in der Lage sind, durch das Holz zu stechen.
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Dauer: Anders als Gift, das sofort wirkt, ist dies ein Langzeitprojekt. Experten sprechen von 12 bis 16 Behandlungen über 3 bis 4 Jahre hinweg.
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Klima: Die Nützlinge brauchen bestimmte Temperaturen (oft über 20°C), um aktiv zu sein – in kalten Kirchen oder auf zugigen Dachböden oft ein Problem.
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Kosten: Durch das ständige Monitoring und die Zucht der Nützlinge ist diese Methode sehr kostspielig.
Für den Privatanwender, der „einfach nur den Holzwurm im Stuhl loswerden“ will, ist die Zucht und der jahrelange Einsatz von Schlupfwespen meist nicht praktikabel.
Fazit: Was Sie für Ihr Zuhause lernen können
Der Fall Erfurt lehrt uns: Biologie ist mächtig, aber kein Allheilmittel für jede Situation. Die Lagererzwespe ist fantastisch gegen Motten in der Speisekammer, aber nutzlos gegen Würmer tief im Gebälk.
Wenn Sie Holzwürmer in Möbeln oder im Dachstuhl haben, sollten Sie auf bewährte Methoden setzen, die das Problem zuverlässig lösen, bevor die Statik gefährdet ist.
Unsere Empfehlung von Silberkraft: Setzen Sie auf Verfahren, die physikalisch oder durch bewährte Wirkstoffe den Zyklus des Holzwurms sofort unterbrechen.
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Kleinere Gegenstände: Diese können oft durch Hitze (Sauna) oder Kälte (Tiefkühltruhe) behandelt werden – ganz ohne Chemie.
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Dachstühle und Möbel: Hier hilft unser Silberkraft Holzwurm-Ex. Es dringt in das Holz ein und bekämpft den Schädling effektiv, damit Sie nicht – wie das Bistum Erfurt – nach einem Jahr feststellen müssen, dass der Wurm immer noch drin ist.
Möchten Sie sichergehen, ob Sie einen aktiven Befall haben? Achten Sie auf helles Bohrmehl. Wenn Sie unsicher sind, machen Sie den "Markierungstest": Kleben Sie Papier unter die betroffenen Stellen. Finden Sie nach einigen Tagen frisches Mehl darauf, müssen Sie handeln.
Quellen: Süddeutsche Zeitung (2006), Deutschlandfunk (2005), Sonntagsblatt (2022), Bistum Erfurt.
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